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Karl X. Gustav von Schweden
(*Nyköping 8.11.1622 – †Göteborg 13.2.1660)
König von Schweden 1654-1660. Unter der Regierung des Königs Karl X. Gustav erreichte Schweden für eine kurze Zeit seine größte Ausdehnung und den Gipfel seiner europäischen Großmachtstellung.
Als Sohn des in Schweden exilierten Pfalzgrafen Johann Kasimir von Zweibrücken und seiner Frau Katarina, einer Stiefschwester des Königs Gustav Adolf, war Karl Gustav zunächst keineswegs der geborene schwedische Thronfolger; doch wuchs ihm diese Rolle allmählich zu, zumal Gustav Adolf als Thronerbin nur eine unmündige Tochter hinterlassen hatte. Karl Gustavs Vater förderte die Aussichten seines Sohns, indem er Karl Gustav im lutherischen Glauben erziehen ließ, obwohl er selbst der reformierten Konfession angehörte. Karl Gustav galt daher als erster Heiratskandidat für seine Kusine, die Kronprinzessin Christina, und tatsächlich scheint ihm Christina als Heranwachsende Heiratsversprechen gemacht zu haben, von denen sie jedoch später zurücktrat.
Im Anschluss an eine Bildungsreise, die ihn 1638-1640 von der Universität Uppsala über Dänemark, Deutschland und die Niederlande bis in die Schweiz und nach England führte, erhielt Karl Gustav eine Einführung in die Regierungsarbeit am Stockholmer Hof, bevor er von 1642-1645 als Reiteroffizier an den Feldzügen der schwedischen Armee in Deutschland und Dänemark teilnahm. 1648 entsandte ihn Christina als „Generalissimus“, als Oberbefehlshaber der schwedischen Truppen, nach Deutschland, wo ihm nach der Einstellung der Feindseligkeiten die Umsetzung der Bestimmungen des Westfälischen Friedens und die Demobilisierung der schwedischen Soldaten zufielen. Karl Gustav erledigte diese Aufgaben mit Geschick und vertrat Schweden mit Erfolg auf dem Nürnberger Exekutionstag 1649/50.
Königin Christina, die inzwischen jede Eheschließung ablehnte und sich bereits mit Abdankungsplänen trug, nutzte Karl Gustavs Abwesenheit in Deutschland, um ihn beim schwedischen Reichstag 1649 als Thronfolger durchzusetzen; unmittelbar nach Christinas Abdankung im Juni 1654 wurde Karl Gustav zum König ausgerufen und in Uppsala gekrönt. Noch im selben Jahr vermählte er sich mit einer Prinzessin von Schleswig-Holstein-Gottorf.
Karl Gustavs kurze Regierungszeit (1654-1660) war geprägt von nahezu unablässigen Feldzügen, wagemutigen Entscheidungen und großen militärischen Erfolgen in Polen und Dänemark, selbst wenn diese immer mit lebhaften diplomatischen Aktivitäten Schwedens einhergingen. Da er seit 1655 Krieg in Polen führte, trat die deutsche Politik für Karl Gustav stärker in den Hintergrund, während seine Diplomaten in Deutschland alles taten, um das schwedische Interesse an der Aufrechterhaltung des Westfälischen Friedens zu beteuern und Sorgen vor einem Ausgreifen des polnischen Krieges ins Reich zu zerstreuen.
Spätestens der dänische Einfall in die schwedischen Herzogtümer Bremen und Verden im Juni 1657 weckte jedoch das schwedische Interesse an den rheinischen Allianzplänen, so dass Karl Gustav noch im selben Monat seinen Frankfurter Residenten Georg von Snoilsky zur Teilnahme an den Allianzverhandlungen bevollmächtigte. Bis zum Schluss wurde Karl Gustavs Bereitschaft zum Abschluss des Rheinbundes jedoch durch die mangelnde Bereitschaft der Verhandlungspartner auf die Probe gestellt, den Schweden auch in ihren Kriegen gegen Polen, Dänemark und ggf. auch gegen Brandenburg Beistand in Bremen-Verden sowie in Pommern zu leisten.
Nach seinem siegreichen Feldzug von Holstein über Jütland bis auf die dänischen Inseln zwang Karl Gustav die Dänen zum Frieden von Roskilde (Feb. 1658); trotzdem behielt er sein Heer unter Waffen. Anstatt jedoch wie erwartet den Krieg in Polen wiederaufzunehmen, brach Karl Gustav den Frieden mit Dänemark, ließ sein Heer im August 1658 auf der Insel Seeland landen und mit der Belagerung Kopenhagens beginnen. Zur gleichen Zeit wurden in Frankfurt und Mainz die Rheinbund-Verträge unterzeichnet, in denen Karl Gustav zwar die Herausnahme Pommerns von der Beistandspflicht seiner Alliierten hinnehmen musste (Vgl. u.a. Vertrag vom 14. August, S. 2, Zeile 11-14), zugleich aber den Ausschluss Brandenburgs aus dem Bündnis durchsetzen konnte. Nach der missglückten Erstürmung Kopenhagens 1659 musste sich Karl Gustav auf Druck der Niederlande, Frankreichs und Englands zum Friedensschluss mit Dänemark bereitfinden; noch bevor er darüber Verhandlungen mit dem schwedischen Reichstag aufnehmen konnte, verstarb er in Göteborg.
Karl Gustav mutete sich extreme Belastungen zu und verfügte über große analytische und taktische Begabungen, die er sowohl als Diplomat wie auch als Militär zu nutzen verstand; doch scheute er vor bindenden Entscheidungen zurück und erwies sich als ungeeignet zur Verfolgung einer langfristigen Politik. Erst der Vormünderregierung seines unmündigen Sohns Karl XI. blieb es vorbehalten, die Kriege mit Polen und Dänemark mit den Friedensschlüssen von Oliva und Kopenhagen (1660) abzuschließen.
Verfasser: Bengt Büttner
Literatur:
Gerstenberg: Karl X. Gustav, König von Schweden, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 15, Leipzig 1882, S. 360-364.
Dahlgren, Stellan: Karl X Gustav, in: Svenskt biografiskt lexikon, Bd. 20, Stockholm 1973-1975, S. 641-650.
Oschmann, Antje: Der Nürnberger Reichsexekutionstag 1649-1650 (= Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte e.V., Bd. 17), Münster 1991, bes. S. 47-49, 483 f.
Findeisen, Jörg Peter: Das Ringen um die Ostseeherrschaft. Schwedens Könige der Großmachtzeit, Berlin 1992, S. 191-207.
Empfohlene Zitierweise
Bengt Büttner: Karl X. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5965/
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Erstellt: 24.07.2008
Zuletzt geändert: 14.08.2008





