1945

Zeitleiste und Chronik - 1945 

 

- die Chronologie wird fortlaufend ergänzt -  

Hinweise auf Ergänzungen an die Redaktion

 

 

1945 

Januar 

1.1. - "Unternehmen Bodenplatte": Die deutsche Luftwaffe greift bei einem letzten Großeinsatz alliierte Flugplätze in Frankreich und Belgien an. Über 430 alliierte Maschinen werden zerstört, mehr als 270 deutsche Flugzeuge kehren von diesem Einsatz nicht zurück. 

Februar 

13./14.-15.2. - Zwei britische Flächenangrffe und zwei Bombardierungen der 8. USAAF zerstören die vom Luftkrieg bisher kaum berührte sächsische Metropole Dresden. In den Flächenbränden und Feuerstürmen kommen rund 35.000 Menschen um, die barocke Altstand versinkt in Schutt und Asche. [>Fotoserie | >Beitrag]


Abb. 1 [National Archives, Washington, D.C]

16.2. - Die 8. USAAF bombardiert Treibstoffwerke und Verkehrsanlagen im Ruhrgebiet. Die Fotografie zeigt eine B-17 über Bochum-Langendreer, wo sich eine Benzolfabrik befand.

23./24.2. - Über 360 Maschinen des Bomber Command fliegen einen Flächenangriff auf Pforzheim. In der Innenstadt werden 80% der Wohn- und Gewerbeflächen zerstört, den Bevölkerungsverlust schätzte man nach dem Angriff auf 17.000 Menschen oder ein Drittel der Stadtbevölkerung geschätzt. [>Beitrag]

25.2. - Der südwestfälische Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar Albert Hoffmann erläßt einen Befehl zur Billigung von Lynchjustiz gegen alliierte Jagdbomber-Piloten.


Abb. 2: Anweisung des südwestfälischen Gauleiters und Reichsverteidigungskommissars Albert Hoffmann v. 25.2.1945 betr. Volksempörung gegenüber Jabo-Piloten [Public Record Office, London; WO 235/193]

 

März 

28.2.-20.3. - Im "Ruhrabriegelungs-Programm" (Interdiction of the Ruhr) fliegen die strategischen und taktischen Luftstreifkräfte der Westalliierten kontinuierliche Tag- und Nachtangriffe auf den westdeutschen Raum. Mit "Erdbebenbomben" (Grand Slam, Tallboy) werden die Eisenbahnviadukte bei Arnsberg, Bielefeld und Altenbeken zerstört, schwere Luftangriffe der 8. USAAF und des Bomber Command richten sich gegen Eisenbahnknotenpunkte. Flächenangriffe auf Städte jeder Größenordnung führen zu umfangreichen Zerstörungen und hohen Personenverlusten. Britische und amerikanische Jagdbomber lähmen jede Bewegung, Mittelstreckenbomber greifen Bahnanlagen, Kasernen, Fahrzeugparks und Nachschubdepots an. Insgesamt finden in diesem Zeitraum etwa 10.000 Personen im Rhein-Ruhrgebiet den Tod. [>Fotoserie | >Quellen]

9./10.3. - Mit einem Angriff von 298 B-29 "Superfortresses" auf Tokio beginnt die 9. Bombardment Group der USAAF massive Brandbombenangriffe auf die Wohnviertel in japanischen Städten. In der japanischen Hauptstadt entstehen riesige Flächenbrände, mindestens 83.000 Menschen finden den Tod. In den folgenden drei Wochen werfen B-29 über 9.300 Tonnen Brandbomben (vor allem das Benzingemisch Napalm) auf Tokio, Osaka, Kobe und Nagoja ab, die Hunderttausende Tote unter der Bevölkerung fordern. 

10.3. - In der Operation "Bugle" fliegen über 2.000 Maschinen der strategischen und taktischen Luftstreitkräfte der USAAF schwere Bombardements auf Ziel in und im Umkreis des Ruhrgebiets, z.B. auf Dortmund, Hagen, Schwerte, Recklinghausen und Bielefeld. Der Bahnverkehr kommt fast vollständig zum Erliegen.

11.3. - Ein Angriff des Bomber Command auf Essen bewirkt schwere Zerstörungen und den Tod von rund 850 Menschen.

12.3. - Über 1.100 britische Maschinen bombardieren Dortmund mit über 4.800 Tonnen Spreng- und Minenbomben. Es handele sich um den schwersten Luftangriff auf dem europäischen Kriegsschauplatz, rund 890 Menschen finden den Tod. [>Fotoserie | >Quellen] Die 8. USAAF greift mit über 650 Maschinen den Verschiebebahnhof und die Hafenanlagen in Swinemünde an. Der Angriff fordert nach seriösen Forschungen etwa 4.000-5.000 Todesopfer. [>Beitrag]

13.3. - Das Bomber Command greift erstmalig mit "Erdbebenbomben", die zehn bzw. sechs Tonnen schweren 'Grand Slam' und 'Tallboy', die Eisenbahnviadukte bei Bielefeld und Arnsberg an. Beide Brücken werden bis zum 20.3. zerstört. 

23./24.3. - Rheinübergang von britisch-kanadischen und US-amerikanischen Truppen. Mit der Operation "Varsity" führen die Alliierten am 24.3. das bisher größte Luftlandeunternehmen der Kriegsgeschichte durch. Bodentruppen setzen in der Operation "Plunder" über den Rhein. Den Angriffen gehen umfangreiche Bombardierungen auf den rechtsrheinischen Raum voraus. [>Fotoserie]

April 


Abb. 3 [Historisches Centrum Hagen]

5.3. - Bei einem Nachtangriff sterben im westfälischen Hagen mindestens 400 Menschen in einem Hochbunker. Der überfüllte Bunker in der Nähe des Hauptbahnhofs wird von mehreren Minen- und Sprengbomben getroffen und durchschlagen. Es handelt sich um das folgenschwerste "Bunkerunglück" während des gesamten Kriegsverlaufs. [>Quellen]


Abb. 4: Am 19.4. greifen zweimotorige "Marauders" der First Tactical Air Force ein Munitionsdepot bei Ingolstadt an.[Charles O'Mahony (Kodak Farbdiafilm)]


Abb. 5: Nach dem Angriff steht eine Rauchwolke wie ein Atompilz über dem zerstörten Depot.[Charles O'Mahony (Kodak Farbdiafilm)]

 

16.4. - Beginn der sowjetischen Bodenoffensive in Richtung Berlin.

17.4. - Zusammenbruch der deutschen Verteidigung im östlichen Teil des "Ruhrkessels". Hunderttausende deutsche Soldaten und Angehörige des "Volkssturms" gehen in Kriegsgefangenschaft, Tausende Soldaten sind seit März 1945 im Rheinland und Ruhrgebiet bei "Endkämpfen" ums Leben gekommen. Der westliche Teil des Kessels im Raum Düsseldorf kapituliert am vier Tage später. [>Quellen] 

21.4. - Die "Rote Armee" erreicht die Vororte der Reichshauptstadt und beginnt mit dem Artilleriebeschuß Berlins. Sowjetische Schlacht- und Kampfflieger unternehmen bis zur Kapitulation der Stadt pausenlose Luftangriffe. [>Fotoserie | >Quellen]

30.4. - Hitler verübt im "Führerbunker" der Reichskanzlei Selbstmord, Goebbels, nach Hitlers Testament für kurze Zeit Reichskanzler, folgt ihm nach der Ermordung seiner Familie auf seine Veranlassung in den Tod. Nachfolger Hitlers wird der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Karl Dönitz. In seinem Hauptquartier in Flensburg bildet sich eine provisorische Regierung.

Mai 

4.5. - Generaladmiral v. Friedeburg unterzeichnet im Auftrag der Regierung Dönitz im Hauptquartier und in Anwesenheit des britischen Feldmarschalls Bernhard L. Montgomery in der Lüneburger Heide die Waffenruhe gegenüber den britischen Truppen in Norddeutschland und Dänemark.

7.5. - Im SHAEF-Hauptquartier in Reims unterzeichnet Generaloberst Alfred Jodl im Auftrag des Oberkommandos der Wehrmacht die Einstellung der Feindseligkeiten zum 9.5.

8.5. - Generalfeldmarschall Keitel (Heer) Generaladmiral v. Friedeburg (Marine) und Generaloberst Stumpff (Luftwaffe) unterzeichnen in Karlshorst bei Potsdam die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht vor den vier alliierten Siegemächten. 

Mai - In vielen Städten Deutschlands beginnen Ermittlungen durch alliierte Militärgerichte, um die Ermordung von unzähligen Menschen, vor allem in den letzten Kriegswochen, aufzuklären und die Täter strafrechtlich zu verfolgen. Allein in Dortmund hatten Angehörige der Gestapo im März und April 1945 mindestens 300 Widerstandskämpfer und Zwangsarbeiter erschossen. 

Juni 

Juli 

August 

1./2.8. - 800 B-29 "Superfortresses" greifen mit 6260 Tonnen Napalm- und Phosphorbrandbomben die japanischen Städte Nagaoka, Hachioji, Toyama und Mito sowie die Mitsubishi Treibstoffindustrie in Kawasaki an. Etwa 80.000 Menschen finden den Tod. 

6.8. - In den Vormittagstunden wirft die Besatzung der B-29 "Enola Gay" eine Atombombe ("Little Boy"; 13 Kilotonnen, Kernsprengstoff aus Uran-235) auf die japanische Hafenstadt Hiroshima. Die Druckwelle und die Hitze zerstört im Umkreis von fünf Kilometern nahezu alle Gebäude, Häuser und Gegenstände. Über 90.000 Menschen werden getötet, mehr als 37.000 verwundet. Noch Jahrzehnte nach dem Bombenabwurf sterben Menschen an den Folgen.[>Hiroshima Archive]


Abb. 6 Uhr, stehen geblieben zum Zeitpunkt der Explosion der  Hiroshima-Bombe [Mayu Tsuruya (Hiroshima Archive)]

Hiroshima, 6.8.1945 - Der 59-jährige Kengo Futagawa überquert auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle die Kannon Bridge, die zum Zeitpunkt der Atombombenexplosion ca. 1.600 Meter vom Detonationspunkt entfernt liegt. Am ganzen Körper brennend springt er von der Brücke in den Fluß, um anschließend schwer verletzt nach Hause zurückzukehren. Er stirbt am 22. August 1945 an den Folgen seiner Verbrennungen und der freigesetzten Radioaktivität. Seine Taschenuhr bleibt in der Sekunde der Bombenexplosion stehen und "konserviert" den Zeitpunkt der Explosion und die Ursache für den Tod von Kengo Futagawa für die Nachwelt. 

8.8. -  Kriegserklärung der Sowjetunion an das Königreich Japan. 221 B-29 greifen mit Napalm-Brandbomben die Industriestadt Yawata an und zerstören 21% der bebauten Fläche, über 5.000 Menschen finden den Tod.

8./9.8. - Über 71% der bebauten Stadtfläche werden in Fukiyama bei einem Brandbombenangriff von 91 B-29 zerstört, mehrere Tausend Menschen sterben.

9.8. - Die Besatzung der B-29 "Bock's Car" löst über Nagasaki eine zweite Atombombe ("Fat Boy"; 20 Kilotonnen, Kernsprengstoff aus Plutonium-239) aus. Eigentliches Angriffziel ist Kokura, das unter Wolken versteckt liegt, so dass auf Nagasaki ausgewichen werden muss. Die Anzahl der Todesopfer wird auf etwa 40.000, die der Verwundeten auf ca. 37.000 Menschen geschätzt.

16.8. - Der japanische Kaiser Hirohito erteilt den Befehl zum Einstellen der Kampfhandlungen. 

September 

2.9. - Mit der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation Japans auf dem Schlachtschiff "Missouri" in der Bucht von Tokio endet der Zweite Weltkrieg.

 

* * * 

Quellen

"Um 20.15 Uhr werden schwere Verbände aus Lüdenscheid im Anflug auf Hagen gemeldet. Wir laufen schnell in den kleinen Bunker. Angriffzeichen stehen am Himmel. Eine Stunde lang sitzen wir eng zusammengepfercht. Die Nerven zum Zerreißen gespannt. Meine Frau bekommt einen Herzanfall, Werner ist kreidebleich. Die Frauen halten sich zitternd an den Männern fest. Hagen erlebt seinen schwersten Angriff! Sämtliche Städte der Nachbarschaft werden zu Hilfeleistungen alarmiert. Auch wir Männer werden aufgerufen. Gerade wie ich gegen 22 Uhr mit dem Rad abfahren will, erscheinen am Himmel Leuchtkaskarden, und sofort setzt ein neuer schwerer Angriff ein. Es ist nicht mehr zum Aushalten und übersteigt alles. Um 23 Uhr fahre ich los, komme aber nur bis zur Stadtgrenze. Um es kurz zu machen, in Hagen steht kein Haus mehr! Ein Leben in der Stadt ist nicht mehr möglich. Ein Hochbunker ist mehrfach getroffen. Die Bombe ist durchgeschlagen. Ich sehe 70 Tote. Es ist also kein Schutz mehr. Unter der Bevölkerung herrscht panische Angst. Es gibt in der Stadt kein öffentliches Gebäude, nicht ein Geschäft, ja kaum noch eine Straße. Nur Berge von Schutt und Trümmer. Ich bin noch bis ins Innerste aufgewühlt, und kann all das Entsetzlich nicht beschreiben. Mein Rad auf dem Rücken, versuche ich, in die Innenstadt vorzudringen. Es ist unmöglich, überall schlagen mir Flammen und dichte Rauchwolken entgegen. Straße an Straße, ganze Stadtteile brennen. Ein furchtbarer Brandsturm. Funkenflug. Ich bekomme kaum Luft. Ich klettere über Berge von Schutt, ganze Häuser stürzen krachend zusammen. Ein unheimliches Fauchen und Dröhnen erfüllt die Luft. Ratlos stehe ich mit andern Menschen und weiß nicht weiter. (...) Ich will den grauenhaften Weg durch eine sterbende Stadt, die in ihrem letzten Todeskampf liegt, nicht näher beschreiben. Es fehlt mir dazu der Ausdruck. Einsam ragt der Turm der Lutherkirche aus dem Chaos. Seine Eisenkonstruktion ist bis zur Turmspitze glühend rot. Ein zum Himmel zeigendes Mal, bis auch dieses Gebäude krachend zusammenstürzt. (...) Unter dem Eindruck dieser Nacht habe ich mein Parteiabzeichen abgelegt. Draussen regnet es in Strömen Die armen Menschen, die auf der Straße liegen!" 

[Tagebuch R. Römer, Eintrag v. 15.3.1945, StadtA Hagen] 

"Vorgestern hatten wir hier einen Angriff erlebt, der alle vorherigen in den Schatten gestellt hat. Ich habe Gott dafür gedankt, daß wir nicht mitten in der Stadt wohnen. Hier haben wir trotzdem vieles noch mitbekommen. Nach 8 Uhr ging der Feuerzauber mit bunten Tannenbäumen los. Es müssen hunderte Bomber gewesen sein. Die Flack auf dem Bahnhof schoss wie nie zuvor und alles wackelte wie verrückt. Alles war taghell von den fürchterlichen Bränden. Wir saßen im Keller und zitterten vor Angst. Als wir dachten, dass endlich Schluß wäre, kamen neue Bomber und wieder schwere Angriffe. So ging das etwa 2 Stunden. Soldaten, die in Hagen eingesetzt werden, erzählten mir, daß es tausende Tote gegeben hat und Hagen den Erdboden gleich gemacht wurde. Die Toten sollen so auf der Straße liegen. Der große Bunker in der Körnerstraße, wo ich neulich mal drin war, ist von Bomben getroffen worden. Da sollen sich schreckliche Bilder abgespielt haben. Gestern konnten wir vor lauter Rauch den Himmel nicht mehr sehen. Ich will erst garnicht in die Stadt gehen, wenn ich nicht unbedingt muß. K. war ja gestern in Hagen und kam kreidebleich nach Hause. Hoffentlich ist das alles bald vorbei. In Schwerte habt Ihr ja auch schon was mitgekriegt, wie mir F. erzählt hat. Tante H.'s Haus soll ja kaputt sein, auch die ganze Straße, in der sie gewohnt hat. Ist sie mit den Kindern gut untergekommen? (...)" 

[Brief von Frau E. Schulte v. 17.3.1945 an ihre Freundin in Schwerte, Privatbesitz] 

 

 



Erstellt: 20.02.2006

Zuletzt geändert: 20.02.2006