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Hugues de Lionne,
Marquis de Berny
(*Grenoble 11.10.1611 – †Paris 1.9.1671)
1657/58 Verhandlungsführer der französischen Delegation in Frankfurt und Unterzeichner des französischen Beitritts zum Rheinbund.
Hugues de Lionne sammelte als Gehilfe seines Onkels Abel Servien erste Erfahrungen im diplomatischen Dienst. Als sein Onkel in Ungnade fiel, lehnte er das Angebot Richelieus ab, seinen Dienst fortzusetzen und brach 1636 nach Italien auf, wo er die Freundschaft und das Vertrauen Kardinals Mazarin errang. Als Mazarins Sekretär ging er 1641 zu den Verhandlungen nach Münster und wurde 1642 auf seine erste eigenverantwortliche Mission erneut nach Italien geschickt, wo er erfolgreich zwischen dem Herzog von Parma und dem Papst im Konflikt um das Herzogtum Castro vermittelte. Nach dem Tod Ludwigs XIII. kehrte er 1643 gemeinsam mit Mazarin nach Paris zurück. Vier Jahre später wurde er zum Sekretär der Regentin Frankreichs, Anna von Österreich, ernannt, 1653 zum Vogt und Großzeremonienmeister der königlichen Orden, ein Amt, das er bei der Krönung Ludwig XIV. ausübte. 1654 wohnte er als Sonderbotschafter der Papstwahl Alexanders VII. bei. Wahrscheinlich 1656 leitete er die Vorverhandlungen für einen Frieden mit Spanien in Madrid, wurde aber nach Abbruch der Verhandlungen zum Reichstag nach Frankfurt abberufen, wo er im August 1657 gemeinsam mit Gramont eintraf. Über die Verhandlungen mit den Deutschen Kurfürsten erhöhten die französischen Botschafter den Druck auf Habsburg, und mit dem Rheinbund, dem Frankreich einen Tag nach seinem Abschluss in Frankfurt beigetreten ist, gelang es ihnen schließlich, die spanische Nachschub- und Kommunikationslinie mit den Niederlanden abzuschneiden. Sowohl Rheinbund als auch der Pyrenäenfrieden im darauf folgenden Jahr gelten als Erfolg des diplomatischen Geschicks Hugues de Lionnes.
1659 wurde Lionne Staatsminister und nach dem Tod Mazarins 1661 dessen Nachfolger im Außenministerium. In den 1660er Jahren verhandelte er den Frieden von Breda (1667), von Aachen (1668) und den Jansenistenfrieden (1669). Vor allem in der französischen Historiographie gilt de Lionne als einer der größten Diplomaten Frankreichs, so dass es über ihn heißt: „Avec ce ministre, Louis XIV s’était montré un roi habil; après lui, il ne fut qu’un roi passionné“ (ABF, 157).
Verfasser: Andrea Weindl
Literatur:
Valfrey, Jules: La diplomatie française au XVIIe siècle: Hugues de Lionne, ses ambassades en Italie, 1642-1656, d'après sa correspondance Conservee aux Archives du Ministere des Affaires Etrangeres, Paris 1877.
Ders.: Hugues de Lionne: ses ambassades en Espagne et en Allemagne; la paix des Pyrénées; d'après sa correspondance conservée aux archives du ministère des affaires étrangères, Paris 1881.
Archives biographiques françaises, red. par Susan Bradley, London 1991.
Empfohlene Zitierweise
Andrea Weindl: Hugues de Lionne. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5987/
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Erstellt: 30.07.2008
Zuletzt geändert: 14.08.2008





