Archive, Quellen, Editionen

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Archive, Quellen, Editionen 

 

Über das Internet sind inzwischen zahlreiche historische Quellen in digitaler Form zugänglich – Einzeltexte wie auch größere, zusammenhängende Bestände. Eine gezielte Recherche nach Quellen zu einem bestimmten Thema ist allerdings mitunter schwierig, da die Einzeltexte und Corpora verstreut im Netz liegen und es noch kaum Portale gibt, die diese in größerem Umfang bündeln und inhaltlich erschließen. 

Eine Zusammenstellung online zugänglicher Quellensammlungen finden Sie unter der historicum.net Rubrik RECHERCHE.

1. Verschiedene Formen der Digitalisierung 

Grundsätzlich können im Internet historische Quellen wie etwa Urkunden oder Akten auf zwei Arten präsentiert werden: entweder als digitalisierte Abbildungen (Beispiel) oder als Transkription (Beispiel), also als „normaler“ Text (Volltext). Während die Abbildung als eine Art „Faksimile“ (fast) alle Informationen des Originaldokuments wiedergibt, hat der transkribierte Text hingegen den Vorteil, dass er nicht nur leichter lesbar - zumindest im Falle älterer Quellen - sondern auch maschinell erfassbar ist, und damit durchsucht und bearbeitet werden kann.

Von Retrodigitalisierung spricht man, wenn bereits gedruckte Publikationen digitalisiert werden – entweder als Text oder als Bild.

Übersicht über Retrodigitalisierungs-Projekte: http://old.hki.uni-koeln.de/retrodig/

2. Vor- und Nachteile der Digitalisierung 

Die zentralen Vorteile digitalisierter Quellen sind:  

  1. weltweite Erreichbarkeit (keine Beschränkung durch Reisekosten, Öffnungszeiten usw.) 

  2. Schutz der Originale 

  3. Durchsuchbarkeit (Volltext) 

  4. „Authentizität“ (Abbildung) 

  5. direkte Verlinkung von Kontextinformationen 

  6. leichte Weiterverarbeitung 

Auf der anderen Seite bereitet die langfristige Verfügbarkeit digitaler Formate noch große Probleme. Während ein Pergament problemlos Jahrhunderte überdauert, müssen digitale Datenformate angesichts der raschen technischen Entwicklung regelmäßig konvertiert (angepasst) werden, damit sie lesbar bleiben.  

Zu Problemen und Herausforderung der Digitalisierung vgl. Bernd Reiner: Sicherung des Weltkulturerbes am Leibniz-Rechenzentrum, in: Akademie aktuell. Zeitschrift der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (2007) Heft 3, http://www.badw-muenchen.de/aktuell/akademie_aktuell/2007/heft3/06_Reiner_LRZ.pdf

3. Digitale Archive 

In den Archiven schlummern zahlreiche unveröffentlichte Quellen, die auf ihre Bearbeitung warten. Die erste Schwierigkeit für den Historiker, der nach Quellen zu einem Thema sucht, besteht darin, herauszufinden, in welchem Archiv er dazu fündig werden könnte. (>> mehr zum Thema „Archiv“ in unserem Tutorial „Gebrauchsanleitung für Archive“)

Viele Archive bieten inzwischen über das Internet Bestandsübersichten oder Findbücher an, und verringern so die Wahrscheinlichkeit eines gänzlich ergebnislosen Archivbesuchs. 

Einen Überblick im Netz gibt die Seite: Archive im Internet - Internet-Portal für den Zugang zur deutschen Archivlandschaft.

Zahlreiche Archive und Bibliotheken haben begonnen, ausgewählte Bestände zu Digitalisieren und sie so dem Nutzer direkt zugänglich zu machen. 

Zwei Beispiele: 

Digitales Stadtarchiv Duderstadt
Innerhalb eines Kooperationsprojektes mit dem Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen wurden die Bestände des Archivs einschließlich der Findmittel bis 1650 digital erfasst. So ist eine reiche gescannte Sammlung an Amtsbüchern aus der Zeit vor 1650 über Regesten erschlossen. Die Bestände sind über Suchfunktionen recherchierbar.

Codices Electronici Ecclesiae Coloniensis
Die mittelalterlichen Kodizes der Diözesan- und Dombibliothek des Erzbistums Köln werden im Rahmen dieses Projektes vollständig digitalisiert und veröffentlicht.

4. Digitalisierte Quellen 

Während bei den digitalen Archiven die Institution über ihre Bestände den Quellencorpus definiert, können in anderen digitalisierten Quellensammlungen auch Texte unterschiedlicher Herkunft zusammengefasst sein. Viele Digitalisierungsprojekte werden aber von Bibliotheken betrieben, die ihre eigenen Bestände aufbereiten. 

Einige Beispiele:  

Compact Memory. Internetarchiv jüdischer Periodika
Das an der RWTH Aachen betreute Projekt macht jüdische Periodika des deutschsprachigen Raumes, die von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur NS-Zeit erschienen sind, online in gescannter Form zugänglich.

Digitale Bibliothek der Bayerischen Staatsbibliothek
Die umfangreiche Sammlung an Schriften der frühen Neuzeit sind hier digital erfasst und zum Teil auch ausführlich kommentiert.

Gallica - Bibliothèque national de France
Rund 70.000 im Bildformat digitalisierte Bände, 2.600 im Textmodus abrufbare Bücher, sowie zahlreiche Bilder und Karten wurden von der Bibliothèque national de France für das Internet digital aufbereitet und sind über das Portal Gallica benutzbar.

Bildquellen (Beispiel): 

Napoleonic Satires
Auswahl von mehreren hundert Karikaturen zu Napoleon und seiner Zeit.

Eine Übersicht bietet: 

Clio-online: Webverzeichnis: Quellen
Hier sind über 800 Quellendigitalisierungs-Projekte recherchierbar und knapp beschrieben.

5. Digitale Editionen 

Editionen sind Stellvertreter von Quellen, die nach bestimmten methodischen Regeln erstellt werden und dem Benutzer Hilfestellung beim Verständnis und der Einordnung der Quelle  geben sollen. So wird etwa eine Sacherschließung vorgenommen, der Entstehungskontext rekonstruiert und – bei Parallelüberlieferungen – verschiedene Varianten eines Textes aufgezeigt.

Wie bei den (unbearbeiteten) digitalisierten Quellen, findet man auch bei den digitalen Editionen unterschiedliche Formen der Umsetzung, die von der einfachen Übertragung gedruckter Werke bis zu einer weiter gehenden Nutzung der medialen Möglichkeiten (Volltext, Verlinkung, Suchfunktionen) reichen. 

Beispiele: 

dMGH
Die digitale Version der MGH (Monumenta Germaniae Historica), einer der wichtigsten deutschen Quelleneditionen, setzt völlig auf Retrodigitalisierung, d.h. die ursprünglich gedruckt vorliegenden edierten Quellen werden eingescannt und Buchseite für Buchseite als Bilddatei online gestellt.

Regesta Imperii
Einen Schritt weiter geht die Onlineausgabe der Regesta Imperii: hierbei werden sowohl alle bisher gedruckt erschienenen Bände gescannt und Buchseite für Buchseite als Bilddatei zur Verfügung gestellt als auch als durchsuchbarer Volltext angeboten, so dass man den edierten Text und die Anmerkungen komplett nach Stichwörtern durchsuchen kann.

Kabinettsprotokolle der Bundesregierung (1949-61)
Das Bundesarchiv stellt eine Online-Version der Edition der „Kabinettsprotokolle der Bundesregierung“ von 1949 und 1961 zur Verfügung. Auch diese Edition steht im Volltext zur Verfügung. Die Protokolle sind kommentiert und um Zusatzinformationen (Biographisches, Zeittafel usw.) ergänzt.

Weitere Hinweise auf Digitale Quellen finden Sie im Bereich RECHERCHE

 

Literaturhinweise 

Sahle, Patrick: Digitale Editionstechniken und historische Quellen. In: Jenks, Stuart; Marra, Stephanie (Hg.): Internet-Handbuch Geschichte. Köln u. a.: Böhlau 2001, S. 153-166. 

 

Übung 

 



Erstellt: 22.05.2006

Zuletzt geändert: 18.04.2013