Geschichte und Grundlagen

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Geschichte und Grundlagen des Internets 

 

1. Geschichte 

Das Internet hat – wie viele Innovationen – keinen eindeutig identifizierbaren Ursprung.  

Ein komplexes Geflecht aus unterschiedlichen Erfindungen, Intentionen, Entwicklungssträngen, Prozessen und Akteuren führte zu dem, was wir heute als das Internet bezeichnen. Erst das Zusammenspiel von technischen Entwicklungen und Nutzerpraxis prägte das Medium als solches aus. Dabei wird die Bedeutung der einzelnen Faktoren in der (medien-)historischen Forschung durchaus kontrovers diskutiert.  

Für unsere Zwecke reicht jedoch ein kurzer, oberflächlicher Überblick: 

Die Anfänge des Internets liegen Mitte der 1960er Jahre in der Forschungseinrichtung ARPA des amerikanischen Militärs, wobei sowohl die Vernetzung einzelner Rechner zur Ressourcenteilung als auch Überlegungen zur dezentralen Kommunikation im Falle eines Nuklearkrieges eine Rolle spielten.

1974 entwickeln Bob Kahn und Vinton Cerf im Auftrag des ARPA das Protokoll TCP/IP [Transmission Control Protocol / Internet Protocol], auf dem der Datenaustausch im Internet technisch basiert.

Wie oft in der Geschichte der Technik wurde eines der Haupteinsatzgebiete des Internets zunächst völlig unterschätzt: ursprünglich hielt man es für wenig nützlich, wenn sich die Nutzer untereinander Nachrichten zusenden konnten, und man fügte die Funktion nur zur Verwaltung des Netzes ein. Der praktische Erfolg der E-Mail, die bald schon den Datenverkehr aller anderen Dienste zusammen überflügelte, bewies das Gegenteil.

1989 entwickelte Tim Berners-Lee am europäischen Kernforschungszentrum CERN für die Anwendung im Internet die Seitenbeschreibungssprache HTML, aus der alle Webseiten bestehen, und legte damit den Grundstein des Word Wide Web (WWW).

1993 entwickelte das amerikanische Computerforschungszentrum NCSA den Browser NCSA Mosaic und legte damit den Grundstein zum Boom des Internets. Der in den Anfängen des Internets als Massenmedium bekannteste Browser Netscape Navigator basierte ebenso wie der später entwickelte Internet Explorer auf dem Code des ersten Browsers.

 

Links 

Jochen Musch, Die Geschichte des Netzes: ein historischer Abriß (pdf)

Homepage Tim Berners-Lee beim W3C

Artikel 10 Jahre Mosaic auf heise.de

 

Literaturhinweise 

Abbate, Janet: Inventing the Internet, Cambridge / Mass. 2000.  

Hellige, Hans Dieter: Die Geschichte des Internet als Lernprozess, URL: http://www.artec.uni-bremen.de/files/papers/paper_138.pdf (18.03.09)

Rosenzweig, Roy: Wizards, Bureaucrats, Warriors, and Hackers: Writing the History of the Internet; in: American Historical Review 103/2 (1998), 1530-1552.
(Der Artikel rezensiert vier historiographische Darstellungen zur Geschichte des Internets, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte in der Interpretation der Entstehungsgeschichte legen.)

 

2. Grundlagen 

Das Internet besteht aus allen Rechnern und Subnetzen, die über das Datentransferprotokoll TCP/IP miteinander weltweit verbunden sind. Durch die Eigenart dieses Protokolls erhält das Internet eine dezentrale Struktur, durch die es (zumindest theoretisch) auch beim Ausfall einzelner Knotenpunkte unbeschadet übersteht: Alle Daten werden zuerst in kleine "Datenhappen" zerlegt und dann auf verschiedenen Wegen zu ihrem Empfänger gesendet, wo sie wieder in ihre ursprüngliche Gestalt zusammengesetzt werden.

Als einzelner Nutzer erhält man den Zugang zum Internet über einen Provider (Anbieter), dessen Rechner permanent eine Verbindung zum Internet halten und damit selbst diesem weltweiten Netzwerk angehören (etwa Universitäten, T-Online oder AOL).

Dabei unterscheidet man die Rechner, die Internetdienste anbieten (Server) und diejenigen, die diese Dienste abrufen (Client), also z. B. der Rechner des einzelnen Nutzers.

Jeder permanent dem Internet angeschlossene Rechner erhält dabei eine eigene Adresse, unter der er im Internet erreichbar ist (statische IP-Adresse), die rein numerisch aufgebaut ist (Beispiel: 217.160.93.88). Der so genannte „Domain Name Server“ (DNS) wandelt dann die numerische Adresse in einen Namen wie z.B. www.web.de um.

Der Rechner des Nutzers, der nur zeitweise, etwa per Modem, an das Internet angeschlossen ist, erhält von seinem Provider  eine "dynamische IP-Adresse" zugeteilt, die nach Beendigung der Verbindung wieder für einen anderen Rechner genutzt wird.

 

Dienste 

Die Nutzung des Internets ist über verschiedene Dienste möglich, die jeweils ein eigenes Protokoll (eine „Sprache“) verwenden. Heutzutage sind im Wesentlichen drei Dienste von Bedeutung: 

  • WWW 

  • E-Mail 

  • FTP  

Das World Wide Web (WWW) ist der bekannteste Dienst des Internets und wird oft auch einfach mit ihm gleichgesetzt. Er besteht aus Websites, die meist in der „Sprache“ HTML programmiert und über Links miteinander verknüpft sind. Man kann sie mit einem Browser ansteuern und durchstöbern. Browser sind Programme zum Abrufen und Darstellen von verschiedenen, über das Internet zugänglichen Datentypen (Text, Bild, Musik). Neben den kommerziellen Browsern wie Internet Explorer gibt es auch freie Produkte wie etwa Mozilla Firefox oder Opera.

Per E-Mail (elektronische Post) können sich Nutzer elektronische Nachrichten zusenden. Eine Emailadresse besteht aus zwei Teilen: dem Empfängernamen und der durch das @-Zeichen abgetrennten Domain, welche den Maildienst bezeichnet. Die Domain besteht aus dem Adressnamen und der (Landes-)Endung (Top-Level-Domain): vorname.name@adresse.de (wobei in diesem Beispiel die Endung .de anzeigt, dass sich die Adresse in Deutschland befindet. Neben den gebräuchlichen Endungen .com, .net und .org gibt es noch viele weitere Endungen, die meist das Herkunftsland der Adresse bezeichnen, z. B. .at für Österreich.)

Bei der Verwaltung und Speicherung von E-Mails helfen Mailprogramme wie z. B. Outlook Express oder Mozilla Thunderbird). Ohne solche Mailprogramme kann man Mails über Anbieter wie GMX oder Web.de versenden und empfangen, welche die Mailverwaltung über den Browser erlauben.

FTP (File Transfer Protocol) wird zum reinen Austausch von Dateien genutzt. Wichtig ist dieser Dienst für die Betreiber eigener Websites, die meistens mittels FTP die Dateien von ihrem Rechner auf den Server ihrer Webpräsenz laden. Man nutzt dafür ein FTP-Programm wie etwa WS-FTP oder Filezilla.

 



Erstellt: 22.05.2006

Zuletzt geändert: 18.04.2013