1944

Zeitleiste und Chronik - 1944 

 

- die Chronologie wird fortlaufend ergänzt -  

Hinweise auf Ergänzungen an die Redaktion

 

 

1944 

Januar 

20./21.1. - Unternehmen "Steinbock": Die deutsche Luftwaffe beginnt eine fünfmonatige Angriffsserie gegen britische Städte, darunter besonders auch London. Diese "Vergeltungsangriffe" werden in England in Anlehnung an die Bombardements 1940/1941als "Little Blitz" bezeichnet.

Februar 

März 

April 

3.4. - Operation "Tungsten": Maschinen der britischen Flugzeugträger 'Victorious', 'Searcher', 'Pursuer' und 'Emperor' greifen das im norwegischen Kåfjord liegende deutsche Schlachtschiff 'Tirpiz' an. Bis Juli 1944 unternimmt die Royal Navy vier weitere Luftangriffe auf die 'Tirpiz'. Am 12.11.1944 wird das Schlachtschiff schließlich bei einem Bombardement mit großkalibrigen "Tallboy"-Sprengbomben durch 32 Lancaster-Maschinen versenkt. 

"Heavy fires which started among rolling stock and adjacent buildings early in the attack make subsequent appraisal of damage very difficult." [8th USAAF Narrative of Operations, 22.4.1944; PRO AIR 40/606, Bl. 2]


Abb. 1: Bombeneinschläge in Hamm [National Archives, Washington, D.C.]

 


Abb. 2: Bombergesatzung [National Archives, Washington, D.C.]

 

 

22.4. - In den Abendstunden greifen über 700 Maschinen der 8. USAAF den Verschiebebahnhof Hamm an - den größten Rangierbahnhof Europas. Über 1500 Tonnen Sprengbomben zerstören nicht nur die Bahnanlagen und umliegenden Fabriken. Bei der Bombardierung werden über 300 Menschen getöten.

Mai 

24./25.5. - Ermordung von 50 zuvor aus dem Stalag-Luft III in Sagan geflüchteten kriegsgefangenen Angehörigen der Royal Air Force durch die Gestapo mit Billigung des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Hermann Göring.

30.5. - In seinem Rundschreiben "Volksjustiz gegen anglo-amerikanische Mörder" stellt Martin Bormann als Leiter der Partei-Kanzlei die Straffreiheit von Lynchmorde durch die Bevölkerung heraus.


Abb. 3: Rundschreiben 125/44 G v. 30.5.1944 der Partei-Kanzlei an die Gauleiter und Kreisleiter (zur mündlichen Unterrichtung durch die Gauleiter) betr. Volksjustiz gegen anglo-amerikanische Mörder [Public Record Office, London; WO 235/193]

Juni 

6.6. - Beginn der Invasion der Westalliierten in der Normandie - die Operation "Overlord".

12./13.6. - Das Flak-Regiment 155 startet die erste Flugbombe Fiesler 103 "Kirschkern" ("Vergeltungswaffe 1" / V 1) gegen London. Von über 22.000 Flugbomben, die bis Ende März 1945 in Richtung England abgeschossen werden, erreichen etwa 5.500 englischen Boden. Ab Herbst 1944 bilden vor allem Antwerpen und Lüttich die Hauptziele für die V 1. Über 11.900 Flugbomben werden aus Holland und der Eifel sowie aus dem Sauer- und Siegerland in Richtung dieser beiden Städte gestartet. 

Juli 

20.7. - Das Sprengstoffattentat auf Hitler scheitert. Die Widerständler aus bürgerlichen und militärischen Kreisen werden in den folgenden Monaten inhaftiert, in Schauprozessen vor dem Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode verurteilt und in der Regel exekutiert.

August 

September 

8.9. - Aus dem Raum Den Haag starten die ersten Fernraketen A 4 ("Vergeltungswaffe 2" / V 2) in Richtung London. Bis zum 27.3.1945 werden auf England und vor allem Belgien mit dem Hauptziel Antwerpen mehr als 3.000 Raketen abgeschossen. In und um London werden über 2.270 Menschen getötet, in Belgien finden durch deutsche Raketenwaffen mindestens 6.440 Personen den Tod. 

Oktober 

November 

- Die alliierten Luftangriffe bewirken vor allem in Westdeutschland die völlige Zerstörung der wirtschaftlichen Grundlagen und des Alltagslebens der Bevölkerung. [>Quellen]

Dezember 

16.12. - Beginn des deutschen Unternehmens "Wacht am Rhein" in den belgischen Ardennen zur Rückeroberung des belgischen Nachschubhafens Antwerpen. Bereits am 24.12. stoppen alliierte Truppen den anfänglich schnellen deutschen Vormarsch durch den massiven Einsatz ihrer Luftstreitkräfte. 

 

* * * 

Quellen

 

"Bei uns ist es mit dem Alarm in letzter Zeit ganz toll. Vormittags um ½ 10 Uhr müssen wir meistens schon in den Stollen, über Mittag auf jeden Fall, jeden Nachmittag um ½ 4 Uhr, abends um ½ 7 Uhr und nachts noch mal. Gestern Abend dauerte die akute Gefahr von 6.15 Uhr bis 10 Uhr mit einer kurzen Unterbrechung, die gerade dazu ausreichte, dass wir mit unserem schweren Gepäck den Berg herauf klettern konnten, um im nächsten Augenblick zuhause erneut loslaufen zu müssen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie anstrengend das ist. Dabei ist der Stollen total überfüllt und die Luft darin völlig verbraucht, so dass man glaubt, nicht mehr atmen zu können. Gestern war den ganzen Tag ein Transport Leichtverwundeter aus dem Westen mit im Stollen. Wenn man die armen Soldaten sieht, total verdreckt mit zerrissenen Uniformen und verklebten Verbänden, dazu erschreckend elend aussehend, möchte man weinen über dieses furchtbare Kriegsgeschehen. Dabei rückt die Front hier im Westen immer näher. Was soll nur aus uns werden? [...] Aus unserem Haus gehen nun sämtliche Familien in den Stollen, Frau Winkelmann und Kleinjungs sogar schon bei Voralarm, sie verbringen mehr als die Hälfte ihres Lebens im Stollen. Es ist ein erbärmliches Dasein." 

[Auszug aus einem Brief von Ilse Thormählen (geb. Prange, 1906-1994), Hagen, an ihre nach Waldheim in Sachsen evakuierten Söhne, 29.11.1944, Privatbesitz] 

"Es ist keine Seltenheit mehr, daß wir 3, 4, auch 5 x im Bunker waren. Gestern fielen Bomben in Barop. Ich fürchte, jetzt kommen wir bald wieder dran. Aber wir werden es schon aushalten. Jetzt haben wir wieder Sonderzuteilung bekommen. Unter anderem auch 50 Gramm Kaffee. Auch Fleisch und Butter. Aber wir bekamen ja auch 2 Wochen keine Butter. Also ohne etwas dazu zu kaufen, wäre es jetzt aber bitter. Ich sage Opa gar nichts, sondern kaufe. Denn Deine Kekse und Butter hebe ich uns auf für besondere Fälle. Am anderen Tag gab der Wehrmachtsbericht durch, V II wäre in Betrieb. Da dachte ich, wir schaffens doch, und kaufen noch mal Butter so viel wir wollen, und es dauert bestimmt nicht mehr so lange wie es bis jetzt gedauert hat. V II schießt heute dahin, wohin ich es schon lange gewünscht habe. Ich glaube, es dauert nicht mehr lange [...]." 

[Auszug aus dem Brief einer Dortmunder Bürgerin an ihren als Soldat eingesetzten Ehemann, ediert in: Die Zusammenbruchsgesellschaft. Kriegs- und Trümmerzeit in Dortmund in Berichten und Dokumenten, hg. v. Geschichtswerkstatt Dortmund, Dortmund 1995, S. 23] 

 

 



Erstellt: 28.03.2006

Zuletzt geändert: 28.03.2006