persistent

Sie haben den folgenden Artikel über eine stabile URL aufgerufen:

Sigmund Riezler 

Die Grafen von Fürstenberg im Schweizerkriege 1499 (1883) 

 

Nicht mit Unrecht nennt Wilibald Pirkheimer den Schweizerkrieg von 1499 1), in dem er selbst die Nürnberger Heeresmacht befehligte, den größten und beweinenswertesten von allen, die bei seinem und seiner Väter Gedenken geführt wurden. Auch für die Geschichte des Hauses Fürstenberg bezeichnet er einen unglücklichen Abschnitt. Er war begründet durch die Stellung der Eidgenossen zu Österreich, durch ihre Stellung zum Reiche und zu den schwäbischen Nachbarn. Nachdem die Eidgenossenschaft mit Erzherzog Sigmund von Österreich im Bündnis gestanden war, mußte

[420] Gründe des Krieges. 

es dessen Nachfolger Maximilian aufs übelste empfinden, daß sie seine Einladung den Bund mit ihm zu erneuern ablehnte. Auch der gewünschte Beitritt zum schwäbischen Bunde ward von den Eidgenossen verweigert, da sie sich stark genug fühlten, den Landfrieden im eigenen Gebiete kräftig zu schirmen, die dynastischen Interessen Habsburgs zu verteidigen keinen Anlaß hatten und von den im Bunde sehr mächtigen aristokratischen Tendenzen nur zurückgestoßen wurden. Ihr Verhalten gegenüber dem Reiche war schon seit langer Zeit ein völlig gleichgiltiges und teilnahmsloses. Recht auffällig aber trat dies erst zutage, seit man in Deutschland mit einigem Erfolge wieder daran gegangen war, gemeinnützige Reichsinstitutionen ins Leben zu rufen, seit der ewige Landfrieden und das Kammergericht bestanden. Die Eidgenossen weigerten sich, den gemeinen Pfennig zu zahlen, der zur Hilfe gegen die Türken und zur Unterhaltung des Reichsgerichtes gefordert ward; ja sie ließen es sich nicht nehmen, daß ihre zahlreichen kriegsgeübten Söldner scharenweise im französischen Heere zum Kampfe gegen Deutschland Dienst nahmen. Eine persönliche Streitsache bot weiteren Anlaß zu gegenseitigen Unzufriedenheit. Der Bürgermeister von St. Gallen, Ulrich Varnbüler, ein hochstrebender, aber gewaltthätiger Mann, war mit seinen Mitbürgern zerfallen und nach Deutschland entflohen, worauf seine Güter eingezogen oder verwüstet wurden. Als er nun von der Stadt dafür Schadenersatz verlangte, nahm sich das Kammergericht seiner Forderung an, sprach über die St. Galler, als diese dem neu errichteten Reichsgerichte den Gehorsam weigerten, die Acht aus und vergebens bat die Eidgenossenschaft durch Gesandte beim Könige um Aufhebung dieser Strafe, die den sanktgallischen Handel schwer schädigte 1). Die vielbewährte Kriegstüchtigkeit ihrer Landsknechte aber, der Ruhm und glänzende Erfolg der Burgunderkriege hatten das Selbstgefühl der Eidgenossenschaft mächtig gehoben, durch das Schutzbündnis mit Schaffhausen, den Beitritt Solothurns, Freiburgs, der drei rätischen Bünde, den Gewinn des Thurgaus war ihr Gebiet beträchtlich erweitert und gegenüber den thatsächlichen Verhältnissen war es so unklug wie prahlerisch, wenn man am königlichen Hofe von den Eidgenossen wohl noch als aufrührerischen Bauern sprach und wenn manche der adeligen Nachbarn in Schwaben durch Schmähungen auf die "Kuhmäuler" die Leidenschaften noch mehr entzündeten.

Graf Konrad von Fürstenberg hatte das Züricher Bürgerrecht besessen 

[421] Stellung der Grafen von Fürstenberg. 

und seine Söhne waren noch 1493 in gutem Einvernehmen mit Zürich gestanden. Als jetzt der Krieg mit den Eidgenossen drohte, war es für die Grafen, von Anfang mit Mitglieder des schwäbischen Bundes und seit Jahren im Dienste des Königs, gleichwohl selbstverständlich, daß sie aufs nachdrücklichste die Sache Österreichs und des Reiches verfochten; doch gehörten sie nie zu jenen, welche den Gegner geringschätzten oder durch Beleidigungen herausforderten. Schon im Frühjahr 1497 hielt man in Schwaben einen Einfall der Eidgenossen für nahe bevorstehend und auf einem Tage des schwäbischen Bundes zu Überlingen ward am 8. April 1497 ein Plan für den Aufmarsch der Streitkräfte entworfen. Für die Mannschaft der Grafen von Fürstenberg, der Herren Konrad von Schellenberg, Heinrich von Randegg, der Almenshofer und Heinrich Sigmunds von Heudorf wurde Fürstenberg als Sammelplatz und Herr Konrad von Schellenberg als Hauptmann bestimmt. Auch von der Rittergesellschaft am Neckar, deren eigentlicher Sammelplatz Mühlheim a. d. Donau war, sollte sich in Fürstenberg sammeln, wem dies näher gelegen sei. Für die wirtembergischen Streitkräfte sollte Tuttlingen den Sammelplatz bilden. Der Ausbruch des Krieges ward damals noch hingehalten, der damalige Verteidigungsplan aber auch zwei Jahre später, als es zum Schlagen kam, im wesentlichen beibehalten. 

Anlaß zu den ersten Feindseligkeiten gaben dann die tirol-bündnerischen Händel, insbesondere der Streit um den Besitz des Münsterthals. Für Österreich hatte dieses wegen des Umbrailpasses 1), der die nächste Verbindung zwischen Tirol und Mailand bot, die größte Wichtigkeit. Eine Besetzung des Klosters Münster, die am 20. Januar 1499 durch die Österreicher erfolgte, betrachteten der graue und der Gotteshausbund 2) als Bruch des Einverständnisses, welches vorher zu Feldkirch zwischen Österreich und den Rätiern getroffen worden war 3). Während nun die Bündner rüsteten, nahmen die Österreicher am 7. Februar Maienfeld und den

[422] Der schwäbische Bund. 

St. Luziensteig und richteten gegen den bevorstehenden Angriff der Eidgenossen ein Hilfsgesuch an den schwäbischen Bund, dessen Mitglied ja auch der eben in den Niederlanden abwesende König war und dessen Hauptleute und Räte zu Beratungen wegen des drohenden Krieges bereits in Constanz sich versammelt hatten. Schon am 9. Februar sandten die letzteren an Herzog Ulrich und die Regenten von Wirtemberg das Gesuch, ohne Verzug 2000 Mann Fußvolk und soviel Reisige als möglich auszuheben und zunächst in den Hegau zu schicken, wo sie weiteren Bescheid abwarten sollten. 

Auf dieses Schreiben eilte Graf Wolfgang als das Haupt der Regierung sofort (noch vor dem 15. Februar) selbst nach Constanz zur Bundesversammlung, der er zugleich ein Schreiben seines Herrn überbrachte. Die wirtembergische Regierung hatte beschlossen, die verlangten 2000 Mann Fußvolk und etliche Reisige zu stellen, auf weitere Forderungen aber zunächst nicht einzugehen, da sie von Seite des vertriebenen Herzogs Eberhard noch immer einen Überfall nicht für unmöglich hielt. Mittlerweile war aber in Konstanz die Größe der eidgenössischen Rüstungen erst bekannt geworden, der Hegau schien bedroht und am 15. Februar ging von der Bundesversammlung nach Stuttgart die Bitte um verstärkte Rüstungen ab. Dagegen drangen der Herzog und die Regenten in einem an Wolfgang und seinen Sekretär Konrad Bräuning gerichteten Schreiben vom 16. Februar darauf, daß sich der Bundesrat rasch über den Kriegsplan und besonders darüber einigen möge, ob man es auf eine Feldschlacht ankommen lassen oder den kleinen Krieg führen wolle; denn Wirtemberg sei nicht im Stande, eine so große Anzahl Truppen auf die Länge stilliegend zu unterhalten. Graf Wolfgang aber sollte nach Möglichkeit darauf hinwirken, daß nicht die Leiden des Krieges, "wie vielleicht einiger Meinung sein möchte," vornehmlich dem wirtembergischen Lande zugeschoben würden. In ähnlichem Sinne schrieb die Regierung auch an die Bundesräte. 

Wenige Tage darauf, also mit anerkennenswerter Schnelligkeit kam das wirtembergische Fußvolk, teils ausgehobene Landwehr, teils gewordene Knechte, nach Tuttlingen. Graf Wolfgang hatte den Oberbefehl der Wirtemberger übernommen, unter ihm befehligten Graf Andreas von Sonnenberg, der aber gleich im Beginne des Feldzuges zu seinem tiefsten Schmerz so heftig erkrankte, daß er die Sterbesakramente zu empfangen wünschte, Ritter Dietpold Spät, Obervogt zu Tübingen, und Hans von Reischach, der Landvogt von Mömpelgard. 

Die Kriegscharen der eidgenössischen Orte Zürich, Bern, Freiburg, Solothurn und Schaffhausen hatten, wie Graf Wolfgang an Hans Nyffer und dieser weiter an die Reichstadt Eßlingen berichtete, schon vor dem 

[423] Erster Einfall der Eidgenossen im Hegau. 

3. Februar nach der Besetzung von Stein und Diessenhofen den Rhein überschritten, damals aber wieder den Rückweg angetreten, wie man glaubte, in der Absicht den Graubündnern zu Hilfe zu ziehen. Am 12. Februar 1) aber beschloß ihr Kriegsrat zu Zürich einen Einfall in den Hegau, in die österreichische Landgrafschaft Nellenburg in die Gebiete der Grafen Sulz, von Fürstenberg und Sigmunds von Lupfen, Landgrafen von Stühlingen, die als enge Verbündete Österreichs den Eidgenossen besonders verhaßt waren. Am 17. Februar 2), wie es scheint, brachen sie, ungefähr 12000 Mann stark, im Hegau ein. "Mit gewaltiger Herrschung, unverhindert aller Menschen", wie Graf Wolfgang am 21. berichtet, zogen sie dort allenthalben umher und verbrannten die Dörfer Gailingen (17. Februar), Ramsen (19. Februar), Rielafingen, Gottmadingen, Friedingen, Steißlingen, Singen und Hilzingen 3). Im letzteren Orte hatte ein Wirt an seinem neuen Hause einen "Schwyzer mit einer Kuh und schandlichen Rymen" angemalt und dadurch den Zorn des Feindes besonders gereizt. Die Eidgenossen brandschatzten ferner Riedheim um 1600 fl und plünderten es, sie nahmen und zerstörten die Burg Randeck, deren Besatzung zuerst den vorüberziehenden Feind mit den spöttischen Zurufen: Muh! Bläh! Kühgyer! gereizt hatte, und nun, wie der Berner Chronist Valerius Anshelm höhnt, "ab- und heimzog in bloßen Hemdlinen, mit Stäblin, ganz still, ohne Muh, ohne Bläh, ohne Kuh, ohne Lachen". Das gleiche Schicksal mit Randeck teilten die Burg Heilsberg über Gottmadingen, die ebenfalls den Herren von Randeck gehörte, und das lupfische Schloß Roseneck bei Rielafingen. Die "schnitzigen" Junker sollten, wie die Freiburger Anführer nach Hause berichten, gestraft werden, daß sie ihr Lebtage daran dächten, und in der That, schon nach wenigen Tagen des schweizerischen Vewüstungszuges schätzte man den Schaden, den er angerichtet, auf 30000 fl.

Während dessen standen vereinzelte Bundestruppen, wie die Mannschaft 

[424] Angriff auf Engen

der Grafen von Fürstenberg und der Stadt Villingen, die sich am 22. Februar am Wallberg bei Engen vereinigt hatten, bereits im Hegau. Auch Graf Wolfgang war, als er die Kunde vom feindlichen Einfalle erhielt, mit seinen Truppen schon über Tuttlingen vorgerückt, aber mit seinen dreitausend Mann 1) konnte er der Übermacht nicht begegnen. Er beschloß den Eidgenossen erst dann in offenem Felde entgegenzutreten, wenn weiterer Zuzug ihn befähigte den Kampf mit ihnen aufzunehmen, schickte den größeren Teil seines Fußvolkes nach Tuttllingen, die Villinger, die zwei Notschlangen mit sich führten, nach Geisingen zurück, warf sich selbst aber mit vierhundert ausgemusterten Knechten nach dem lupfischen Engen. Als der Feind am 23. dieses feste Städtchen zur Übergabe aufforderte, ward er abgewiesen; aber noch die ganze folgende Nacht stand er trotz der bitteren Kälte in Angriffstellung vor dem Orte, dessen Besatzung ihn mit ihren Büchsen namhaften Schaden zufügte. Dann zog er nach Steißlingen hinüber und schlug dort eine Wagenburg als Stütz- und Ausgangspunkt für weitere Streifereien im Hegau.

Unterdessen erfolgten die Rüstungen der übrigen Glieder des schwäbischen Bundes nur langsam und spärlich. Am 21. hatte Graf Wolfgang von Engen aus einen Bericht an die wirtembergische Regierung gesandt, worin er diese Unthätigkeit bitter beklagte und die Lage mit düsteren Farben schilderte. "Wiewohl man jedermann laut der Bundeseinung aufs ernstlichste schreibt und aufmahnt, geht es doch so gar klein und so wenig beherzt her, daß die Hoffnung und getreue Neigung, so ich als besonders getreuer Bundesgenosse bisher zum Bunde gehabt, jetzt zu dessen ganzer Verachtung sich geneigt hat". Dagegen meldet er, daß Wirtemberg wegen seiner raschen Rüstungen hoch gepriesen werde. Es sei beschlossen, daß er sich am folgenden Tage mit den wirtembergischen Reisigen und einigem anderm Volk in die Schlösser in der Nachbarschaft werfen solle, wobei zunächst wohl an Hohenhewen, Hohenkrähen, Hohentwiel und Mägdeberg zu denken ist. Von dort aus ließen sich die Züge des Feindes leichter beobachten, vielleicht auch einzelne vom Hauptheere abschweifende Haufen überfallen. 

Zwei Tage darauf glückte denn auch dem Grafen und Dietpold Spät ein Überfall, den sie mit einigen Reitern und etwa 250 Fußknechten auf eine vom Hauptheere entfernte Schweizerschar unternahmen. Dem Feinde wurden dabei an sechzig Mann erstochen. 

Nach Constanz sandte Wolfgang Jörg von Werenwag und Konrad 

[425] Wolfgang oberster Feldhauptmann des Schwäbischen Bundes 

Breuning, um bei den Hauptleuten darauf hinzuwirken, daß eine beabsichtigte Bundesversammlung sobald als möglich abgehalten werde. Mittlerweile rückte die Mannschaft einiger Bundesglieder auf den Kriegschauplatz. Die Eßlinger und andere, im ganzen 400 Mann, besetzten nach Weisung des Nellenburger Hauptmanns Schenk Christoph von Limburg, auch des Grafen Wolfgang und Dietpold Späts das Städtchen Aach. Die Eidgenossen aber plünderten und verheerten weiter, sie nahmen Homburg, "eines der besten Schlösser im Hegau", Friedingen, "ein lustig, stark, hübsch Schloss" Staufen hart südlich am Hohentwiel, und alle Schlösser, die sie nahmen, ließen sie "in heiterem Feuer aufgehen." Einige derselben, wie Homburg 1), wurden später wieder aufgebaut, die meisten aber liegen von diesem verheerenden Einfalle her noch heute in Trümmern. Ebenso wurden die Dörfer Welschingen, Wiechs, Worblingen, Neuhausen und das dortige Schloß, zuerst ausgeplündert, dann verbrannt 2). Fast der ganze Hegau ward zu einer großen Brandstätte; nur die stolzen Burgen auf seinen Basaltkegeln, Hohentwiel und Hohenstoffeln, Hohenkrähen, Mägdeberg und Hohenhewen blieben unangefochten. Aber schon rühmten die schweizerischen Hauptleute, daß sie nirgend Widerstand träfen, daß sie begierig wären, mit dem Feinde zu schlagen, daß aber alle Welt, wie sie ihnen fluche, sich vor ihnen fürchte.

Nach acht Tagen der Plünderung und Zerstörung räumte der Feind um den 25. Februar den Hegau und sammelte seine Streitkräfte in Diessenhofen, Stein, Schaffhausen, auch am Schwaderloch bei Konstanz, wo er seit Beginn der kriegerischen Bewegungen zur Beobachtung dieser Stadt ein Standlager unterhielt. Auf deutscher Seite aber befürchtete man einen neuen Einfall und benützte die Zeit zu ausgedehnteren Rüstungen. Der beabsichtigte Bundestag fand in Überlingen statt und hier ward am 8. März von Bundeswegen die Aufstellung von 20000 Mann zu Fuß und 2500 zu Roß beschlossen. Bis diese aber ausgerüstet wären, sollten 5000 Fußgänger (die bald auf 10000 erhöht wurden) und 800 Reiter für den täglichen Krieg unterhalten werden. Wie viel davon die Grafen von Fürstenberg traf, ist nicht bekannt; die von Werdenberg hatten 80 Fußknechte und 3 Reiter zu stellen. 

Auf diesem Überlinger Tage wurde nun Graf Wolfgang zum obersten Feldhauptmann des schwäbischen Bundes ernannt. Er erhielt vier Kriegsräte vom Adel und vier von den Städten beigeordnet, den Grafen Hug von Werdenberg, den Landkomtur des Deutschordens, Ulrich von Wester- 

[426] Der kleine Krieg an der Schaffhauser Gränze. 

stetten, Eglof von Rietheim, Rudolf und später Walther Ehinger, den Bürgermeister von Überlingen, den Stöbenhaber von Memmingen und Hans Ungelter von Eßlingen. Damit aber der Graf von Fürstenberg seine Thätigkeit voll und ungehindert der Leitung der kriegerischen Aktionen im Felde widmen könne, wurden als Vorsitzende des Bundeskriegsrates an seiner Stelle der königliche Marschall für Tirol, Herr Paul von Liechtenstein 1), und der königliche Hauptmann Hans Jakob von Bodman ernannt. Während man nun überall im Bundesgebiete rüstete, vielfach auch jetzt noch mit übel angebrachter Sparsamkeit oder Verzögerung 2), wurden zugleich Bittgänge mit dem Kreuz und in allen Pfarrkirchen öffentliche Gebete für den Sieg der deutschen Waffen angeordnet, die freilich mittlerweile in Graubünden und Vorarlberg bereits Niederlage über Niederlage erlitten.

Vom Überlinger Tage kehrte Graf Wolfgang nach Engen zurück, von wo aus er fortfuhr den kleinen Krieg zu unterhalten. Nachdem Hans Dietrich von Blumenegg, Hauptmann zu Thiengen, in den Aargau eingebrochen war und dort achtzehn Dörfer verbrannt hatte, rückte Fürstenberg selbst am 12. März mit dem reisigen Zeug und etlichen Fußknechten über Radolfszell in das schaffhausische Gebiet und verbrannte vier Dörfer und was die Schaffhauser vor der Stadt besaßen. In einem Dorfe verlor der Feind an 200 Mann. Vor dem 18. ritt der Graf nochmal nach Überlingen, als er hörte, daß der Bundesrat beschlossen habe den erhöhten Anschlag zu fordern. Es war dies auf die Nachricht geschehen, daß nach Beschluß der eidgenössischen Tagsatzung zu Luzern auf Ostern ein neuer Einfall des Feindes bevorstehe, der durch die hoch gestiegene Teuerung aller Lebensmittel verhindert ward den kleinen Krieg lange zu unterhalten. Indem Graf Wolfgang und Dietpolt Spät darüber am 18. nach Stuttgart berichteten, rieten sie dem Herzoge 1000 weitere Fußknechte aufzustellen. Am 22. erhielt Wolfgang vom Herzoge und der wirtembergischen Regierung Befehl, zu dem angesetzten Landtage des Herzogtums in Stuttgart sich einzufinden, der ohne seine Anwesenheit nicht beendigt werden könne. In seiner Abwesenheit sollte er den Oberbefehl an Dietpolt Spät übertragen. Es läßt sich kaum bezweifeln, daß Wolfgang diesem Befehle Folge leistete, und es scheint, daß er in Stuttgart, unter dem Eindruck der wenig kriegslustigen Stimmung der Landstände, sich bestimmen ließ, auf seiner Forderung von weiteren 1000 Mann nicht zu bestehen 3).

Indessen siegten die Eidgenossen auf dem westlichen Kriegschauplatze 

[427] Gefecht bei Hallau. 

am 22. März beim Bruderholz südlich von Basel, drangen auch im Centrum östlich der Wutach vor und nahmen dem Bischofe Hugo von Constanz, der zum schwäbischen Bunde übergetreten war, die Orte Neunkirch und Hallau weg. Zu deren Wiedereroberung unternahm Graf Wolfgang, der jedenfalls nicht lange vom Kriegschauplatze ferngeblieben war, am 4. April, verbündet mit Hans Dietrich von Blumenegg, einen Vorstoß. Die Streitkräfte des Bundes hatten sich mittlerweile beträchtlich vermehrt: Der Markgraf von Baden war mit 500 Mann aus dem Breisgau schon am 10. März bis Möhringen vorgerückt; am 3. April hatten sich die Villinger und der wirtembergische Nachschub, zusammen 1800 Mann unter den Hauptleuten Dietpolt Spät und Hans Harder von Calw auf dem Fürstenberg vereinigt, wo sich auch 600 Reisige des Erzbischofs von Mainz einfanden und wo Heerschau gehalten ward. Wenigstens von den Villingern ist sicher, daß sie nach einem gewaltigen Nachtmarsch über Schleitheim an dem Angriff auf Hallau am 4. April teilnahmen 1). Man hatte Nachricht, daß 5000 Schweizer in Neunkirch und Hallau lagerten; dieselben waren aber bis auf 400 Mann, die den festen Kirchhof von Hallau besetzt hielten, in der Nacht vor dem Anmarsch der Deutschen bereits abgezogen. Hier zuerst nun zeigte sich, wie geringe Streitlust die Deutschen beseelte, da die wirtembergischen Knechte den Sturm auf den mit schwerem Geschütz tapfer verteidigten Kirchhof weigerten und nach diesem Vorgang auch Hans Dietrich von Blumenegg keine Lust hatte sein Volk zum Angriff zu führen. Das halbe Dorf Hallau aber ging in Flammmen auf.

Etwa um diese Zeit schlug Wolfgang dem Herzoge Ulrich und der wirtembergischen Regierung vor, daß man ihn die Schlösser im Hegau wieder mit wirtembergischen Truppen besetzen lasse. Zugleich berichtete er, daß die von Anfang an, also seit etwa zwei Monaten unter den Waffen stehende Mannschaft heim begehre. Es ist dabei an die ausgehobene Landwehr zu denken, neben der es auch geworbene Söldner, sogenannte "freie Knechte" gab. Der Herzog gab seine Zustimmung zum ersten Plane und befahl bezüglich des zweiten Punktes, der Landwehr streng zu gebieten, daß sie ausharren müßte; die ohne Urlaub Hinwegziehenden sollten strenger Strafe an Leib, Leben und Gut verfallen. Damit jedoch die Kriegslast sich mehr verteile, wurde gestattet, daß, wer schon einen Monat im Feld liege, einen Ersatzmann stellen dürfe, wenn er einen geübten Knecht als solchen finde und demselben den gewöhnlichen Sold, nämlich 2 fl für den Monat bezahle. Ritter Hans von Reischach war nach Mömpelgard befohlen worden; da aber Wolfgang schrieb, daß er 

[428] Erstürmung v. Triboldingen, Ermatingen, Mannenbach. 

ihn gern bei sich behalten würde, ward dies vom Herzoge gestattet. Noch immer rückte neues geworbenes Kriegsvolk ein; selbst einige, die anderwärts schon als Hauptleute gedient hatten, wie der Gall von Waltenbuch, verdangen sich als Knechte. Am 13. April berichtete der Herzog dem Grafen, Mömpelgard, diese Pforte des deutschen und wälschen Landes, sei bedroht, weßhalb Leute und Geschütz dorthin abgehen sollten. Mittlerweile aber hatte sich die Lage auf dem Kriegschauplatze im Centrum derart gestaltet, daß jede Schwächung des dortigen Heeres sich von selbst verbot; die Unbotmäßigkeit der Wirtemberger in Hallau war nur das Vorspiel größeren Unheils. 

Am 10. April hatte Graf Wolfgang sein Heer, 4500-6000 Fußknechte und 400-600 Reisige 1), wirtembergische, badische und reichstädtische Truppen, in und bei Constanz gesammelt, um gegen den Feind, der, angeblich 4000 Mann stark, in den benachbarten Dörfern Triboldingen, Ermatingen und Mannenbach am linken Rheinufer lagerte, einen entscheidenden Schlag zu führen. Eine bündische Abteilung, welche schon länger die Reichenau besetzt hielt, ward nun auch zum Hauptheere herangezogen. Unter dem Grafen von Fürstenberg befehligten Graf Nikolaus von Salm, Dietpolt Spät und Hans Truchseß von Trauchburg, letzterer die Truppen der Reichstädte. Frühmorgens am 11. April rückte das Heer in aller Stille aus der Stadt; die Zugbrücken hatte man, um den Schall zu dämpfen, mit Mist überschüttet. Es gelang den Feind in Triboldingen zu überraschen und mit leichter Mühe wurden 200 Mann, die sich oberhalb des Dorfes zur Wehr setzten, geworfen. Auch in den beiden anderen Dörfern, wo der Feind dann der Reihe nach Stand hielt, brachte der Angriff vollständigen Sieg; bei Triboldingen sollen die Eidgenossen 60, in Ermatingen, das mehr als 1000 Mann besetzt hielten, 150 Tote verloren haben; am letzten Orte wurden auch zwei Geschütze (Schlangen) der Luzerner erobert. Am hartnäckigsten ward Mannenbach verteidigt, wo der Graf von Salm den Angriff leitete und 300 Schweizer gefallen sein sollen. Alle drei eroberten Dörfer gingen nach der Plünderung in Flammen auf.

Nun aber überließ sich das Heer zu früh der Sorglosigkeit, indem es, mit Beute beladen, in aufgelöster Ordnung nach Constanz zurückzog. Vergebens versuchten die Hauptleute das übermütige und zuchtlose Volk zu bändigen, das schon in den eroberten Dörfern mit dem Zechen begonnen und auf dem Rückmarsche Bettzeug und andere Beute sogar auf Geschütz- 

[429] Niederlage bei Triboldingen. 

lafetten gebunden und die Benützung der Geschütze dadurch für den Augenblick unmöglich gemacht hatte 1). Eine Abteilung der Eidgenossen aber unter dem Hauptmann Rudolf Haß von Luzern war während des Kampfes ruhig in ihrem alten Standlager am Schwaderloch geblieben. Auf diese zogen sich die geschlagenen Abteilungen zurück, durch Sturmgeläute in den thurgauischen Dörfern hinter der Höhe riefen sie weitere Mannschaft herbei und als der ungeordnete Zug des bündischen Heeres zwischen Triboldingen und Gottlieben sich bewegte, warf sich ihm der Feind von den Höhen herab in unerwartetem Stolz in die rechte Flanke. Hinter dem Walde hatten sie sich geordnet, durch Späher Kundschaft über Bewegung und Haltung des Feindes eingezogen, dann drei Paternoster und Ave Maria gebetet und nun "wuschtent sie," wie Anshelm erzählt, "mit großem Grimm uf und liesent wie die wütenden Löwen durch den Wald den Berg herunter dem Feind in die Flanke." Außer der Mannschaft der verbündeten neun Orte waren es Thurgauer, St. Galler, Bischofszeller, zusammen, nach Schilling 2) nicht mehr als 1400 Mann, die Hauptleute waren Rudolf Haß, der Unterwalder Oswald von Roß und Stoffel Suter. Die deutschen Reiter, Graf Wolfgang an der Spitze, hielten sich bei dem unerwarteten Angriff wacker, mehrere stiegen sogar von den Rossen und traten mit Spießen in das vorderste Glied; auch das Geschütz ließ Wolfgang auffahren und bald verhüllte dichter Pulverdampf die Kämpfenden. Die Fußknechte aber, das "flüchtige, schnöde, ehrlose Volk," wie ihr Feldherr in gerechtem Unmut es bezeichnet, stoben ohne Not auseinander, ohne daß einer nur den Speer gesenkt oder einen Schuß abgegeben hätte. Viele warfen Waffen, Harnisch und Kleider weg, stürzten sich in den Rhein und suchten schwimmend das jenseitige Ufer zu erreichen. 80 Mann, darunter der badische Fähnrich sollen hier ertrunken, ein mit Fliehenden überladenes Schiff untergegangen, im ganzen aber nach einer Angabe von Schweizer Seite über 1399 Mann 3) geblieben sein. Von einigen reichstädtischen Knechten wird berichtet, sie seien bis Überlingen, Meersburg, Ravensburg, Lindau, d. h. wohl bis in ihre Heimatsorte geflohen. Der Bund ließ denn auch bald darauf ein Ausschreiben an die Städte ergehen, wonach alle Fußknechte, die ohne schriftlichen Urlaub ihrer Hauptleute in die Heimat kämen, dort von der Obrigkeit nach Gebühr gestraft werden

[430] Panik im Bundesheere. 

sollten. Nur dem tapferen Widerstande der Reisigen dankten es die Fußknechte, daß nicht noch viel mehr von ihnen umkamen. Jene hatten nur mäßigen Verlust: zehn reisige Knechte und die Ritter Heinrich und Burkhard von Randeck 1), Hans von Neuneck, den Constanzer Patrizier Karl Breisacher. Hans von Reischach erhielt einen Schuß durch den Schenkel. Aber auch das ganze Geschütz ging verloren, 13 Schlangen und 1 Kartaune, darunter 3 wirtembergische und die 2 vorher dem Feind abgenommenen Schlangen, um deren Besitz zwischen dem Grafen von Fürstenberg als Oberfeldherrn und den Constanzern als Eroberern angeblich bereits Streit im deutschen Heere ausgebrochen war 2). Der Eßlinger Hans Ungelter meint in dem Berichte, den er zwei Tage darauf an seine Stadt sandte, etliche Kanonen müßten noch im Felde liegen; "aber wir werden sie nicht holen," setzt er entmutigt hinzu.

Man muß die jämmerlichen Schlachtberichte der Reichstädter, Pirkheimers, des Villinger Chronisten, die freilich den Vorzug haben, daß sie nichts beschönigen wollen, vergleichen mit der von Siegesfreude und stolzem Patriotismus durchglühten, auch durch volkstümlichen Humor, durch Lebhaftigkeit und Kraft der Sprache ausgezeichneten Schilderung des Schweizers Valerius Anshelm, um den ganzen Abstand zu ermessen, der in Kriegslust, Einigkeit, Heldenmut und Gefühl von der Gerechtigkeit ihrer Sache die beiden Gegner schied. Der offizielle Schlachtbericht, den Graf Wolfgang sogleich an die wirtembergische Regierung schickte 3), scheint leider nicht erhalten. Wir besitzen vom Grafen nur einen zweiten Bericht, über Vorgänge auf dem weiteren Rückzuge, den er vier Tage nach der Schlacht von Engen aus nach Stuttgart sandte. Von Constanz, wo die gefallenen Ritter beerdigt wurden, hatte nämlich das geschlagene Heer den Rückzug bis Engen fortgesetzt. Die Waibel aber waren nicht mehr im Stande ihre Knechte in Ordnung zu halten und als sie zu diesem Zwecke ein listiges Mittel anwandten, brachte dasselbe nur die entgegengesetzte Wirkung hervor. In einem Walde kurz vor Engen versteckten sie einen Trommler, der plötzlich Lärm schlug, um durch den Schein bevorstehnder Gefahr die Autorität der Führer wieder zur Geltung zu bringen. Statt dessen lief

[431] Die Übergabe von Thiengen. 

beim unerwarteten Klange die ganze Mannschaft, die hinter dem Fähnlein ging, auseinander und floh zum Teil bis nach Radolfszell zurück. Die Panik der Niederlage wirkte also, wie das öfter geschieht, noch Tage lang fort, und man begreift die Stimmung, in der sich der tapfere Feldherr eines solchen Heeres befinden mußte. "Nachdem die Knechte selbst unter solchen Hauptleuten, wie Graf Niklas von Salm, Burkhard von Randeck, Hans von Neueneck, die sich zu Fuß in die vorderste Reihe stellten, nicht Stand gehalten" - schreibt Graf Wolfgang - "so besorg' ich, daß solch flüchtig, schnöd, ehrlos Volk in keinem Weg zu behalten sei." Sogar unter den Adeligen kamen Fälle von Unbotmäßigkeit vor. So weigerte sich Hans von Werdnau, auf Vorposten vor dem Feinde zu stehen oder dazu einen Knecht zu stellen, gebrauchte überhaupt, wie Graf Wolfgang klagt, "allweg Sonderung und Widerwillen", so daß ihn der Graf vom Heere entließ und dem Herzoge riet, ihn ganz zu beurlauben. Unter den geworbenen Knechten war die Kriegslust von dem Augenblick an, da die Hoffnung auf Beute verschwunden war, noch tiefer gesunken; wohl hundert von ihnen waren bereits abgezogen, weil sie um den bisherigen Sold nicht mehr dienen wollten. Daß es aber Graf Wolfgang nicht an strenger Kriegszucht fehlen ließ, zeigt die Nachricht des Villinger Chronisten, wonach einige Knechte, die bei Triboldingen schimpflich geflohen waren, enthauptet wurden. 

Unter solchen Umständen kam der Graf auf seinen früheren Rat zurück und mahnte, daß aus Wirtemberg sofort an 1000 der besten Knechte, die aufzutreiben wären, heraufgeschickt werden sollen. Eine Verstärkung war um so nötiger, als Nachricht eingetroffen war, daß der Feind, der eben das Schloß Gutenburg im Schlüchtthale belagerte, einen zweiten Einfall im Klettgau und Hegau beabsichtige. In der That säumten die Eidgenossen nicht, die Entmutigung und Verwirrung des Gegners auszunützen, noch ehe sich dieser verstärken konnte. Schon am 17. April meldet Graf Sigmund von Lupfen an den Grafen Wolfgang, daß der Feind in den Klettgau eingefallen sei, Hallau, Grießen und Erzingen besetzt habe. Schon am 18. 1)

[432] Stühlingen, Küssaberg, Blumberg. 

fiel Thiengen, der Hauptsitz des Grafen Rudolf von Sulz, trotz seiner 1500 Mann Besatzung. Hans Dietrich von Blumeneck - wie Schilling höhnt: der Eisenbeißer, der sich allein unterstund, die Eidgenossen lebendig zu essen - gab das feste und mit allem Kriegsbedarf wohlversehene Städtchen schämlich preis. Die gefangenen Knechte wurden von den Siegern durch die Gasse geführt, bis aufs Hemd ausgezogen und mit weißen Stecklein fortgeschickt, an zwanzig der besseren Leute aber, darunter zwei Junker von Reischach und ein Baldecker, als Gefangene behalten. Außer anderer Beute wurden viele Fähnlein, darunter die der Städte Freiburg und Breisach, erobert, die Stadt aber niedergebrannt. Am 25. übergab die lupfische Besatzung unter dem Burgvogt Junker Martin von Starkenberg 1) auch Stühlingen und der Feind verbrannte "Schloß und Städtlein zu Butzen und Stiel."

Von Stühlingen zogen die Eidgenossen gegen die Burg Küssaberg, die nur 25 Mann Besatzung hatte. Darunter war als Büchsenmeister (Feuerwerker der Artillerie) Romeius (d. i. Remigius) Mans, der sagenberühmte Held aus Villingen, der wegen Schmähungen gegen den Villinger Bürgermeister in den Michaelsturm gelegt worden war und durch die Kraft und Geschicklichkeit, mit der er aus dem Gefängnisse ausbrach, großen Ruf erlangt hatte. Am Michaelsturm in Villingen wahrt noch heute sein überlebensgroßes Bildnis mit gereimter Inschrift sein Andenken. So gering war nun die Kriegslust der Küssaberger Knechte, daß sie diesen Romeius sogar am Abfeuern seines Geschützes hinderten und daß, als der Hauptmann die Aufforderung ergehen ließ, wer die Burg zu verteidigen Lust habe, möge zu ihm treten, nur vier der Knechte sich auf seine Seite stellen. So mußte Küssaberg dem Feinde übergeben werden. Als aber die Knechte, die sich dadurch freien Abzug erkauft hatten, nach Waldshut kamen, ließ sie dort der österreichischen Landvogt verhaften und sechzehn der Feiglinge die Häupter abschlagen 2).

Nicht so leichtes Spiel wie vor Küssaberg fanden die Schweizer vor Blumberg, wohin sie nun ihren Marsch richteten. Die Besatzung des 

[433] Zweiter Einfall des Feindes im Hegau. 

Schlosses verbrannte das anstoßende Dorf und verteidigte sich mit wohlgezielten Schüsssen so trefflich, daß derFeind bald wieder abzog. "Und dies war das erste Erwehren auf unserer Seiten." So der Villinger Chronist; leider hat weder dieser noch ein anderer Berichterstatter die Namen der tapferen Verteidiger überliefert; vermuten aber läßt sich, daß dieselben von Hans von Landau befehligt wurden, der Blumberg 1483 von den randeckischen Erben gekauft hatte und noch 1507 als Herr des Städtchens erscheint. 

Schon hatte man auch für Hüfingen gezittert, schon die Besorgnis ausgesprochen, daß der Feind durch die Baar bis ins Wirtembergische ziehen und dort dann alle Bauern sich zu ihm schlagen würden 1). Statt dessen wandten sich die Eidgenossen nun zum zweitenmale in den Hegau, den sie jetzt vom Westen her, spätestens am 28. April betraten. Das Dorf Aitlingen im Aitrachthale, das sie wahrscheinlich auf diesem Zuge zerstörten und das seitdem nie wieder aufgebaut wurde 2), war wohl der nördliche Punkt, den sie berührten. Ihr Abschwenken in den Hegau aber dürfte durch die tapfere Verteidigung Blumbergs, vielleicht auch dadurch veranlaßt worden sein, daß ihnen in der Baar bedeutende Streitkräfte gegenüberstanden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Graf Wolfgang unter Zurücklassung einer Besatzung in Engen den größeren Teil seiner Heeresmacht damals in der südlichen Baar sammelte, um seine eigenen Lande und durch diese auch Wirtemberg zu decken; am 28. oder 29. April kam er nach Hüfingen.

Im Hegau machte sich der Feind sogleich an die Belagerung von Blumenfeld, das seit 1488 dem Deutschorden gehörte. Das Städtlein war mit Mannschaft und allem Kriegsbedarf wohl versehen und so fest, daß, wie der Villinger Chronist wissen will, "vor Zeiten das ganze römische Reich davor gelegen, ohne es zu gewinnen 3)." Trotzdem wird am 4. Mai bereits seine Übergabe gemeldet. Ein Überläufer soll zur Nachtzeit die Stadt verlassen und den Schweizern alle wunden Punkte derselben verraten haben; aber es fragt sich, ob dieser Erzählung mehr zugrunde liegt als das Bestreben, den Fall einer für uneinnehmbar geltenden Feste zu beschönigen, und ob sie nicht ebenso sagenhaft ist wie die bekannte Erzählung von der Weibertreue, die auch an Blumenfelds Über-

[434] Mißstände im deutschen Lager. 

gabe angeknüpft wird wie an die von Weinsberg, von Schwanau und zahllosen anderen Schlössern 1).

Nachdem das eroberte Blumenfeld wie Thiengen und Stühlingen in Asche gesunken war, zogen die Eidgenossen um den 5., 6. Mai unangefochten nach Stein, Diessenhofen und Schaffhausen zurück. In Schaffhausen sollen sie als Blumenfelder Beute "unsern Herrgott auf dem Esel, als ob der Palmtag sei," eingeführt haben 2).

Welchen Berichterstatter man auch anhören, welche Seite der Verhältniße man ins Auge fassen mag, durchweg erscheinen die letzteren in diesem unglücklichen Kriege auf der schweizerischen Seite ebenso glänzend und ruhmvoll wie auf der deutschen trüb und unerquicklich. Dort alles voll Kampfbegier und in festem Zusammenhalt, hier ein Feldherr, der sein Heer verachten mußte, ein Adel, der über das Fußvolk schalt, und dieses hinwiederum voll Mißtrauen gegen seine Führer. "Do vermeinten die Fußknecht, die Hauptleit3 ) hätten ihren guotten Anschlag" - schreibt der Villinger Chronist von dem verunglückten Unternehmen auf Hallau - "aber was sie für die Hand nemmen woltent, do was es Narrenwerk 4)!" Und wieder: "Hätten sich alle Knecht im vorderen Haufen gehalten wie die von Villingen, so hätten wir den Kirchhof gewunnen und Neunkirch dazu; aber sie hatten einen Hauptmann, der keinen Anschlag in ihm hat und verwahrlosete die Sachen überall, das sagte männiglich von ihm." Dazu nehme man die vielköpfige Kriegsleitung, die vom Sitze des Bundesrates ausging, die unaufhörlichen Reibereien zwischen den Schwaben und anderen Reichsangehörigen, Mißstimmung des Adels gegen den schwäbischen Bund und anderseits die Unlust der Städte einen Krieg zu führen, der sie nach ihrem Dafürhalten nichts anging. Der größere Teil vom Adel, schreibt Ungelter an Eßlingen5), hat des Bundes genug, wäre lieber da-

[435] Graf Heinrich oberster Feldhauptmann im Westen. 

raus und hätte lieber, daß gar kein Bund mehr würde, welches auch wohl geschehen könnte. Die Augsburger und andere Städter behaupteten, der Krieg gehe sie nichts an, denn er habe schon vor der zwölfjährigen Einung begonnen. Nach Pirkheimer schickten nicht nur die Städte sondern auch die Fürsten des Reichs den verlangten Zuzug nur langsam, unwillig und unvollständig, da sie wußten, daß der Krieg nicht durch Not, sondern nur durch Übermut und Anmaßungen des Adels veranlaßt worden sei. So ließ im deutschen Heere die Kriegslust viel, die Disziplin noch mehr, die Einigkeit alles zu wünschen übrig, und alles das ward nicht viel besser, als nun der König selbst auf dem Kriegschauplatze erschien und das Reich mit bedeutenderen Kräften einzugreifen begann. Ja der sorglose und wankelmütige Charakter des Königs, der seine Entschlüsse häufig änderte und, dem Schauplatze so vielen Unheils sich nähernd, noch immer an seine Jagdvergnügungen dachte, seine Falken und Hunde bereit halten ließ 1), fügt nur einen neuen Zug zur Vervollständigung des düsteren Bildes.

Gleichzeitig mit dem Könige beginnt nun auch sein Hofmarschall, der ältere der fürstenbergischen Brüder, eine wichtige Rolle in diesem Kriege zu spielen. Mit seinem Herrn und dessen ansehnlicher Kriegsmacht war Graf Heinrich langsam aus den Niederlanden den Rhein herausgezogen, wo das königliche Hoflager am 9. April in Mainz, am 16. in Straßburg, am 21. in Freiburg weilte. Dort ernannte der König am 24. April Heinrich zum obersten Feldhauptmann über alle in den vorderösterreichischen Erblanden, also besonders im Sundgau und Breisgau gelegenen Truppen, die für die Aktion auf dem westlichen Kriegschauplatze bestimmt waren. In diesen Landen ward der Graf zugleich ermächtigt alle königlichen Lehensleute und Unterthanen aufzubieten. Sein Heer setzte sich zusammen aus dieser einheimischen Mannschaft, aus dem Straßburger Kontingent und aus den Truppen, die der König aus den Niederlanden herausgeführt. Dies waren die sogenannten geldrischen Landsknechte, die Erzherzog Philipp seinem Vater mitgegeben hatte, (so genannt wohl nicht wegen ihrer Nationalität, sondern weil sie in Geldern gefochten hatten) und die anfangs 400, später 1000 Reiter zählende, sogenannte "wälsche Garde," unter der sich auch Kürassiere befanden 2). Ohne Garde und Landsturm schätzte der Graf am 9. Mai seine Streitmacht auf 2000 zu Fuß und 300 zu

[436] Vorgänge auf dem westlichen Kriegschauplatze. 

Pferd 1). Alle diese Truppen trugen auf der Brust Kreuze von rotem Tuch, während die Eidgenossen das weiße Kreuz auf rotem Grunde kennzeichnete.

Vor dem Ausmarsche von Freiburg musterte Graf Heinrich am 25. April seine Knechte und befriedigte, nicht ohne Schwierigkeit, ihre gesteigerten Geldforderungen 2). Am 26. oder 27. verließ er die Stadt und rückte über Habsheim und Bartenheim bis Terwil südlich von Basel, wo er am 2. und 3. Mai lagerte. Schloß Pfeffingen, das der Feind belagerte, ward mit Proviant versehen 3). Die Stadt Basel, um die sich beide Parteien bewarben, hatte auf einem Tage zu Colmar am 17. März ihre Neutralität erklärt und hielt daran trotz aller Mahnungen von Seite des Königs fest, während der Bischof von Basel, dem die Eidgenossen fast alles bis auf Pruntrut abgenommen hatten, vom Könige Hilfe erwartete 4). Am 4. und 5. Mai stand der Graf wieder in Bartenheim, am 7. in Landser. In Schreiben, die er aus Bartenheim und Landser an den königlichen Kanzler sandte, tauchen bereits Klagen über widersprechende Befehle vom Hofe sowie über das Ausbleiben dringend nötiger Geldmittel für die Truppen auf. In oder bei Landser traf der Graf auf eine Gesandtschaft des Herzogs von Savoien, welche beauftragt war, einen Vermittlungsversuch beim Könige zu machen 5). Von dort beschied er die Straßburger Hauptleute mit ihrer Mannschaft zu sich nach Dietwiller bei Mühlhausen. In einem Hohlwege an der Birs war es zu dem ersten Scharmützel gekommen, in dem auf deutscher Seite Graf Hans von Ortenburg fiel, auch der Graf von Fürstenberg ein Pferd verlor 6); die feindlichen Streitkräfte, die hier den Königlichen gegenüberstanden, bestanden vornehmlich aus Berner und Solothurner Mannschaft. 8-9000 Mann stark nach der Schätzung des Grafen Heinrich, schlugen die Eidgenossen dann ein Lager bei Blotzheim; von dort zogen sie gen Habsheim und brannten unterwegs sieben oder acht große Dörfer nieder, während Graf Heinrich, der zu einem Angriffe nicht stark genug war, sich begnügte, sie aus der Entfernung von einer Meile Wegs zu beobachten.

Vom 8. bis 10. Mai befand sich der Graf zu Lutterbach bei Mühl- 

[437] 

hausen, vom 11.-13, in Ensisheim, wo ein Landtag der vorderösterreichischen Stände versammelt war. Gegenüber dem Befehle des Königs, daß sich der Graf mit seinen Truppen in die vier Waldstädte lege, hatte dieser Landtag am 8. Mai beschlossen, die königlichen Statthalter zu Freiburg zu ersuchen, beim Könige darauf hinzuwirken, daß sein Feldherr wenigstens mit der Garde und dem reisigen Zeug in dieser Gegend belassen werde; in einem Berichte an den König (9. Mai; Archiv Innsbruck) betonte auch Heinrich, daß man dem Feinde jetzt nicht so viel Land preisgeben dürfe. Am 12. Mai aber konnte er den Abzug des Feindes melden und das Anerbieten des Königs, ihm seinen Bruder Wolfgang mit starker Streitmacht zuzusenden, ablehnen. Die folgenden Tage nach der Ensisheimer Versammlung benützte der Graf zur Besichtigung der Grenze um Laufenburg, Seckingen, Rheinfelden. Beim letzteren Orte ritt er am 18. Mai selbst mit zwei Kundschaftern, Dienern des Grafen von Thierstein, auf Spähe aus 1), ein Umstand, der nicht ganz ohne Belang ist für die Charakteristik des Grafen als Feldherrn, da er zeigt, daß derselbe das Kundschafterwesen nicht etwa jederzeit und grundsätzlich vernachläßigte. Vom 19. bis 26. Mai war Heinrich in Altkirch, wo sich schon länger ein Standlager befand und wo nun die Rüstung des Heeres vollendet ward. Auf einem Streifzuge, den er durch die freien Knechte unternehmen ließ, wurden dem Feinde vier Dörfer niedergebrannt 2). Ein in seiner Art seltenes historisches Denkmal, das Rechnungsbuch, das der Zahlmeister des Grafen vom 20. April bis zum 10. Juli über Einnahmen und Ausgaben beim Heere führte, hat sich nebst vielen dazu gehörigen Quittungen und Belegzetteln als schweizerisches Beutestück im Archive zu Luzern bis heute erhalten. Aus demselben ersehen wir, daß unter dem Grafen von Fürstenberg Friedrich Kappler die Ritterschaft und Reisigen aus dem Sundgau, Hans Kaspar von Laubenberg "den Zeug," d. i. die Artillerie, Louis von Bandre und Rodrigo de la Lang 3) die wälsche Garde befehligten. Die niederländischen Knechte, über 900 Mann, von denen jeder wöchentlich 1 fl Sold bezog, standen unter den Hauptleuten Junker Favius oder Fasius, Peter Schlosser, Sebald Storch von Wemding, Marx Geyser oder Gyser von Tübingen, Hans Kraft von Ulm und dem Profossen Jeronimus Keller von Herrenberg. Außer diesen werden die Hauptleute Jörg von Seinsheim und Christoph Schenk zum Schenkenstein erwähnt 4).

[438] Kriegsmanifest des Königs. 

Der Oberfeldherr hatte acht Trabanten, von denen jeder einen wöchentlichen Sold von 2 fl erhielt, doppelt so viel als die geldrischen Knechte. 

Der König hatte von Freiburg aus am 22. April ein offenes Ausschreiben erlassen, worin er schilderte, wie die Eidgenossen wider allen Kriegsgebrauch ohne vorausgehende Ansage die Fehde eröffnet und wie viele Landschaften sie seit langer Zeit dem Reiche und dem Hause Habsburg bereits abgedrungen hätten; er sprach darin von "den bösen, groben und schnöden Bauern, in denen keine Tugend, adelich Gemüt noch Mäßigung, sondern allein Üppigkeit, Untreue, Haß der deutschen Nation und ihrer rechten natürlichen Herrschaft sei." Am 24. April, am selben Tage, da er den Grafen Heinrich zum Feldherrn des Westheeres ernannte, schrieb er an dessen Bruder Wolfgang, derselbe möge am 28. oder 29. 300 Landsknechte, die er nach Hüfingen bestellt, dort in Empfang nehmen und nach Villingen führen. Diese Stadt berührte der König auf seiner Reise nach Überlingen am 25., vielleicht schon damals vom Grafen Wolfgang bewillkommt. Am 28. April ließ der König in Überlingen, am Sitze der Bundesversammlung, das Reichsbanner aufthun und weihen; Tags darauf befahl er dem Grafen Wolfgang, den Sekretär des Königs von Neapel, der beauftragt sei nach Freiburg zu reiten, mit sich nach Tuttlingen zu nehmen und ihn dann durch einen Knecht weiter nach Villingen und Freiburg geleiten zu lassen. Zum Hauptmann des Reichsheeres war vom Könige schon seit längerer Zeit Herzog Albrecht IV. von Baiern-München als der mächtigste Fürst des schwäbischen Bundes ernannt. Derselbe war am 13. April mit 250 Pferden in Überlingen eingetroffen, legte aber, da er bei den Schwaben keiner geneigten Stimmung begegnete, sein Amt bald nieder und kehrte mit Zurücklassung einiger Mannschaft nach Baiern zurück. Zu seinem Nachfolger ernannte der König den Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Ansbach, der aber erst am 21. Mai von Ansbach ausrückte 1).

Maximilians Absicht ging nun dahin, vor allem in Graubünden selbst einen kräftigen Angriffsstoß zu führen und dort, während der Krieg im Centrum und im Westen nur hingehalten würde, möglichst viele Truppen zu sammeln. Auch Graf Wolfgang sollte sich zu diesem Zwecke mit ihm vereinigen. In den ersten Tagen des Mai erging vom Könige der Befehl an ihn, mit den 2000 Wirtembergern, die damals in Tuttlingen lagen, eiligst nach Bregenz zu rücken, das Reichsbanner aber seinem Bruder, dem Grafen Heinrich zuzuschicken. Es läßt sich denken, wie wenig eine Entblößung der eigenen Gränzen und eine Entsendung der wirtembergischen 

[439] Entsatz von Stockach. 

Streitkräfte gegen das ferne Engadin, wo es sich nur um habsburgische Interessen handelte, der wirtembergischen Regierung behagen konnte; ihrem Widerstreben wird es zuzuschreiben sein, daß der Befehl des Königs nicht ausgeführt ward. Graf Wolfgang blieb vielmehr in der Baar, mit Sammlung und Ausrüstung der Truppen beschäftigt. Um die Mitte Mai treffen wir ihn und den Markgrafen Christoph von Baden in Villingen, das damals auch für einen großen Teil des Reichsheeres den Sammelplatz bildete. Hier lagen 300 Pferde der Brandenburger, 100 von Mainz, 100 badische, 100 vom Adel, 150 von den Städten, 40 vom Bischofe von Augsburg. Am 17. Mai schrieb der König von Lindau aus an Wolfgang und den Markgrafen von Baden und beauftragte sie, sofort mit allen Reisigen nach Radolfszell, Stockach und Überlingen zu ziehen, das Fußvolk aber in die Reichenau zu legen; weiteren Bescheid werde der Hauptmann Reinbrecht von Reihenburg überbringen. 

Da erfolgte am 21. Mai ein dritter Vorstoß der in Stein, Diessenhofen und Schaffhausen gesammelten eigenössischen Truppen in den Hegau und Tags darauf erging der Aufruf der Bundesräte zu rascher Ergänzung des Bundesheeres, das nach ihrem Beschlusse am 25. bei Tuttlingen im Felde stehen sollte. Der Feind, dessen Stärke auf 8-10000 Mann angegeben wird, lagerte sich diesmal vor Stockach und der Nellenburg. In der Stadt befehligte Markgraf Christoph von Baden, in der Burg Schenk Christoph von Limburg. Nach dem Falle von Thiengen, Stühlingen, Küssaberg, Blumenfeld und so vielen kleineren Burgen konnte man auch Stockach nur Unheil prophezeien; doch dem glücklichen und raschen Zusammenwirken der beiden Brüder von Fürstenberg verdankte die Stadt ihre Rettung. Graf Wolfgang hatte auf die erste Nachricht von der Gefahr in seinen eigenen Herrschaften im Kinzigthale und vor dem Wald den Landsturm aufgeboten und auf dies zog im Fürstenbergischen aus, "was nur machtbar war und Stab und Stange zu tragen vermochte." Die wirtemberische Regierung stellte nochmal ihre ganze Macht zur Verfügung; die pfälzischen Truppen und Markgraf Friedrich von Brandenburg in eigener Person rückten heran. Und da nun zugleich vom Sundgau aus Graf Heinrich, begünstigt durch den zeitweiligen Abzug des Feindes, der ihm gegenüberstand, 3000 Fußgänger und 1000 Reiter eiligst in der Richtung gegen Stockach heranführte 1), hoffte man 15000 Mann zu

[440] Heinrichs Marsch zum Entsatze Stockachs. 

Fuß, 3000 zu Roß zum Entsatze zu versammeln. Den Eidgenossen aber ward der Plan der Deutschen durch einen Gefangenen, den die Schaffhauser machten, verraten 1) und gegenüber den von zwei Seiten nahenden Streitkräften fanden sie für gut, das Feld zu räumen. Schon am 28. Mai brachen sie ihr Lager vor Stockach ab, zum Bedauern vieler Deutschen, die diesmal sicher auf Sieg rechneten. Auf ihrem Rückzuge nach Stein wurden sie eine Strecke weit vom Reichsheere verfolgt, wobei sich ein Edler von Rechberg auszeichnete. Als aber die Nachhut der Fliehenden bei Rielafingen gegen die Verfolger Kehrt machte, soll es doch wieder zu einem für die Deutschen wenig ehrenvollen Auftritt gekommen sein. Pirkheimer erzählt, die fränkischen Speerreiter seien dem Angriffe auf den Feind ausgewichen und hätten dafür von dem durch eine Geschützkugel schwer am Arme verwundeten 2) schwäbischen Feldhauptmanne viele bittere Schimpfworte zu hören bekommen.

Am 31. Mai kam Graf Wolfgang nach Hüfingen zurück, mit 800 Knechten, 500 Rossen und 11 Geschützen, befahl aber noch am gleichen Tage allen in Hüfingen und Bräunlingen liegenden Hauptleuten, wieder mit ihm nach Engen zu ziehen. 

Mittlerweile war sein Bruder mit einem Teile der Truppen, die er im Altkircher Lager versammelt hatte, mit 600 Pferden und 1500 Mann zu Fuß, am 27. aus Altkirch aufgebrochen und in vier Tagemärschen über Jettingen, Brattelen und Säckingen bis Waldshut gerückt. Während er am 31. Morgens von dort das Wutachthal hinauf gegen Fützen weiter zog, um sich mit Wolfgang zu vereinigen, der ihn schon am 30. in Hüfingen erwartet hatte, erhielt er die Nachricht vom Abzuge des Feindes vor Stockach, was ihn zunächst zur Rückehr nach Waldshut bestimmte. Inmitten widersprechender Warnungen, Ratschläge und Wünsche, die ihm von Seiten des Königs und der im Lager zu Altkirch gebliebenen Hauptleute zugingen, rückte er dann nach Rheinfelden, um dort zu erkunden, was der Feind vornehmen wolle, am 4. Juni aber in das Altkircher Lager zurück 3).

[441] Sein Vorstoß ins Solothurnische. 

Der König hatte, wie Ungelter am 5. Juni berichtet, aus dem Vinstgau geschrieben, man solle den Vorsatz, mit Heinrich und den Wirtembergern von Constanz aus etwas zu unternehmen nicht aufgeben und wenigstens den Brand angehen lassen, damit er besser im Gebirge handeln könne. Diesem Befehle kam denn auch Graf Heinrich nach, doch nicht von Constanz, sondern von Basel aus, da ihn das Vorrücken des Feindes dorthin zurückrief, auch die wirtembergische Regierung nach dem gelungenen Entsatze Stockachs ihre Truppen mit Ausnahme des Bundeskontingents von 2000 Mann wieder zurückzog 1), so daß für das geschwächte Heer im Centrum die Defensive ratsam erscheinen mochte. Schon am 1. Juni hatte Friedrich Kappler mit 600 Mann eine feindliche Schar überfallen, über 30 Pferde und etliche Wagen erbeutet 2). Am 11. Juni 3) brach Heinrich selbst mit einer gegen 3000 Mann starken Abteilung seines Heeres, darunter der Garde und dem Straßburger Aufgebote, in das solothurnische Gebiet ein und drang bis zum Hauenstein westlich von der Aar vor. Nach den furchtbaren Verwüstungen, welche die Eidgenossen im Klettgau und Hegau angerichtet hatten, bekamen sie nun im eigenen Laande die Schrecknisse des Krieges zu fühlen. Am Hauenstein hatten sie auf eine halbe Meile Wegs Verhaue aus großen Bäumen angelegt, durch welche sich die Deutschen jedoch mit Ärten und Sägen hindurcharbeiteten. Die Eidgenossen sollen auf diesem Verwüstungszuge 200 Mann verloren haben 4); 4 Dörfer wurden verbrannt, 200 Pferde und Ochsen als Beute fortgeführt. Besonderen Eindruck machte die Erstürmung und Zerstörung eines festen Kirchhofes; unser Berichterstatter meint, nach dieser Waffenthat sei der Hochmut der Schweizer tief gesunken. Bei Seeben, vielleicht eben dem

[442] Niederlage des Ostheeres an der Calven. 

Schauplatze dieser That, eroberte ein Fußknecht eine Hackenbüchse, wofür er 1 fl Belohnung erhielt 1).

Am 15. Juni wird dann auch gemeldet, daß die Heeresabteilung Friedrich Kapplers, sei es bei einem besonderen Vorstoß, sei es auf dem Rückwege von dem Verwüstungszuge an den Hauenstein, bei Laufen an der Birs, das dem Bischofe von Basel gehörte, über 600 Eidgenossen erstochen habe. Sowohl dieser Hauptmann als der Oberfeldherr waren am 13. Juni wieder in das Standlager nach Altkirch zurückgekehrt. Von dort richteten sie an diesem Tage an die Unterthanen der Herrschaften Pfirt, Thierstein, Landskron, Rheineck, Biederthal, Eptingen und Rotberg, die sich an die Eidgenossen angeschlossen hatten und darum gleich diesen der Reichsacht verfallen waren, die Aufforderung, sich binnen acht Tagen dem Könige zu unterwerfen. 

Im Osten aber, an der Grenze Tirols und Graubündens, hatten die Dinge inzwischen den übelsten Verlauf genommen. Noch ehe Maximilian dort zum Tiroler Heere stieß, war dieses an der Calven zwischen Taufers und Glurns am 22. Mai in blutiger Schlacht aufs Haupt geschlagen worden 2). Es ist bemerkenswert, daß auch dieses Heer, wie jene im Centrum und im Westen des Kriegschauplatzes, von einem Sohne der Baar geführt ward, von Ulrich von Habsberg, dem früheren Besitzer Donaueschingens. Ein Verwüstungszug ins Engadin, den der König nun unternehmen ließ, war ein schlechter Entgelt für die verlorene Feldschlacht, umsomehr, da Hunger und Anstrengungen die königlichen Truppen dabei aufs Schlimmste mitnahmen. Eben an diesem Punkte des Kriegschauplatzes aber lag dem Könige am meisten an einem Erfolge und wie er den Grafen Wolfgang mit den schwäbischen Bundestruppen gern dorthin gezogen hätte, so hatte er, wenn der Eßlinger Bundesrat Hans Ungelter richtig berichtet ist 3), anfangs sogar die Absicht, auch den Grafen Heinrich von Fürstenberg mit seinen 12000 Mann zu sich nach dem Osten zu berufen. Noch am 24. Juni erließ er aus Landeck an den schwäbischen Bund die dringende Wahnung, daß ihm derselbe mit seiner ganzen Macht nach Bregenz zur

[443] Beratung in Lindau. 

Unterstützung nachrücken möge. Dazu hatte aber dieser jetzt sicher nicht größere Neigung als vorher. 

Bei diesem Zwiespalt der Interessen und Wünsche bemühte sich Graf Wolfgang, der um diese Zeit in Überlingen, am Sitze der Bundesversammlung weilte, mit allem Eifer eine Einigung herbeizuführen. Er schlug vor, daß die Fürsten und die Hauptleute des Bundes zu Langen-Argen zu einer Beratung zusammenträten und schrieb darüber an den König, der am 30. Juni nach Feldkirch, am 2. Juli nach Lindau zurückkehrte. Das Antwortschreiben des Königs vom 2. Juli lobt den Eifer des Grafen, befiehlt ihm aber, bei Fürsten und Bundeshauptleuten darauf zu dringen, daß dieselben in eigener Person mit wenig Dienerschaft unverzüglich zu ihm nach Lindau kämen. Die beigefügten Nachrichten über die bedrohliche Lage im Vinstgau lassen kaum daran zweifeln, daß Maximilian noch immer daran dachte, die Kräfte des Bundes auf diesen Schauplatz zu ziehen. Zur Überfahrt der Fürsten, der Bundeshauptleute und des Grafen Wolfgang selbst, der bei diesen Unterhandlungen nicht fehlen durfte, schickte der König sogleich ein Jagdschiff nach Überlingen. Dieses wird kaum ohne die geladenen Gäste nach Lindau zurückgefahren sein, aber die dortigen Verhandlungen können nur zu einem den Wünschen des Königs nicht entsprechenden Ergebnisse geführt haben. Am 5. Juli schrieb der König von Lindau aus wieder an Wolfgang und ersuchte ihn, die Wirtemberger zu beschwichtigen, die eine Aktion des Königs im Centrum erwarteten, über sein Stillliegen unwillig waren und bereits an die Heimkehr dachten. Auch an die wirtembergischen Hauptleute schrieb der König selbst beschwichtigend und zum Ausharren mahnend. Die Unzufriedenheit dieser Truppen, vielleicht auch andere Gründe bewogen ihn aber nun, den Feldzugsplan im Osten endlich aufzugeben und sich selbst in die Mitte des Reichs-und Bundesheeres zu begeben. Dort war am 30. Juni wenigstens ein Landungsversuch der Schweizer auf der Reichenau durch wohlgezielte Schüsse der Eßlinger Artillerie, die dem Feinde 32 Mann kosteten, zurückgewiesen worden. Am 11. Juli verlor auch eine feindliche Schar, die ein Dorf im Hegau plündern wollte, 80 Mann durch die aus Radolfzell ausbrechenden Reisigen 1). Am 7. Juli kam der König nach Überlingen, wo er bis zum 10. blieb, worauf er am 11. auf der Mainau die fruchtlosen Vermittlungsvorschläge einer französischen Gesandschaft entgegennahm, am 12. aber nach Constanz (genauer nach Petershausen) übersiedelte.

Dort sammelte sich nun auch das Reichs- und Bundesheer, in der Stärke von etwa 2500 Reitern und 10000 Fußknechten. Von Fürsten 

[444] Das Reichsheer bei Constanz. 

waren zugegen die Herzoge Georg von Baiern-Landshut, Albrecht von Sachsen, Markgraf Friedrich von Brandenburg-Ansbach mit seinem Sohne Kasimir, der junge Pfalzgraf Ludwig, der junge Markgraf Christoph von Baden, auch der junge Herzog Ulrich von Wirtemberg. Am 16. musterte der König das in Schlachtordnung aufgestellte Heer und fand es mit Geschütz, Harnisch und Wehr bestens ausgerüstet. Schenk Christoph von Limburg führte das Reichsbanner; als Hauptleute des Reichsvolkes waren vom Könige der Steiermärker Reinbrecht von Reihenburg und Eckolt von Liechtenstein bestellt. Das schwäbische Bundesheer befehligte Graf Wolfgang. St. Jörgen Fahne war dem Schenken Friedrich von Erbach von den Franken und Hans Spät von den Schwaben wegen anvertraut; Hauptleute der Georgiritter waren Graf Wolfgang von Öttingen und Paul von Absberg 1). In seinem gewohnten Jägeranzuge, einem grünen alten Röcklein und einer grünen Stutzkappe, auf der ein großer grüner Hut aufsaß, ritt Maximilian vor seine Truppen. Götz von Berlichingen, der in seiner Autobiographie 2) darüber berichtet und der bei dieser Musterung als jugendlicher Fähnrich das schwarz-weiße brandenburgische Banner trug, meint, niemand hätte Maximilian für einen König angesehen, er indessen habe ihn an seiner großen Nase erkannt. Der König ritt zu ihm hin, fragte ihn, wem er zustehe und sprach: "Du hast einen langen Spieß und einen großen Fahnen daran, reit mit dorthin zu jenem Haufen, bis daß der Adler des Reichsfahnens von Constanz herauskommt." So wenig bedeutend diese Worte waren, sie gruben sich auf Lebenszeit in die Erinnerung des Jünglings ein.

Vielleicht schon an diesem Tage, jedenfalls am 18. sollte nun ein Schlag gegen die Schweizer geführt werden, die in der Stärke von 15000 Mann noch immer in ihrem Lager am Schwaderloch standen. Man erwartet eine entscheidende Schlacht, statt dessen aber unterblieb jeder 

[445] Unthätigkeit im Centrum. 

Angriff. Götz von Berlichingen meint, weil die Eidgenossen seit dem 16. Verstärkung erhalten hätten und weil, was die Deutschen betrifft, da wo viel Räte, auch viel Köpfe seien. Der Grund der Unthätigkeit lag aber wohl weniger darin, daß man sich über das Wie nicht einigen konnte, als daß es der Mehrzahl der Fürsten und Bundesglieder überhaupt an Kriegslust fehlte. Zur Not hatte man sich bewegen lassen ins Feld zu rücken, die Oberländer waren wohl auch gern bereit den heimischen Herd zu schützen, aber als es nun galt, Gut und Leben im Angriffstoß auf einen Feind zu wagen, der seine Kriegstüchtigkeit wiederholt zur Genüge bewiesen hatte, da zeigte sich doch, daß die Stände kein großes Interesse daran hatten, die Eidgenossen eben jetzt zu ihrer Pflicht gegen das Reich zurückzurufen, während anderseits vielfach auch die Anschauung herrschen mochte, daß es bei diesem Kriege sich in erster Reihe doch nicht um die Interessen des Reichs, sondern um jene Habsburgs handle. Hier saß das Übel, das noch bedenklicher als alle Fehler der Feldherrn und alle Unbotmäßigkeit des gemeinen Mannes, die Unternehmung im Centrum scheitern machte. Der Eßlinger Bundesrat Hans Ungelter1) wirft dem Könige vor, daß er von einem Anschlage auf den andern verfalle und sein Fürnehmen ganz ungegründet und kindisch sei, aber mit mehr Recht hätte wohl der König über den Mangel an Unternehmungslust bei den Fürsten und Bundesgliedern klagen können. Anshelm will wissen, er habe im Kriegsrat zornig seinen Blechhandschuh hingeworfen mit dem Ausruf: es ist nicht gut, Schweizer mit Schweizern zu schlagen. Sicher ist, daß er von jeder Unternehmung abstehen mußte, und voll Enttäuschung und Unwillen wird er am 22. Juli nach Lindau zurückgefahren sein. Doch hatte er die Absicht in acht Tagen wieder nach Constanz zu kommen 2). Ein Teil der Truppen, darunter reichstädtische, nahm er mit sich, um irgendwo am schweizerischen Seeufer unterwegs einen guten Anschlag auszuführen. Dieser beschränkte sich darauf, daß bei Stad zwischen Rorschach und Rheineck gelandet, von dort aus trotz tapferer Gegenwehr der kleinen Schar, die den Zugang verteidigte und hierbei 70 Leute verlor, Rorschach angegriffen und dieses sanktgallische Städtchen niedergebrannt wurde. Als aber dann die Schiffe zur Heimkehr nach Lindau vom Ufer abzustoßen im Begriffe waren, brach wiederum, wiewohl kein Gegner mehr in der Nähe stand, eine schmähliche Panik unter den Truppen aus; wäre nur die kleinste Abteilung des

[446] Heinrich im Lager bei Altkirch. 

Feindes, sagt Pirkheimer 1), hier in der Nähe gewesen und hätten uns von hinten angegriffen, wir würden fürwahr die furchtbarste Niederlage erlitten haben.

Am Tage nach der Entfernung des Königs zogen die Wirtemberger, das Volk des Adels und alle Reisigen mit dem Markgrafen Friedrich in den Hegau ab. Die Wirtemberger wollten nur mehr 4 - 5 Tage bleiben, dann heimziehen bis auf 600 Mann, die in der Reichenau liegen sollten. Am 25. kam es bei Thaiingen noch zu einem Gefechte, an dem auch Götz von Berlichingen teilnahm und wobei der Kirchturm dieses Ortes, in den sich die Schaffhauser geworfen hatten, durch Dietpold Spät mit Pulver gesprengt ward. Von den Wirtembergern fiel hier Junker Hans d. ä. von Fürst 2). Ob Graf Wolfgang bei diesem Kampfe zugegen war, ist ungewiß.

Mittlerweile aber, am selben Tage, da der König nach Lindau zurückfuhr, waren die Würfel auch im Westen schon unglücklich gefallen. Dort hatte Graf Heinrich bisher nicht wagen dürfen, mit Truppen, deren Unzufriedenheit über das Ausbleiben ihres Soldes aufs höchste gestiegen war, dem Feinde eine Schlacht anzubieten. Das dringende Verlangen nach Geld kehrt fast in allen Berichten des Feldherrn an den König wieder. Wie er am 3.Juni schreibt, bedurfte er monatlich für die jetzt an 1000 Pferde starke Garde 6000 fl, für die Fußknechte 4000, für die Herren und Ritter mit ihren Knechten 2000. Am 10. Juni klagt er bereits, daß ein Teil der Ritterschaft heimgezogen sei. So erklärt sich sein sechswöchentliches Stillliegen im Altkircher Lager, das nur der Vorstoß gegen den Hauenstein auf einige Tage unterbrach. "Ihr wißt", schrieb der Graf am 1. Juli an Statthalter und Räte zu Freiburg, "daß ich infolge Geldmangels weder die Garde noch die Knechte ninderthin bringen und mit ihnen nichts ausrichten kann; Gott wolle nur, daß es mir wenigstens gelinge, sie beisammen zu halten, was ich mit allem Eifer betreibe." Tags vorher waren die Knechte bereits in Ordnung auf- und davongezogen. Welche Lage für den Feldherrn, da er ihnen nun nachreiten und ihre Forderungen anhören mußte! Mit Mühe bestimmte er sie dazu, umzukehren und sich mit der Hälfte des geforderten Soldes zu begnügen. Mehrere Hauptleute mußten, wie das Rechnungsbuch des Grafen zeigt, mit Tuchlieferungen an Stelle des Soldes für ihre Truppen vorlieb nehmen. Sowie er aber Geld erhalte, meldete Heinrich nach Freiburg, 

[447] Sein Angriff auf Dorneck. 

beabsichtige er gegen Dorneck zu rücken, das Schloß zu gewinnen, dann in das Solothurnische einzubrechen und dieses Gebiet bis an die Stadt hin ringsweise in Grund "zu verderben und zu zerschleifen" 1). Vom 4.-10. Juli beriet er auf einem Tage zu Ensisheim mit Vertretern der vorderösterreichischen Landschaft wegen der Beschaffung der erforderlichen Kriegsbedürfniße, besonders des Geldes. Sebastian Hofer ritt an den königlichen Hof und nach Freising, um 6000 fl zu erheben; aber auch eine sofortige Kriegsanleihe ward für nötig erachtet, zu deren Aufbringung die elsässischen Landstände 2), auch das gut königlich gesinnte Kapitel von St. Peter in Basel mit seinem Dechant sich bereit erklärte. Am 19. Juli erhielt das letztere dafür vom Grafen Heinrich einen Geleitsbrief für die Dauer des Kriegs.

Während die Versammlung in Ensisheim tagte, ward aus Rheinfelden an die Stadt Basel berichtet, daß am 7. Juli von der dortigen Besatzung ein Streifzug in das feindliche Gebiet nach dem westlich von Liestal liegenden solothurnischen Nuglar gemacht, die Rückkehrenden aber von den baslerischen Liestalern mit einem Angriff bedroht worden seien; am 9. habe sich ähnliches ereignet; die Stadt Basel aber möge nicht dulden, daß aus ihrer Stadt Liestal ein Raubhaus gemacht werde. Der schriftliche Verkehr, der in dieser Zeit zwischen Basel und dem Grafen Heinrich gepflogen wurde, läßt nicht anders urteilen, als daß die Stadt bei aller Höflichkeit gegen den Grafen ihre Neutralität wahrte. Während einerseits die Basler dem Grafen manche Beschwerden und Anklagen vorzutragen haben, bittet dieser den Stadtrat, daß er sein Mandat an die abgefallenen Unterthanen der sundgauischen Herrschaften am Gerichtshause ihrer Stadt anschlagen lassen, daß sie nach Basel geflüchtete österreichische Lehensleute und Landsassen ausweisen, daß sie die Aufnahme eines Hans Ulrich Jungermann zu seinem Trabanten genehmigen, und erhält bewilligt, daß Graf Wecker von Bitsch mit einer Heeresabteilung die Stadt durchziehen darf. 

Zum ersten Angriffsziele ersah nun der Graf die solothurnische Grenzburg Dorneck3) östlich von der Birst, die nur etwa zwei Stunden südlich von Basel liegend, mit ihrem dazu gehörigen Landbezirk weit in das bischöflich baslische Gebiet hineingriff. Wahrscheinlich am 11. Juli begann der Marsch des Heeres dahin; unter dem 14. findet man die Ausgabe von zwei fl für einen Kundschafter verzeichnet, der den Grafen von Fürstenberg und die freien Knechte vor Dorneck führte. Die Klöster Lützel,

[448] Heinrichs Angriff auf Dorneck. 

Güntersthal, St. Trudbert, Ottenmünster, St. Peter lieferten gegen Bezahlung die Bespannung für die Geschütze und Munitionskarren 1). Nach Pirkheimer betrug die Stärke des Heeres, das sich vor Dorneck lagerte, 14000 Mann zu Fuß und 2000 Reiter 2). Darunter befanden sich nun auch 800 Mann aus den Reichstädten Worms, Speier, Mainz und Straßburg. Am 18. und 19. treffen wir den Grafen mit dem elsässischen Landvogte Kaspar Freiherrn v. Mörsberg, dem Hauptmann Friedrich Kappler und anderen königlichen Räten, wohl zur Abhaltung eines Kriegsrates, nochmal etwas weiter rückwärts, im Kloster St. Apollinaris zu Obermichelbach westlich von Basel; von dieser Verfassung weg aber kehrte Heinrich zum Belagerungsheere vor Dorneck zurück.

Unheilvoll und für den Ausgang dieses Feldzuges entscheidend ward nun, daß der Graf, ohnedies durch den leichten Erfolg seines ersten Vorstoßes vielleicht in Sorglosigkeit gewiegt, dahin berichtet wurde, die Schweizer hätten ihre gesammte Macht nach dem Schwaderloch gezogen, und daß er an die volle Richtigkeit dieser keineswegs ganz unbegründeten 3), nur

[449] Pirkheimers Bericht. 

übertriebenen Angabe mit einer Vertrauensseligkeit glaubte, welche ihn entgegengesetzten Aussagen und Warnungen kein Gehör schenken ließ. Am 22. Juli lagerte das Heer in zerstreuten Abteilungen, ohne Gedanken an 

[450] Schlacht bei Dorneck. 

die Nähe eines Feindes und ohne daß Tagwachen ausgestellt gewesen wären, um Dorneck herum, das von einem tapferen und umsichtigen Vogte, Benedikt Hugi, angeblich mit nur zehn Mann Besatzung verteidigt ward. Der Fall der Burg galt als so nahe bevorstehend, daß einige königlich gesinnte Basler Domherren, namentlich der Dechant von Rottenburg, den Turm ihres Münsters schon nicht mehr verlassen wollten, bis die zum Himmel steigende Flamme ihnen die Einnahme der Feste melden würde; oben auf dem Münsterturme ließen sie sich das Mahl zurichten. 

Die Königlichen aber waren falsch berichtet. Eine feindliche Heeresmacht, Berner unter dem Altschuldheißen Rudolf von Erlach, Solothurner unter ihrem Schuldheißen Nikolaus Konrad, Züricher unter dem Hauptmann Kaspar Göldli, vereinigt angeblich doch nicht mehr als 40000 Mann, hatte sich unbemerkt in der Nähe zusammengezogen und vorsichtige Späher kündeten ihren Anführern, wie günstig die Gelegenheit eines Überfalles war. Die Burg Dorneck liegt östlich vom gleichnamigen Dorfe in der Richtung gegen die Gempen- oder Schartenfluh, von der sie um mehrere hundert Meter überragt wird. Auf der jenseitigen Abdachung dieses Berges vollzogen jetzt die Eidgenossen ihren Aufmarsch und die ganze Entschlossenheit und Klugheit, welche ihre Kriegsführung von 1499 kennzeichnet, ward auch an diesem Tage bewährt, als sie nun still und heimlich vorwärts rückten und um die Vesperzeit von den Höhen herab plötzlich in das Lager der erschreckten und wehrlosen Gegner einbrachen, die teils am Kochen, teils beim Baden 1) waren, teils mit Spiel und Tanz sich sich die Zeit verkürzten. Zu dem Vorteil, den die Sorglosigkeit der Königlichen gewährte, half den Eidgenossen noch eine List, indem sie die Brust mit roten, den Rücken mit weißen Kreuzen bezeichnet hatten, so daß zu Anfang des Gefechtes mancher von ihnen für einen Deutschen gehalten ward. Der erste Stoß traf jene Abteilung, welche ohnedies die schwächste Widerstandskraft hatte, die vorder-

[451] Heinrichs Tod. 

österreichische Landwehr und die reichstädtischen Knechte: viele derselben wurden erstochen, ehe sie nur zu den Waffen greifen konnten. Auf den ersten Lärm eilte Graf Heinrich herzu, gefolgt von einigen Adeligen; aber ehe er noch deutlich gewahrte, was vorging, sank er, von Feindeshand tötlich getroffen, eines der ersten Opfer des Kampfes und eines der vielen, welche das Haus Fürstenberg im Dienste Habsburgs und des Reichs auf Schlachtfeldern gelassen hat. 

Nach dem Falle ihres Feldherrn waren die Landsknechte noch weniger zu halten als vorher, mit unwiderstehlichem Ungestüm verfolgte der Feind seinen Vorteil und warf sich auf die nächste Lagerabteilung, wo die geldrischen Knechte standen. Auch diese waren keines Angriffs gewärtig, aber, wie es sich eben traf, liefen sie in kleinen Haufen von zehn, zwanzig, dreißig Mann zusammen und wehrten sich bis in den Tod. Indessen wälzte sich die große Masse des Heeres, ein breiter Strom von Fliehenden, den man auf 8000 Mann schätzte, über die Birsbrücke. Der Feind teilte sich bei seiner Verfolgung wegen der hohlen Gasse hinter Dorneck in zwei Haufen1). Jetzt aber drang das Geschrei und der Lärm des Kampfes bis in das entferntere Lager der Reiterei, und während sich anderseits auch von dem Fußvolk manche, wenigstens halbbewaffnet, wieder sammelten, eilte die königliche Leibgarde, eilten bald auch die übrigen Reisigen herbei. Dreihundert freie Knechte unter den Hauptleuten Peter Schlosser von Straßburg und Hans Kraft von Ulm befanden sich nach der Villinger Chronik unter dieser Schar, welche zuletzt noch tapferen Widerstand leistete. Sie deckte den Rückzug des Fußvolks und richtete ein furchtbares Blutbad unter den Eigenossen an, zu denen erst in diesem letzten Abschnitt des Kampfes durch Berg und Wald von Arlesheim her zwölfhundert Mann von Luzern und Zug gestoßen sein sollen 2). Die Luzerner unter dem Hauptmann Willi Grüni und dem Fähnrich Ulli Steiner führten ein gelbes Fähnlein, worin ein roter Leu mit stahlfarbenen Krallen abgebildet war 3).

Von deutscher Seite wird behauptet, die Feinde hätten nicht viel ge- 

[452] Die Niederlage bei Dorneck und der König. 

ringeren Verlust gehabt als die Königlichen 1). Aber die Schlacht war für diese verloren, mit ihr der größte Teil der Heeresausrüstung und alles Geschütz, 17 Schlangen, zwei Kartaunen und eine Hauptbüchse. Die Berner, welche unter den Eidgenossen die größten Verluste in der Schlacht erlitten hatten, verteilten ihre fahrende Beute auf Rat der Obrigkeit an ihre in der Schlacht Verwundeten und Gelähmten. In der erbeuteten seidenen "Schaube" 2) des Grafen von Fürstenberg, die mit ihrem breiten Kreuz einem Meßgewande glich, sah man später in Basel einen gewissen Bitterle aus dem Leimenthal prunkend herumstolziren. Dem Bischofe von Worms erwiderten er und seine Genossen auf die Frage, wer sie wären: "die Bauern, die den Adel strafen!" Von den Vornehmen waren außer dem Grafen von Fürstenberg Graf Wecker von Bitsch, Herr Mathias von Castelwart, der letzte seines Stammes, Nikolaus von Uttenheim und einer von Richenstein gefallen. Heinrich Rahn, der Züricher Fähnrich, erschlug den Straßburger Fähnrich Arbogast von Kagenegg und erbeutete das Banner der Stadt Straßburg. Die Angaben über den Gesammtverlust der Königlichen gehen sehr weit auseinander; Pirkheimer schätzt ihn auf 4000, Anshelm auf mehr als 3000 Mann. Die Schweizer behaupteten nach hergebrachter Sitte drei Tage lang das Schlachtfeld 3).

Es ist oft erzählt worden, wie der König in Lindau die Nachricht von der Niederlage aufnahm. Als Pirkheimer an diesem Tage in die königliche Pfalz kam, fand er den Zutritt zu den inneren Gemächern geschlossen; vor den Thoren wandelten flüsternd die Hofherren auf und ab. Gegen Abend wurden die Pforten geöffnet; der König speiste im Freien und seine Mienen verrieten keine Traurigkeit; als die Nacht hereingebrochen war, trat er zum Fenster, betrachtete die Sterne und sprach viel von deren Natur und Verhältnißen; er schien die Niederlage gänzlich vergessen zu haben. Am 28. Juli fuhr er nach Constanz zurück. Er diktirte während der Fahrt einen Abschnitt aus seiner Lebensgeschichte, brachte im übrigen den Tag mit Scherzen, lustigen Gesprächen und Spielen zu und ließ, wie der auf demselben Schiffe befindliche Pirkheimer berichtet, in seinen Mienen keinen Zug von Verstörung bemerken. 

Noch von Lindau aus, am 27. Juli, richtete der König ein Beileid- 

[453] 

schreiben an den Grafen Wolfgang, bereits die Antwort auf ein den Tod seines Bruders meldendes Schreiben des Grafen. Unter dem ersten Eindruck der Trauerbotschaft soll er, nach Pirkheimer, die unkluge Verwegenheit seines Feldherrn beklagt haben; in dem Beileidschreiben an Wolfgang aber widmet er dem Gefallenen einen ehrenden Nachruf. "Wiewohl wir," schrieb Maximilian, "der nützlichen, getreuen und langjährigen Dienste halben, die dein Bruder uns und dem heiligen Reiche, ungespart seines Gutes und, wie sich nun deutlich zeigt, auch seines Leibes bewiesen, kein geringes und besonders gnädiges Mitleiden mit dir tragen, bedenken wir doch, daß er also in getreuem Beistand des heiligen römischen Reichs und göttlicher Gerechtigkeit von dem Allmächtigen zu sich gerufen wurde, so daß er sonder Zweifel von Gott dem Herrn besondere Belohnung und in dieser Welt eine löbliche und ehrliche Nachrede empfangen wird. So müssen wir und alle unsere Getreuen dessen in gleicher Weise gewarten und es der Gnade des Allmächtigen anheimstellen." 

Wolfgang hatte in seinem Schreiben an den König das Gesuch gestellt, auf einige Zeit in die Heimat gehen zu dürfen. Der König gestattete dies, befahl aber dem Grafen, sich vorher auf einen von ihm angesagten Bundestag nach Rottenburg am Neckar zu begeben, wo seine Anwesenheit unentbehrlich sei; die Zeit der Versammlung würde ihm von den Bundeshaupleuten zu Constanz mitgeteilt werden. Ehe jedoch dieses Schreiben abgegangen war, änderte der König seinen Entschluß und fügte am folgenden Tage als Nachtrag einen andern Befehl hinzu: Da er nun beschlossen habe, mit dem großen Heere selbst in den Sundgau zu ziehen und die Feinde vor Pfeffingen, einige Stunden südlich von Basel, wo sie eben lagerten, zu schlagen, möge der Graf ohne Rücksicht auf den Rottenburger Tag sofort in eigener Person und "mit allem seinem Kriegsvolk und Glockenschlag" dem Sundgau zuziehen, um sich mit ihm zu vereinigen. 

Indessen war Wolfgang, ohne die so verzögerte Antwort des Königs abzuwarten, bereits nach dem Kinzigthale abgereist, um häusliche Geschäfte zu erledigen, die durch den Tod seines Bruders dringend geworden waren. Der vom Könige geplante Kriegszug in den Sundgau kam nicht zur Ausführung, wahrscheinlich weil die Bundesglieder die Lust zu einem neuen Angriffe verloren hatten, vielmehr wurden in Basel bereits die ersten Friedensunterhandlungen angeknüpft. 

Unter den ersten Gedanken Graf Wolfgangs war die Sorge um das Schicksal der Leiche seines Bruders. Am 28. Juli ersuchte er von Wolfach aus den Altbürgermeister von Basel, Hans Imer von Ramstein, Herrn zu Gilgenberg, und zugleich den Rat der Stadt Basel, ihre Vermittlung dafür eintreten zu lassen, daß er die Leiche ausgeliefert erhalte. Er schickte 

[454] Unterhandlungen über die Auslieferung von Heinrichs Leiche. 

die Briefe an Bürgermeister und Rat von Freiburg i. B. mit der Bitte, sie nach Basel gelangen zu lassen, da er sie wegen des Feindes nicht von Wolfach direkt dahin absenden könne. Von Basler Seite, wahrscheinlich vom Domkapitel aus, war man indessen Wolfgangs Wunsche bereits zuvorgekommen. Schon am 24. war eine Botschaft aus der Stadt im Lager der Schweizer auf dem Schlachtfelde erschienen und hatte um die Erlaubnis nachgesucht, die Leichen der Grafen von Fürstenberg und Bitsch, der Herren von Castelwar und Reichenstein zum Begräbnis in geweihter Erde nach Hause zu führen. Dafür sollen 1000 fl geboten worden sein. Die Eidgenossen hatten aber das Verfügungsrecht über die Leichen den Solothurner Hauptleuten überwiesen, mit dem Vorbehalt, daß diese kein Geld dafür nähmen; als nun die Basler ihr Anbringen den Solothurnern vortrugen, ward es von diesen abgeschlagen mit dem Bescheid: die Edlen müßten bei den Bauern bleiben. Barfüßer und andere Mönche aus Basel hatten mittlerweile das traurige Geschäft besorgt, auf dem Schlachtfelde die Leichen aufzuräumen. Jene des Grafen Heinrich ward mit Hilfe eines Knechtes, der bei ihm gedient hatte, festgestellt und darauf wurde sie, sowie die Leichen des Grafen von Bitsch und des Herrn von Castelwart auf Anordnung der Solothurner Hauptleute nach dem Dorfe Dorneck geführt und in der dortigen Kirche, zunächst dem Sakramentshause begraben. Für die große Masse der übrigen Leichen aber ward dort eine besondere Beinkapelle erbaut, wobei auch Seelmessen gestiftet wurden und wo sich, wie Anshelm berichtet, "ein Wallfahrt, zum elenden Bein genempt, und wunderfitzige Werk hand erhaben." 

Am 7. August berichtete die Stadt Basel an den Grafen Wolfgang, daß ihr Gesuch fruchtlos geblieben, die Leiche indessen in der bezeichneten Weise wenigstens in geweihter Erde bestattet worden sei. Dem Grafen Wolfgang aber lag zu viel daran, daß die Leiche seines Bruders in der Ahnengruft des Hauses zu Ruhe gebracht würde, als daß er nicht die Bemühungen um ihre Auslieferung noch länger fortgesetzt hätte. Auch der König verwendete sich in diesem Sinne bei den Eidgenossen. Nach dem Frieden, am 8. Februar 1500, richtete Wolfgang nochmal ein Gesuch an die eidgenössische Tagsatzung. Die Verwandten der drei Herren, Fürstenberg, Bitsch und Castelwart erboten sich zusammen, dafür 300 fl an die Dornecker Kapelle zu erlegen. Wirklich erklärte es die Tagsatzung zu Luzern am 4. Februar und zu Zürich am 5. Mai 1500 als ihren Wunsch, daß die Solothurner, dem Könige zu Ehren, die Auslieferung der drei Leichen an die Verwandten bewilligen mögen. Gleichwohl ist ziemlich sicher, daß wenigstens die Auslieferung der Leiche des Grafen Heinrich und ihre Überlieferung in die fürstenbergische Familien- 

[455] 

gruft nach Neidingen nie erfolgt ist; in Neidingen findet sich nur eine Totentafel, kein Grabstein des Grafen Heinrich und zwei Aufzeichnungen im Neidinger Anniversarienbuche erwähnen nur, daß der Graf vor Dorneck erschlagen und begraben worden sei. 

Nach der Schlacht bei Dorneck ruhten die Waffen auf dem westlichen Kriegschauplatze, während im Centrum nur mehr einige unbedeutende Scharmützel erfolgten. Da die Königin Maria Blanca zu Anfang August aus den Niederlanden heraufzog, reiste ihr der König, der am 3. August in Radolfzell geweilt hatte, bis Villingen entgegen, wo er seine Gemahlin 

[456] Fest am Donauquell. 

festlich empfing. Von dort besuchte das Königspaar (11. oder 12. August 1) das fürstenbergische Donaueschingen, dessen "großer Donauquell voll des klarsten Wassers" schon damals Ruf genoß. Unter Gezelten, die man über und bei diesem Quell aufgeschlagen, ward ein glänzendes Gastmahl aufgetragen, woran sich Tanz und mannnigfache Lustbarkeiten reihten. Vielleicht war schon damals der Sprung in den Donauquell üblich, der später, im 17. und 18. Jahrhundert, bei Besuchen am fürstenbergischen Hofe den Gästen als scherzhafte Pflicht auferlegt und durch Musik und Dichtung gefeiert wurde. Wenige Wochen nach dem Tode seines Bruders mag es dem Grafen Wolfgang nicht leicht geworden sein, in die Pflichten des Wirtes und in dieses heitere Treiben sich zu schicken, an dem des Königs leichter Sinn trotz der traurigen Lage Gefallen fand. Am 11. und 12. August weilte der König auch in dem eine halbe Stunde von Donaueschingen entfernten Hüfingen. Er beabsichtigte damals das ganze Bundesheer zu Roß und zu Fuß, mit sämmtlichen Wagen und allem Proviant im fürstenbergischen Lande, in Donaueschingen, Geisingen und Hüfingen zu versammeln; die Hauptleute waren zum Markgrafen Friedrich von Brandenburg nach Donaueschingen beschieden, um dort weiteren Bescheid zu erhalten. Aber der Befehl wegen der Sammlung des Heeres ward nicht vollzogen; Bundesgesandte kamen nach Hüfingen, dem Könige zu melden, daß die Ausführung nicht möglich sei, weil die meisten Bundesglieder ihre Truppen bereits zurückgezogen hätten 2). Der König ging dann über den Schwarzwald nach Freiburg, nachdem er seinem Unmut noch einmal nachdrücklich Luft gemacht: mit socher Kriegsführung, klagte er, verderben wir uns selbst und werden alle zu Schanden; es ist das elendeste Ding; es ist, als würfen wir das Geld in die See. Am 17. August erließ er nochmal ein Mandat an verschiedene Reichstände, worin er klagte, daß man ihm keine Kriegshilfe mehr leiste, und für den Fall weiterer Säumnis den Schuldigen die Entziehung aller Regalien und Freiheiten drohte; doch die erloschene Lust zu weiteren Opfern war auch hiedurch nicht mehr anzufachen.

Aber auch die Eidgenossen, in ihrem Berglande auf die Zufuhr von Lebensmitteln aus Deutschland angewiesen, die nun schon seit mehr als einem halben Jahre unterblieb, sehnten sich nach Beendigung des Krieges. So kam zu Basel am 22. September 1499 unter Vermittlung des mailändischen Gesandten Galeazzo Visconti der Frieden, eigentlich nur ein Waffenstillstand zustande. Von beiden Seiten wurden alle Eroberungen und Gefangenen herausgegeben. Die Prättigauer sollten dem Könige 

[457] Ende des Krieges. 

schwören, durften aber im Bunde mit Graubünden bleiben. Das Landgericht des Thurgaues kam nach einem Spruche des Herzogs von Mailand vom 15.Oktober an die Eidgenossen und ward nun nach Frauenfeld verlegt, während es früher, so lange es im Besitze der Stadt Constanz war, nahe an dieser Stadt vor dem Kreuzlinger Thore gehalten wurde. Von der Hauptfrage, ob die Eidgenossen durch Anerkennung des Kammergerichtes und Zahlung des gemeinen Pfennigs ihre Zugehörigkeit zum Reiche bekunden sollten, war in dem Vertrage nicht die Rede, aber dieses Schweigen sprach zu Ungunsten Deutschlands und in dem zweihundertjährigen Prozesse der Lostrennung der Schweiz von Deutschland bildet der Krieg von 1499 den entscheidendsten Schritt. Das Reich hatte sich unfähig gezeigt, ein der Gemeinschaft überdrüssig gewordenes Glied wieder beizubringen und die Schmach seiner Niederlage benahm den Deutschen auf immer die Lust zu einem neuen Versuche. Um die Zeit des Bauernkrieges war das Andenken an den erlittenen Schimpf noch sehr lebendig. "Wie oft hat man die armen Bauern, die Schweizer," sagt eine damals in Deutschland erschienene Schrift, "mit großem Pracht hinter dem Weine geschlagen, daß je einer drei Schweizer hat bestehen wollen! Sind doch der mehrer Teil allwegen in die Flucht getrieben und König, Fürsten und Herren darüber zu Spott geworden, wie mächtig und mit großer Heereskraft sie mit aller Rüstung wider sie warent!" Eine weitere Wirkung des schweizerischen Sieges war auch, daß bald darauf Basel und Schaffhausen, bisher noch Städte des Reichs, welche nur in Schutzbündnis mit den Eidgenossen gestanden waren, sich ganz in deren ewigen Bund aufnehmen ließen. Die thatsächliche Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft vom Reiche aber wurde bekanntlich erst im westfälischen Frieden auch als gesetzliche anerkannt. 

  

Anmerkungen 

zu S. 419 

1. Hauptquellen für die hier in Betracht kommenden Abschnitte des Kriegs sind Pirkheimers Bellum Suitense (Tiguri Helvetiorum, 1737; deutsche Übersetzung von Ernst Münch, 1826); Valerius Anshelms, genannt Rüd, Bernerchronik, herausgegeben von Stierlin und J. R. Wyß, 1826, Bd. II u. III, und die mit Anshelm vielfach verwandte Schweizerchronik des Luzerners Diebold Schilling (Luzern, 1862); die Urkunden zur Geschichte des Schwäbischen Bundes, herausgeg. v. Klüpfel, I., (Bibliothek des Liter. Vereins in Stuttgart, XIV); die Korrespondenzen bei Ochs, Geschichte der Stadt u. Landschaft Basel (1819, IV. Bd.) und bei J. J. Amiet, Denkmale der Dornacherschlacht v. 1499 (Solothurn, 1859); die Berichte und Korrespondenzen im Fürstenbergischen Urkundenbuche, IV. Bd.; die Villinger Stadtchronik ebendort, Nachträge, S. 511. Weiter konnte ich Korrespondenzen der Grafen Wolfgang und besonders Heinrich mit dem Könige und königlichen Räten benützen, die mir aus den Archiven von Wien und Innsbruck erst jüngst zugegangen sind. - Einen interessanten gleichzeitigen Kupferstich, der in Form einer Landkarte mit bildlicher Staffage eine Darstellung des Kriegschauplatzes bietet, enthält in photographischer Reproduktion nebst einer Besprechung vom Freiherrn v. Ausseß das erste Heft der Schriften des Bodenseevereins; s. I, 63 fgd., II, 99 fgd. - Von neueren Darstellungen vergl. besonders Freiherr Roth von Schreckenstein, Wolfgang Graf zu Fürstenberg, Landhofmeister des Herzogtums Wirtemberg als oberster Feldhauptmann des Schwäbischen Bundes im Schweizerkriege des Jahres 1499, 1866; Klüpfel, die Lostrennung der Schweiz von Deutschland in v. Sybels Historischer Zeitschrift, XVI, 1-45; v. Stälin, Wirtemberg. Geschichte, IV, 23-41.

zu S. 420 

1.) In die Unterhandlungen wegen der Varnbüler'schen Angelegenheit wurde auch Graf Heinrich von Fürstenberg hereingezogen, insofern als Bischof Albrecht von Straßburg am 14. August 1497 ihm als Hofmarschall eine von ihm in dieser Sache an den König abgeschickte Gesandtschaft empfahl.

zu S. 421 

1.) Ungenau auch Wormserjoch genannt. Die Straße über das Stilfserjoch, jetzt Hauptverbindung Tirols mit Mailand, wurde bekanntlich erst 1820-25 erbaut, vorher aber war das Stilsserjoch viel schwerer zu überschreiten als der Umbraipaß.

2.) Der Zehngerichtsbund blieb neutral; vgl. hiezu Conradin v. Moor, Gesch. v. Kurrätien und der Republik Graubünden, I, 408 fgd.

3.) Bischof Heinrich von Chur, ein Herr von Hewen, bemühte sich hier eine vermittelnde Stellung zwischen den Parteien einzunehmen, verdarb es aber darüber mit beiden. Am 10. Februar 1499 befahl der König dem Erzbischofe Berthold von Mainz, er solle den Bischof Friedrich von Augsburg und den Grafen Wolfgang von Fürstenberg beauftragen, zwischen den königlichen Statthaltern zu Innsbruck und dem der Acht verfallenen Bischofe Heinrich von Chur ohne Verzug den Frieden zu vermitteln. Erwähnt ohne Quellenangabe bei Jäger, Engadeiner Krieg, S. 89.

zu S. 423. 

1.) Anshelm, II, 320.

2.) Im Berichte der Villinger Chronik, U.B. IV, 511, dürften hier einige Zeitangaben um 8 Tage zu früh angesetzt sein, wie sich aus der Vergleichung mit Anshelm ergibt. Wenn aber Hans Ungelter (Klüpfel, Urkunden zur Gesch. d. Schwäbischen Bundes, 1 291) erst am 20. Febr. berichtet, man müsse stündlich erwarten, daß der Feind in den Hegau oder die Baar einfallen werde, ist er jedenfalls schlecht unterrichtet; denn bei solcher Sachlage hätte nicht Graf Wolfgang schon am 21. von so vielen Eroberungen und Verwüstungen des Feindes im Hegau erzählen können; U.B. IV, 225. Der Absagebrief von Bern an die Feinde der Eidgenossenschaft (Anshelm II, 326) ist vom 16. Februar datirt.

3.) S. Anshelm II, 327 fgd. u. den Constanzer Chronisten Schultheiß (Schweizer. Geschichtsforscher V, 198).

zu S. 424 

1.) So viele nennt ein Schreiben Wolfgangs und des Grafen Heinrich v. Lupfen an Sigmund v. Lupfen v. 21. Febr. Archiv Innsbruck.

zu S. 425 

1.) Dieses nach drei Jahren; s. Roth v. Schreckenstein a. a. O. S. 20, Anm. 7.

2.) Anshelm II, 334.

zu S. 426 

1.) Vergl. Roth v. Schreckenstein a. a. O. S. 31, Anm. 1.

2.) Belege dafür s. bei Roth v. Schreckenstein a. a. O. S. 24, 26.

3.) Dies dürfte aus seinem Schreiben v. 15. April hervorgehen; U. B. IV, S. 238.

zu S. 427 

1.) Sie hatten dort 7 Mann verwundet; U.B. IV, 512.

zu S. 428 

1.) Der Villinger Chronist, der die Zahl auf 7000 Fußknechte und 1600 Reisige angibt, und Valerius Anshelm (Berner Chronik, II, 384), der die gesammte deutsche Macht auf mehr als 17000 Mann schätzt, entfernen sich weit von den anderen Schätzungen und dürften keinen Glauben verdienen.

zu S. 429 

1.) Diese Nachricht des Villinger Chronisten wird auch durch Pirkheimer bestätigt, gilt aber wohl nur von einem Teil der Geschütze; denn es wird berichtet, daß dann beim Angriff Graf Wolfgang auch schweres Geschütz abfeuern ließ.

2.) Schweizerchronik 138.

3.) Anshelm; nach Pirkheimer wurden an 2000 Mann vermißt, wobei wohl die Zersprengten mitgerechnet sind.

zu S. 430 

1.) Von dem letzteren berichtet Valerius Anshelm II, 385, eine grausame That und gotteslästerliche Prahlereien. Unter anderm habe er geschworen: "er wölte uf den Tag im Schwyzerland räuchern und brennen, daß Gott im Regenbogen vor Rauch und Hitz müßte blinzen und d'Füß an sich ziehen."

2.) So Anshelm, II, 392; dort u. bei Schilling 139 f. auch das Verzeichnis der Beute, wegen der Zahl der Geschütze aber U. B. IV, 238.

3.) Daß er dies that, läßt sich bei der Häufigkeit seiner sonstigen Berichte ohnedies kaum bezweifeln, wird aber durch des Grafen eigenes Zeugnis (U.B. IV, 238) gesichert.

zu S. 431. 

1.) Der Villinger Chronist setzt dessen Übergabe offenbar um eine Woche zu Spät. S. über Thiengens Einnahme auch den Bericht des Freiburger Fähnrichs Hans Rütsch, mitgeteilt von Schreiber in Mone's Badischem Archiv, I, 105 fgd. u. Diebold Schillings Schweizerchronik, 140. Die Berichte Hans Ungelters vom 24. und Georgs von Emershofen vom 25. April (Klüpfel I, 323, 324) sprechen von der erfolgten Übergabe Thengens, das der letzte als "Thengen im Hegau" noch deutlicher von Thiengen unterscheidet. Trotzdem liegt hier nur eine Verwechslung mit Thiengen vor, von dessen am 18. erfolgter Übergabe die beiden obigen Berichterstatter in keinem anderen Schreiben erzählen. Beweisend für diese Verwechslung sind die nicht ausgesprochene, aber durch die [433] Reihenfolge der erzählten Ereigniße angedeutete Zeitbestimmung, die auf die Übergabe Thiengens paßt, die Modalitäten der Übergabe, die von den Thiengen berichteten entsprechen, der Zusatz Emershofens, daß die Stadt dem Grafen von Sulz gehörte, was nur von Thiengen richtig ist, da Thengen damals Eigentum der nach dieser Stadt benannten Grafen war.

zu S. 432 

1.) Anshelm II, 423.

2.) Am 20. Mai schrieb Graf Heinrich aus Altkirch an den König, er sei mit dem Landvogt übereingekommen, daß fünf oder sechs der Schuldigsten ihr Recht widerfahren sollte; wie es mit den übrigen zu halten sei, überließ er dem Könige zu bestimmen. Archiv Innsbruck.

zu S. 433 

1.) Hans Ungelter (Klüpfel, I, 325).

2.) 1507 wird Aitlingen urkundlich ein "vor dem Schweizerkriege besetztes" (also damals zerstörtes) Dorf genannt; U.B. IV, Nr. 441.

3.) Vielleicht hat der Chronist die Belagerung Blumenfelds 1441 durch die schwäbischen Städte im Auge. Liegt überhaupt eine Thatsache zu Grunde, so ist dieselbe, wie kaum der Erwähnung bedarf, jedenfalls stark übertrieben.

zu S. 434 

1.) Vergl. auch oben S. 251. Bei Blumenfeld wird die bekannte That von einer Frau erzählt, welche bald als eine Edle von Roseneck bald als eine Freifrau von Thengen, geb. von Roseneck bezeichnet wird; s. Anshelm II. 425 und nach Rahn, Gesch. der Eidgenossen, Stoll, Der Amtsbezirk Blumenfeld, S. 59.

2.) So Georg von Emershofen, 8. Mai; Klüpfel, I, 332.

3.) In erster Reihe wohl auf die kurz vorher genannten: Dietpolt Spät und Hans Harder von Calw zu beziehen.

4.) So (nicht Lumpenwerk) das Original der Villinger Chronik. Dasselbe ist erst nach der Ausgabe des 4. Bandes des Fürstenbergischen Urkundenbuches, wo nur Copieen benützt werden konnten, entdeckt worden. Die Freundlichkeit des Hrn. Professor Roder in Villingen, der nun eine Ausgabe der Chronik in der Bibliothek des Literar. Vereins in Stuttgart veröffentlichen wird und der mir sein Manuskript zur Verfügung stellte, gestattet mir, einige Abweichungen und Zusätze zu berücksichtigen, welche das Original gegenüber dem Texte des F. U.B. bietet.

5.) Klüpfel, I, 319.

zu S. 435 

1.) Am 9. Mai berichtet Georg von Emershofen aus Überlingen an Nördlingen: Gillis der Falkner ist mit Falken gekommen. An Egolf von Rietheim hat der König geschrieben, er solle auf die Enten und Reiher Acht haben und seinem Bruder Conrad von Rietheim als seinem (des Königs) Jägermeister sagen, mit Hunden gerüstet zu sein, denn er wolle zum Jagen kommen. Klüpfel, I, 332.

2.) Rechnungsbuch S. 249.

zu S. 436 

1.) Schreiben an den König; Archiv Innsbruck.

2.) Schreiben an Serntein v. 26. April; Archiv Wien.

3.) Schreiben Heinrichs v. 2. Mai aus Terwil; Archiv Wien

4.) Heinrich u. Statthalter u. Räte zu Freiburg an den König v. 27. April; Archiv Wien. Darin wird auch erwähnt, daß die "Letzin" (Verhaue) zu Lenzkirch bisher mit Schützen besetzt war; so tief in den Schwarzwald hinein erstreckten sich die Befürchtungen.

5.) Archiv Wien.

6.) Ochs, S. 586 u. Archiv Innsbruck. Im Rechnungsbuche des Grafen Heinrich sind unterm 15. Mai die Kosten des Leichenbegräbnißes des Grafen Hans eingetragen.

zu S. 437 

1.) Rechnungsbuch des Grafen Heinrich, U. B. IV, 243.

2.) Bericht des Grafen v. 24. Mai; Archiv Innsbruck.

3.) Der letztere wälsche Name ist offenbar verdorben.

4.) Dagegen nirgends Ludwig von Maßmünster, den Ochs, Geschichte der Stadt und Landschaft Basel, IV, 582, neben Kappler als Feldhauptmann nennt.

zu S. 438 

1.) v. Stälin, Wirtemberg. Geschichte, IV, 31.

zu S. 439 

1.) Ein Schreiben Heinrichs vom 25. Mai aus Altkirch kündet dem Statthalter und den Räten zu Freiburg seine Absicht an, mit den freien Knechten, der Mannschaft der Städte Straßburg, Kolmar, Schlettstadt und 500 Pferden von der Garde "hinaufzuziehen." Am 27. teilt er denselben seine beabsichtigte Marschroute mit und meldet, daß die Hauptleute und die Ritterschaft, da sie kein Geld erhalten, ungeduldig werden.

zu S. 440 

1.) Schreiben v. 26. Mai bei Roth v. Schreckenstein a. a. O. 82.

2.) Also nicht dem Grafen Wolfgang; denn dieser erscheint in den nächsten Tagen in eine Thätigkeit, welche nicht an seine Verwunderung glauben läßt. - Das Scharmützel, worüber Emershofen am 30. Mai u. 1. Juni berichtet (Klüpfel, I, 340, 342) und das er in ein Thal zu Randeck verlegt, ist wohl eben das von Pirkheimer erwähnte. Emershofen berichtet, daß in demselben Kaspar von Randeck erschossen, Wilhelm von Rechberg, Wilhelm Herter, die Wolfsteiner, Künsberg, Adam von Freundsberg, Hans von Hürnheim verwundet wurden.

3.) Schreiben Heinrichs vom 27., 31. Mai, 1., 3. Juni; Archiv Innsbruck. DieAngaben des Freiburger Hauptmanns Lup (U.B. IV, S. 259) und Hans Ungelters [441] (Klüpfel, I, 338, 341, 344) werden hierdurch zum Teil berichtigt. - Es bedarf wohl keines eingehenden Verweises, daß die Ortsangaben in dem Rechnungsbuche des Grafen Heinrich (U.B. IV, S. 240 fgd.) nicht den jeweiligen Aufenthalt des Feldherrn, sondern den seines Zahlmeisters bezeichnen und daß dieser mit jenem des Grafen wohl meistens, aber nicht immer und insbesondere nicht während des Gewaltmarsches zum Entsatze auf Stockach, auch nicht während des Vorstoßes gegen den Hauenstein (11. - 13. Juni) zusammenfiel.

zu S. 441 

1.) Auch das Freiburger Aufgebot verlangte heim, da ja der Entsatz Stockachs glücklich bewirkt sei; U.B. IV, 259.

2.) Schreiben v. 2. Juni aus dem Altkircher Lager; Archiv Wien.

3.) Dieses Datum ergibt sich aus einem Schreiben des Grafen vom 10. Juni an den König (Archiv Innsbruck), worin er die Absicht ankündet, Tags darauf in ein solothurnisches Thal einzufallen.

4.) So berichtet Ungelter am 13. Juni; der Bericht im U.B. IV, S. 262, nennt als Verlust des Feindes 60, der deutschen nur 2 Mann, hat aber dabei vielleicht nur ein einzelnes Gefecht im Auge.

zu S. 442 

1.) Rechnungsbuch, S. 247, zum 18. Juni. Der Kundschafter, der Heinrichs Heer nach Seeben führte, erhielt 2 fl. Der Zahlmeister war auch während dieses Einfalles in Altkirch geblieben.

2.) Daß Graf Wolfgang in dieser Schlacht mitgekämpft habe, wie im Freydal, S. LXXVIII bemerkt wird, muß im Hinblick auf die oben erzählten Thatsachen, besonders den an Wolfgang gerichteten Befehl des Königs vom 17. Mai, wohl als ein Irrtum bezeichnet werden.

3.) S. sein Schreiben v. 13. Juni.

zu S. 443 

1.) Klüpfel I, 360, 365.

zu S. 444 

1.) Hieher gehört die Schilderung, die Andres Kötz (U.B. IV, 236, 237) vom Reichsheere am Schwaderloch gibt. Nach Kötz setzte der König den Grafen Wolfgang für die Zeit seiner Abwesenheit (d. h. wohl bei seiner Rückehr nach Lindau, 22. Juli) zum obersten Feldhauptmann über alle Grafen und Herren, eine Angabe, die widerlegt wird einmal dadurch, daß das Schreiben des Königs v. 27. u. 28. Juli an Wolfgang ihn nur als "obersten Feldhauptmann des königlichen Bundes des Landes zu Schwaben" bezeichnet, sodann dadurch, daß der brandenburgische Markgraf auch in dieser Zeit noch ziemlich deutlich als Befehlshaber des Reichsheeres hervortritt (s. u. a. Ungelters Bericht v. 13. August bei Klüpfel, I, 372). Kötz dürfte bei dieser Angabe nichts anderes vorgeschwebt haben als Wolfgangs Bundesfeldherrnamt. Auch ist es sicher übertrieben, wenn Kötz die Stärke des Heeres im Centrum auf mehr als 26000 Mann schätzt.

2.) Ausgabe von Franck von Steigerwald, 1731, S. 35 fgd.

zu S. 445 

1.) Dessen kritische Weisheit Roth v. Schreckenstein, S. 53, Anm. 2, nach Gebühr gewürdigt hat.

2.) Klüpfel I, 366.

zu S. 446 

1.) Außer dessen eingehenderem Berichte s. hierüber auch Anshelm II, 474; Diebold Schillings Schweizerchronik, 147; Ungelter bei Klüpfel, I, 366.

2.) Klüpfel, I, 365, 366; v. Stälin, IV, 37.

zu S. 447 

1.) Korrespondenzen des Grafen v. 3. Juni, 10. Juni, 1. Juli; Archiv Innsbruck.

2.) U.B. IV, Nr. 325.

3.) Auch Dornach genannt. Die Karte von Dufour hat Dorneck.

zu S. 448 

1.) U.B. IV, 249, 250, Anmerkungen.

2.) Daß der Graf diesmal seine ganze Heeresmacht mit sich führte, dafür spricht, daß auch sein Zahlmeister nicht wie beim früheren Streifzuge in Altkirch zurückblieb. Seine Einträge im Rechnungsbuche reichen nur bis zum 10. Juli; für die Folge beabsichtigte er wohl dieselben aus den Quittungen, die auch aus den folgenden Tagen erhalten sind, noch nachzutragen, als die Niederlage dazwischen kam, wobei auch seine Registratur vom Feinde erbeutet ward.

3.) Thatsächlich rückten damals nach Beschluß der Tagsatzung zahlreiche Zuzüge eidgenössischer Truppen nach dem Schwaderloch. S. Amiet, Denkmale der Dornacher Schlacht v. 1499, S. 9; Diebold Schilling, S. 148. - Ochs IV, 632 überliefert ein Schreiben, als dessen Verfasser der wegen seiner königlichen Gesinnung abgesetzte (s. Anshelm II, 434) Basler Altbürgermeister von Gilgenberg vermutet und worin dem Grafen gemeldet wird, die Solothurner seien im Anzuge und übernachten zu Bretzweil; doch ist nicht sicher, daß dasselbe auch in die Hände des Grafen gelangte. Nach der Villinger Chronik ritt der Bürgermeister von Basel zum Grafen hinaus und warnte ihn sich vorzusehen, da die Schweizer im Felde wären. Auch Anshelm (III, 4) erwähnt der sicheren Warnungen, welche der königlichen durch ihren Pfefferhansen, auch durch Offenburg (Peter v. O., Basler Oberstzunftmeister; vgl. Ochs IV, 561) zugekommen sei. Nach Diebold Schillings Schweizerchronik dagegen (S. 148) war es gerade ein Schreiben des Basler Bürgermeisters Hans Imber von Gilgenberg (Imer von Ramstein, Herr zu Gilgenberg), der unter dem Pseudonym Pfefferhans mit den Königlichen korrespondirte, wodurch diese auf den Glauben gebracht wurden, daß kein Feind mehr im Lande wäre. Silberisen erzählt, dem Grafen sei die Nachricht, daß sich die feindliche Macht vollständig im Schwaderloch gesammelt habe, durch den Rat von Basel zugekommen, eine Angabe, die wohl zum mindesten dahingestellt bleiben muß; eher ließe sich glauben, daß die Nachricht aus dem Basler Domkapitel kam, dessen Siegeszuversicht ja erwiesen ist. - Pirkheimers Bericht verdient nicht, das Urteil der Nachwelt in solchem Maße zu be- [449] herrschen, wie er bisher gethan; was hier über das Gebahren des Grafen vor der Schlacht erzählt wird, läßt sich teils geradezu widerlegen, teils fordert es durch innere Unwahrscheinlichkeit das äußerste Mißtrauen heraus. Wie soll man angesichtss des Tons und Inhalts der erhaltenen Korrespondenz zwischen Basel und dem Grafen (U.B. IV, S. 263-268) glauben, der Graf habe eine freundschaftliche Warnung des Rates von Basel so wenig beachtet, daß er die Gesandten mit Schmähungen überhäufte und ihnen Sympathien mit den Eidgenossen vorwarf! Silberisen berichtet, was die Warnung von Seite Basels betrifft, gerade das Gegenteil. Übrigens ist die eine Angabe so wenig verbürgt wie die andere. In dem Gilgenberg zugeschriebenen Zettel heißt es: der Graf möge denselben verbrennen, der Schreiber sei wie ein Gefangener und erwarte die Antwort mit der Bangigkeit einer Seele in der Vorhölle. In so ängstlichem Tone schrieb ein königlichgesinnter Basler; wie hätte da die behutsam ihre Neutralität wahrende städtische Behörde von Basel den Grafen durch eine offene Gesandschaft über die Bewegungen des Feindes unterrichten sollen! Daß der Graf einen aus feindlichem Gebiete aufgefangenen Mann, der nach Basel wollte und, vor den Grafen geführt, versicherte, der Feind sei die letzte Nacht in Liestal gestanden, als Lügner und Spion zum Strange verurteilte, wird man in dieser Form, ohne erklärende Nebenumstände ebenfalls nicht glauben. Ebenso, daß die Hauptleute des Fußvolkes im königlichen Heere sich sämmtlich bereit erklären, den Wachdienst zu übernehmen, der Graf aber sie darauf hart angefahren und nur seine Befehle zu vollziehen gewiesen habe. Nach jeder verlorenen Schlacht sucht die geschlagene Partei in Aufregung und Mißmut nach einem Hauptschuldigen; in diesem Falle war es bequem, dem Grafen, der sich nicht mehr verteidigen konnte, alles aufzuladen. Daß Heinrich unter seinen Hauptleuten Feinde hatte, geht aus Pirkheimers Erzählung hervor, der Graf habe einem derselben vor der Schlacht Untreue vorgeworfen, an seine früher dem Herzoge von Geldern gegen den König geleisteten Dienste erinnert und drohend hinzugefügt, die wohlverdiente Strafe für dieses Vergehen sei ihm noch nicht geschenkt. Pirkheimers vornehmste Gewährsmänner waren sehr wahrscheinlich jene dem Gemetzel entronnenen Hauptleute, die dem Könige die Nachricht nach Lindau brachten. In deren Interesse lag es, eine etwaige Schuld der Unterbefehlshaber zu vertuschen, vielleicht befand sich unter ihnen sogar der mit dem Oberfeldherrn überworfene früher geldrische Hauptmann. Weiter ist aber hier daran zu erinnern, daß Pirkheimers Schrift, wie hohen Wert sie als literarisches und in den Dingen, wo der Verfasser mithandelnd und Augenzeuge war, wohl auch als historisches Denkmal besitzt, im übrigen doch mit Vorsicht aufgenommen werden muß. Man vergleiche nur ihr Urteil über Sigmund von Tirol, der als der beste und menschenfreundlichste unter allen Fürsten, als Opfer der Gewalt, des Verrates und der Ungerechtigkeit bezeichnet wird, mit der Wahrheit, wie sie aus den Klagen der Tiroler Landstände über diesen Fürsten erhellt. Gerade die Neigung übertriebene Anklagen auszusprechen und schwarz in schwarz zu malen, zeigt sich auch sonst bei dem reizbaren und vollblütigen Nürnberger Ratsherrn. Nur einem Briefe von Pirkheimer hatte Albrecht Dürers Frau ihren Ruf als Xanthippe zuzuschreiben, dessen Ungerechtigkeit jüngst schlagend nachgewiesen ward (von Moritz Thaufing, Dürer, S. 118-127). Daß im deutschen Heere alle Vorsichtsmaßregeln versäumt wurden, darin stimmen die Quellen, deutsche wie schweizerische [450] überein (u. a. Anshelm, III, 4 und Götz von Berlichingen, S. 44, dessen Angabe auf den Berichten der zwei Herren aus Heinrichs Heer beruht, welche dem Markgrafen Friedrich von Brandenburg die Nachricht der Niederlage überbrachten); es ist klar, daß den Grafen Heinrich als Oberfeldherrn entweder die einzige oder doch eine Mitverantwortlichkeit für diese Versäumnis trifft; Pirkheimers Schilderung aber, die ihn als eine Art verblendeten Wüterich hinstellt, ist übertrieben, läßt sich nicht mit den erhaltenen Korrespondenzen des Grafen zusammenreimen, die uns einem allgemeinen umsichtigen und rührigen Feldherrn zeigen, und muß umsomehr zurückgewiesen werden, als dem Schwerbeschuldigten durch seinen Tod auf dem Felde der Ehre die Möglichkeit benommen wurde, sich selbst gegen derartige Anklagen zu verteidigen, die vielleicht, hätte er die Schlacht überlebt, nie laut geworden wären.

zu S. 450 

1.) Daher spottet Anshelm, III, 7: man sei eins geworden, die Feinde in ihrer "Badfahrt" anzugreifen.

zu S. 451 

1.) Anshelm III, 8.

2.) Anshelm III, 9; Schilling, S. 148. Erst am Tage nach der Schlacht sollen noch (Anshelm, S. 11) die Banner von Uri Unterwalden, Freiburg i. U. und ein Fähnlein von Schwyz, die aus dem Schwaderloch abgezogen waren, auf dem Schlachtfelde eingetroffen sein.

3.) Dies ließen Schuldheiß u. Rat v. Luzern 1554 dem Maler Hans Asper von Solothurn, der ein Bild von der Dornacher Schlacht malen wollte, mitteilen. S. Amiet, Denkmale, S. 66.

zu S. 452 

1.) Nach Anshelm dagegen, III,14, verloren sie nur 200 Mann, meistens Berner; s. auch Schilling, S. 149.

2.) Schube, nicht Schuhe wird zu lesen sein bei Anshelm III, 54; vergl. dazu auch Roth v. Schreckenstein, S. 59, Anm. 3.

3.) Außer den im F.U. genannten Quellen vergl. auch J. J. Amiet, Denkmale der Dornacher Schlacht von 1499; Solothurn, 1859. Jüngst hat Abel Burckhardt in den Bildern aus der Geschichte v. Basel, III, 1879, die Schlacht bei Dornach geschildert.

zu S. 456 

1.) Dieses Datum ergibt sich aus den Nachrichten der Villinger Chronik.

2.) S. Ungelters Bericht vom 13. August bei Klüpfel, I, 372.

  

Vorlage: Sigmund Riezler, Geschichte des Hauses Fürstenberg und seiner Ahnen bis zum Jahre 1509, Tübingen 1883, S. 419-457 = Fünftes Buch. Zweiter Abschnitt 

Bearbeitung: Klaus Graf 

 

Empfohlene Zitierweise

Riezler, Sigmund: Die Grafen von Fürstenberg im Schweizerkriege 1499 (1883), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1070/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 31.01.2006

Zuletzt geändert: 07.06.2006