Biographien

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Kurzbiogramm – Beaumarchais 

Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais; * 24.1.1732 Paris; + 17./18.5.1799 ebda. 

Schriftsteller 

Pierre Augustin Caron wird am 24. Januar 1732 in Paris als Sohn des Uhrmachers André –Charles Caron und der Louise-Nicole Pichon geboren. Nach dem Besuch der École de metier in Alfort und der erfolgreichen Absolvierung einer Uhrmacherlehre erfindet er im Alter von 21 Jahren einen neuen Hemmungsmechanismus, den er 1753 dem Hofuhrmacher Lepaute vorführt. Dieser beansprucht die Erfindung Carons für sich, worauf sich Caron an die Académie Royale des Sciences wendet, die 1754 den Streit zu seinen Gunsten entscheidet.  

Der Hof wird auf den ehrgeizigen jungen Mann aufmerksam, und Caron, der eine Uhr an Madame de Pompadour (1721-1764) verkauft, wird Ludwig XV. (1710-1774) vorgestellt. Von 1760 bis 1764 unterrichtet er „Mesdames“ Adélaïde, Victoire, Sophie und Louise, die Töchter Ludwigs XV., als Harfenlehrer. Zugleich entwickelt er für die Harfe ein Pedalsystem. Am Hof macht Beaumarchais auch die Bekanntschaft Joseph Pâris-Duverneys (1684-1770), des engsten Vertrauten der Madame de Pompadour, dessen Protektion eine wesentliche Grundlage für Beaumarchais´ späteren Reichtum bildet; 1761 erwirbt er den Adelsbrief und wird nobilitiert. 

Die Verbindung zum Hof bleibt in den 1770er Jahren weiter bestehen. So betätigt sich Beaumarchais als Diplomat und weilt in geheimer Mission auf Geheiß Ludwigs XV. und Ludwigs XVI. (1754-1793) in London. Dort gelingt es ihm, die „Mémoires secrets d´une femme publique“, in denen der Publizist Charles Thevenau de Morande die Mätresse Ludwigs XV., Madame Du Barry (1743-1793), angreift, an sich zu bringen und zu vernichten. Die Jagd auf ein gegen Königin Marie Antoinette (1755-1793) gerichtetes Pamphlet führt Beaumarchais nach London, Holland und Wien, wo er als verdächtige Person für einige Tage inhaftiert wird. In London verhandelt er 1775 und 1776 mit dem Chevalier d´Éon (1728-1810) über die Rückgabe von dessen geheimer Korrespondenz mit Ludwig XV.  

Zwei Heiraten erleichtern dem attraktiven, technisch und musisch interessierten und geistreichen Caron den gesellschaftlichen Aufstieg. Die 1756 geschlossene erste Ehe mit Madeleine-Catherine Aubertin, der Witwe des „contrôleur clerc d´office“ Francquet, endet mit dem frühen Tod von Carons Gemahlin. Dieser nennt sich 1757 nach einem Gut seiner Gattin Beaumarchais. Auch der 1768 geschlossenen Ehe mit Geneviève-Madeleine Wattebled (1731-1770), der reichen Witwe des „garde général des Menus-Plaisirs“ Lévêque, des Verwalters der königlichen Garderobe, ist keine lange Dauer beschieden, da Beaumarchais bereits 1770 Witwer wird. Beaumarchais gerät in den Verdacht, seine Ehefrauen vergiftet zu haben.  

Einen Stimmungsumschwung zugunsten des in Bedrängnis geratenen Aufsteigers bewirkt die Veröffentlichung seiner pointierten und geistreichen „Mémoires“ (1773/74), die sich gegen Goëzmann, einen Vertreter des allgemein unbeliebten Pariser Parlaments richten: Goëzmanns Frau, die sich gegen Bezahlung für Beaumarchais bei ihrem Gatten im Streit um die Erbschaft Paris-Duverneys verwenden soll, hat Beaumarchais die vereinbarte vollständige Rückzahlung der Bestechungsgelder verweigert, obwohl Goëzmann als „rapporteur“ im Prozess gegen Beaumarchais Stellung bezogen hat. In diesem Zusammenhang fällt auch eine Äußerung Beaumarchais´, die ihm später den Ehrentitel des „premier citoyen français“ einbringen wird: „Je suis un citoyen, c´est-à-dire je ne suis ni un courtisan, ni un abbé, ni un gentilhomme, ni un financier, ni un favori, ni rien de ce qu´on appelle puissance aujourd´hui. Je suis un citoyen, c´est-à-dire quelque chose de tout nouveau […].“  

Obwohl Beaumarchais den Prozess verliert und „au blâme“ erklärt wird, d.h. seine Ehre verliert, steht die Öffentlichkeit auf seiner Seite; nach zwei Jahren wird er rehabilitiert. Der dritten Ehe mit seiner langjährigen Geliebten Marie-Thérèse de Willers-Mawlaz, die er am 20. Februar 1786 eingeht, ist hingegen längere Dauer beschieden. 

Bereits in den sechziger Jahren geht Beaumarchais seinen literarischen Neigungen nach, welche die Möglichkeit zur Verarbeitung der eigenen Biographie bieten. So reist er im April 1764 nach Spanien, wo er ein Jahr bleibt. Dort versucht er vergeblich, den Schriftsteller José Clavijo y Fajardo (1726-1806) zur versprochenen Heirat mit seiner Schwester Marie-Louise (Lisette) zu bewegen, ein Stoff, den Goethe 1774 in seinem Drama Clavigo verarbeitet. Beaumarchais selbst inspiriert dies zu der 1767 in Prosa verfassten Tragikkomödie „Eugénie“. Das an den poetologischen Maßgaben Denis Diderots (1713-1784) orientierte Drama, das die Wandlung eines Grandseigneurs zeigt, der ein junges Mädchen mittels einer fingierten Hochzeitsfeier verführt und schließlich auf die intendierte Heirat mit einer reichen Erbin verzichtet, ist reich an romanhaften Elementen, die in einer unwahrscheinlichen Häufung auftreten.  

In der Folgezeit orientiert sich Caron zunehmend an der älteren Intrigenkomödie, die das ideale Medium seiner politischen und sozialen Polemik darstellt. Die wichtigsten Stücke sind „La Précaution inutile ou le barbier de Séville“ und „La folle journée ou le mariage de Figaro“. Die Aufführung einer überarbeiteten Fassung des „Barbier de Séville“ am 23. Februar 1775 wird zu einem triumphalen Erfolg, nachdem die Premiere der Urfassung aufgrund dramaturgischer Schwächen der Schlussszene durchgefallen ist. Auch bei Hofe stößt das Stück auf positive Resonanz; so übernimmt Marie Antoinette 1785 die Rolle der Rosine. Am 3. Juli 1777 gründet Beaumarchais die „Société des Auteurs“ und ruft 1778 die „Société typograpique et littéraire“ ins Leben, deren Ziel der Druck einer Gesamtausgabe der Werke Voltaires (1694-1778) darstellt.  

Schwieriger gestaltet sich der Weg der „Mariage de Figaro“ auf die Bühne. Das Stück, das bereits 1778 vollendet und einer breiteren Öffentlichkeit durch zahlreiche Privatlesungen, die vor allem im Hause des Comte de Vaudreuil stattfinden, bekannt ist, stößt auf die anfängliche Ablehnung der Zensur und des Königs, der 1783 die Uraufführung kurzfristig verbietet. Am 27. April 1784 wird „Le mariage de Figaro“ in der Comédie Française aufgeführt und vom Publikum begeistert aufgenommen. Doch macht sich Beaumarchais hierdurch auch Feinde, so den Comte de Provence (1755-1824). Ein von Beaumarchais verfasstes Pamphlet, in dem dieser sich triumphierend über seine Gegner äußert, führt dazu, dass er auf Veranlassung des Königs am 8. März 1785 verhaftet wird. Freilich kann Beaumarchais das Gefängnis von St. Lazare bereits nach fünf Tagen am 13. März wieder verlassen. Mit dem dritten Stück des Figaro-Zyklus, der am 26. Juni 1792 uraufgeführten „La Mère coupable“, vermag Beaumarchais nicht mehr an seine vorherigen Erfolge anzuknüpfen und erzielt nur einen Achtungserfolg.  

Die Wandlungsfähigkeit Beaumarchais´ belegen die zwei Fassungen der am 20. August 1787 erstmals aufgeführten „politischen“ Oper „Tarare“, deren Libretto von Antonio Salieri (1750-1825) vertont wird. Während der Titelheld 1787 den Typus des tugendhaften absolutistischen Königs verkörpert, ist er 1790 als konstitutioneller Monarch gezeichnet. Seiner Zeit voraus ist Beaumarchais mit der Darstellung einer Scheidung, die erst 1792 in Frankreich legalisiert wird, und der Hochzeit von Priestern. Ursprünglich für das Föderationsfest vom 14. Juli 1790 bestimmt, kann die vom Comité de l´Opéra in Auftrag gegebene Neufassung des „Tarare“ erst am 3. August 1790 aufgeführt werden und führt zu tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen Royalisten und Patrioten. Die Anpassungsfähigkeit der Oper zeigt sich bei späteren Aufführungen in den Jahren 1795, 1802 und 1819, wo den jeweils Herrschenden gehuldigt wird.  

Neben seinem literarischen Engagement geht Beaumarchais zahlreiche spekulative Geschäfte ein, die ihm ein großes Vermögen einbringen, zum Teil aber auch missglücken. So gründet er mit Unterstützung der französischen Regierung 1776 das Handelshaus Rodrigue Hortalez et Cie, das die amerikanischen Aufständischen mit Waffen und Munition versorgt. Beaumarchais´ Reichtum manifestiert sich in seinem luxuriösen Stadthaus, das er von 1787 bis 1789 in der Nähe der Bastille errichten lässt. Aus Sorge um seinen Stadtpalast fordert er 1789 nach dem Sturm auf die Bastille für sich die Leitung der Abbruchsarbeiten, um eine Beschädigung der benachbarten Häuser zu verhindern. 

Die Beurteilung der Person Beaumarchais´ in der Öffentlichkeit unterliegt deutlichen Schwankungen. So endet 1786 eine Kontroverse mit Mirabeau (1749-1791), die sich um die „Compagnie des Eaux“ entspinnt, die Paris mit Trinkwasser versorgen soll, mit einem Sieg Mirabeus. Beaumarchais verliert auch durch sein Engagement im Prozeß Kornmann (1787-1789) an Popularität. Der gleichnamige Bankier hatte seine Ehefrau wegen eines Fehltritts einsperren lassen. Obwohl Beaumarchais, der die Verteidigung Madame Kornmanns übernomen hat, den Prozess gewinnt, richtet sich die öffentliche Meinung gegen ihn. 

Der Ausbruch der Französischen Revolution, an deren geistigen Vorbereitung Beaumarchais selbst mitgewirkt hat, bleibt für diesen zunächst ohne größere Folgen. Eine letzte Transaktion, die Beaumarchais im Auftrag der Revolutionsregierung durchführen soll, dreht sich um die Beschaffung von 60 000 Gewehren in Holland. Auf das Gerücht hin, Beaumarchais habe die Waffen in seinem Hause versteckt, wird es im August 1792 durchsucht. Obwohl die Hausdurchsuchung ohne Ergebnis bleibt, da die Polizei nur mehrere tausend Bände der von 1783 bis 1790 gedruckten, 70 Bände umfassenden Voltaire-Ausgabe entdeckt, wird Beaumarchais in der Abbaye am 23. August 1792 für eine Woche inhaftiert. Eine Intervention Manuels (1751/53-1793), des „procureur de la Commune de Paris“, bewirkt seine Freilassung am 30. August und rettet ihn vor den Septembermorden. Beaumarchais reist erneut nach Holland, um die gewünschten Gewehre zu beschaffen, und hält sich anschließend in dieser Angelegenheit in London auf. Daraufhin wird er im Juli 1794 auf die Liste der Emigranten gesetzt, während seine Frau, seine Tochter und seine Schwester in Paris inhaftiert sind. Erst am 5. Juli 1796 kann Beaumarchais nach Paris zurückkehren, nachdem er zuvor in Paris in ärmlichen Verhältnissen gelebt hat. In der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1799 stirbt er in seinem Bett an einem Schlaganfall. 

Literatur 

Henri Azeau: Complot pour l´Amérique 1775-1778. Le rêve américain de Beaumarchais. Paris 1990. 

Tilly Bergner: Der unbekannte Beaumarchais. Ein Leben in Streiflichtern. Berlin 1990. 

Manfred Flügge: Figaros Schicksal. Das Leben des Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais. München 2001. 

Violaine Géraud: Beaumarchais, l´aventure d´une écriture. Paris 1999. 

Maurice Lever: Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais. L´irrésistible ascension 1732-1774. 1999. 

C. de Man: Beaumarchais, espion du roi 1732-1799. Le théâtre hermétique. Villeselve 1997. 

Philip Robinson (Hg.): Beaumarchais: Homme de lettres, homme de société. Oxford u.a. 2000. 

Quellen 

Oeuvres complètes de Beaumarchais / précédées d'une notice sur sa vie et ses ouvrages par M. Saint-Marc Girardin

Mémoire / de Pierre-Auguste Caron de Beaumarchaisen réponse au Libelle diffamatoire signé Guillaume Kornmann

Pétition à l'Assemblée nationale : contre l'usurpation des propriétés des auteurs, par les directeurs de spectacles / par Pierre-Auguste Caron Beaumarchais

Mémoires de Beaumarchais . Tome premier

Mémoires de Beaumarchais . Tome troisième

Mémoires de Beaumarchais . Tome quatrième

Mémoires de Beaumarchais . Tome cinquième

Une petite gerbe de billets inédits / Beaumarchais, sa femme, Mme Campan... [et al.] ; [éd.] par Ph. Tamizey de Larroque

La folle journée, ou Le mariage de Figaro : comédie en 5 actes, en prose / par M. de Beaumarchais ; représentée pour la première fois par les comédiens français ordinaires du Roi, le mardi 27 avril 1784

Mémoires contre M. Goëzman / par M. de Beaumarchais

Théâtre / Beaumarchais ; [texte établi par Jean-Pierre de Beaumarchais]

 

Stefan W. Römmelt 

Empfohlene Zitierweise

Beaumarchais, P.-A. , in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/451/

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Erstellt: 22.12.2005

Zuletzt geändert: 22.12.2005