Reformation politikgeschichtlich

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Thema 4: Reformation – politikgeschichtlich 

  

Zum Thema 

Die Erforschung der Reformation in einer politikgeschichtlichen Betrachtungsperspektive zählte zu den klassischen Themenfeldern der deutsch-, aber auch der englischsprachigen – genannt sei der Name Geoffrey R. Elton (1) - Geschichtsschreibung bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Im Zuge des Methodenwandels in der deutschen wie europäischen Geschichtsforschung seit den 1960er Jahren trat der politikgeschichtliche Zugang jedoch gegenüber sozial- und (in jüngster Zeit) kulturwissenschaftlichen Annäherungen zurück.

Aus gutem Grund hat daher einer der führenden Vertreter der amerikanischen Reformationsgeschichtsschreibung, Thomas A. Brady, jüngst die Notwendigkeit einer “reconstruction of a political narrative of the German Reformation“ (2) eingefordert, welche die in den vergangenen 40 Jahren erzielten Erkenntnisfortschritte für ihre Geschichtserzählung fruchtbar macht. Was für die Erforschung der deutschen Reformation gilt, gilt für die königlichen Reformationen in England und Skandinavien erst recht, die primär aus dem politischen Gestaltungswillen Heinrichs VIII. von England (reg. 1509-1547), Christians III. von Dänemark-Norwegen (reg. 1536-1560) und Gustav Wasas von Schweden-Finnland (reg. 1523-1560) resultierten.

Inhalte 

Wenn in diesem thematischen Bereich die Präsentation der Reformation im Reich gegenüber der europäischen Dimension vorherrscht, so aus zwei Gründen: zum einen, weil die Forschungssituation zum Reich besonders ertragreich ist; zum anderen, weil der Verlauf der Reformationsgeschichte in der Mitte Europas gerade in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts besonders nachhaltig von politischen Entscheidungen geprägt war. Politiker, nicht Theologen, waren es denn auch, die im Jahr 1555 eine (zumindest vorläufige) Lösung fanden, um die innerweltlichen Folgeprobleme, welche die Reformation in den Städten und Territorien des Reiches wie im Reich insgesamt hervorgerufen hatte, zu bewältigen. 

Einer Lösung, der – und das verbindet sie mit der Entwicklung in der Schweizer Eidgenossenschaft in den 1520er und zu Beginn der 1530er Jahre – eine politische Bündnisbildung entlang religiös-konfessioneller Trennlinien vorausging, die sich in militärischen Konflikten entlud. 

Daß im Reich und der Eidgenossenschaft, d.h. in den Ländern, deren politische Binnengliederung vielschichtiger war, der Konflikt um das „wahre Wort Gottes“ in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in einen militärisch ausgetragenen Konflikt der Herrschaftsträger mündete, unterscheidet den Gang der Reformationsgeschichte dieser Länder grundlegend von den königlichen Reformationen in England und Skandinavien. 

 

(1) In deutscher Übersetzung ist erschienen: Geoffrey R. Elton, Europa im Zeitalter der Reformation 1517 – 1559, München 1982, 2. Auflage. 

(2) Thomas A. Brady, Protestant Politics. Jacob Sturm (1489-1553) and the German Reformation, New Jersey 1995, 5.  

 

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Erstellt: 09.05.2006

Zuletzt geändert: 12.06.2006