Ereignisse und Zusammenhänge

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Carl-Josef Virnich 

Der "Achtzigjährige Krieg" - Ereignisse und Zusammenhänge 

 

Unter den möglichen periodisierenden Einteilungen bietet sich die Unterscheidung von drei Phasen an: einer 1. Eskalationsphase (1566/67) folgte 2. die eigentliche Zeit der Aufstände bis zur Teilung der Niederlande (1567-1579/81), zuletzt 3. die Phase des tatsächlichen "niederländisch-spanischen Kriegs". Diese war im Wesentlichen 1609 beendet. Die endgültige Konsolidierung der aufbegehrenden Provinzen und ihre Anerkennung als souveräne Republik fand indes erst 1648 ihren Abschluss. 

1. Eskalationsphase (1566 / 67) 

Als Initialzündung des Achtzigjährigen Kriegs wirkten die Religionsunruhen des Sommers 1566. Calvinistische "Heckenprediger" - sie predigten außerhalb der Städte auf freiem Feld - zogen durchs Land und mobilisierten Tausende. Im Artois und Hennegau, in Teilen Flanderns und Brabants bildeten religiöse Momente und soziale Spannungen eine explosive Mischung: In den stark von der Tuchindustrie geprägten Gebieten herrschte eine mit Hungersnot einhergehende Massenarbeitslosigkeit. Angestachelt von Predigern, die den maßlosen Reichtum der Kirche geißelten, entluden sich die Spannungen schließlich in einem von Angehörigen der Mittel- und Unterschichten getragenen heftigen Bildersturm. 

Dies war nicht im Sinne der Mehrheit des "Adelsverbunds", der die antikatholischen Ausschreitungen weitgehend niederschlug und sich, aufgrund einer Zusage Parmas, die die protestantische Gottesdienste weiterhin zu dulden versprach, selbst auflöste. Nachdem es aber Regierungstruppen Anfang 1567 gelungen war, einzelne Adlige und calvinistisch gewordene Städte, die Kompromisse ablehnten und weiter für völlige Religionsfreiheit kämpfen wollten, militärisch zu bezwingen, verlangte die Generalstatthalterin vom Hochadel eine neue Eidesleistung. Wilhelm von Oranien, Graf von Hoorn und andere lehnten dies ab. Gegen sie wurde der Vorwurf des Hochverrats erhoben. 

2. Aufstände bis zur Teilung (1567-1579 / 81) 

Philipp II. war entschlossen, an Calvinisten und rebellischem Adel ein Exempel zu statuieren. 1567 beauftragte er den Herzog von Alba mit der gewaltsamen "Befriedung" der Niederlande. Alba war bald wegen seiner Brutalität und Härte als "Eiserner Herzog" verhasst. Ein Sondergericht, in der öffentlichen Meinung bald "Blutrat" genannt, verurteilte Tausende der Aufständischen. Auch Gemäßigte wie die Grafen Egmont und Hoorn wurden hingerichtet. Die massiven Truppeneinquartierungen belasteten die gesamten Niederlande, die verschärfte Inquisition trieb wieder Tausende Calvinisten ins Exil - ebenso wie die "politische" Opposition, darunter Wilhelm von Oranien. Die Chancen auf eine Kompromisslösung, auf einen modus vivendi für Katholiken und Protestanten, der der überwiegenden Mehrheit der Niederländer vorschwebte, war an Albas rigorosem Vorgehen gescheitert. 

Wilhelm von Oranien versuchte den bewaffneten Widerstand vom nassauischen Familiensitz in Dillenburg aus zu organisieren. Konkret war er vor allem bemüht, deutsche und französische Söldner zu werben. Sein Bruder Ludwig von Nassau schlug im Mai 1568 ein spanisches Heer bei Heiligerlee - die Schlacht gilt als Beginn des Achtzigjährigen Kriegs - wurde aber kurz darauf besiegt. Ebenso missglückten die meisten militärischen Operationen Wilhelms im Zentrum und Süden der Niederlande, der sich nichtsdestoweniger immer mehr als Führer des Aufstandes profilierte. Erst die Verbindung mit den sogenannten "Zeegeuzen" - Freibeutern, die Wilhelm von Oranien mit Kaperbriefen ausstattete - verschaffte den Aufständischen feste Basen in den Provinzen Zeeland und Holland, außerdem die strategisch wichtige Kontrolle des Schiffsverkehrs. Alba wurde wegen seiner Misserfolge abgelöst. 

Mit der Dauer des Kriegs, den die Spanier und ihre Verbündeten ungeachtet ihrer militärischen Überlegenheit nicht für sich entscheiden konnten, gewannen die auf Ausgleich bedachten Stimmen wieder an Gewicht. In einer Phase des Machtvakuums - Albas Nachfolger Don Luís Requesens war gerade gestorben, die spanische Soldateska meuterte, Spanien hatte seinen zweiten Staatsbankrott erlebt - schlossen die einberufenen Generalstaaten die "Genter Pazifikation" (1576): Holland und Zeeland sollten in den Verband der 17 Provinzen zurückkehren, gemeinsam wollte man die fremden Truppen aus dem Land treiben. Der neue Generalstatthalter Don Juan d’Austria stimmte dem Anfang 1577 im "Ewigen Edikt" zu, allerdings in der veränderten Form der "1. Union von Brüssel", die sehr katholisch orientiert war. 

Doch Don Juan brach seine Zusagen, die Truppen kehrten zurück. Wilhelm von Oranien setzte im Dezember 1577 eine Änderung der Union durch, die auch den Protestanten Gewissenfreiheit zusicherte und Don Juan zum Landesfeind erklärte (2. Union von Brüssel bzw. "Nadere Unie"). Anfang 1578 brachten königliche Truppen einer gemeinsam aufgestellte Armee der Generalstaaten eine vernichtende Niederlage bei (Schlacht bei Gembloux/ Gembloers): Die neuerliche Eskalation ließ es immer unwahrscheinlicher werden, dass die Landeseinheit bewahrt bleiben könnte. 

Im Januar 1579 schlossen die Provinzen Artois und Hennegau die "Union von Arras", wenig später die Nordprovinzen den Unionsvertrag von Utrecht. Während die Zukunft der Kernprovinzen Flandern und Brabant noch offen blieb, festigte sich damit die Teilung des Landes. Den entscheidenden und revolutionären Schritt zur Separation vollzogen die aufständischen Provinzen am 26. Juli 1581 mit dem "Plakkaat van Verlatinghe". Mit einer wortreichen juristischen Begründung, der Landesherr verstoße gegen die Freiheiten und Privilegien der Provinzen, "verließen" sie Philipp II. als ihren Landesherrn. Zweck dieses Vorgangs war, sowohl die Suche eines neuen Souveräns (siehe unten) rechtlich abzusichern als auch möglichen Loyalitätskonflikten der (Nord-)Niederländer vorzubeugen. 

3. "Niederländisch-spanischer Krieg" 

In der ersten Zeit der Unabhängigkeit galt es für die "Vereinigten Provinzen" vor allem, sich der militärischen Übermacht der Spanier und der "königlichen Niederlande" zu erwehren. Man suchte Verbündete, nicht zuletzt auch einen neuen Generalstatthalter als fürstliche Spitze, denn eine Zukunft als Republik war keineswegs geplant. - Zunächst setzte man auf den französischen Herzog Franz von Anjou, der als "Verteidiger der Freiheiten der Niederlande", so sein Titel, mit einer Armee in den Niederlanden einmarschierte, aber beim Versuch der Rückeroberung von Antwerpen ein militärisches Desaster erlebte. Oraniens profranzösische Politik geriet in Misskredit. Als er am 10. Juli 1584 in Delft ermordet wurde, war dies nichtsdestoweniger ein Schock, da er seit den 1560er Jahren der unbestrittene Wortführer der Aufständischen war. 

Die Vereinigten Niederlande, jetzt von Moritz und Wilhelm Ludwig von Nassau vertreten, erhielten Unterstützung von Elisabeth I. von England. Der englische Graf von Leicester wurde zum Generalstatthalter ernannt, konnte aber den unterdessen begonnenen Eroberungsfeldzug Alexander Farneses von Parma, Sohn der früheren Generalstatthalterin, nicht stoppen. Nach Leicesters Abreise (1587) wurden die "Vereinigten Provinzen" Republik. Durch mehr oder weniger glückliche Zufälle - 1588 unterlag die spanische Armada der englischen Flotte, 1590 wurde Alexander Farnese gegen Frankreich ins Feld geschickt - gewannen die Vereinigten Provinzen in den 1590er Jahren militärisch die Oberhand. Dem spanischen Feldherren Ambrogio Spinola gelang es noch einmal seit 1600, das Blatt zu wenden. Jedoch wurden schon bald geheime Beratungen geführt, die schließlich zum zwölfjährigen Waffenstillstand führten (1609-1621). 

Nach Ende des Waffenstillstandes nahm man die Kampfhandlungen wieder auf. Die Spanier konnten zunächst durchaus beachtliche Erfolge feiern, die die Generalstaaten an den Rand einer Niederlage brachten (Eroberung Bredas 1625). Doch zum Ende des 1620er Jahre wendete sich das Blatt endgültig zugunsten der Niederlande. Die wirtschaftlich, militärisch und politisch erstarkte Republik der Vereinigten Provinzen konnte jetzt auch die Begegnung mit dem Feind in Übersee wagen: 1628 wurde vor Kuba die gesamte spanische Silberflotte gekapert, elf Jahre später konnte eine zweite spanische Armada vor der Südostküste Englands geschlagen werden. In den eigentlichen Niederlanden gelang nur noch die Eroberung kleinerer Gebiete wie Maastricht, Venlo und Roermond, die als "Generalitätslande" der Republik zugeschlagen wurden. Im Rahmen der Westfälischen Friedensverhandlungen schlossen Spanien und die Niederlande am 30. Januar 1648 einen Sonderfrieden. Der Friede von Münster (24. Oktober 1648) beendete dann den Achtzigjährigen Krieg endgültig. 

Empfohlene Zitierweise

Virnich, Carl-Josef: Ereignisse und Zusammenhänge. Aus: Der "Achtzigjährige Krieg", in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/576/

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Erstellt: 03.01.2006

Zuletzt geändert: 03.01.2006