Archivarten und -träger

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Gebrauchsanleitung für Archive - Praktischer Leitfaden für den Einstieg in die Quellenrecherche  

3. Die verschiedenen Archivarten und -träger in Deutschland 

 

Inhalt: 

3. Die verschiedenen Archivarten und -träger in Deutschland

3.1 Archive des Bundes

3.2 Staatsarchive (Landesarchive)

3.3 Kommunalarchive

3.4 Kirchliche Archive

3.5 Archive an Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen

3.6 Herrschafts-, Haus- und Familienarchive

3.7 Wirtschaftsarchive

3.8 Parlaments-, Parteien-, Verbandsarchive

3.9 Medienarchive

3.10 Sonstige Archive

 

3. Die verschiedenen Archivarten und -träger in Deutschland

Archive sind ihren jeweiligen Verwaltungen angegliedert. Die Dreigliederung in Bund, Länder und Gemeinden spiegelt sich so bei den Verwaltungsarchiven wider. Zwischen den Ebenen bestehen keinerlei, und seien es nur informelle, Hierarchien oder Abhängigkeiten z.B. zwischen dem Bundesarchiv in Berlin und dem dortigen Landesarchiv, zwischen dem Brandenburgischen Landeshauptarchiv und dem Stadtarchiv, beide in Potsdam, zwischen dem Kreisarchiv Esslingen und dem Archiv der Kreiskommune Leinfelden-Echterdingen. 

Jedes Archiv besitzt sozusagen eine eigene Individualität, es unterscheidet sich erheblich von anderen selbst innerhalb derselben Archiv-Gattung. Folgend kann daher nur ein Überblick über die Varianz von Archiv-Gattungen geboten werden, keine auch nur ansatzweise erschöpfende Beschreibung ihrer Eigenarten. 

3.1 Archive des Bundes


Abb. 1

Das deutsche Bundesarchiv wurde 1952 in der Nachfolge des seit 1919 bestehenden Reichsarchivs gegründet. Es archiviert die Überlieferung der obersten Reichs- bzw. Bundesbehörden, also des Kanzleramts, der Ministerien usw., seit 1867. Weiter liegen im Bundesarchiv die jeweiligen Militär- und Filmarchive der Bundesrepublik und der DDR. In den Jahren seit 1990 kamen an größeren Blöcken das Zentrale Staatsarchiv der DDR, das Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR, das Berlin Document Center (Aktensammlung der US-amerikanischen Besatzungsbehörde zur Vorbereitung der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse und Entnazifizierung) sowie die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg hinzu. Derzeit (Juli 2004) besteht das Bundesarchiv aus zehn Dienststellen in ganz Deutschland.
Internetadresse: <http://www.bundesarchiv.de>

Das 1920 eingerichtete Politische Archiv des Auswärtigen Amts enthält die Urschriften internationaler Verträge des Deutschen Reichs, der BRD und der DDR sowie alle Unterlagen, "die der Auswärtige Dienst zur Erfüllung seiner Aufgaben benötigt", auch Personalakten und Diplomatennachlässe. Hinsichtlich der Benutzung gelten nach schriftlicher Anmeldung die Vorschriften des Bundesarchivgesetzes.
Internetadresse: <http://www.auswaertiges-amt.de>, dann in der Kopfleiste über "Informationsservice" weiterklicken.


Abb. 2

Das Archiv des (aktuell: der) "Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR" ist wegen dieses sperrigen Namens besser als "Gauck-Behörde", seit dem Wechsel in der Leitung als "Birthler-Behörde" bekannt. Wie die vollständige Bezeichnung sagt, besteht es aus der schriftlichen Hinterlassenschaft des Ministerium für Staatssicherheit ("Stasi") der DDR. In dieser Archiv-Behörde liegt die gigantische Masse von 122 Regalkilometern in Papierform plus weiteren 46 Kilometern auf Mikrofilmen. 

Die Birthler-Behörde stellt in der deutschen Archivlandschaft insofern einen Sonderfall dar, als sie nach dem Stasi-Unterlagen-Gesetz arbeitet, nicht gemäß einem Archivgesetz. Dies ermöglicht eine ungeachtet aller Klagen Betroffener vergleichsweise nutzerfreundliche Freigabe von Akten über Personen.
Internetadresse: <http://www.bstu.bund.de>

Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz gehört zu einer Bundesstiftung. Um Proteste empörter Kollegen unbekümmert, sei es hiermit kurz als eine Art "Staatsarchiv des Landes Preußen" beschrieben, da es brandenburgisch-preußische Überlieferung "zwischen Königsberg und Kleve" bewahrt. Der Gesamtumfang von rund 35 Regalkilometern setzt sich überwiegend aus dem Schriftgut staatlicher Provenienzen, aus der Zentrale wie aus den Provinzen, zusammen. Archivgut privater Herkunft stammt vor allem von Freimaurerlogen und Stiftungen.
Internetadresse: <http://www.gsta.spk-berlin.de>

3.2 Staatsarchive (Landesarchive)


Abb. 3

Ein Staatsarchiv in Frankreich untersteht, wo immer es liegt, der Zentrale in Paris. Das staatliche Archivwesen in Deutschland dagegen steht unter Länderhoheit. Als Archive im modernen (d.h. insbesondere: öffentlichen) Sinne sind sie in der Regel im 19. Jahrhundert entstanden und konservieren so die politische Ordnung des Deutschen Bundes zwischen 1815 und 1866; deshalb heißen die meisten der Archive der Bundesländer "Staatsarchive" (Wo die Staatsarchive Landesarchive heißen, wie in Rheinland-Pfalz, liegt dies häufig in fehlender Staatlichkeit im 19. Jahrhundert begründet.)


Abb. 4

Ein Staatsarchiv kümmert sich im Wesentlichen um die Überlieferung a) der drei Gewalten in den souveränen Staaten im Gebiet seines Bundeslandes: Staatsoberhaupt, Regierung, Ministerien, nachgeordnete Staatsbehörden, Parlament, Gerichte, einschließlich aller im 16. und 19. Jahrhundert säkularisierten bzw. mediatisierten Herrschaften; b) der Länder innerhalb des zweiten und dritten Reichs, unter alliierter Besatzung und in der Bundesrepublik respektive DDR. Daneben kümmern sich die meisten Staatsarchive auch um private Nachlässe sowie um das Schriftgut von Parteien und Verbänden in ihrem Bereich. 

Die Staats- bzw. Landesarchive in den neuen Bundesländern verwahren außerdem die Überlieferung der Volkseigenen Betriebe der DDR, darin enthalten sind üblicherweise weit vor das Jahr 1945 zurückreichende Vorakten der verstaatlichten Privatunternehmen, aus denen sich später der jeweilige VEB zusammensetzte. 

Internetadressen: Sind alle versammelt auf der Homepage der Archivschule Marburg, dort "Archive im Internet" anklicken.


Abb. 5


Abb. 6

 

3.3 Kommunalarchive

Im Stadtarchiv liegt das Schriftgut der kommunalen Selbstverwaltung seit dem Mittelalter. Häuser mit längerer Tradition bieten über das Verwaltungsschriftgut hinaus auch reichhaltige, nicht nur ortsgeschichtlich, sondern allgemein kulturhistorisch bedeutende Sonderbestände und Sammlungen, beispielsweise von Flugblättern, Kalendern, Münzen und Medaillen, politischen Plakaten, Postkarten, Spielkarten, Stadtansichten, Theaterprogrammen, Wanderbüchern usw. usf. 


Abb. 7


Abb. 8

 

Archive ehemaliger Reichsstädte dokumentieren für die Zeit bis um 1800 die eigene Landesherrschaft und -hoheit, ähneln in dieser Beziehung also kleinen Staats- oder guten Adelsarchiven. Keinesfalls dürfen Sie annehmen, im Stadtarchiv Talberg alles Wesentliche zur Stadtgeschichte von Talberg vorzufinden; je nach rechtlich-administrativer Kompetenz steht reichliches Material über Talberg in den Magazinen der zuständigen Reichs-/Bundes-, Landes- und Kreisarchive. [Siehe 4.1] Generell scheint mir die Überlieferung in Kommunalarchiven zur Erforschung konkreter sozialgeschichtlicher Fragen vergleichsweise gut geeignet.

Für die fachgerechte Betreuung kleinerer Kommunalarchive, die keine eigenen Archivare beschäftigen, existieren in Deutschland zwei Modelle: In Nordrhein-Westfalen die Archivberatungsstellen der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe; in Baden-Württemberg die flächendeckend hauptamtlich besetzten Kreisarchive, die, wiewohl sie in Gestalt der Oberamts- und Kreis- auch untere staatliche Überlieferung betreuen, doch im Kern gebündelte Kommunalarchivpflege betreiben. Die neuen Bundesländer sind recht dicht mit Kreisarchiven versehen, in den alten außerhalb des Südwestens bestehen solche Einrichtungen nur lückenhaft. 

Internetadressen: Gesammelt über die Homepage der Archivschule Marburg, zu haben, dort "Archive im Internet" und weiter "Kommunalarchive" anklicken.


Abb. 9


Abb. 10

 

3.4 Kirchliche Archive

Kirchliche Archive sind analytisch in drei Gruppen zu teilen: a) die zentralen der Diözesen bzw. Landeskirchen; b) Spezialarchive, z.B. der Diakonie oder von Ordensgemeinschaften; c) die Pfarrarchive. 


Abb. 11

Die beiden großen Konfessionen in Deutschland haben ihre je eigene, per Staatsvertrag geregelte Archivverwaltung. Der Hauptunterschied dürfte darin bestehen, dass das katholische Archivwesen zentraler organisiert ist, für die katholischen Pfarrarchive zum Beispiel ist das zuständige Diözesanarchiv verantwortlich. Dagegen bleiben evangelische Pfarrarchive stets Eigentum der jeweiligen Kirchengemeinde, die Landeskirche unterstützt sie nur bei der Archivpflege.

Herausragende Themenkomplexe, zu deren Erforschung Sie (selbstverständlich nicht exklusiv) kirchliche Archivquellen auswerten sollten, sind die Bereiche Schulwesen und Bildung, Armenwesen und Sozialfürsorge, auch die allgemeine politische Geschichte, die die Kirchen als prägende gesellschaftliche Kraft immer mitgestaltet haben. Unabdingbar sind Quellen aus Kirchenarchiven für jede Ortsgeschichtsschreibung. Die Kirchenbücher, also die vom 16. bis weit ins 19. Jahrhundert geführten Personenstandsregister stellen DIE Quelle schlechthin für Familienforscher und Genealogen dar. Diese Tauf-, Ehe- und Totenverzeichnisse werden vielfach nicht mehr im Original vorgelegt, da sie schon deutliche Spuren der Beschädigung durch häufigen, selbst sachgemäßen Gebrauch zeigen. 


Abb. 12


Abb. 13

Sofern Sie ein Pfarrarchiv benutzen möchten, sollten Sie den Zugang über das zuständige landeskirchliche respektive Diözesanarchiv suchen. Zum einen liegt dort eine erkleckliche Anzahl der Pfarrarchive deponiert. Zum anderen werden Sie dort kompetente Ansprechpartner finden, die Ihnen gewiss besser helfen können als der überlastete örtliche Pfarrer, der sich heute in der Regel weder in "seinem" Archiv noch in der Ortsgeschichte sonderlich gut auskennen kann. 

Im Diözesan- bzw. landeskirchlichen Archiv wird man Ihnen auch die komplizierte Überlieferungslage erklären. In Worms beispielsweise verwahrt das kommunale Archiv die Kirchenbücher aller städtischen Pfarreien und Religionsgemeinschaften. 

Internetadressen: Archive der evangelischen Landeskirchen unter <http://www.ekd.de/archive>

Ausgewählte Bestände der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers unter <http://www.archivportal.niedersachsen.de/DefaultArchiv.aspx?CryptPara=huddQo3hcGXZxlxTnlLYkcoflwUOcwR8>

Katholische Kirche: vor allem Bistumsarchive, deren Homepages über die der Diözesen zu erreichen sind. Beispiele: <http://www.bistum-regensburg.de/borPage000728.asp> oder <http://www.bistumhildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/bistum/generalvikariat/bistumsarchiv/index.html>.

 

3.5 Archive an Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen


Abb. 14

Archive insbesondere traditionsreicher Landesuniversitäten bieten klassischerweise Einblick in die Studenten-Matrikel, die Protokolle der Selbstverwaltungsgremien, in wissenschaftliche Nachlässe von Professoren, Sammlungen von Flugblättern und dergleichen.

Neben Archiven DER Hochschulen gibt es zahlreiche Archive AN Hochschulen, wie das südwestdeutsche Archiv für Architektur und Ingenieurbau an der Universität Karlsruhe, Internetadresse <http://www.saai.de>

Umfassende Liste via <http://www.archivschule.de/>, dort "Archive im Internet" und weiter "Universitätsarchive und Archive sonstiger [wissenschaftlicher] Institutionen" anklicken.

3.6 Herrschafts-, Haus- und Familienarchive

sind üblicherweise Adelsarchive. Jedes noch blühende Geschlecht verfügt über sein Archiv in privatem Eigentum. Bei Adelsarchiven bestehen völlig unterschiedliche Qualitäten hinsichtlich Aufbewahrung, Erschließungsgrad und Benutzungsmöglichkeiten, so dass hier keine generellen Aussagen möglich sind. Archive erloschener Geschlechter liegen in der Regel im zuständigen Staatsarchiv, solche bestehender bisweilen auch. 


Abb. 15

Der Wirtschaftskonzern "Fürsten von Thurn und Taxis" hat sich jüngst als Trendsetter erwiesen, indem er die fünf Angestellten seiner seit 226 Jahren bestehenden Abteilung "Hofbibliothek und Archiv" dem freien Arbeitsmarkt zurückgegeben hat und die Bestände ab Anfang 2004 auf öffentliche Rechnung von der Universität Regensburg betreuen lässt.

Sofern Sie in einem Adelsarchiv forschen möchten und die Familie nicht kennen, empfiehlt sich eine mittelbare Kontaktaufnahme über das zuständige Staatsarchiv, mancherorts auch das Kreisarchiv. 


Abb. 16

Die Herrschaft der reichsfreien Herren von Liberbaro unterschied sich im Wesentlichen nur durch ihren Umfang vom Fürstbistum Münster, vom Kurfürstentum Sachsen und von den anderen Großterritorien. Deshalb gleichen Bestände vor 1800 in Adelsarchiven Zwergausgaben von solchen der Landesherrschaften im Staatsarchiv - mit folgenden beiden Einschränkungen: Eine Trennung zwischen familiärem und öffentlichem Bereich, also etwa zwischen Privatschatulle und Staatshaushalt, Privatvereinbarung und Staatsvertrag, ist im Adelsarchiv faktisch unmöglich zu ziehen. Vor allem wegen des rudimentären administrativen Apparats muss auch mit häufigeren und größeren Überlieferungslücken gerechnet werden.

In den Beständen ab dem 19. Jahrhundert wandelt das typische Adelsarchiv seinen Charakter allmählich in Richtung eines Wirtschaftsarchivs, naturgemäß mit einer Gutswirtschaft im Zentrum, ergänzt gegebenenfalls von gewerblichen "Unternehmenstöchtern" wie Weinkellereien, Brauereien, Gastwirtschaften und dergleichen. 

Vereinigte Westfälische Adelsarchive im Internet: <http://www.adelsarchive.de>. Verzeichnis der Adelsarchive in Baden-Württemberg: <http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/25/Verzeichnis_Adelsarchive2007.pdf >, weiter klicken auf "Archivarische Fachaufgaben", dann "Denkmalschutz im Archivwesen".

 

3.7 Wirtschaftsarchive

3.7.1 Unternehmensarchive


Abb. 17

unterhalten nur wenige große Firmen in Deutschland. Die Fülle von Einträgen im Handbuch "Deutsche Wirtschaftsarchive" trügt. Eine den öffentlich-rechtlichen Archiven vergleichbare Archivführung einschließlich allgemeinem Zugang gewähren nur die meisten Gesellschaften aus dem Dax-30-Segment, insbesondere der Automobil-, Bank- und Chemiebranche, auch einige im M-Dax notierte Gesellschaften wie Celesio (früher GEHE) und Zeiss sowie wenige traditionsreiche Gesellschaften anderer Rechtsformen wie Bosch; insgesamt werden es kaum mehr als drei Dutzend sein.

 

3.7.2 Regionale Wirtschaftsarchive


Abb. 18

kümmern sich innerhalb ihres "Sprengels" zum einen um das Archivgut aufgelöster, selbstverständlich nicht sämtlicher Wirtschaftsbetriebe, sondern solcher, die in ihrer Branche, als Typ, aufgrund ihrer historischen Bedeutung die Wirtschaftsgeschichte der Region repräsentieren. Sie betreuen zum anderen quasi als externe Dienstleister die historischen Archive von bestehenden Unternehmen, die sich kein eigenes Archiv leisten können oder wollen. Das Beständeprofil, das heißt von welchen Unternehmen das Wirtschaftsarchiv Material verwahrt, hängt weitgehend von Zufällen ab, etwa von der Aufgeschlossenheit eines Konkursverwalters für wirtschaftsgeschichtliche Fragen oder vom (Des-) Interesse der Vorstandsmitglieder an der eigenen Konzerngeschichte.

Ein Verzeichnis für Deutschland relevanter Wirtschaftsarchive finden Sie unter http://www.archivschule.de/content/32.html


Abb. 19


Abb. 20

Da der archivische Aufwand erheblich höher ausfällt als im öffentlichen Sektor, können Wirtschaftsarchive vielfach nur sicher verwahren, beim Erschließen schieben sie eine anschwellende Bugwelle vor sich her. Im Regelfall - rühmliche Ausnahmen sind rar - gilt: Wirtschaftsunternehmen kennen keinen Aktenplan, pflegen auch keine Registratur zu führen; somit gelangen Firmenbestände in vollkommener Nicht-Ordnung ins Archiv. Unternehmen als juristische Privatpersonen unterliegen keiner Abgabepflicht, so besteht für sie auch kein Anlass, das, was sie einem Archiv überlassen, zu klassifizieren oder gar eine Abgabeliste anzufertigen. Sie sollten dies wissen, falls man Ihnen für gewünschte Bestände keine oder mangelhafte Repertorien vorlegt oder Sie manche Unterlagen wegen ihres Kraut-und-Rüben-Zustands nicht durchsehen lässt. 

Ein regionales Wirtschaftsarchiv verwahrt vieles auf der Grundlage von Privatverträgen. Häufig bleiben abgebende Firmen oder Personen Eigentümer der Bestände, was sich auf die Benutzungsmodalitäten auswirken kann; gegebenenfalls müssen Sie eine Erlaubnis einholen. 


Abb. 21

3.8 Parlaments-, Parteien-, Verbandsarchive

Der Deutsche Bundestag, die Landtage, die politischen Parteien und Gewerkschaften führen eigene Archive. Bei den Parlamentsarchiven handelt es sich in erster Linie um Dokumentationszentren, die für die Abgeordneten arbeiten. Im Bund und der Mehrzahl der Länder, wie zum Beispiel Rheinland-Pfalz, führen die Parlamente mit der Dokumentation verbundene Historische Archive. Einige Landtage, wie Schleswig-Holstein, geben ihre historische Überlieferung an das Staatsarchiv ab. Die Parlamentsdokumentation stützt sich überall auf (für Archive vergleichsweise) moderne EDV-Systeme, die meist eine Volltextrecherche ermöglichen. Sie werden hier reichlich Material über die politisch-parlamentarische Tätigkeit von Abgeordneten finden; eher private Unterlagen dagegen, oder auch die Akten der Fraktionen, liegen in den Parteiarchiven. 

Diese stehen wie die Archive der Gewerkschaften nicht unter öffentlicher Trägerschaft, was sich auf die Nutzungsbedingungen und -modalitäten auswirkt. Am besten, Sie erkundigen sich vorher. 

Internetadressen: <http://www.archivschule.de/>, dort über "Archive im Internet" zu "Parlamentsarchive und Archive politischer Parteien und Verbände" klicken.

3.9 Medienarchive

Rundfunkanstalten wie ARD, Deutschlandradio und ZDF unterhalten eigene Archive. Jede größere und renommiertere Zeitung führt ihr eigenes Pressearchiv. Verschiedene kommerzielle Bildarchive bieten ihre Dienste öffentlich an. Die genannten Medienarchive werden meist als Privatarchive geführt, deshalb sollten Sie sich im Vorfeld nach den Zugangsbestimmungen erkundigen. 

Internetadressen: <http://www.archivschule.de/>, dort über "Archive im Internet" zu "Medienarchive" klicken.


Abb. 22


Abb. 23

 

3.10 Sonstige Archive


Ab. 24

Neben den in 3.1 bis 3.9 genannten besteht ein bunter Strauß an weiteren Archiven bzw. Sammlungen, sei es von institutionellen, sei es von selbst organisierten Trägern. Um dieses weite Feld abzustecken, seien willkürlich und sehr unvollständig folgende Beispiele genannt: Das Literaturarchiv Marbach; das Archiv des Deutschen Museums in München mit reichen Firmenbeständen zu Naturwissenschaft und Technik; das Tagebucharchiv im südbadischen Emmendingen; das Archiv der Münchener Arbeiterbewegung; die Archive der neuen sozialen Bewegungen (Frauen-, Umwelt-, usw.), deren Adressen 2003 in Buchform aufgelistet erschienen sind (siehe Anhang Literatur oder hier.

Bei allen diesen unter Archiv firmierenden Einrichtungen nichtöffentlicher Träger gilt es, die fließenden Übergänge zu Sammlungen zu beachten. Von jeglicher »Wertigkeit« des Schriftguts völlig unberührt, reicht es weit in die Quellenkritik hinein, ob Schriftgut amtlich auf Schreibtische und endlich in ein Archiv gelangt ist, oder aus Zufall (Beispiel Tagebucharchiv) oder weil jemand befunden hat, dies sei ein wichtiges Dokument, das in die Sammlung gehöre (Beispiel soziale Bewegungen). 

 

Empfohlene Zitierweise

Burkhardt, Martin: 3. Die verschiedenen Archivarten und -träger in Deutschland. Aus: Gebrauchsanleitung für Archive, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/3079/

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Erstellt: 28.03.2006

Zuletzt geändert: 18.04.2013