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Christian Ludwig von Braunschweig-Lüneburg-Celle
(*Schloss Herzberg/Harz 25.2.1622 – † bei Celle 15.3.1665)
Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Celle 1648-1665.
Aufgewachsen unter dem Eindruck des 30jährigen Krieges in Norddeutschland, erreichte ihn die Nachricht vom Tode seines Vaters 1641 während seiner Kavalierstour in den Niederlanden. Christian Ludwig musste seine vorgesehene Bildungsreise durch Europa abbrechen und ohne ausreichende Vorbereitung und Erfahrung die Regierung des Fürstentums Calenberg antreten. Da er die riskante Neutralitätspolitik Georgs zunächst nicht fortzusetzen vermochte, willigte er im Januar 1642 in den Vergleich von Goslar ein, der den welfischen Territorien einen Separatfrieden mit dem Kaiser verschaffte.
In seinen Calenberger Regierungsjahren (1641-1648) erwarb sich Christian Ludwig den Ruf eines rohen, rücksichtslosen Herrschers, der seiner Residenzstadt Hannover die Privilegien nahm und ihre Bürger mit willkürlichen Kontributionen und Einquartierungen belegte, während er die Stadtwälle nach modernen Maßstäben zur Festung ausbauen ließ. Nachhaltiger als in Calenberg regierte Christian Ludwig im Fürstentum Celle, an dessen Herrschaft er 1648 nach dem erbenlosen Tod seines Onkels Friedrich gelangte. Das Testament des Herzogs Georg untersagte die Vereinigung der beiden Fürstentümer in einer Hand, doch gestand es dem ältesten Sohn ein Wahlrecht zwischen beiden Herrschaften zu. Christian Ludwig wählte das deutlich einträglichere Fürstentum Celle und überließ seinem nächstjüngeren Bruder Georg Wilhelm die Regierung in Calenberg (1648-1665).
Christian Ludwig nutzte die höheren Einnahmen seines neuen Fürstentums zum Aufbau eines stehenden Heeres sowie zur Anlage von Magazinen und Festungen; dabei gelang es ihm geschickt, die Landstände des Fürstentums in seine Entscheidungen einzubinden und 1651 die politische Selbständigkeit der Stadt Lüneburg zu brechen. Seine Aufrüstung ermöglichte den drei welfischen Herzögen nach 1648, an Herzog Georgs Politik der bewaffneten Neutralität anzuknüpfen und in enger Abstimmung untereinander die Balance zwischen den benachbarten Mächten Schweden und Brandenburg zu halten. Nach dem Vorbild der Rheinischen Allianz schlossen die drei welfischen Herzöge 1652 die Allianz von Hildesheim mit Schweden (für die schwedischen Herzogtümer Bremen und Verden) sowie Hessen-Kassel, ein Vorläuferbündnis für den Rheinbund von 1658. Einige Monate nach dem Abschluss der Hildesheimer Allianz wählte der niedersächsische Reichskreis Christian Ludwig zu seinem Kreisobristen, dem militärischen Oberbefehlshaber der Kreistruppen. Auf Reichsebene profilierte sich Christian Ludwig als Wortführer der protestantischen Fürsten für die Umsetzung der Friedensbestimmungen von 1648 und 1650 sowie gegen die Dominanz des Kurfürstenkollegs. Zuhause in Celle passte er den bis dahin bescheidenen Aufwand für seine Hofhaltung an die gestiegene Bedeutung seines Fürstentums und an sein Repräsentationsbedürfnis an.Christian Ludwig hatte nicht den weiten Horizont seiner weltläufigen Brüder; von allen vieren hat ihm die ältere Landesgeschichtsschreibung die geringste Begabung attestiert, doch beginnt sich das negative Bild von seiner Herrschaft inzwischen zu wandeln. Seine Ehe mit der holsteinischen Prinzessin Dorothea blieb kinderlos.
Verfasser: Bengt Büttner
Literatur:
Rothert, Wilhelm: Hannover unter dem Kurhut 1648-1815 (= Allgemeine hannoversche Biographie, Bd. 3), Hannover 1916, S. 61-66.
Sauer, Wilhelm: Christian Ludwig, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 4, Leipzig 1876, S. 163-164.
van den Heuvel, Christine: Christian Ludwig – Herzog von Braunschweig und Lüneburg (1622-1665): Regierung und Hof, in: Brigitte Streich (Hg.), Stadt - Land - Schloss. Celle als Residenz (= Celler Beiträge zur Landes- und Kulturgeschichte, Bd. 29), Bielefeld 2000, S. 87-95.
Mlynek, Klaus: Christian Ludwig, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, in: Hannoversches biographisches Lexikon, Hannover 2002, S. 84-85.
Empfohlene Zitierweise
Bengt Büttner: Christian Ludwig von Braunschweig-Lüneburg. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5968/
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Erstellt: 24.07.2008
Zuletzt geändert: 14.08.2008






