Pfalz-Neuburg

Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg 

 

(*Neuburg a. d. Donau 4.10.1615 – †Wien 12.9.1690) 

Herzog von Pfalz-Neuburg und Herzog von Jülich und Berg seit 1653. 

Kurfürst von der Pfalz seit 1685. 

 


Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Pfalz-
Neuburg, Kupferstich von Theodor
Matham nach einem Gemälde von
Johann Spilberg d.J. HAB
Wolfenbüttel

Philipp Wilhelm war der Sohn des 1613/14 zum Katholizismus konvertierten Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1578-1653) und dessen Frau Magdalene von Bayern (1587-1628), einer Tante des späteren bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria. Wie bei Konvertiten häufig, legte sein Vater offenbar großen Wert auf eine fundierte, katholische Erziehung seines Sohnes. Dessen Lehrer waren Jesuiten, insbesondere der Rektor des Neuburger Kollegs Pater Anton Welser sowie Pater Christoph Brandis. Bereits mit sechzehn Jahren wurde ihm ein spanisches Regiment übertragen, und Aufenthalte am Wiener und Bayerischen Hof, wo der junge Prinz sehr geschätzt war, bereiteten ihn gut auf seine späteren Regierungsaufgaben vor.

 

Früh schon interessierte sich Philipp Wilhelm für Politik, die er aktiv mitgestalten wollte. Dabei stand sein oft eigenmächtiges Handeln nicht selten in offener Opposition zu seinem Vater und dessen Neutralitätspolitik. So kamen nach Ansicht Wolfgang Wilhelms als Heiratskandidatinnen für seinen Sohn unter anderem eine Tochter der Großherzogin der Toskana Maria Magdalena von Österreich in Frage ebenso wie Luise Charlotte von Hohenzollern, die Schwester des brandenburgischen Kurfürsten. Vor allem durch die Verbindung mit letzterer hoffte Wolfgang Wilhelm den seit 1609 schwelenden Streit mit Brandenburg um das jülich-bergische Erbe beilegen zu können. Statt den Wünschen des Vaters Folge zu leisten, warb Philipp Wilhelm hingegen erfolgreich um die Hand der Polnischen Königstochter Anna Catharina Constantia. Nur widerwillig gab Wolfgang Wilhelm schließlich die Einwilligung zu der Ehe, die am 9. Juni 1642 geschlossen wurde.

Trotz aller Differenzen zwischen Vater und Sohn wurde Philipp Wilhelm am 10. November 1644 die Regierung in Neuburg übergeben und 1651 - dem Todesjahr seiner Frau – wurde er in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen. Außenpolitisch stand Philipp Wilhelm zunächst dem kaiserlich-katholischen Lager nahe, unter anderem, da er hoffte, mit Hilfe des Kaisers doch noch das gesamte jülich-bergische Erbe zu erlangen. Nach dem Tod Wolfgang Wilhelms am 20. März 1653 übernahm er die Regentschaft. Knapp ein halbes Jahr später heiratete er Elisabeth Amalia Magdalena (1635-1709), Tochter des Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt mit der er siebzehn Kinder hatte, von denen dreizehn das Erwachsenenalter erreichen sollten.  

Vornehmliches Ziel der Politik des neuen Herzogs war es, die eigene Stellung zu konsolidieren und das jülich-bergische Erbe gegenüber den Ansprüchen Brandenburgs zu sichern. Hierbei galt es, innenpolitisch die konfessionellen Konflikte in seinen Gebieten beizulegen. Dies gelang mitunter, indem er protestantische Gebiete mit einer gewissen Toleranz behandelte, aber zugleich den protestantischen Adel durch auswärtige katholische Juristen und Verwaltungsfachleute ersetzte. Außenpolitisch, insbesondere im Hinblick auf den Erbstreit mit Brandenburg, wandte er sich auf der Suche nach einem starken Bündnispartner Frankreich zu.  

Nach dem Tode Kaiser Ferdinands III. 1657 verfolgte Philipp Wilhelm ehrgeizige Pläne: In einer Doppelstrategie versuchte er mit Hilfe Frankreichs und den nach Libertät strebenden Reichsfürsten selbst als Gegenkandidat des Habsburgers Leopold zum Kaiser gewählt zu werden. Sollte dies nicht gelingen, war ein Bündnis anzustreben, das die neuburgischen Neuerwerbungen sicherte, entweder durch eine gegen Brandenburg gerichtete Offensivallianz mit Frankreich oder durch eine Allianz mehrerer Reichsfürsten. Das Kalkül des Herzogs ging auf. Zwar wurde er nicht zum Kaiser gewählt, aber mit dem Abschluss des Rheinbundes sowie dessen Erweiterung um die Garantiemacht Frankreich war dem Sicherheitsbedürfnis von Pfalz-Neuburg Genüge getan. So war es dann auch maßgeblich der Neuburger Unterhändler Franz Wilhelm (von) Gise, der die Vorstöße des Mainzer Delegierten Johann Christian von Boineburg unterstützt hatte, die westliche Großmacht in das Bündnis mit aufzunehmen.

Auch in Polen unternahm Philipp Wilhelm den Versuch, den Thron zu erlangen. Als im September 1668 sein erbenloser Schwager König Johann II. Casimir die polnische Krone niederlegte, kandidierte er für dessen Nachfolge, allerdings wieder ohne Erfolg. Ein Machtgewinn für den Neuburger Herzog ging hingegen mit dem Tod des calvinistischen Kurfürsten Karl II. von der Pfalz einher. Als dieser am 26. Mai 1685 starb, erlosch die Linie Pfalz-Simmern und die Kurwürde ging auf Philipp Wilhelm über. Durch den am 22.5.1685 geschlossenen Rezess von Schwäbisch-Hall, der noch durch Karl II. in die Wege geleitet wurde und die Rechte der kurpfälzischen Reformierten und Lutheraner sicherstellte, vollzog sich der Machtwechsel in religiöser Hinsicht zunächst vergleichsweise unproblematisch.  

Kritisch war hingegen der Machtwechsel im Hinblick auf Frankreich. Karls Schwester Liselotte war mit Herzog Philipp von Orléans, Bruder des französischen Königs verheiratet. Ludwig XIV. erhob im Namen seiner Schwägerin Ansprüche auf Teile des pfälzischen Erbes, wenngleich die französische Krone damals im Heiratsvertrag ausdrücklich auf solche Forderungen verzichtet hatte. Nachdem Verhandlungen den Streit nicht beilegen konnten, rückten im Herbst 1688 französische Streitmächte in der Pfalz ein, und eine systematische Zerstörung des Landes begann. Diese politische Wende wirkte sich offenbar auch auf die Heiratspolitik des Hauses Pfalz-Neuburg aus. 1687 heiratete Philipp Wilhelms Tochter Sophie König Peter II. von Portugal und 1690 ging ihre Schwester Maria Anna eine Ehe mit dem spanischen König Karl II. ein. Als Philip Wilhelm im Frühjahr 1690 zur Königskrönung seines Enkels Joseph, dem ältesten Sohn Kaiser Leopolds I. und dessen Frau Eleonore Magdalene Theresia von Pfalz-Neuburg, nach Wien reiste, verstarb er dort am 2. September 1690 noch bevor mit dem Frieden von Rijswijk 1697 der Pfälzische Erbfolgekrieg beendet werden konnte. Begraben wurde der Neuburger Herzog und Pfälzer Kurfürst in der Jesuitenhofkirche in Neuburg.

Verfasser: Peter Seelmann 

 

Literatur:

Wachter: Philipp Wilhelm, Pfalzgraf am Rhein, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 26, Leipzig 1888, S. 27-31.

Jaitner, Klaus: Die Konfessionspolitik des Pfalzgrafen Philipp Wilhelm von Neuburg in Jülich-Berg von 1647-1679 (= Reformationsgeschichtliche Studien und Texte 107), Münster 1973.

Schmidt, Hans: Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1615-1690) als Gestalt der deutschen und europäischen Politik des 17. Jahrhunderts, Bd. 1: (1615-1658), Düsseldorf 1973.

Baier, Ronny: Pfalz Neuburg, Philipp Wilhelm von, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 21, Herzberg 2003, Sp. 1160-1163.

Schmidt, Hans: Das Haus Pfalz-Neuburg in der europäischen Politik des 17. Jahrhunderts, in: Mannheimer Hefte 2 (1992), S. 106-120.

Fuchs, Peter: Philipp Wilhelm, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 20, Berlin 2001.

Paetzer, Willi: Philipp Wilhelm (1615–1690). Kurfürst von der Pfalz 1685–1690, Aachen 2005.

 

Empfohlene Zitierweise

Peter Seelmann: Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg . Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/6020/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 12.08.2008

Zuletzt geändert: 20.03.2013