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Einführung 

Ein Jubiläum – aber wann? 

Im Zuge der Kaiserwahl Leopolds I. am 18. Juli 1658 wurde knapp vier Wochen später der so genannte „Rheinbund“ (Ligue du Rhin, Rhenish Alliance) geschlossen, der dann, nach Abschluss der gleichnamigen napoleonischen Allianz, häufig auch als „Erster Rheinbund“ bezeichnet wurde. Die Beantwortung der einfachen Frage wann und wer diese Allianz geschlossen hat, ist nicht leicht. Daher blicken wir in die Quellen: 

Das eigentliche Vertragsinstrument wurde am 14.8.1658 in Frankfurt am Main, der französische Beitritt am 15.8.1658 in Mainz ausgestellt. Als Vertragspartner des Frankfurter Rezess’ sind dort genannt die Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln, der Bischof von Münster, der Herzog von Pfalz-Neuburg, der König von Schweden als Herzog für Bremen und Verden, die drei Braunschweiger Herzöge der Häuser Wolfenbüttel, Celle und Calenberg sowie schließlich der Landgraf von Hessen-Kassel. Im Falle des Mainzer Erweiterungsvertrags kommt noch Frankreich hinzu.

Unterhändlerberichte bezeugen, dass beide Verträge jeweils erst einen Tag später unterschrieben wurden, allerdings weder von Trierer Seite, die nicht einmal einen Unterhändler geschickt hatte, noch von Münster, das den Pfalz-Neuburger Unterhändler Franz von Gise mit der Unterschrift beauftragt hatte, unter der Voraussetzung, dass Schweden nicht beitreten würde, was einer Absage gleichkam. Zudem verweigerten anfänglich auch die hessischen Bevollmächtigten den Vollzug des Vertrags, unterzeichneten aber schließlich doch nach Klärung ihrer Einwände in der Zeit vom 21. bis 25.8.1658 die verschiedenen Ausfertigungen des Rheinbundvertrags und des französischen Beitritts an unterschiedlichen Orten. 

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass das 350-jährige Jubiläum des Rheinbundes über einen Zeitraum von drei, wenn nicht sogar zehn Tagen zu begehen und am 14. August 2008 einzuläuten ist.  

 

Ziel des Bündisses 

Unter Berufung auf den Westfälischen Frieden von 1648 war es das Ziel des zu „keines Menschen Offension“ geschlossenen Bündnisses, den Frieden im Reich herzustellen bzw. zu sichern und die „teutsche Freÿheit“ zu erhalten. Denn angesichts der Wahl des Habsburgers Leopold zum Kaiser sowie des immer noch währenden Krieges zwischen Frankreich und dem ebenfalls von Habsburg regierten Spanien bestand die reale Gefahr der Ausweitung des Konflikts durch die Parteinahme Österreichs. Zudem befürchteten die Vertragspartner, dass Leopold I. als Mitglied einer der mächtigsten Dynastien in Europa weniger im Interesse des Heiligen Römischen Reichs als im Interesse seines eigenen Hauses handeln und im Zuge dessen die Freiheit der Fürsten beschneiden könnte.

Neben den im Vertrag formulierten Zielen hatten allerdings die Fürsten zum Teil ihre ganz persönlichen Motive den Rheinbund abzuschließen, welchem – und das ist das besondere – katholische wie protestantische Herrschaften gleichermaßen angehörten und dem auch noch weitere Bündnispartner beitreten sollten. Was waren die Motive, Ziele und Hintergründe der handelnden Personen? Wer waren sie und unter welchen Umständen lebten sie? Antworten hierauf versucht die virtuelle Ausstellung mit ihren über zwanzig Biographien zu geben, in denen die Akteure vorgestellt werden. Auf diese Weise wird der zehn Jahre währende Rheinbund in einen größeren zeitlichen, aber auch politischen Zusammenhang gestellt.  

 

Rezeptionsgeschichte und Forschung  

Immer wieder wurde der Rheinbund in seiner 350-jährigen Geschichte neu thematisiert und entsprechend der jeweiligen Zeit kontextualisiert und interpretiert. Konjunktur hatte er meistens dann, wenn es um die deutsch-französischen Beziehungen ging oder um den Aufbau einer neuen politischen Grundordnung: Also 1806 zur Zeit des napoleonischen Rheinbundes, um 1815 zur Zeit des Wiener Kongresses, nach der deutschen Reichseinigung 1870/71, nach dem 1. Weltkrieg, in der Weimarer Republik oder auch nach dem 2. Weltkrieg.  

Obwohl es dementsprechend eine ganze Reihe von Studien zum Rheinbund gibt, man denke an die von Erich Joachim (1886), Alfred Francis Pribram (1887), Theodor Bitterauf (1905) und vor allem an die von Karl Otmar Freiherr von Aretin (1986/93), musste noch kürzlich Lothar Gall beklagen, dass es an einer umfassenden Edition der Akten des Rheinbundes von 1658 mangelt. [Gall, S. 84]. Dieses Desiderat wird auch trotz des Rheinbundportals und der Neuedition der Vertragsinstrumente vom 14. und 15. 8. 1658 bestehen bleiben, doch wurde zumindest ein Anfang gemacht...

 

Verfasser: Martin Peters, Peter Seelmann 

 

Literatur: 

Joachim, Erich: Die Entwickelung des Rheinbundes vom Jahre 1658. Acht Jahre reichsständischer Politik. 1651-1658, Leipzig 1886.

Pribram, Alfred Francis: Ein Beitrag zur Geschichte des Rheinbundes von 1658, Wien 1888.

Bitterauf, Theodor: Die Gründung des Rheinbundes und der Untergang des alten Reiches, München 1905.

Aretin, Karl Otmar Freiherr von:: Das Alte Reich, 1648-1806, Bd. 1: Föderalistische oder hierarchische Ordnung (1648-1684), Stuttgart 1993.

Ders.:Das Reich. Friedensordnung und europäisches Gleichgewicht 1648-1806, Stuttgart 1992 [nach der Ausgabe 1986].

Gall, Lothar: Quelleneditionen zur Geschichte des 19. Jahrhunderts, in: Lothar Gall und Rudolf Schieffer (Hg.): Quelleneditionen und kein Ende, HZ Beiheft 28 (1999), S. 84.

 

Empfohlene Zitierweise

Martin Peters / Peter Seelmann: Einführung. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/6061/

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Erstellt: 13.08.2008

Zuletzt geändert: 09.10.2014