Braunschweig-Lüneburg

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August der Jüngere von Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel 

 

(*Dannenberg 10.4.1579 – †Wolfenbüttel 17.9.1666) 

Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel 1634-1666 (gelangte erst mit 55 Jahren an die Regierung). 

 


Herzog August der Jüngere von
Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel,
Kupferstich von Coenrad Waumans
nach einem Gemälde von Anselm
van Hulle. HAB Wolfenbüttel

Als jüngster Spross aus einer welfischen Nebenlinie geboren, hatte August der Jüngere zunächst keinerlei Aussicht auf die Regentschaft eines eigenen Fürstentums. Stattdessen hatte er mehrere Jahre auf den Universitäten Rostock, Tübingen und Straßburg studiert und anschließend eine ausgedehnte Bildungsreise nach Italien, Frankreich und England unternommen. Nach seiner Rückkehr wurde er von seinem Bruder 1604 mit dem Amt Hitzacker abgefunden, wo er 30 Jahre lang das Leben eines Gelehrten führte, mit dem Aufbau seiner Büchersammlung begann und eine umfangreiche wissenschaftliche Korrespondenz pflegte; außerdem verfasste er zwei Werke über das Schachspiel und über die Geheimschriften.

 

Als sich in den 20er Jahren des 17. Jhs. das Aussterben des Mittleren Hauses Braunschweig abzeichnete, meldete August der Jüngere seine dynastischen Ansprüche an und nahm Kontakt zum Kaiser auf, um seine Erbfolge im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel sicherzustellen; mit Billigung sowohl des Kaisers als auch seiner Vettern im Fürstentum Celle übernahm er nach dem Tode des Herzogs Friedrich Ulrich 1634 die Regierung des Herzogtums. Dessen Residenzstadt Wolfenbüttel blieb jedoch zunächst weiterhin von kaiserlichen Truppen besetzt; v.a. für ihre Räumung überwand August die Skepsis seiner welfischen Vettern und ließ den Vergleich von Goslar (1642) aushandeln, mit dem die welfischen Fürstentümer unter Verzicht auf das Hochstift Hildesheim einen Separatfrieden mit dem Kaiser erlangten. Im Gegenzug räumten die Kaiserlichen Wolfenbüttel, so dass August 1643 Einzug in seine Residenz halten konnte. 

Die folgenden Jahrzehnte standen im Zeichen des Wiederaufbaus; zu diesem Zweck erließ August eine Vielzahl von Ordnungen, mit denen er Hofhaltung, Verwaltung, Kirchen- und Schulwesen seines schwer von Kriegsschäden betroffenen Fürstentums systematisch reorganisierte. Politisch hielt das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel zusammen mit den anderen welfischen Fürstentümern einen Mittelweg zwischen den benachbarten Mächten Schweden und Brandenburg. Augusts Kanzler Johann Schwartzkopf wirkte als treibende Kraft auf dem Weg zur Allianz von Hildesheim, zu der sich die drei welfischen Herzöge 1652 mit Hessen-Kassel und Schweden (für die schwedischen Herzogtümer Bremen und Verden) verbanden, und die 1658 im Rheinbund aufging. 

August der Jüngere leistete sich in Wolfenbüttel eine sparsame, aber gediegene Hofkultur, die sich v.a. der Pflege von Literatur und Musik widmete. Frei von jeder Neigung zur Kriegführung verfolgte August seine Ziele und Interessen mit großer Beharrlichkeit. Auf diese Weise setzte er seine Erbfolge nicht nur im Fürstentum Wolfenbüttel, sondern auch in der Grafschaft Blankenburg durch, die er 1651 nach jahrelangen Erbstreitigkeiten erwarb. Eines seiner Hauptinteressen jedoch galt seiner Büchersammlung, die er seit seiner Jugend aufgebaut, erweitert und eigenhändig katalogisiert hat; ihre Bestände waren bis zu seinem Tode 1666 auf 40.000 Bände angewachsen und bilden bis heute den Grundstock der Herzog August-Bibliothek in Wolfenbüttel. 

Verfasser: Bengt Büttner 

 

Literatur: 

Spehr, Louis Ferdinand: August der Jüngere, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 1, Leipzig 1875, S. 660-662.

Butzmann, Hans: August. d.J., Herzog von Braunschweig-Lüneburg, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 1, München 1953, S. 445 f.

Katte, Maria von / Milde, Wolfgang: August d. J., Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, in: Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 8.-18. Jahrhundert, Braunschweig 2006, S. 56 f.

Raabe, Paul (Hg.): Sammler - Fürst - Gelehrter. Herzog August zu Braunschweig und Lüneburg (= Ausstellungskataloge der Herzog-August-Bibliothek, Bd. 27), Wolfenbüttel 1979.

Empfohlene Zitierweise

Bengt Büttner: August der Jüngere von Braunschweig-Lüneburg. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5967/

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Erstellt: 24.07.2008

Zuletzt geändert: 20.03.2013