Georg Wilhelm (Calenberg)

Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Calenberg 

 

(*Schloss Herzberg/Harz 16/26.1.1624 – †Kloster Wienhausen 28.8.1705) 

Folgte als Herzog seinem älteren Bruder Christian Ludwig erst im Fürstentum Calenberg (1648-1665), dann im Fürstentum Celle nach (1665-1705). 

 


Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-
Lüneburg-Calenberg, Kupferstich von
Hendrik Causé. HAB Wolfenbüttel

Anders als Christian Ludwig kam Georg Wilhelm in den Genuss zweier langer Bildungsreisen, die ihn und seine jüngeren Brüder in die Niederlande, nach England, Frankreich, Spanien und Italien führten. Auch nachdem er 1648 an die Herrschaft in Calenberg gelangt war, hielt sich Georg Wilhelm vorzugsweise in den Niederlanden oder in Venedig auf und überließ die Regierung in Hannover seinen Geheimen Räten unter der Leitung des Kammerpräsidenten Paul Joachim von Bülow; diese hielten sich eng an die Politik der anderen welfischen Fürstentümer Celle und Wolfenbüttel, auch beim Abschluss der Allianz von Hildesheim (1652) und des Rheinbundes (1658).

 

Leitmotive in der Biographie Georg Wilhelms bilden seine eigensinnigen Entscheidungen in Ehesachen und die mehrfach erneuerten Erbabsprachen, die sich daraus ergaben. 1656 verlobte sich Georg Wilhelm in Heidelberg mit der Prinzessin Sophie von der Pfalz, löste das Verhältnis jedoch bald wieder auf und trat die Verlobte an seinen jüngsten Bruder Ernst August ab. Im Gegenzug verpflichtete sich Georg Wilhelm 1658 zur Ehelosigkeit und sicherte Ernst August und dessen Nachkommen die Erbfolge in seinen Fürstentümern zu. 

Nach dem Tod Christian Ludwigs im Jahre 1665 ergriff Georg Wilhelms jüngerer Bruder Johann Friedrich staatsstreichartig Besitz vom Fürstentum Celle und beschwor damit eine Krise herauf, die erst nach sechs Monaten im Vertrag von Hildesheim beigelegt werden konnte. Nach diesem Vergleich übernahm Johann Friedrich das Fürstentum Calenberg, während Georg Wilhelm ins Fürstentum Celle aufrückte. Erst hier entschloss sich Georg Wilhelm entgegen den Absprachen doch zur Ehe und heiratete 1676 frei von jedem politischen Kalkül seine langjährige Mätresse Eléonore d’Olbreuse, eine Französin aus hugenottischem Niederadel, die er zuvor vom Kaiser zur Gräfin hatte erheben lassen. Die zwischenzeitlich ausgebrochenen Spannungen um die Erbabsprachen mit Ernst August wurden 1682 beiseite geräumt, als Georg Wilhelm die einzige Tochter aus dieser Ehe, Sophie Dorothea, mit dem ältesten Sohn Ernst Augusts vermählte, dem späteren Kurfürsten Georg Ludwig (ab 1714 Georg I. von Großbritannien). 

Auch politisch ordnete sich Georg Wilhelm der Führung durch Ernst August unter, akzeptierte dessen Primogeniturordnung und setzte dessen Bestrebungen zur Erlangung der neunten Kurwürde im Reich (1692) nur wenig Widerstand entgegen. Sein größter eigener politischer Erfolg war 1689 der Erwerb des Herzogtums Sachsen-Lauenburg. Seine Herrschertätigkeit in Celle stand unter dem günstigen Einfluss seiner Frau Eléonore, mit der er ein offenbar glückliches Familienleben führte, das ihn vom Lebemann zum Landesvater reifen ließ. Seinen Lebensabend überschattete jedoch die Tragödie seiner Tochter Sophie Dorothea, die nach einer Affäre 1695 auf das Schloss Ahlden verbannt wurde und ihre Eltern nie wieder sah (die sog. „Prinzessin von Ahlden“). 

Georg Wilhelm galt als leutselig, großzügig und weltmännisch und hatte sich durch seinen persönlichen Einsatz im Reichskrieg gegen Frankreich 1674 und 1675 hohes Prestige erworben; doch blieb er leicht zu beeinflussen und entwickelte keinerlei staatsmännischen Ehrgeiz. Nach seinem Tod im Jahre 1705 wurde das Fürstentum Celle dauerhaft mit dem Kurfürstentum Hannover vereinigt. 

Verfasser: Bengt Büttner 

 

Literatur: 

Sauer, Wilhelm: Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 8, Leipzig 1878, S. 634-635.

Rothert, Wilhelm: Hannover unter dem Kurhut 1648-1815 (= Allgemeine hannoversche Biographie, Bd. 3), Hannover 1916, S. 66-69.

Schnath, Georg: Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 6, München 1964, S. 208.

Mlynek, Klaus: Georg Wilhelm, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, in: Hannoversches biographisches Lexikon, Hannover 2002, S. 128.

 

Empfohlene Zitierweise

Bengt Büttner: Georg Wilhelm von Braunschweig. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5969/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 24.07.2008

Zuletzt geändert: 20.03.2013