Antoine de Gramont

Antoine de Gramont 

(eigtl. Antoine III. Agénor de Gramont Toulongeon, 2. Duc de Gramont) 

(*Chateau d'Hagetmau 1604 – †Bayonne 12.7.1678)

Parteigänger Richelieus und seit 1634 mit dessen Nichte verheiratet. 

Unterzeichner des französischen Beitritts zum Rheinbund.

 


Antoine Duc de Gramont, Kupferstich von
Pierre Lombard nach einem Gemälde von
Wallerant Vaillant. HAB Wolfenbüttel

1621 nahm Gramont unter Ludwig XIII. an der Kampagne zur Niederschlagung der französischen Protestanten teil und bat im Anschluss um die Erlaubnis, im Ausland die Kriegskunst zu erlernen. Zwei Jahre später kämpfte er bei der Belagerung Bredas auf holländischer Seite. Mitte der 1620er Jahre nach Paris zurückgekehrt, musste er als Folge eines Duells schon bald darauf fliehen und diente sich in der Armee Tillys an. Nach dessen Verletzung quittierte er 1627 den Dienst und stellte sich als Lieutnant Général in den Dienst des Herzogs von Mantua. 1630 wurde er im Mantuanischen Erbfolgekrieg verletzt und gefangen genommen und kam erst 1631 nach dem von Mazarin vermittelten Frieden von Cherasco wieder frei. Nach weiteren militärischen Einsätzen in Lothringen und Deutschland begann seine steile militärische und politische Karriere. 1637 wurde er zum Conseiller d’Etat ernannt, 1641 zum Marechal de France unter dem Namen Marechal de Guiche. Nach dem Tod seines Vaters zwei Jahre später wurde er Gouverneur und Lieutnant Général von Navarra und Béarn. 1643 befehligte er die Armee von Luxemburg und geriet 1645 in Nördlingen erneut in Gefangenschaft. 1653 wurde er Staatsminister, ein Jahr darauf Gouverneur von Bayonne.

 

Obwohl diplomatisch unerfahren wurde er gemeinsam mit Hugo de Lionne 1657 zur Kaiserwahl nach Frankfurt geschickt. In Frankfurt sollte entweder ein französischer Wunschkandidat als Kaiser durchgesetzt oder zumindest für eine Wahlkapitulation gesorgt werden, die es dem Kaiser verbot, Frankreichs Feinde zu unterstützen.

Gramont und Lionne erreichten im August des Jahres 1657 Frankfurt, begannen mit Verhandlungen und versuchten vor allem mit hohen Bestechungsgeldern, die Kurfürsten auf ihre Seite zu ziehen. In der im Juli 1658 bei der Kaiserwahl schließlich beschworenen Kapitulation verpflichtete sich Kaiser Leopold I. in den Artikeln 4, 13 und 14 zu den von den französischen Diplomaten gewünschten Punkten. Wenige Tage später wurden die in der Kapitulation durchgesetzten Punkte nochmals im Ersten Rheinbund, dem Frankreich ein Tag nach seinem formellen Abschluss beitrat, festgeschrieben. Das Dokument vom 15. August trägt die Unterschriften der französischen Unterhändler vor denen der deutschen Bündnispartner. Gramont unterschrieb es wohl aufgrund seiner ranghöheren Stellung zu Lionne als erster.

Gramont wurde gegen seinen Willen wahrscheinlich wegen seinen reichen Erfahrungen in Deutschland nach Frankfurt geschickt. Er hielt von den Deutschen recht wenig, bei denen man, wie er in seinen Memoiren schrieb nichts erreiche außer durch „Prasserei, andauernde Festgelage und Freigebigkeit“ („à force de bombances, de festins continuels et de largesses.“ (Memoiren I/S. 437). Dementsprechend ließ er sich in seinen Memoiren bei der Beschreibung der Geschehnisse in Frankfurt, Höchst und Mainz detailliert über die Trinkgewohnheiten der beteiligten Fürsten und Unterhändler aus.

Verfasser: Andrea Weindl 

 

Literatur:  

Archives biographiques françaises, red. par Susan Bradley, London 1991.

Dictionnaire de Biographie Francaise, Paris 1982, S. 919. 

Gramont, Antoine: Mémoires du maréchal de Gramont, Paris 1716, 2 Bände, einsehbar in http://gallica.bnf.fr.

 

Empfohlene Zitierweise

Andrea Weindl: Antoine de Gramont. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5985/

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Erstellt: 30.07.2008

Zuletzt geändert: 14.08.2008