Die Vorgeschichte des ersten Rheinbundes von 1658

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Anuschka Tischer 

Die Vorgeschichte des ersten Rheinbundes von 1658 

 

1. Friedlosigkeit im Frieden – die Ausgangssituation des Rheinbundes [1]

Als am 24. Oktober 1648 der Westfälische Frieden geschlossen wurde, bedeutete dies für viele Reichsstände und ihre Untertanen nicht bereits das Ende aller Kriegshandlungen: [2] Zur Friedensexekution, also der Konkretisierung der Umsetzung zahlreicher Vertragsbestimmungen, wurde zunächst in Nürnberg 1649/50 nochmals ein eigener Kongress abgehalten. [3] Die verschiedenen Restitutionen und die endgültige Demobilmachung zogen sich folglich noch weit darüber hinaus, so dass es von der Unterschrift des Friedens bis zu seinem Einzug in den Alltag aller Betroffenen ein langer Weg war. [4] Nach 30 Jahren Krieg musste das Heilige Römische Reich wieder zu einem funktionierenden Miteinander zurückfinden. Der erste Reichstag nach dem Westfälischen Frieden, der mit Verspätung 1653/54 in Regensburg stattfand, leistete dazu einen Beitrag. [5] Er bekräftigte den Westfälischen Frieden nochmals auf Reichsebene: Der Friede wurde Reichsgrundgesetz und blieb es bis zur Auflösung des Alten Reiches 1806. Darüber hinaus reformierte der Regensburger Reichstag das Reichskammergericht und wandte sich auch der Frage der inneren und äußeren Verteidigungsfähigkeit des Reiches zu. Die Kreisverfassung wurde wieder errichtet. Wie schon bei früheren Versuchen scheiterte allerdings jeder Anlauf, eine Defensionsordnung auf Reichsebene zu schaffen. [6] Auch der schon im Folgejahr zusammengetretene Reichsdeputationstag, der sich über acht Jahre der Ordnung und Neuordnung des Reiches widmete, blieb in diesem Punkt ohne Ergebnis. [7] Obwohl sich das Reich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts als durchaus noch in der Lage erweisen sollte, veritable Reichskriege zu führen, [8] führte das Scheitern einer Reichsdefensionsordnung jedoch zwangsläufig zu ständischer Selbsthilfe, langfristig vor allem durch die Herausbildung armierter Stände, welche den Schutz kleinerer mit übernahmen.

In den 1650er Jahren war die Frage des Selbstschutzes bei Versagen einer Reichsdefension für viele Stände jedoch eine ganz akute, welche sie nach schnellen Lösungen suchen ließ, denn auch nach der Friedensexekution gingen, wie es der 1658 geschlossene Rheinbund prägnant formulierte, dem Krieg anhangende thaedtligkeiten und insolentien weiter: [9] Frankreich und Spanien führten nach wie vor Krieg gegeneinander, wovon der Burgundische Kreis [10] betroffen war ebenso wie Lothringen, das zwar nicht mehr zum Reichsverband gehörte, demgegenüber das Reich aber nach wie vor eine Schutzfunktion besaß und dessen Herzog, der von Frankreich vertriebene Karl IV., ein Verbündeter und Heerführer Spaniens, zudem für einige kleinere Besitzungen Reichsvasall war. [11] Zwar betrachteten die Reichsstände die Konflikte Spaniens und Lothringens keineswegs als Reichsangelegenheiten, und der Burgundische Kreis und Lothringen wurden im Westfälischen Friedensvertrag ausdrücklich außen vor gelassen. [12] Aber schon angesichts der Grenzlage, teilweise sogar territorialer Verflechtung, griffen die militärischen Aktivitäten immer wieder auf Reichsterritorium über und bedrohten insbesondere die drei geistlichen Kurfürstentümer am Rhein: Mainz, Köln und Trier. Zunächst hielten die spanischen Truppen zudem noch Festungen im Reich außerhalb des Burgundischen Kreises in Händen. Aus Clerval, Jülich und Passavant zogen sie sich nach entsprechenden Forderungen 1650 zurück. Schwieriger gestaltete sich die Restitution des kurpfälzischen Frankenthal, das Spanien erst nach zähen Verhandlungen 1652 räumte und dafür eine entsprechende Entschädigung aushandelte, welche unter anderem die Mediatisierung der burgundischen Reichsstadt Besançon umfasste. [13]

Mit der Räumung der Festungen im Reichsgebiet zeigte Spanien, wenn auch teilweise etwas mühsam nicht ohne Gegenleistung, politisch guten Willen. Dennoch blieb der fortdauernde französisch-spanische Krieg, der erst im Pyrenäenfrieden 1659 sein Ende finden sollte, ein drohender Schatten über dem Westfälischen Frieden, nicht zuletzt deshalb, weil Spanien seine halb-autonomen Heerführer, den Herzog von Lothringen ebenso wie den aus Frankreich geflüchteten Frondeur Condé, nicht immer unter Kontrolle hatte. Spanische Truppen griffen mithin immer wieder auf das Reich über. Zum schwersten Zwischenfall kam es 1653, als Einheiten Karls von Lothringen das im Besitz des Kurfürsten von Köln befindliche Stift Lüttich überfielen. Neben dem kurrheinischen Kreis wurden auch andere Stände militärisch aktiv, und ein Reichsgutachten sprach sich für die Unterstützung des angegriffenen Gebiets aus. Zu einem effektiven Eingreifen des Reiches aber kam es nicht, da Ferdinand III. sich zu keiner klaren Position gegen Spanien entschließen konnte. Es waren französische Truppen, die im Februar 1654 die lothringischen aus Lüttich vertrieben. Die Situation entspannte sich, weil Spanien zwischenzeitlich seinen militärisch wie politisch unkontrollierbaren Verbündeten Karl von Lothringen inhaftiert hatte. Der zwischen Spanien und dem Kurfürsten von Köln geschlossene Vertrag von Tirlemont (Tienen), dem Frankreich beitrat, beendete den Lütticher Konflikt. [14] Die grundsätzliche Bedrohung durch den französisch-spanischen Krieg aber blieb, und gerade die Ereignisse in Lüttich machten deutlich, dass die Reichsstände von Ferdinand III. kaum Hilfe gegen spanische Übergriffe zu erwarten hatten.

Schlimmstenfalls mussten sie sogar fürchten, vom Kaiser in den französisch-habsburgischen Konflikt erneut hineingezogen zu werden: [15] Frankreichs eigentliche Stoßrichtung galt der spanischen Linie mit Philipp IV., gegen den Ludwig XIII. 1635 den Krieg erklärt hatte. [16] Letztlich hatte sich diese Auseinandersetzung aber vom „deutschen Krieg“ nicht trennen lassen, so dass – trotz durchaus gegenteiliger Bemühungen auf beiden Seiten – Frankreich auch gegen den Kaiser Krieg führte. [17] Beim Westfälischen Friedenskongress hatten Frankreich und Spanien intensiv verhandelt, zu einem Frieden aber war es nicht gekommen. [18] Der von Kaiser und Reich mit Frankreich geschlossene Friedensvertrag von Münster schrieb dann zwar fest, dass der Kaiser seinen spanischen Verwandten weder in dem andauernden noch in einem zukünftigen Krieg unterstützen dürfe, [19] doch galt hier wie bei vielen entweder uneindeutigen oder fundamental neuen Bestimmungen des Westfälischen Friedens, dass ihre Anwendung sich erst in der Praxis bewähren musste und dass bei der Interpretation des Wortlauts die Vertragspartner ihre Grenzen ausloteten. So leugnete Ferdinand III. und nach ihm Leopold I. weder die Unterstützung für den König von Spanien in Mailand noch den Wechsel abgedankter kaiserlicher Truppen zur spanischen Armee im niederländischen Raum, sie interpretierten dies aber nicht als Bruch der 1648 eingegangenen Verpflichtungen. Nicht nur Frankreich, auch die Reichsstände sahen dies anders. [20] Ferdinand III. war sich zwar durchaus klar, dass er einen offenen Bruch des Westfälischen Friedens nicht riskieren konnte und machte dies Spanien gegenüber deutlich. [21] Erst die Wahl von 1658 aber gab den Kurfürsten die Gelegenheit, zehn Jahre nach dem Westfälischen Frieden Leopold I. als neuen Kaiser zu verpflichten, sich in bewaffnete Konflikte nur mit ihrer Zustimmung einzumischen. [22]

Neben dem französisch-spanischen Krieg war das Reich noch von anderen militärischen Konflikten entweder betroffen oder bedroht: So kam es 1651 zum sogenannten Düsseldorfer Kuhkrieg, einem erneuten Ausbruch des Jülich-Klevischen Erbfolgestreits zwischen dem katholischen Herzog von Pfalz-Neuburg und dem calvinistischen Kurfürsten von Brandenburg. Dieser 1609 entstandene Erbstreit, der ein Fanal für den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges gewesen war, war 1614 mit einer Teilung des Erbes beigelegt worden, welche sich für keinen der Kontrahenten als wirklich akzeptabel erweisen sollte, denn der auch konfessionell aufgeheizte Konflikt brach mehrmals auf, sogar noch während der laufenden Friedensverhandlungen in Westfalen 1647. Im Westfälischen Frieden wurde deshalb eine zukünftige Einigung auf dem Rechtsweg oder auf eine andere friedliche Weise ausdrücklich angemahnt. [23] Dennoch versuchte 1651 der Kurfürst von Brandenburg erneut, eine gewaltsame Revision der Erbteilung zu erreichen, stieß aber damit so kurz nach dem allgemeinen Friedensschluss auf klare Ablehnung bei seinen protestantischen Mit-Ständen ebenso wie bei den evangelischen Untertanen in den betroffenen Gebieten. Eine endgültige Regelung fanden die Kontrahenten erst 1666. Bis dahin blieb der Konflikt eine Gefahr für den Reichsfrieden, die 1656 nochmals hervortrat, als Brandenburg bei Ausbruch des Nordischen Kriegs vor allem in seinen westlichen Reichsgebieten Truppen rekrutierte und damit auch Pfalz-Neuburg erneut zur Rüstung veranlasste. [24]

Nicht nur im Westen, wo der Rheinbund sich schließlich formierte, sondern auch in anderen Reichsgebieten war die Friedenssicherung ein akutes Thema: Der Erste Vilmerger Krieg zwischen den katholischen und evangelischen Kantonen der Eidgenossenschaft 1656, der als Konfessionskrieg durchaus Potential für ein Übergreifen ins Reich bot, beschäftigte intensiv auch den Reichsdeputationstag. [25] Vor allem die schwedische Kriegspolitik gab im gesamten Reich ständigen Anlass zur Besorgnis: In einem Konflikt mit Bremen ging Schweden mit militärischen Mitteln vor und rüstete auch nach dessen Beilegung 1654 weiter. Durch den Ausbruch des (Ersten) Nordischen Krieges 1655 schließlich, in dem Schweden zunächst gegen Polen, dann auch gegen Dänemark stand, war der gesamte Niedersächsische Kreis, dem sowohl Schweden für Bremen und Verden als auch Dänemark für Holstein, angehörten, ebenso betroffen wie Brandenburg. [26]

Die allgemeine „Friedlosigkeit der Frühen Neuzeit“ [27] blieb mithin im Heiligen Römischen Reich auch nach dem Westfälischen Frieden bestehen. Die Reichsmitglieder standen vor der Aufgabe, den Frieden zu stabilisieren und zu erhalten. Sie hatten aber neben traditionellen Handlungsoptionen durch die Verträge von Münster und Osnabrück auch neue Instrumentarien dafür zur Verfügung.

2. Auf der Suche nach einem sicheren Frieden: Alte und neue Handlungsoptionen nach dem Westfälischen Frieden 

Das klassische Instrument zur Wahrung des inneren und äußeren Friedens stellte die in Regensburg 1654 bestätigte Reichskreisordnung dar, welche freilich für die vielfältigen Konfliktherde nicht ausreichte. Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg hatte es deshalb die, wenn auch kaum genutzte, Möglichkeit von Kreisassoziationen gegeben. Der Erzbischof von Mainz, Johann Philipp Schönborn, griff diese beim Nürnberger Exekutionstag wieder auf. Von Anfang an gab es warnende Stimmen, eine Bewaffnung der Reichskreise zum aktuellen Zeitpunkt könne für die Friedenswahrung eher kontraproduktiv sein. Im März 1651 kam es dann zu einer Assoziation zwischen dem Oberrheinischen und dem Kurrheinischen Kreis. Andere Kreise standen der Idee jedoch mit Misstrauen oder sogar Ablehnung gegenüber, so dass es zu weiteren Beitritten nicht kam. [28]

Zunächst einfacher zu realisieren als Kreisassoziationen waren Bündnisse einzelner Reichsstände. [29] Die Möglichkeit Bündnisse zu schließen, welche die Stände de facto seit jeher wahrgenommen hatten, stand ihnen seit dem Westfälischen Frieden nun auch de iure ausdrücklich pro sua cuiusque conservatione ac securitate zu. [30] Was sich später zu einer immer weitergehenden politischen Unabhängigkeit entwickeln sollte und mitunter auch fälschlich als eine Souveränitäts-Erklärung der Reichsstände durch den Westfälischen Frieden gedeutet wird, war in seiner vertraglichen Festlegung eine defensive Schutzklausel und wurde durchaus auch in der öffentlichen Diskussion, in der ebenfalls eine Auseinandersetzung mit den Inhalten des Westfälischen Friedens stattfand, so verstanden. [31] Das Bündnisrecht gab den Reichsständen streng genommen aber nicht nur das Recht, zu ihrer eigenen Sicherheit aktiv zu werden und sich zusammenzuschließen: Da die Reichsstände den Frieden mit unterzeichnet hatten, waren sie mit auf den Friedenserhalt verpflichtet und rückten „faktisch in den Garantenstatus“. [32] Bündnisse freilich gerieten leicht in den Ruch, eben nicht nur der Verteidigung, sondern einer bestimmten politischen Zielrichtung zu dienen: Bündnisse gegen Kaiser und Reich waren zwar untersagt, was aber wenn es eben der Kaiser war, dem die Friedensunterzeichner Frankreich und Schweden den Bruch des Westfälischen Friedens vorwarfen? Genau dies war der Fall angesichts der weiteren Unterstützung für die spanischen Habsburger und dann beim Eingreifen des künftigen Kaisers Leopold I. in den Nordischen Krieg. [33] Grundsätzlich musste der Kaiser bei allen von ihm unabhängigen Stände-Bündnissen eine Einschränkung seiner Politik fürchten und betrachtete sie mit entsprechendem Misstrauen. [34]

Doch auch aus einem anderen Grund waren die reichsständischen Bündnisse geeignet, Besorgnis zu wecken: So waren der im Februar 1652 geschlossene Hildesheimer Bund zwischen Schweden, den drei Braunschweigischen Linien und Hessen-Kassel und die – formal eng am Vorbild des Hildesheimer Bundes orientierte – Allianz zwischen den Kurfürsten von Köln und Trier, dem Bischof von Münster und Pfalz-Neuburg vom Dezember 1654 konfessionell getrennte Bündnisse, welche trotz der strengen Selbstverpflichtung als Schutzbündnisse eine ungute Erinnerung an die Frontbildung durch die Gründung der Protestantischen Union 1608 und der Katholischen Liga 1609 vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges wecken konnten. [35] Auch viele der bündniswilligen Reichsstände tendierten deshalb zu einem überkonfessionellen Bündnis, wobei freilich divergierende Interessen, die keineswegs nur konfessioneller Natur waren, immer wieder unterschiedlich angedachte Bündniskonstellationen verhinderten. [36]

Frankreich selbst hatte beim Friedensschluss 1648 großen Wert auf die Assekuration gelegt. Die Tatsache, dass man einen entsprechend sicheren Frieden wie den mit Kaiser und Reich mit Spanien nicht bekommen konnte, war mit ein Grund für das Scheitern dieser Verhandlungen: Da Frankreich und Spanien inhaltlich völlig konträre Vorstellungen von einer Friedensordnung hatten, hätte Spanien einen Vertrag nach französischen Vorstellungen nur unter entsprechendem Druck geschlossen. Sollte man aber einen Frieden schließen, den der Gegner unter für ihn günstigeren Bedingungen rasch wieder brechen konnte? Ein Friede ohne Garantie schien sinnlos. [37] Die Frage der Friedensassekuration war bereits zentral in den Konzeptionen der Politik Richelieus gewesen. [38] Von den umfassenden Liga-Plänen des Kardinals allerdings blieb in der französischen Politik in der Zeit des Westfälischen Friedenskongresses nichts mehr übrig: Sie trafen auf den Widerstand der kaiserlichen Seite, die argumentierte, dass man die Reichsstände, die selbst an einer solchen Liga auch kein Interesse zeigten, eben nicht gegen den Kaiser verpflichten könne. Die Ligapläne wurden auf dem Westfälischen Friedenskongress schließlich auch von Frankreich selbst verworfen: Die neue Führung unter Mazarin hielt die Garantie lieber in eigenen Händen als sie einem unkalkulierbaren ständischen Miteinander zu überlassen, auch war sie weniger an einem kollektiven Sicherheitssystem interessiert denn an einer Garantie der französischen Territorialerwerbungen. [39]

Entsprechend wenig griff denn auch zunächst die Garantie, welche Frankreich und Schweden mit dem Westfälischen Frieden übernommen hatten und die im Nürnberger Exekutionsrezess nochmals ausdrücklich bestätigt wurde: [40] Frankreich war durch den weiteren Krieg mit Spanien und bis 1652 auch ganz massiv durch die Aufstände der Fronde mit eigenen Problemen beschäftigt und brachte sich deshalb noch auf dem Regensburger Reichstag 1653/54 politisch kaum ein. Schweden war durch seinen neuen Status als Reichsstand für Bremen und Verden zwar anders als Frankreich mit dem Reich substantiell verflochten, doch die schwedische Reichspolitik war in ihrer Ausrichtung nach dem Westfälischen Frieden unentschlossen. Das französisch-schwedische Bündnis, welches den gemeinsamen Erfolg im Dreißigjährigen Krieg ausgemacht hatte, existierte in der Form nicht mehr. [41] Die Garantieklauseln des Westfälischen Friedens sollten in der späteren Reichspolitik Ludwigs XIV. zu einem Standardargument werden, [42] vor allem aber wurden sie auch zu einer den Frieden bis 1806 mit bewahrenden, stets präsenten Klammer: Noch im Siebenjährigen Krieg beriefen sich Frankreich und Schweden bei ihrem Eingreifen – diesmal auf der Seite des Kaisers – auf ihren Status als Garantiemächte. [43] Johann Jacob Moser verfasste daraufhin zehn Jahre später eine eigene Abhandlung über die Friedensgarantie und bezeichnete sie dabei als ein beträchtliches Stück unserer Teutschen Staats-Verfassung. [44] Als freilich die Garantie am dringlichsten war, nämlich unmittelbar nach dem Westfälischen Friedensschluss, hatte sie diesen Status noch nicht.

Es war jedoch im Interesse Frankreichs, sich der reichsständischen Belange anzunehmen: Frankreich verband mit den Reichsständen eine lange Protektions-Tradition, die zuletzt in der französischen Kriegserklärung gegen Spanien 1635 aus Anlass der Gefangennahme des unter französischer Protektion stehenden Kurfürsten von Trier ihren Ausdruck gefunden hatte. [45] Entsprechend irritiert waren Frankreichs Parteigänger, dass die französische Politik bis in die Mitte der 1650er Jahre und damit auch noch zu Beginn des Frankfurter Deputationstages, dem nächsten großen Forum der Reichspolitik, weitgehend absent war. [46] Nicht nur dem Kaiser, auch Frankreich musste aber eine zu eigenständige Bündnispolitik der Reichsstände suspekt sein: Zum einen, weil eine neue Blockbildung, wie sie sich mit der Hildesheimer Allianz 1652 und der Rheinischen Allianz 1654 abzeichnete, eher konfliktträchtig denn friedensstabilisierend wirkte. Zum anderen aber, weil für Frankreich Bündnisse, in die es nicht involviert war, ein Ende seiner traditionellen Zusammenarbeit mit einzelnen Reichsständen und damit auch ein Ende seiner einflussreichen Rolle in der Reichspolitik bedeuten konnte. Das vielleicht schlimmste Szenario wäre dabei wohl für Frankreich ein Zusammengehen der Reichsstände mit dem Kaiser gewesen. Diese Möglichkeit schien besonders von der Rheinischen Allianz auszugehen, von der einzelne Mitglieder allerdings eben eine solche Blockbildung wie zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges fürchteten und darum, stets vorsichtig zwischen dem Kaiser und Frankreich lavierend, die Nähe zu Frankreich durchaus suchten. [47] Doch aus der Perspektive Frankreichs barg die Reichspolitik noch eine andere bedenkliche Option: Schon auf dem Westfälischen Friedenskongress, als sich verschiedene Stände gegen die Interessen der verschiedenen politischen und konfessionellen Parteiungen stellten und auf Frieden drängten, hatte der französische Gesandte d’Avaux vor der Bildung einer „dritten Partei“ (tiers party) auch nach dem Krieg gewarnt, die sich gegen eine Einmischung fremder Mächte in die Reichspolitik richten konnte. [48] Tatsächlich zeigte sich das Kurfürstenkolleg 1658 als durchaus eigenständige politische Größe, als es im Mai 1658 mit einer öffentlichen Aufforderung, endlich den Krieg zu beenden, offenen Druck auf alle zu dem Zeitpunkt im Krieg befindlichen Parteien – und dies waren mittlerweile Frankreich, Spanien, Schweden, Polen sowie der Kaiser-Kandidat Leopold als König von Ungarn und Böhmen – ausübte. [49] Mit dem drei Monate später geschlossenen Rheinbund gelang es der französischen Politik allerdings, die Herausbildung einer starken dritten Partei abzuwenden und tatsächlich die französische Protektionspolitik im Reich nochmals zu einem letzten Höhepunkt zu bringen, bevor die Politik Ludwigs XIV. dieser lange erfolgreichen französischen Reichspolitik ein Ende bereitete und dadurch tatsächlich die Entstehung einer dritten Partei in den 1670er Jahren mit verursachte. [50]

3.    Die Entstehung des Rheinbundes

Als die französische Diplomatie sich 1656 wieder stärker dem Reich widmete, hatten die Reichsstände bereits verschiedene Anläufe genommen, die Wahrung des Westfälischen Friedens in die eigene Hand zu nehmen. Die Bündnispolitik sollte darunter das in die Zukunft weisende Mittel sein, und nachdem 1652 und 1654 entsprechende Bündnisse, die den Kern für den späteren Rheinbund darstellten, geschlossen worden waren, kam es quasi ständig zu Projekten und Verhandlungen über Neuauflagen, Modifikationen und Erweiterungen. [51] So hatte sich die Rheinische Allianz bereits 1655 neu formiert, nun auch mit dem Kurfürsten von Mainz, der zunächst eine Kreisassoziation favorisiert und sich dem Bündnis von 1654 aus Rücksicht gegenüber dem Kaiser noch nicht angeschlossen hatte. [52] Immer wieder kam es in der Folgezeit zu der Gefahr, dass sich das Bündnis tatsächlich hätte militärisch bewähren müssen, denn die Bündnistruppen trafen mehrmals mit spanischen Einheiten unter Condé aufeinander. [53] Letztlich verliefen die Aufeinandertreffen glimpflich, weil Condé sich immer wieder zurückzog – vielleicht ein Indiz dafür, dass die demonstrative Wirkung der militärisch eher bescheidenen Einheiten der Reichsstände durchaus den Zweck des Schutzes erfüllte.

Das Hauptproblem bei der Erweiterung oder Neu-Formierung eines ständischen Bündnisses war die Frage seiner Zusammensetzung, insbesondere wenn sowohl eine konfessionelle Blockbildung vermieden als auch das Misstrauen Frankreichs und Schwedens ausgeräumt werden sollten. Der Kurfürst von Mainz, der schon bei seinen Konzeptionen zu einer Kreisassoziation Schweden mit in den Blick genommen hatte, das sich freilich diesem Plan gegenüber 1651 ebenso skeptisch wie die meisten anderen Beteiligten verhielt, plädierte für ein überkonfessionelles Bündnis, also im Prinzip für einen Zusammenschluss der Hildesheimer Allianz und des Bündnisses von 1655. Auch das seit 1654 unabhängig von der Hildesheimer Allianz mit Braunschweig verbündete Brandenburg war nun als Beitrittskandidat im Gespräch. [54] Während der Papst aus konfessionellen Gründen ein Bündnis der drei geistlichen Kurfürsten und anderer geistlicher Stände mit Protestanten entschieden ablehnte, hatten die Kurfürsten von Köln und Trier sowie der Bischof von Münster, der zugleich mit den Generalstaaten über ein Bündnis verhandelte, noch andere Bedenken: Durch ein Bündnis mit Schweden drohten sie in den nächsten großen Krieg der Großmächte, den Nordischen Krieg, erst recht hineingezogen zu werden. Gegen eine Einbeziehung Brandenburgs sprachen die andauernden Spannungen mit Pfalz-Neuburg in der Frage der Jülich-Klevischen Erbfolge. [55] Tatsächlich allerdings sollte es schlussendlich die Gegnerschaft auch Schwedens und Brandenburgs im Nordischen Krieg sein, welche den Beitritt Brandenburgs zum Rheinbund verhinderte. [56] Zunächst aber kamen Verhandlungen ohne Schweden und Brandenburg gar nicht in Frage, schon weil die Braunschweiger als weitere wichtige protestantische Bündniskandidaten sich ohne diese beiden gar nicht erst auf Gespräche einließen. [57]

Nach längerer reichspolitischer Absenz ging dann Frankreich wieder in die diplomatische Offensive: [58] Zuerst wurde Antoine de Lumbres entsandt, der zunächst zum Kurfürsten von Brandenburg reiste, auf den Mazarin 1655 die reichspolitisch größten Hoffnungen setzte. [59] Lumbres eigentliches Ziel sollte dann der Frankfurter Deputationstag sein, der nach dem plötzlichen Tod des eben erst zum römischen König gewählten Ferdinand IV. 1654 auch zum Wahltag zu werden versprach. Seine Mission weiter nach Frankfurt trat Lumbres allerdings nie an, und als französischer Gesandter kam dort erst im Sommer 1656 Robert-Vincent de Gravel an. [60] Frankreich zielte in dieser Phase darauf, die Parteibildung, die sich durch die bereits geschlossenen Bündnisse abzeichnete zu überwinden. Der offenbar zuerst von brandenburgischer Seite an Frankreich herangetragenen Idee, eine große Liga unter anderem zwischen Köln, Braunschweig und Hessen-Kassel mit Frankreich zu bilden, stand Mazarin noch skeptisch gegenüber: zu schwer sei eine solche Liga zu bilden, zu schwerfällig auch in ihren militärischen Reaktionen, wenn nicht einer die Führung inne habe. Gerade das Versagen der ständischen Organisation in der Krise um Lüttich, die ja letztlich durch das Eingreifen französischer Truppen mit beendet worden war, schien der französischen Regierung wenig vielversprechend. Einem Bündnis mit Brandenburg war Mazarin dagegen nicht abgeneigt, doch wollte er Frankreich weder gegen Schweden noch gegen Pfalz-Neuburg vereinnahmen lassen. [61] Frankreichs Aufmerksamkeit galt daneben der Königswahl: Eine Wahl Erzherzog Leopolds sollte hinausgezögert, wenn möglich verhindert werden, Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg war der Kandidat, den Mazarin als geeignete Alternative ins Gespräch brachte. Ein Reichsoberhaupt, das nicht aus dem Hause Habsburg kam, wäre für die französischen Interessen die weitaus beste Absicherung gewesen. Allerdings, dies machte der Kardinal ausdrücklich klar, würde Frankreich noch eher ein Bündnis mit den Habsburgern eingehen als der Wahl eines Protestanten zum römischen König zuzusehen. [62]

Die Situation spitzte sich zu mit dem plötzlichen Tod Kaiser Ferdinands III. 1657. Insbesondere Johann Philipp Schönborn, der Kurfürst von Mainz und Reichserzkanzler, erwies sich in dieser Situation als ein geschickter Taktiker, der die nun aufeinanderprallenden Interessen zugunsten der Reichsstände auszubalancieren verstand. [63] Erzherzog Leopold, der nachmalige Kaiser Leopold I., war für die Stände wie für Frankreich ein unbequemer Kandidat: An der Seite Polens war er in den Krieg gegen Schweden verwickelt, weshalb er die Wahl von einer intensiven Publizistik zur Rechtfertigung seines militärischen Vorgehens begleiten ließ. Angesichts dieser Kriegsbeteiligung, wie der andauernden Unterstützung für Spanien, erhoben Frankreich wie Schweden unisono scharfe Vorwürfe über einen Bruch des Westfälischen Friedens. [64] Für Unruhe sorgten auch Leopolds Pläne, die spanische Infantin Maria Teresa zu ehelichen, die später mit dem Pyrenäenfrieden tatsächlich die Gattin Ludwigs XIV. werden sollte, zu diesem Zeitpunkt aber noch präsumtive Erbin der spanischen Krone war. [65] Die geistlichen Kurfürsten favorisierten in dieser Situation anstelle Leopolds, dessen Aktivitäten für die Sicherheit des Reiches bereits bedrohliche Ausmaße annahmen, die Wahl seines Onkels Leopold Wilhelm, des vormaligen Statthalters der Spanischen Niederlande, der sich jedoch für eine Kandidatur nicht zur Verfügung stellte. Für Frankreich war die Königswahl eine entscheidende politische Frage, und Mazarin entsandte nun nach Frankfurt den erfahrenen Außenpolitiker Hugues de Lionne , der gerade erst – allerdings vergeblich – geheime Verhandlungen in Madrid geführt hatte, sowie den hochrangigen Herzog von Gramont. Mazarin favorisierte eine Wahl des Kurfürsten von Bayern oder Pfalzgraf Philipp Wilhelm mit einer vagen Hoffnung, bei geschicktem Taktieren vielleicht sogar Ludwig XIV. als Kandidaten präsentieren zu können. Doch die Wahl eines Nicht-Habsburgers, die für Frankreich in jedem Fall einen großen Sieg bedeutet hätte, war im Kurfürstenkolleg nicht durchzusetzen. [66]

Leopold I. wurde schließlich am 1. August 1658 gewählt, aber durch eine strikte Wahlkapitulation gebunden, die ihm nach den im Westfälischen Frieden eingegangenen Verpflichtungen nochmals ausdrücklich die Beteiligung an auswärtigen Kriegen ohne Zustimmung des Reiches untersagte. [67] Während der gesamten Zeit waren die Verhandlungen über das reichsständische Bündnis weiter gegangen ohne zum Abschluss zu kommen. Nach der Wahl waren die Habsburger gestärkt, und es war höchste Zeit, das Projekt noch zu realisieren, sollte es sich nicht noch ganz zerschlagen. Von Seiten Frankreichs, wo man sehr auf die Möglichkeiten, welche die Wahl geboten hatte, gesetzt und die Nachteile eines ständischen Bündnisses unter Beteiligung Frankreichs lange gegen die Vorteile abgewogen hatte, bestand man nun auf einer Beteiligung Frankreichs und Schwedens als den doch eigentlichen Garanten des Westfälischen Friedens [68]- eine Option, welche Schönborn längst favorisierte, schon um Frankreich einen politischen Ausgleich für die erneute Wahl eines Habsburgers zu bieten. [69] Am 14. August 1658 kam es schließlich zum Bündnis zwischen Mainz, Köln, Trier, Pfalz-Neuburg, Braunschweig, Hessen-Kassel sowie Schweden für Bremen und Verden, das als Defensivbündnis und zum Schutz des Westfälischen Friedens geschlossen wurde und dem am folgenden Tag Frankreich beitrat. Erst später folgten Trier und Münster, das aus Bedenken gegen die Beteiligung des kriegführenden Schweden und aus Rücksicht gegenüber dem Kaiser zur Überraschung und Verärgerung aller anderen Bündnispartner seine Zustimmung verweigert hatte. [70]

In seiner Entstehung und seiner Begründung war der Rheinbund von 1658 quasi ein Folgevertrag des Westfälischen Friedens: Er widmete sich der weiteren Friedenssicherung, indem er das Instrumentarium der Friedensverträge in die Praxis umsetzte. In seiner endgültigen Form war er dabei, wie die diversen Verhandlungen und Projekte zeigen, keineswegs zwangsläufig. Das Bündnis hätte sich auch in anderer Konstellation und auch ohne Frankreich formieren können. Dabei war der Rheinbund im Prinzip das, was Richelieu zwei Jahrzehnte zuvor einmal als ideales System kollektiver Sicherheit projektiert hatte. Dass nun aber die Initiative von den Ständen ausging, dass Frankreich sogar lange zögerte, sich an diesem Bündnis zu beteiligen, zeigt, dass die französische Politik unter Mazarin schon eine andere Richtung eingeschlagen hatte. An der Politik Ludwigs XIV. sollte der Rheinbund dann zehn Jahre später endgültig scheitern und mit ihm, wie Karl Otmar von Aretin angemerkt hat, im übrigen auch der Versuch, das Reich von einem Lehensverband zu einem Bündnissystem umzuorganisieren. [71]

Anmerkungen

  • [1]

     Zur Geschichte des Rheinbundes Anton Schindling: Der erste Rheinbund und das Reich, in: Volker Press (Hg): Alternativen zur Reichsverfassung in der Frühen Neuzeit?, (=Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 23), München 1995, S. 123-129. Roman Schnur: Der Rheinbund von 1658 in der deutschen Verfassungsgeschichte (= Rheinisches Archiv 47), Bonn 1955. Margarete Hintereicher: Der Rheinbund von 1658 und die französische Reichspolitik in einer internen Darstellung des Versailler Außenministeriums des 18. Jahrhunderts, in: Francia (1985) 13, S. 247-270. Nach wie vor heranzuziehen ist auch die materialreiche Studie von Erich Joachim: Die Entwickelung des Rheinbundes vom Jahre 1658. Acht Jahre reichsständischer Politik. 1651-1658, Leipzig 1886. Unbrauchbar ist hingegen die einseitige und ohne Quellen- und Literaturbelege gearbeitete Abhandlung von Fritz Wagner: Frankreichs klassische Rheinpolitik. Der Rheinbund 1658, Berlin 1941. Insgesamt gilt nach wie vor die Feststellung von Klaus Peter Decker: Frankreich und die Reichsstände 1672-1675. Die Ansätze zur Bildung einer „Dritten Partei“ in den Anfangsjahren des Holländischen Krieges (= Pariser Historische Studien 18), Bonn 1981, S. 9: „Selbst beim Rheinbund von 1658, dem Bündniswerk par excellence, sind zwar die äußeren Entstehungsbedingungen hinreichend erschlossen, Motive und Wirkungsgeschichte aber keineswegs befriedigend geklärt.“

  • [2]

    Zum Dreißigjährigen Krieg siehe jetzt: Christoph Kampmann: Europa und das Reich im Dreißigjährigen Krieg. Geschichte eines europäischen Konflikts, Stuttgart 2008. Zum Frieden nach wie vor grundlegend ist Fritz Dickmann: Der Westfälische Frieden, 7. Aufl. Münster 1998. Siehe darüber hinaus: Heinz Duchhardt (Hg.): Bibliographie zum Westfälischen Frieden, bearb. von Eva Ortlieb und Matthias Schnettger (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte 26), Münster 1996. Ders. (Hg.), Der Westfälische Friede, München 1998. Derek Croxton/Anuschka Tischer: The Peace of Westphalia. A Historical Dictionary, Westport/London 2002.

  • [3]

    Antje Oschmann: Der Nürnberger Exekutionstag 1649-1650. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges in Deutschland (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte e.V. 17), Münster 1991.

  • [4]

    Siehe dazu die Beiträge von Claire Gantet: Die ambivalente Wahrnehmung des Friedens. Erwartung, Furcht und Spannungen in Augsburg um 1648; und von Ralf-Peter Fuchs: Erinnerungszeugnisse von 1726/28 an den Dreißigjährigen Krieg, in: Benigna von Krusenstjern und Hans Medick in Zusammenarbeit mit Patrice Veit (Hg.): Zwischen Alltag und Katastrophe. Der Dreißigjährige Krieg aus der Nähe, Göttingen 1999, S. 357-373 bzw. S. 531-542.

  • [5]

    Andreas Müller: Der Regensburger Reichstag von 1653/54. Eine Studie zur Entwicklung des Alten Reiches nach dem Westfälischen Frieden (= Europäische Hochschulschriften. Reihe III: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 511), Frankfurt a. M. u.a. 1992. Der so genannte jüngste Reichsabschied von 1654 liegt ediert vor: Adolf Laufs (Bearb.): Abschied der Römisch Kaiserlichen Majestät und gemeiner Stände, welcher auf dem Reichstag zu Regensburg im Jahr Christi 1654 aufgerichtet ist, Bern 1975. Vgl. zum Regensburger Reichstag auch Harm Klueting: Das Reich und Österreich 1648-1740 (= Historia profana et ecclesiastica 1), Münster 1999, S. 48ff.

  • [6]

    Müller, Regensburger Reichstag, S. 395-406; Karl Otmar von Aretin: Das Reich. Friedensgarantie und europäisches Gleichgewicht 1648-1806, Stuttgart 1986, S. 180. Zur Kreisverfassung und ihrer Entwicklung insgesamt siehe Winfried Dotzauer: Die deutschen Reichskreise (1383-1806). Geschichte und Aktenedition. Stuttgart 1998.

  • [7]

    Matthias Schnettger: Der Reichsdeputationstag 1655-1663. Kaiser und Stände zwischen Westfälischem Frieden und Immerwährendem Reichstag (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte 24), Münster 1996, S. 170-177.

  • [8]

    Vgl. Christoph Kampmann: Reichstag und Reichskriegserklärung im Zeitalter Ludwigs XIV., in: Historisches Jahrbuch (1993) 113, S. 41-59.

  • [9]

    Der Text des Rheinbundes vom 14. August 1658 ist nach der Münsteraner Überlieferung ediert in Akten und Urkunden, S. 202-211, Zitat hier S. 202. Ein zeitgenössischer Druck findet sich in Meyer, Martin, [Diarium Europaeum, Bd.1] Philemeri Irenici Elisii Diarium Europaeum insertis actis electoriis Oder Kurtze Beschreibung Denckwürdigster Sachen/ So sich in Fried= und Kriegs=Geschäfften in Europa/ fürnemlich aber in dem Heil. Röm. Reich… vom Jahr 1657. biß ins Jahr 1659. begeben haben. Frankfurt 1659, S. 1010-1022. In modernen Editionen wird zumeist nur der Beitritt Frankreichs vom folgenden Tag wiedergegeben. Beide Texte wurden von Andrea Schmidt-Rösler ediert in: Heinz Duchhardt / Martin Peters (Hgg.): „Europäische Friedensverträge der Vormoderne – online“ (FVVo; Institut für Europäische Geschichte Mainz,): http://www.ieg-mainz.de/friedensvertraege: Links zum Ersten Rheinbund und zum Beitritt Frankreichs. [zuletzt geöffnet am 14. Juli 2008]

  • [10]

    Zum Status und zur historischen Entwicklung des Burgundischen Kreises siehe Dotzauer, Die deutschen Reichskreise, S. 390-440.

  • [11]

    Vgl. Rainer Babel: Zwischen Habsburg und Bourbon. Außenpolitik und europäische Stellung Herzog Karls IV. von Lothringen und Bar vom Regierungsantritt bis zum Exil (1624-1634) (= Beihefte der Francia 18), Sigmaringen 1989. Walter Mohr: Geschichte des Herzogtums Lothringen, Teil IV: Das Herzogtum Lothringen zwischen Frankreich und Deutschland (14.-17. Jahrhundert), Trier 1986. Vgl. auch Dotzauer, Die deutschen Reichskreise, S. 426.

  • [12]

    IPM § 3-4, in: Konrad Repgen (Hg.): Acta Pacis Westphalicae (APW), Serie III B (Verhandlungsakten) 1,1, bearb. von Antje Oschmann, Münster 1998. Ebenfalls im Rahmen der APW steht eine Online-Edition mit diversen Übersetzungen als Acta Pacis Westphalicae. Supplementa electronica, 1 zur Verfügung: http://www.pax-westphalica.de/ipmipo/index.html. Eine vollständige Digitalisierung von Originalausfertigungen findet sich in: Duchhardt / Peters (Hgg.), http://www.ieg-mainz.de/friedensvertraege: Links zum IPM und zum IPO. [zuletzt geöffnet am 15. Juni 2008]

  • [13]

    Oschmann, Exekutionstag, S. 366ff, 468-471 u. 540; Dotzauer, Die deutschen Reichskreise, S. 427f. Karl Otmar von Aretin verweist im Übrigen darauf, dass Spanien sich mit einer Regelung über Besançon Zeit ließ bis zum Zusammenbruch der Fronde in Frankreich: Karl Otmar von Aretin: Die Kreisassoziationen in der Politik der Mainzer Kurfürsten Johann Philipp und Lothar Franz von Schönborn 1648-1711, in ders. (Hg.): Der Kurfürst von Mainz und die Kreisassoziationen 1648-1746. Zur verfassungsmäßigen Stellung der Reichskreise nach dem Westfälischen Frieden (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Abt. Universalgeschichte 2), Wiesbaden 1975, S. 31-67, S. 39.

  • [14]

    Müller, Regensburger Reichstag, S. 375-384; Dotzauer, Die deutschen Reichskreise, S. 280f; Joachim, Entwickelung des Rheinbundes, S. 22.

  • [15]

    Vgl. dazu Müller, Regensburger Reichstag, S. 305 u. S. 375ff; Friedhelm Jürgensmeier: Johann Philipp von Schönborn (1605-1673) und die römische Kurie. Ein Beitrag zur Kirchengeschichte des 17. Jahrhunderts (= Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 28), Mainz 1977, S. 217f. Decker, Frankreich und die Reichsstände, S. 15.

  • [16]

    Siehe dazu Hermann Weber: Vom verdeckten zum offenen Krieg. Richelieus Kriegsgründe und Kriegsziele 1634/35, in Konrad Repgen (Hg.): Krieg und Politik 1618-1648. Europäische Probleme und Perspektiven (= Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 8), München 1988, S. 203-217.

  • [17]

    Anja Victorine Hartmann: Von Regensburg nach Hamburg. Die diplomatischen Beziehungen zwischen dem französischen König und dem Kaiser vom Regensburger Vertrag (13. Oktober 1630) bis zum Hamburger Präliminarfrieden (15. Dezember 1641) (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte 27), Münster 1998, S. 183 passim.

  • [18]

    Michael Rohrschneider: Der gescheiterte Frieden von Münster. Spaniens Ringen mit Frankreich auf dem Westfälischen Friedenskongress (1643-1649) (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der neueren Geschichte 30), Münster 2007. Anuschka Tischer: Von Westfalen in die Pyrenäen: französisch-spanische Friedensverhandlungen zwischen 1648 und 1659, in Klaus Malettke und Christoph Kampmann (Hg.): Französisch-deutsche Beziehungen in der neueren Geschichte. Festschrift für Jean Laurent Meyer zum 80. Geburtstag. (= Forschungen zur Geschichte der Neuzeit. Marburger Beiträge 10), Berlin 2007, S. 83-96.

  • [19]

    IPM § 3.  

  • [20]

    Die Kaiser argumentierten, sich nur zur Nicht-Unterstützung des Krieges im Burgundischen Kreis verpflichtet zu haben. In Italien könnten sie dem König von Spanien als Vasall für Mailand deshalb aber nicht die Unterstützung verweigern. Über den Verbleib ihrer Truppen nach der Abdankung wiederum hätten sie keinerlei Kontrolle. Zur kaiserlichen Argumentation siehe die Flugschrift: Kurtze Erklärung derjenigen Klagen Welche durch deß Christlichsten Königs in Franckreich Gesandte und Abgeordnete Wider die Röm. Käys. Mayt. Ferdinand den Dritten Hochseel. Gedächtnuß / Und nach dessen Todt Wider Die zu Hungarn unnd Böheim Königl. Mayt. etc. Dem Churfürstlichen Collegio/ vnd zugleich denen in Franckfurt anwesenden Reichs-Deputirten ubergeben und vorgetragen worden, S. l. 1658 (= VD 17: 14:007612S). Zur politischen Auseinandersetzung um diese Vorfälle siehe Schnettger, Reichsdeputationstag, S. 144-148. Vgl. Kurt Rheindorf: Zur französischen Außenpolitik des Jahres 1656, in: Historische Aufsätze. Aloys Schulte zum 70. Geburtstag, gewidmet von Schülern und Freunden, Düsseldorf 1927 (Reprint 1993), S. 214-223, S. 220.

  • [21]

    Aretin, Kreisassoziationen, S. 38.

  • [22]

    Dazu die Wahlkapitulation Leopolds I.: Wahl-Capitulation, Des Aller-Durchläuchtigsten / Großmächtigsten / Unüberwindlichsten Fürsten und Herrn / Hn. Leopolden / Erwehlten Römischen Käysers / auch zu Hungarn und Böheim / etc. Ertzhertzogs zu Oesterreich / etc. Auffgerichtet zu Franckfurt im Monat Julio des 1658sten Jahrs. Leipzig 1658 (= VD 17: 14:007654H), S. 17. Vgl. auch Klueting, Reich und Österreich, S. 55f.

  • [23]

    IPO IV, 57. 

  • [24]

    Zum Jülich-Klevischen Erbfolgestreit 1609-1614 siehe: Alison Deborah Anderson: The Jülich-Kleve succession crisis (1609-1620): A study in international relations, Ann Arbor 1993. Hans Schmidt: Pfalz-Neuburgs Sprung zum Niederrhein. Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg und der Jülich-Klevische Erbfolgestreit, in Hubert Glaser (Hg.): Wittelsbach und Bayern, Bd. 2.2: Um Glauben und Reich. Kurfürst Maximilian I. Beiträge zur Bayerischen Geschichte und Kunst 1573-1651, Köln 1980, S. 77-89; ders.: Das Haus Pfalz-Neuburg in der europäischen Politik des 17. Jahrhunderts, in: Études d'Histoire Européenne. Mélanges offerts à René et Suzanne Pillorget, Angers 1990, S. 113-134. Hermann Josef Roggendorf: Die Politik der Pfalzgrafen von Neuburg im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit, in: Düsseldorfer Jahrbuch (1968) 53, S. I-211.- Zum Wiederaufflammen in den 1640er und 1650er Jahren und der latenten Bedrohung durch den schwebenden Konflikt siehe: Hans Schmidt: Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1615-1690) als Gestalt der deutschen und europäischen Politik des 17. Jahrhunderts, Bd. 2 (1615-1658), Düsseldorf 1973, S. 23-51. Ernst Opgenoorth: Friedrich Wilhelm. Der Große Kurfürst von Brandenburg. Eine politische Biographie. Erster Teil: 1620-1660, Göttingen u. a. 1971, S. 210-222; Joachim, Entwickelung des Rheinbundes, S. 16f, 83f. Zur Gefahr der brandenburgischen Rüstungen 1656 auch für den Niederrheinisch-Westfälischen Kreis siehe einen Brief des Bischofs von Münster an Wilhelm von Fürstenberg vom 4. Februar 1656, in: Wilhelm Kohl (Hg.): Akten und Urkunden zur Außenpolitik Christoph Bernhards von Galen (1650-1678), Teil 1 (1650-1666), (= Quellen und Forschungen zum Absolutismus in Westfalen), Münster 1980, S. 96f.

  • [25]

    Siehe mit Hinweis auf die weiterführende Literatur: Schnettger, Reichsdeputationstag, S. 108-111.

  • [26]

    Schnettger, Reichsdeputationstag, S. 111-141; Dotzauer, Die deutschen Reichskreise, S. 349f. Zur Besorgnis über die andauernde schwedischen Rüstungen siehe auch entsprechende Briefe des Bischofs von Münster aus den Jahren 1654-1656 in: Kohl, Akten und Urkunden, S. 45f, 58, S. 67 u. 96f.

  • [27]

    Zu dieser Grundproblematik siehe Johannes Burkhardt: Die Friedlosigkeit der Frühen Neuzeit. Grundlegung einer Theorie der Bellizität Europas, in: Zeitschrift für historische Forschung (1997) 24, S. 509-574.

  • [28]

    Aretin, Das Reich, S. 167-208; ders., Kreisassoziationen, S. 40f; Dotzauer, Die deutschen Reichskreise, S. 232 u. 278. Klueting, Reich und Österreich, S. 45f. Warnende Stimmen gegenüber einer Bewaffnung der Reichskreise finden sich in Briefen des Bischofs von Osnabrück sowie des österreichischen Hofkammerpräsidenten Isaak Volmar an den Bischof von Münster im Februar 1651, vgl. Kohl, Akten und Urkunden, S. 1ff. Von kaiserlicher Seite hatte man dabei zunächst durchaus Interesse an einer Stärkung der Kreisordnung als einer Möglichkeit, Spanien über den Burgundischen Reichskreis am Westfälischen Frieden vorbei in das Reich zu integrieren. Erst als sich dies als Fehleinschätzung erwies, änderte sich die Einstellung gegenüber den Reichskreisen; vgl. Aretin, Kreisassoziationen, S. 36f.

  • [29]

    Aretin, Kreisassoziationen, S. 34, weist allerdings darauf hin, dass Bündnisse und Assoziationen nicht immer klar zu trennen sind. Zur weiteren Entwicklung der Assoziationen siehe den gesamten unter Anm. 13 zitierten Sammelband.

  • [30]

    IPO VIII,2 = IPM § 63. 

  • [31]

    So konstatierte die Flugschrift Parnassi Trutina Et in novos animorum motus Censura. Oder Relation Was über den in der Eydgenossenschafft jüngstgeführten Krieg / und bald darauff gefolgten Frieden in Parnasso für Discurs und Gedancken Geschöpfft [...]. Gedruckt zu Parnassopoli 1656 (VD 17: 23:312535L), S. 21: Nachgedencklich were vns auch vorkommen / daß die Teutsche Fürsten in gemelten Westphälischen Frieden die Befügnuß außzubedingen inständig begehrt / daß sie mit außwendigen Potentaten zu ihrer Sicherheit vnd Conservation Bündnussen zutreffen berechtiget seyn sollen [...]. Auf der folgenden Seite wird ausdrücklich und unter Zitierung von IPO VIII,2, bekräftigt, dass wer aber solche Bündnisse ausser offenbahrer Noth eingehe, ein Widerhandler deß Fridens sei. – Zum grundsätzlichen Interesse der Öffentlichkeit am Westfälischen Frieden siehe Konrad Repgen: Der Westfälische Friede und die zeitgenössische Öffentlichkeit, in: Historisches Jahrbuch (1997) 117, S. 38-83.

  • [32]

    Decker, Frankreich und die Reichsstände, S. 14. Ein entsprechendes Selbstverständnis findet sich auch später explizit, wenn z. B. Friedrich Wilhelm I. von Preußen bei der Sequestrierung Stettins und Vorpommerns 1715 sein Handeln unter die Garantie des Käysers / des Reichs / der Cron Franckreich / und sämtlicher Guarants des Westphälischen Friedens stellte: Kurtze Information Wegen des Von Sr. König. Majestät in Preussen Ubernommenen Vor-Pommerschen Sequestri, Naumburg u.a. 1715 (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel: M: Gm 3666), S. 8. Aretin, Kreisassoziationen, S. 32, spricht mithin vom ständischen Bündnisrecht auch als einer „Bündnisverpflichtung“ für den Fall, dass die Reichsverfassung und der Westfälische Friede bedroht waren.

  • [33]

    Zu den französischen Vorwürfen, Ferdinand III. habe den Westfälischen Frieden gebrochen s.o. Anm. 20; zu den schwedischen Vorwürfen gegen Leopold siehe dessen Verteidigungs-Flugschrift: Ursachen/ Warumb Die Königliche Mayest: zu Hungarn und Böhaimb verursachet worden Dero Völcker ins Königreich Pollen dem König und bedrängtem Land ein Hilffe zu schicken: Wider der Schweden Außstreuen/ als ob disseits wider den Frieden-Schluß gehandelt worden wäre; s. l. 1658 (VD 17: 1:086859D). Zur Furcht vor dem Kaiser und dem Haus Habsburg als Motiv ständischer Bündnisse siehe auch Klueting, Reich und Österreich, S. 46f.

  • [34]

    Aretin, Das Reich, S. 175ff.

  • [35]

    Siehe Schindling, Der erste Rheinbund, S. 125; Klueting, Reich und Österreich, S. 46; Joachim, Entwickelung des Rheinbundes, S. 35ff.

  • [36]

    Joachim, Entwickelung des Rheinbundes, S. 110-115, 170f; Jürgensmeier, Johann Philipp von Schönborn, S. 229f.

  • [37]

    Servien an Lionne, Münster 1647 Dezember 31; Kopie: Archives du Ministère des Affaires Etrangère Paris (AE), Correspondance Politique (CP), Allemagne 103 fol. 522-534. 

  • [38]

    Vgl. Hermann Weber: Une paix sûre et prompte. Die Friedenspolitik Richelieus, in: Heinz Duchhardt (Hg.): Zwischenstaatliche Friedenswahrung in Mittelalter und Früher Neuzeit. (= Münstersche Historische Forschungen 1), Köln - Wien 1991, S. 111-129. Zur Interpretation der Ligapläne Richelieus siehe auch Aretin, Kreisassoziationen, S. 35.

  • [39]

    Anuschka Tischer: Französische Diplomatie und Diplomaten auf dem Westfälischen Friedenskongreß: Außenpolitik unter Richelieu und Mazarin (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte e.V. 29), Münster 1999, S. 197 u. 292f. Siehe darüber hinaus ein Schreiben des französischen Staatssekretärs für auswärtige Angelegenheiten Brienne an die französische Delegation im Münster vom 19. Oktober 1646, ein Memorandum Ludwigs XIV. für dieselben gleichen Datums sowie ein Schreiben des Bevollmächtigten Servien an Lionne vom 30. Oktober 1646; APW II B (Französische Korrespondenz), Bd. 4, bearb. von Clivia Kelch-Rade und Anuschka Tischer, Münster 1999, Nr. 208, 210 u. 231. Vgl. auch Karl Otmar von Aretin: Das Alte Reich, 1648-1806. Bd. 1: Föderalistische oder hierarchische Ordnung (1648-1684), Stuttgart 1993, S. 156.

  • [40]

    IPO XVII, 4-5 = IPM § 115-116. Vgl. dazu Aretin, Das Alte Reich (Bd. 1), S. 26-29.

  • [41]

    Um anderweitigen Interpretationen von vornherein entgegenzutreten, schloss der mit Schweden geschlossene Friedensvertrag, IPO Art. I, auch ausdrücklich den König von Spanien mit ein. Zur französischen und schwedischen Politik im Umfeld des Regensburger Reichstages siehe Müller, Regensburger Reichstag, S. 280 ff., 303, 308. Zur Vernachlässigung des Reiches durch Frankreich auch noch danach vgl. Schnettger, Reichsdeputationstag, S. 142f.

  • [42]

    Susanne Friedrich: Drehscheibe Regensburg. Das Informations- und Kommunikationssystem des Immerwährenden Reichstags um 1700 (= Colloquia Augustana 23), Berlin 2007, S. 98.

  • [43]

    Siehe dazu die auf dem Immerwährenden Reichstag in Regensburg abgegebene entsprechende Erklärung Frankreichs, die am 26. April 1757 in die Diktatur gegeben wurde (gedruckt 1757 bei Heinrich Georg Neugebauer in Regensburg als Declaration du Roy Tres-Chretien de l‘entrée des [ !] ses Troupes en Allemagne bzw. Declaratio Regis Christianissimi de introitu copiarum suarum in Germaniam, überliefert in der Bibliothèque Nationale de France, Paris, Serie Manuscrits Allemagne 27, fol. 177-178v bzw. 179-180v), sowie die Erklärung Schwedens, die am 28. September in die Diktatur gegeben wurde (Declaratio Sueciae ulterior Imperio Romano-Germanico facta, de introitu copiarum suarum in Regis Borussiae terras. Regensburg, Heinrich Georg Neugebauer, 1757, überliefert ebd. fol. 274-275v).

  • [44]

    Johann Jacob Moser: Von der Garantie des Westphaelischen Fridens; nach dem Buchstaben und Sinn desselbigen. [Gießen] 1767 (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel: M: Rq 106).

  • [45]

    Zur französischen Protektionspolitik während des Dreißigjährigen Krieges siehe Wolfgang Hans Stein: Protection Royale. Eine Untersuchung zu den Protektionsverhältnissen im Elsaß zur Zeit Richelieus 1622-1643 (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte e.V. 9), Münster 1978. Konkret zur Motivation des französischen Kriegseintritts siehe Weber, Richelieus Kriegsgründe. Vgl. daneben auch: Ders., Frankreich, Kurtrier, der Rhein und das Reich 1623-1635 (= Pariser Historische Studien 9), Bonn 1969.

  • [46]

    Schnettger, Reichsdeputationstag, S. 142f.

  • [47]

    Joachim, Entwickelung des Rheinbundes, S. 110-114; Martin Göhring: Kaiserwahl und Rheinbund von 1658. Ein Höhepunkt des Kampfes zwischen Habsburg und Bourbon um die Beherrschung des Reiches, in: Martin Göhring und Alexander Scharff (Hg.): Geschichtliche Kräfte und Entscheidungen. Festschrift zum fünfundsechzigsten Geburtstage von Otto Becker, Wiesbaden 1954, S. 73f.

  • [48]

    D’Avaux an Mazarin, Münster 1647 Dezember 30; Ausfertigung: AE, CP Allemagne 86 fol. 410‑419. Der Begriff „dritte Partei“ bezeichnet verschiedene reichsständische Interessenbündnisse im 17. Jahrhundert, deren Konstellation und Zielrichtung durchaus unterschiedlich, mitunter auch durchaus im Interesse Frankreichs waren. Vgl. zur Entwicklung dieses Begriffs vor allem Decker, Frankreich und die Reichsstände.

  • [49]

    Die einzelnen Erklärungen sind abgedruckt in Meyer, Martin, Diarium Europaeum, Bd. 1, S. 702-708.

  • [50]

    Siehe dazu Decker, Frankreich und die Reichsstände.

  • [51]

    Zu verschiedenen Projekten vgl. auch oben Anm. 36. 

  • [52]

    Jürgensmeier, Johann Philipp von Schönborn, S. 230f; Schnur, Der Rheinbund von 1658, S. 41.

  • [53]

    Joachim, Entwickelung des Rheinbundes, S. 64 u. 83ff.

  • [54]

    Jürgensmeier, Johann Philipp von Schönborn, S. 231f; Joachim, Entwickelung des Rheinbundes, S. 115; Dotzauer, Die deutschen Reichskreise, S. 278. Zum Bündnis Braunschweigs mit Brandenburg von 1654 siehe Schnur, Der Rheinbund von 1658, S. 41.

  • [55]

    Joachim, Entwickelung des Rheinbundes, S. 115 u. 155. Zu den Einwänden des Bischofs von Münster siehe seinen Brief vom Oktober 1657 in: Kohl, Akten und Urkunden, S. 149f. Die Verhandlungen mit den Generalstaaten sind durch diverse Aktenstücke, ebd., S. 26 u. S. 104-132, dokumentiert. Zu den Bedenken der päpstlichen Politik gegen ein protestantisches Bündnis siehe Jürgensmeier, Johann Philipp von Schönborn, S. 231f.

  • [56]

    Opgenoorth, Friedrich Wilhelm (Erster Teil), S. 368f; Joachim, Entwickelung des Rheinbundes, S. 488.

  • [57]

    Joachim, Entwickelung des Rheinbundes, S. 170f.

  • [58]

    Joachim, Entwickelung des Rheinbundes, S. 110-114; Schnettger, Reichsdeputationstag, S. 142-144; Rheindorf, Außenpolitik; Opgenoorth, Friedrich Wilhelm (Erster Teil), S. 296ff.

  • [59]

    Lumbres’ Instruktion vom März und April 1655 sowie ein Zusatz vom September 1655 sind ediert in: Albert Waddington (Hg.): Recueil des instructions données aux ambassadeurs et ministres de France depuis les traités de Westphalie jusqu'à la Révolution française. Bd. 16 (Prusse), Paris 1901, S. 4-36 u. 37-40.

  • [60]

    Siehe dazu eine Relation vom Frankfurter Deputationstag vom 10. August 1656, in . Erdmannsdörffer (Hg.): Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Bd. 7, Berlin 1877, S. 676. Vgl. Schnettger, Reichsdeputationstag, S. 143. Zur Mission Gravels in Frankfurt siehe Bertrand Auerbach: La France et le Saint Empire Romain Germanique depuis la Paix de Westphalie jusqu‘à la Révolution Française, Paris 1912, S. 50-53; Göhring, Kaiserwahl und Rheinbund, S. 73f.

  • [61]

    Dazu die entsprechenden Ausführungen in der Instruktion für Lumbres, Waddington, Recueil, S. 14f u. 37-40.

  • [62]

    Ebd. S. 10. Zu den möglichen protestantischen Kandidaten bei der Wahl nach Ferdinands IV. Tod siehe Heinz Duchhardt: Protestantisches Kaisertum und Altes Reich. Die Diskussion über die Konfession des Kaisers in Politik, Publizistik und Staatsrecht (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Abt. Universalgeschichte 87), Wiesbaden 1977, S. 204-220.

  • [63]

    Jürgensmeier, Johann Philipp von Schönborn, S. 214ff.

  • [64]

    Vgl. oben Anm. 20 u. 33. Frankreich hatte seine Vorwürfe, die andauernde Truppenunterstützung für Spanien in Italien und den Niederlanden stelle einen Bruch des IPM § 3 dar, bereits 1656 den Kurfürsten, Fürsten und dem Kaiser selbst vorgetragen; Rheindorf, Außenpolitik, S. 217. Zu Leopolds Medienkampagne siehe: Jutta Schumann: Die andere Sonne. Kaiserbild und Medienstrategien im Zeitalter Leopolds I. (= Institut für Europäische Kulturgeschichte der Universität Augsburg, Colloquia Augustana 17), Berlin (Akademie-Verlag) 2003, S. 73 u. 103.

  • [65]

    Jürgensmeier, Johann Philipp von Schönborn, S. 218; Klueting, Reich und Österreich, S. 54.

  • [66]

    Dazu J. Valfrey: Hugues de Lionne. Ses Ambassades en Espagne et en Allemagne. La Paix des Pyrénées, Paris 1881. Dort zu Lionnes Madrid-Mission S. 3-63, zu den Verhandlungen in Frankfurt S. 67-141. Siehe darüber hinaus Jürgensmeier, Johann Philipp von Schönborn, S. 216ff u. 223ff, sowie zur französischen Politik bei der Kaiserwahl insgesamt Göhring, Kaiserwahl und Rheinbund. Zu Lionnes Verhandlungen in Madrid vgl. auch Tischer, Von Westfalen in die Pyrenäen. Zur theoretischen Grundsatzdiskussion, ob, im Falle einer Nominierung Ludwigs XIV., ein reichsfremder Kandidat überhaupt Kaiser werden konnte, siehe Alexander Schmidt: Ein französischer Kaiser? Die Diskussion um die Nationalität des Reichsoberhauptes im 17. Jahrhundert, in: Historisches Jahrbuch (2003) 123, S. 149-177, konkret für die Wahl 1657/58 hier besonders S. 155; Heinz Duchhardt: Et Germani eligunt et Germanus eligendus. Die Zulassung ausländischer Fürsten zum Kaiseramt im Jus Publicum des 17./18. Jahrhunderts, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung (1980) 97, S. 232-253.

  • [67]

    Siehe oben Anm. 22. 

  • [68]

    Schnur, Der Rheinbund von 1658, S. 40-45.

  • [69]

    Jürgensmeier, Johann Philipp von Schönborn, S. 232.

  • [70]

    Zum endgültigen Abschluss siehe Schindling, Der erste Rheinbund, S. 123ff; Klueting, Reich und Österreich, S. 56f; zur Haltung Galens und den Reaktionen auf seine Entscheidung siehe Kohl, Akten und Urkunden, S. 187-232.

  • [71]

    Aretin, Kreisassoziationen, S. 44.

Empfohlene Zitierweise

Anuschka Tischer: Die Vorgeschichte des ersten Rheinbunds von 1658. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/6029/

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Erstellt: 13.08.2008

Zuletzt geändert: 13.08.2008