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Digitale Ressourcenkritik - Bewerten von Internetseiten 

 

Nicht alle Internetseiten, die man zu einem bestimmten Thema findet, sind auch für die schulische oder universitäre Nutzung geeignet. Während bei gedruckten Büchern und Aufsätzen eine Qualitätskontrolle über die Auswahl durch Verlage erfolgt, kann im Internet praktisch jeder veröffentlichen. Darüber hinaus sind die Erschließungs- und damit auch Selektions-Instrumente für digitale Ressourcen noch nicht im gleichen Maße wie für die gedruckte Literatur (Bibliographien, Bibliothekskataloge usw.) entwickelt.  

Um so wichtiger ist es, dass der Leser von Internet-Veröffentlichungen die Seiten selbst auf ihre Eignung und speziell auf ihre Wissenschaftlichkeit hin überprüft, wenn sie als Informationsquellen herangezogen und ggf. auch zitiert werden sollen. 

Hierzu bieten sich folgende Bewertungskriterien an: 

1. Urheberschaft und Kompetenz des Autors 

Zunächst ist nach dem Namen des Autors zu fragen, weiter geben etwa akademische Titel oder die Zugehörigkeit zu einer wissenschaftlichen Institution oder ähnliche Referenzen Hinweise auf die Kompetenz des Verfassers. 

Auch die Frage, ob die Veröffentlichung Teil einer universitären Webpräsenz oder eines wissenschaftlichen Instituts, einer staatlichen Informationsseite, eines wissenschaftlichen Verlages ist oder von einer Privatperson verantwortet wird, ist zur Klärung der Zuverlässigkeit hilfreich. Zur Dokumentation von Urheberschaft und Verantwortlichkeit für eine Website sollte ein Impressum wie auch eine Kontaktadresse angegeben sein. 

2. Inhaltliche Kriterien 

Auch an Stil und Aufbau einer Seite bzw. eines Textes lässt sich dessen Qualität messen. 

  1. Zunächst sollte der eher formale Aspekt betrachtet werden, ob der Text sorgfältig erstellt wurde. Die Häufung von Orthographie- und Tippfehlern sprechen in der Regel gegen eine Herkunft aus dem akademischen Bereich.  

  2. Eine klare und verständliche Gliederung des Textes stellt ein weiteres Beurteilungskriterium dar, ebenso die Frage danach, ob es sich um einen unvollständigen Auszug aus einer anderen Veröffentlichung handelt oder um einen eigenständigen abgeschlossenen Text. 

  3. Unerlässlich für einen wissenschaftlichen Text ist die Nachprüfbarkeit der angegeben Fakten. Diese sollte über Quellenangaben und gegebenenfalls weiterführende Literaturhinweise und Links gewährleistet werden. 

  4. Das Thema sollte möglichst ausgewogen und objektiv dargestellt sein; eine deutlich tendenziöse Behandlung sollte hingegen Misstrauen gegenüber der Seriosität und Verwendbarkeit des Textes wecken. 

  5. Zusätzliche Sicherheit über die Glaubwürdigkeit der Informationen lässt sich über den Vergleich mit (gedruckter) Literatur erzielen, die als zuverlässig bekannt ist.  

3. Design / Informationsstruktur 

Anhand der Gestaltung einer Seite lassen sich zumindest rein private Seiten häufig von institutionell getragenen Angeboten unterscheiden. Allerdings deutet ein professionelles Design alleine noch nicht auf seriöse Inhalte hin, da - entsprechendes Interesse oder finanzielle Mittel vorausgesetzt - eine seriöse Aufmachung einer Internetseite relativ leicht zu erstellen ist, andererseits gerade viele wissenschaftliche Angebote diese Aspekte vernachlässigen. Trotzdem können sich folgende Fragen lohnen: Stehen optische Eye-Catcher im Vordergrund oder die Informationsvermittlung? Ist die Website übersichtlich gegliedert? Gibt es Orientierungshilfen und Suchfunktionen? 

4. Aktualität  

Das WWW ist ein schnell veränderliches Medium. Daher sollten auch die letzte Aktualisierung der Seite, die Funktionsfähigkeit der Verweise (Links), somit die kontinuierliche Pflege des Angebots, in die Überlegungen zur Bewertung der Informationsquelle miteinbezogen werden. 

 

Literaturhinweise 

Enderle, Wilfried: Der Historiker, die Spreu und der Weizen. Zur Qualität und Evaluierung geschichtswissenschaftlicher Internetressourcen. In: Haber, Peter; Koller, Christophe; Ritter, Gerold (Hg.): Geschichte und Internet. Raumlose Orte – Geschichtslose  Zeit / / Histoire et Internet: Espace sans lieu - Histoire sans temps. Basel  2002, S. 49-63; online unter: http://www.hist.net/datenarchiv/hs-kurs/qualitaet/doku/enderle_qualitaet.pdf (05.04.07)

 

Übung 

Recherchieren Sie nach möglichst „seriösen“, für den Historiker relevanten Informationen zur Hexenverfolgung oder zur Geschichte des deutschen Kolonialismus.



Erstellt: 22.05.2006

Zuletzt geändert: 10.01.2008