1943

Zeitleiste und Chronik - 1943 

 

- die Chronologie wird fortlaufend ergänzt -  

Hinweise auf Ergänzungen an die Redaktion

 

 

1943 

Januar 

14.-26.1. - Auf einer britisch-amerikanischen Konferenz im nordafrikanischen Casablanca wird die "Kombinierte Bomberoffensive" gegen das Deutsche Reich und seinen Satellitenstaaten beschlossen. Während die 8. USAAF vor allem Tagangriffe auf Industrie- und Verkehrsziele fliegen soll, bleiben nächtliche Flächenangriffe die Hauptaufgabe des Bomber Command der Royal Air Force. 

31.1. - Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad.

Februar 

15.2. - Nach mehrmonatiger Vorbereitungszeit werden im Deutschen Reich die ersten jugendlichen Luftwaffenhelfer "eingezogen". [>Beitrag]


Abb. 1


Abb. 2

Luftwaffenhelfer in Flakbatterien am Hengsteysee bei Dortmund, Juli 1943 (l), Februar 1944 (r) [Historisches Centrum Hagen] 

 

18.2. - Im Berliner Sportpalast erklärt Dr. Joseph Goebbels den "Totalen Krieg". An der "Heimatfront" erfolgen daraufhin zahlreiche Maßnahmen, die das gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Leben noch mehr einschränken.

21.2. - Die Geschwister Scholl und Christoph Probst werden als Angehörige der Münchener Widerstandsbewegung "Weiße Rose" zum Tode verurteilt und hingerichtet. 

März 

4.3. - Ein kleiner Angriffsverband von 19 viermotorigen B-17 greift in den Vormittagstunden die Bahnanlagen von Hamm an. Es handelt sich um den ersten Luftangriff der 8. USAAF auf ein Ziel tief im deutschen Hinterland. In Hamm werden mindestens 150 Menschen getötet und der Personenbahnhof schwer beschädigt. [>Fotoserie | >Beitrag | Zeitzeugenberichte]


Abb. 3: Deutsche Luftaufnahme der Innenstadt von Essen, April 1943 [Stadtarchiv Essen]

 

Die Stadt Essen wird als "Waffenschmiede" des Deutschen Reichs angesehen. In den weltbekannten Krupp-Werken werden Teile für Panzer, Kriegsschiffe und Flugzeuge sowie auch Geschütze und Artilleriemunition gefertigt. Während der "Battle of the Ruhr" kommt es zu zahlreichen schweren Flächenangriffen.[>Beitrag] 

5./6.3.-31.7. - Mit einem Angriff auf Essen eröffnet das Bomber Command die "Battle of the Ruhr", die erste umfassende Luftoffensive gegen das Deutsche Reich. Zwischen März und Juli 1943 werden zahlreiche Flächenangriffe auf Großstädte im Rheinland und im Ruhrgebiet geflogen. Rund 15000 Menschen sowie über 6000 Mitglieder britischer Bombercrews sind am Ende der Luftoffensive Todesopfer der Angriffe. [>Fotoserie | >Beitrag]

April 

Mai 

- In der Presse und in anderen Medien wird die Haßpropaganda gegen alliierte Flieger forciert. Dabei greift die NS-Führung zunehmend auf ideologische und rassische Konstruktionen zurück. [>Quellen]


Abb. 4: Die zerstörte Staumauer der Möhne-Talsperre am Vormittag des 17.5.1943 [Historisches Centrum Hagen]


Abb. 5: "Rollbombe" unter Lancaster-Bomber, Mai 1943 [Imperial War Museum, London]

 

16./17.5. - In einer Spezialoperation, der Operation "Chastise" (“Züchtigung“), gelingt es dem Bomber Command in der Nacht vom 16./17. Mai 1943, mit "Rollbomben" die massiv gebaute Staumauer der Möhne-Talsperre sowie die Eder-Talsperre zu zerstören. In den Wasserfluten im Möhne- und Ruhrtal finden mindestens 1500 Menschen den Tod, darunter Hunderte ausländischer Zwangsarbeiter. Die Staudämme werden bis Oktober 1943 von der Organisation Todt (OT) wieder aufgebaut. [>Fotoserie | >Quellen | externer Link]

23./24.5. - Über 960 britische Bomber fliegen auf Dortmund den bisher schwersten Luftangriff gegen eine deutsche Stadt. Über 600 Menschen finden den Tod. [>Zeitzeugenberichte]


Abb. 6: Ein viermotoriger 'Lancaster'-Bomber startet am Abend des 23.5. gegen Dortmund [Imperial War Museum, London]


Abb. 7: Bombenschäden in der Dortmunder Innenstadt, Sommer 1943 [Historisches Centrum Hagen]

 

24.5. - Nach schweren Verlusten läßt der Oberbefehlshaber der Marine, Großadmiral Karl Dönitz, den U-Bootkrieg "vorläufig" einstellen. Tatsächlich werden die deutschen U-Boot bis Kriegende keine nennenswerte "Erfolge" mehr erzielen. Die "Wunderwaffen" der Kriegsmarine, Elektro-U-Boote mit leistungsstarken Akkumulatoren, kommen erst 1945 in geringen Stückzahlen zum Einsatz. Alliierte Bombenangriffe haben die Verkehrswege zu den Bauwerften unterbrochen und Zulieferbetriebe für Batterien und Motoren zerstört. 


Abb. 8: 29./30.5. - In Wuppertal-Barmen entsteht erstmalig bei einem britischen Luftangriff das Phänomen eines "Feuersturms", der ganze Stadtviertel zerstört. [Stadtarchiv Wuppertal]

29./30.5. - In Wuppertal entstehen nach einem Luftangriff von rund 650 britischen Flugzeugen auf den Stadtteil Barmen verheerende Flächenbrände, die sich teilweise zu einem "Feuersturm" entwickeln. Etwa 3400 Menschen finden den Tod. Ein weiterer Flächenangriff des Bomber Command am 24./25.6. bewirkt ähnlich umfangreiche Sachschäden im Stadtteil Elberfeld, wo rund 1800 Menschen getötet werden. [>Beitrag]

Juni 

- Schließung der Schulen in "luftgefährdeten" Städten des  Rheinlands und Ruhrgebiets: Beginn der erweiterten Kinderlandverschickung (KLV) und Verlegung ganzer Schulen in als "bombensicher" geltende Regionen, z.B. Südwestdeutschland, Bayern, Ostpreußen, Sudentenland, Böhmen und Mähren. [>Beitrag]

Juli 

24./25.7.-3.8. - In der mehrtägigen Operation "Gomorrha" gegen Hamburg bombardieren britische und amerikanische Bomberverbände die Millionenstadt Hamburg. Rund 40.000 Menschen finden in in einer "Feuersturmnacht" und bei den anderen Luftangrffen den Tod, etwa 900.000 Personen werden "obdachlos". [> Fotoserie | > Beitrag]

August 

17./18.8. - 596 Maschinen starten für einen Angriff (Operation "Hydra") auf die Heeresversuchsanstalt in Peenemünde, um das damalige Entwicklungs- und Produktionszentrum von Raketenwaffen zu zerstören. [>externer Link]

September 

Oktober 

November 

Dezember 

 

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Quellen

"Wie kann man von Menschen Achtung vor fremden Kulturdenkmälern erwarten, die selbst keine Kultur kennen, deren Helden Gangsterkönige und betrügerische Negerboxer sind. [...] Das ist derselbe Schlag Mensch, der aus den USA über den Ozean herübergekommen ist, um durch Bombenterror den Ländern Mitteleuropas die Kultur zu bringen. Die Janhagel, ob weiß oder schwarz, sitzt in Roosevelts Flugzeugen. Dieser Mob ist kulturunfähig und wird es bleiben. [...] Aus dieser Horde, vermehrt um die Elite der Zuchthäuser, rekrutiert sich die Knüppelgarde des USA-Imperialismus." 

[Berliner-Lokalanzeiger v. 1.8.1943] 

"Das fliegende Personal der gegnerischen Luftwaffen rekrutiert sich bei der englischen Luftwaffe vorwiegend aus den Adelsschichten und sonstigen gehobenen Kreisen. Im Gegensatz dazu entstammen die amerikanischen Flieger fast ausschließlich den niederen Volksschichten. Jeder der eingesetzten Piloten verpflichtet sich für 30 Feindeinsätze. Er wird dafür mit je 5-600 Dollar abgefunden". 

[Generalfeldmarschall Eberhart Milch, Generalinspekteur der deutschen Luftwaffe, am 10.1.1944 auf der Tagung von Gau- und Kreispropagandaleiter in Berlin; StadtA Oberhausen, Akten der NSDAP 2, T. II] 

 

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Zeitzeugenberichte 

Luftangriffe auf Hamm

"Der Feind überflog mit 17 Flugzeugen aus nördlicher Richtung über Hamm und überquerte das Bahnhofsviertel und die beiden großen Drahtwerke. Zahlreiche Bomben wurden abgeworfen." 

[Luftschutzmeldungen des Oberlandesgerichts Hamm, Eintrag v. 4.3.1943; StadtA Hamm] 

"Augenzeugen, die gerade im Zug Hamm passierten, berichteten, wie die Bomben hagelten, die große Bahnhofshalle zerstört worden sei und dass große Industrieanlagen in hellen Flammen standen." 

 

[Heinz Pettenberg: Starke Verbände im Anflug auf Köln. Eine Kriegschronik in Tagebuchnotizen 1939-1945, Köln 1985, S. 141 (Eintrag v. 4.3.1943)] 

 

Luftangriffe auf Dortmund

"Die erste Maschine warf 1.02 [Uhr] grüne Leuchtschirme über dem Gebiet ab, in das die nachfolgenden Maschinen sehr bald ihre Bombenlast hineinfielen ließen. [...] Zuerst blieb nach dem Alarm alles ruhig; dann sah ich konzentrierte Scheinwerfer im Norden der Stadt. Sofort erfolgte starkes Flakfeuer. [...] Pausenlos dröhnten die Motoren der an- und abfliegenden Maschinen. Bald war auch im Keller Brandgeruch. [...] In einer Pause sah ich an drei Stellen des Himmels lohenden Feuerschein: Im Norden, in der Mitte und wohl den ganzen Westenhellweg bzw. Parallelzüge entlang bis Huckarde-Dorstfeld, im Südwesten in größerer Entfernung [...] Schauerlich war der Anblick der Innenstadt. Überall rauchende Trümmer, Berge von Glasscherben und Schutt. Menschen, die auf den Trümmern ihrer geretteten Habe auf den Grünplätzen der Stadt kampieren; andere, die mit Koffern und Bündeln ein Notquartier suchten." 

[Luise von Winterfeld, in: Kriegschronik der Stadt Dortmund, Eintrag v. 5.5.1943; StadtA Dortmund, Best. 424-35] 

"Am schwersten trifft uns Dortmunder wohl die Vernichtung des Alten Rathauses mit dem bekannten Festsaal, das auf das Jahr 1232 zurückgeht. Auch das Haus der bildenden Künste ist vollständig vernichtet. Die Dortmunder Stadt- und Landesbibliothek, eine der bedeutendsten Bibliotheken Westdeutschlands, ist zerstört, nahezu 200000 Bände und eines der bedeutendsten Zeitungsinstitute des Reiches sind dem Bombenterror zum Opfer gefallen." 

[Bericht v. Stadtrat Dr. Klein v. 10.6.1943, in: Kriegschronik der Stadt Dortmund; StadtA Dortmund, Best. 424-36] 

"1939 tönte Göring, daß kein einzige feindliche Bombe das Ruhrgebiet treffen könne. Ich gratulieren euch, daß ihr ihn mit Erreichen der ersten 100.000 Tonnen auf Deutschland abgeworfenen Bomben widerlegt habt. Die nächsten noch größeren und besseren 100.000 Tonnen Bomben werden, falls er darauf warten sollte, noch präziser und in einem noch kürzeren Zeitraum abgeworfen werden." 

["Tagesbefehlf" von Arthur T. Harris, 24.5.1943 - The next 100.000 Tons (Übers.), in: The Times, Thuesday, May 25th, 1943 ("Heavy Air Blows At The Axis - Over 2000 Tons Of Bombs On Dortmund - Concentration Into One Hour") 

"Ja, Du kannst Dich wohl freuen, daß Ihr Euch zeitig weggemacht habt aus diesem Hexenkessel. Man wird seins Lebens nicht mehr froh hier. Der zweite Angriff war noch schlimmer in der Stadtmitte und im Norden als der erste. Auf dem ganzen Burgwall, der Brückstraße, dem Westenhellweg usw. steht aber auch kein Haus mehr ganz. Beschreiben kann man das einfach nicht, man muß es gesehen haben, stellenweise erinnert es einfach an Stalingrad. Selbst Frontkämpfer, die in Urlaub kamen, schüttelten den Kopf. Die Zahl der Toten kann man nicht nennen, da noch heute gebuddelt wird. Eine Kollegin, die in der Unglücksnacht hier auf Hansa Luftschutz hatte, verlor Mutter, Bruder, Schwester, Schwägerin und Nichte nebst allem Hab und Gut [...]." 

[Auszug aus dem Brief einer Dortmunder Bürgerin an ihre in Wien wohnhaften Freundin, 1.6.1943; StadtA Dortmund] 

"Auch jetzt bewahrt die Bevölkerung nach außen hin Ruhe; aber die Lebensangst ist bei sehr, sehr vielen entsetzlich. Die Arbeiter haben ihres Notstands wegen die Arbeitsstellen nicht aufgesucht." 

[Luise von Winterfeld, in: Kriegschronik der Stadt Dortmund, 25.5.1943; StadtA Dortmund, Bestand 424-36] 

"Es fehlt in Dortmund augenblicklich ungefähr an allem. Wir müssen das Notwendigste bereitstellen, um die Stadt und ihre Bevölkerung überhaupt halbwegs lebensfähig zu halten. Wenn Hoffmann sagt, daß die Haltung der Bevölkerung im großen und ganzen gut sei, so ist das natürlich cum grano salis zu verstehen. Die Menschen fügen sich mit einer fast fatalistischen Ergebenheit in ihr Schicksal. [...] Ich beauftrage Berndt mit einer großzügigen Hilfsaktion für Dortmund. Hoffmann bittet mich dringend, nun dem Problem der Evakuierung des Ruhrgebiets näherzutreten. [...] Für Dortmund kommt da hauptsächlich das Sauerland in Frage." 

[Fröhlich, Elke (Hg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Teil II, Bd. 8 (April - Juni 1943). München u.a. 1993, S. 367] 

 

 



Erstellt: 28.03.2006

Zuletzt geändert: 09.06.2006