E-Learning

E-Learning 

 

1. Überblick 

1.1. Begriff 

Eine allgemeine Definition fasst unter E-Learning (electronic learning) die Unterstützung von Lernprozessen durch elektronische bzw. digitale Informations- und Kommunikationstechnologien zusammen.

1.2. Differenzierungen 

Im Feld des E-Learning kann man zwischen zwei Formen unterscheiden: 

Zum einen das „reine“ E-Learning, bei dem der Lernende ausschließlich mit seinen Materialien und dem Computer interagiert (klassisches E-Learning), zum anderen das autonome und zeitlich ungebundene Lernen mit den entsprechenden Materialien verbunden mit Phasen des Präsenzunterrichts (blended learning).

Zu unterscheiden sind darüber hinaus verschiedene „Vertiefungsstufen“. Findet man z.T. bereits die unterrichtsbegleitende Bereitstellung von Informationen (z.B. von Vorlesungsfolien oder Zusatzmaterialien) im Internet unter der Bezeichnung E-Learning, so geht ein engeres Verständnis von E-Learning von didaktisch konzipierten Lerneinheiten aus, die sich die technischen Möglichkeiten zu interaktiven, selbst gesteuerten Lernprozessen zunutze machen.

Methoden, die beim E-Learning zum Einsatz kommen können, sind u.a.: 

  1. Bereitstellung von Texten, Bildern, Audio- und Videodateien 

  2. tutorielle Begleitung (Möglichkeit zu Rückfragen für den Lernenden, Auswertung von Antworten / Ergebnissen via E-Mail) 

  3. Online-Diskussions-Foren 

  4. Chat 

  5. Wikis 

  6. Simulationen 

  7. Selbsttest / Quiz 

Ausführlicher dazu: das Kapitel "Formen des eLearing" in geschichte-online

Zu den Technologien des E-Learning s. Wikipedia-Artikel „E-Learning

1.3. Vorteile des E-Learnings 

 

Zeitliche Flexibilität 

Entscheidender Vorteil des E-Learnings ist die zeitliche Unabhängigkeit des Lernenden. Während Schule und Universität durch feste Termine für Unterricht, Vorlesungen und Seminare die Zeiteinteilung vorgeben, kann der Lernende beim E-Learning die Lernzeiten selbst bestimmen. Dies kommt deutlich denen entgegen, die etwa Beruf, Erziehung oder Haushaltsführung mit dem Studium vereinbaren müssen.  

Zeitersparnis durch Automatisierung 

In den Bereichen, die automatisiert werden können, kann dem Lernenden ohne Zeitverbrauch das Resultat mitgeteilt werden. Das Ergebnis etwa eines Multiple-Choice-Tests oder einer Rechenaufgabe inklusive Ergebnis und Bewertung liegt sofort nach Beendigung der Aufgabe vor. 

Erhöhte Lernqualität 

In einigen Fällen kann durch attraktive Gestaltung oder speziell der Lernsituation oder dem Lerntyp des Lernenden angepasste Software die Lernqualität erheblich erhöht werden. Beispiele hierfür sind etwa komplexe Simulationsprogramme, in denen der Lernende interagieren kann und die Auswirkungen verschiedener Parameter experimentell erforschen kann.  

Zentrales didaktisches Stichwort für das E-Learning ist das selbstbestimmte Lernen. Der Lernende kann nicht nur Ort und Zeit des Lernprozesses, sondern auch die Geschwindigkeit eigenständig festlegen. Bei entsprechend gestalteten Lernumgebungen fördert dies ein selbst organisiertes, entdeckendes Lernen und erhöht die Motivation.

1.4. Grenzen des E-Learning 

Die Grenzen des klassischen E-Learnings sind schnell dort erreicht, wo es nicht mehr nur um das Vermitteln reiner Fakten oder das Überprüfen korrekter Rechnungen geht. Schon ein richtiger, aber nicht vorgesehener Eintrag in einem Lückentext überfordert ein Lernprogramm in der Bewertung.

Die Qualität einer Argumentation, die Verknüpfung von Wissen und Argumenten und die Fähigkeit zur Interpretation und Diskussion, auf die es in den sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern und damit auch in der Geschichte ankommt, kann ein Lernprogramm nicht automatisiert bewerten.

Diesen Erkenntnissen versucht man in jüngerer Zeit durch das blended learning gerecht zu werden, indem man traditionelle Formen des Unterrichts (mit einem Dozenten oder Lehrer) mit denen des E-Learning verknüpft, um so die Nachteile beider Formen auszugleichen und die Vorteile zu nutzen.

2. E-Learning in der Geschichtswissenschaft 

Noch sind wenige (offen zugängliche) E-Learning-Angebote für die Geschichtswissenschaft im Netz zu finden. Das mag zum einen daran liegen, dass die Entwicklung computer- bzw. netzgestützter Lerneinheiten tendenziell recht arbeitsaufwändig ist und Lehrende wie Lernende kaum an solche Lernformen gewöhnt sind. Zudem stößt das E-Learning in Fächern, in denen die Abfrage von Faktenwissen im Hintergrund steht, an Grenzen. 

Doch auch für geschichtswissenschaftliche Lerninhalte lassen sich sinnvolle Konzepte zum Einsatz von E-Learning denken. Zum einen gibt es auch hier vor allem methodisches Faktenwissen. Zum anderen können etwa durch gezielte Zusammenstellung von Quellen, Sekundärtexten, Hintergrundinformationen, verbunden mit Arbeitsaufträgen und Diskussionsanstößen, die historische Arbeitsweise eingeübt bzw. wertvolle Ergänzungen für den Präsenzunterricht bereitgestellt werden.  

Einige unterschiedliche Beispiele für geschichtswissenschaftliche E-Learning-Angebote: 

 

Adfontes
Ein interaktiver Kurs zum Umgang mit Quellenmaterial aus dem Archiv. So wird z. B. das Transkribieren alter Urkunden online geübt. (Registrierung erforderlich)

Geschichte Online
In Lerneinheiten gestaltete Online-Einführung zu den Themenblöcken „Wissenschaftliches Arbeiten“, „Literatur- und Info-Recherche“ und „Geschichtsdidaktik“. Die Lerneinheit „Erste Schritte im Kurrent-Lesen“ im Modul „Wissenschaftliches Arbeiten“ zeigt z.B., wie man sich anhand von Beispielen und Übungen das Lesen der Kurrent-Schrift selbständig aneignen kann.

Mittelalter-Quiz
Ein Multiple-Choice-Quiz zur spielerischen Überprüfung von Faktenwissen zum Mittelalter.

Pharos-Projekt
Ein gemeinsames Projekt der Fächer Klassische Archäologie, Klassische Philologie und Alte Geschichte, das es sich zur Aufgabe gemacht hat „didaktisches Material und Strategien zu seiner Anwendung in der universitären Lehre der Klassischen Altertumswissenschaften zu entwickeln, sowie – aus software-technologischer Sicht – Methoden der Anforderungsanalyse in geisteswissenschaftlichen Anwendungen in der Lehre zu realisieren“.

DoHistory
Am Beispiel einer Hebamme im Amerika des 18. Jahrhunderts zeigt die Website des Film Study Centre der Harvard University, wie auf der Grundlage unterschiedlicher Quellengattungen eine Lebensgeschichte rekonstruiert und die Ergebnisse dieser Rekonstruktion historisch fruchtbar gemacht werden können. Hierbei werden alle verwendeten Dokumente zugänglich gemacht.

 

Literaturhinweise 

Baumgartner, Peter / Häfele, Hartmut / Maier-Häfele, Kornelia: CD Austria 5/2002 (Sonderheft des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur); PDF-Download

Meier, Rolf: Praxis E-Learning: Grundlagen, Didaktik, Rahmenanalyse, Medienauswahl, Qualifizierungskonzept, Betreuungskonzept, Einführungsstrategie, Erfolgssicherung, Offenbach/Main 2006.  

Wikipedia-Artikel „E-Learning“: http://de.wikipedia.org/wiki/E-learning (28.02.06)

 

Übung 

Schauen Sie die genannten Angebote an. Diskutieren Sie deren Eignung. 

 



Erstellt: 22.05.2006

Zuletzt geändert: 10.01.2008