Frankreich

Ludwig XIV. von Frankreich 

 

(*Saint-Germain-en-Laye 5.9.1638 – †Versailles 1.9.1715) 

Bei seiner Geburt Louis-Dieudonné (der Gottgegebene), später Sonnenkönig und Ludwig der Große genannt.

König von Frankreich 1643-1715, eigenständige Führung der Regierungsgeschäfte ab 1661. 

 


König Ludwig XIV von Frankreich,
Kupferstich von Abraham Aubry.
HAB Wolfenbüttel

Nach dem Tod seines Vaters Ludwig XIII. 1643 folgte ihm Ludwig XIV. im Alter von vier Jahren auf den französischen Thron. Während seiner Minderjährigkeit wurden die Regierungsgeschäfte von seiner Mutter, der Regentin Anna von Österreich, geführt, bzw. durch ihren Berater und Premierminister Kardinal Mazarin. In der Auseinandersetzung mit der Fronde, die sich auch gegen die Regierung des Premierministers richtete, wurde Ludwig 1651 vorzeitig für volljährig erklärt, womit die Regentschaft seiner Mutter offiziell endete. Ludwig, selbst noch zu jung zum Regieren, übertrug die Staatsgeschäfte wiederum Mazarin. Im Alter von sechzehn Jahren wurde Ludwig in Reims gekrönt und gesalbt, doch leitete Mazarin noch bis zu seinem Tod 1661 die Staatsgeschäfte.

Anlässlich der Wahl eines neuen Kaisers 1658 versuchte Frankreich, seinen Einfluss im Reich zunächst durch die Durchsetzung eines Nicht-Habsburgischen Kandidaten zu vergrößern, dann, als dies fehlschlug, über die kaiserliche Wahlkapitulation und den Rheinbund. Die Bemühungen um eine vermehrte Einflussnahme im Reich begleitete die französische Seite mit einer propagandistischen Offensive, die, wie man an dem abgebildeten Porträt sehen kann, die Darstellung Ludwigs XIV. als Friedensfürsten zum Inhalt hatte.

Am 15.8.1658 trat Frankreich in Mainz dem Rheinbund bei, der tags zuvor in Frankfurt geschlossenen worden war. Mit ihm bekam die französische Krone unter Berufung auf die Friedenswahrung ein Mittel in die Hand, um auf die Reichspolitik Einfluss zu nehmen und Spanien, das zudem zwei Monate zuvor eine schwere Niederlage (Schlacht in den Dünen) erlitten hatte, an den Verhandlungstisch zurückzubringen. Angesichts dieser politischen Situation wurde gut ein Jahr später der auf der Fasaneninsel verhandelte Pyrenäenfrieden zwischen Spanien und Frankreich vereinbart ebenso wie die Heirat Ludwigs mit der spanischen Infantin Maria Theresia.

Nach dem Tod Mazarins verzichtete Ludwig auf die Ernennung eines neuen Premierministers und etablierte ein absolutistisches Kabinettssystem, in dem er selbst die Regierungsgeschäfte leitete. Ludwig XIV. bemühte sich vor allem um die Ausweitung der französischen Machtstellung und verfolgte diese Politik zunächst über erneute militärische Auseinandersetzungen mit Spanien bzw. den Spanischen Niederlanden. Nach dem Pfälzer Erbfolgekrieg gegen eine Allianz katholischer und protestantischer europäischer Staaten sah sich Ludwig 1697 erstmals dazu genötigt, einen Frieden abzuschließen, in dem er bereits eroberte Gebiete zurückgeben musste. Die letzten Regierungsjahre Ludwigs standen ganz im Zeichen der Auseinandersetzung um die Spanische Erbfolge, denn Ludwig versuchte gegen eine Allianz der Seemächte mit Habsburg die aus dem Testament Karls II. und der spanischen Heirat hervorgegangenen französischen Ansprüche auf den spanischen Thron durchzusetzen. Schließlich wurde im Frieden von Utrecht 1713/14 die Herrschaft Philipp von Anjous, Enkel Ludwig XIV., über Spanien vereinbart. Dafür verzichtete Frankreich auf bestimmte Handelsprivilegien vor allem in Spanisch-Amerika, und das Verbot einer französisch-spanischen Thronunion wurde festgeschrieben.

Mit 72 Jahren offizieller Regentschaft gilt Ludwig XIV. als das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der europäischen Geschichte. Im Inneren stärkte er die Zentralmacht und verhalf den Prinzipien des Absolutismus zum Durchbruch. Außenpolitisch gelangen ihm die Ausweitung des französischen Herrschaftsgebiets und die Loslösung aus der Umklammerung Habsburgs. Ludwig konnte Frankreich als eine der wichtigsten Mächte Europas etablieren, und französische Kultur, Mode und Sprache wurden im 17. und 18. Jahrhundert tonangebend an Europas Höfen.

Verfasser: Andrea Weindl 

 

Literatur:  

Bluche, François: Louis XIV, Paris 1986.

Burke, Peter: The Fabrication of Louis XIV, New Haven 1992. (dt. Übers.: Ludwig XIV. - Die Inszenierung des Sonnenkönigs, Berlin 1993)

Malettke, Klaus: Ludwig XIV. von Frankreich : Leben, Politik und Leistung, Göttingen 1994.

Burghardt, Stefan: Ludwig XIV., in: Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. 5, Herzberg 1993, Sp. 370-372.

Schultz, Uwe: Der Herrscher von Versailles. Ludwig XIV. und seine Zeit, München 2006.

 

 

Empfohlene Zitierweise

Andrea Weindl: Ludwig XIV von Frankreich. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5983/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 30.07.2008

Zuletzt geändert: 14.08.2008