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Otto Hintze ( 1861-1940 )

"Die allgemeinen Formeln, in die sich zur Not das geschichtliche Leben der Menschen und Völker bannen läßt, werden ja umso leerer an anschaulichem Inhalt, je weiter der Horizont der Betrachtung gespannt ist, und verflüchtigen sich schließlich wohl gar zu selbstverständlichen Trivialitäten."
Gesammelte Abhandlungen zur allgemeinen Verfassungsgeschichte, hg. von Gerhard Oestreich, Göttingen 1970, S. 52.
"H.s Stellung in der deutschen Geschichtsschreibung ist charakterisiert durch einen umfassenden sozialgeschichtlichen Akzent, der ihn zu einem der bedeutendsten Sozialhistoriker macht."
Gerhard Oestreich in: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg.): Neue Deutsche Biographie, Bd. 9, Berlin 1957, S. 195.
"Wie kein anderer verstand es Otto Hintze (1861-1940), zwei der wichtigsten deutschen historiographischen Traditionen miteinander zu verschmelzen. Als Student Droysens kam er aus der nationalpolitisch engagierten, borussischen Geschichtsschreibung, deren gröbste Verzerrungen er aber früh kritisierte [.]. Unter dem Einfluß Schmollers wurde er andererseits von der Jüngeren Historischen Schule der deutschen Nationalökonomie geprägt; [.]. Hintze gelang als einzigem eine nachfolgerlose Synthese, die ihm die Hochachtung beider Seiten einbrachte, [.]. In seinen vergleichenden verfassungs- und sozialgeschichtlichen Untersuchungen und mit seiner Rezeption der entstehenden Soziologie erwies er sich dennoch als der methodisch fortschrittlichste, wenn nicht überhaupt als der bedeutendste deutsche Historiker des späten Kaiserreichs und der Zwischenkriegszeit."
Jürgen Kocka in: Hans-Ulrich Wehler (Hg.): Deutsche Historiker, Göttingen 1973, S. 275.
"Die sein ganzes Werk durchziehende Haltung, daß Geschichte Zeitkritik und Wissenschaft, nichts als Wissenschaft, ist, verbindet Hintze mit der modernen Geschichtswissenschaft. Er steht uns deshalb näher als die meisten deutschen Historiker seiner Zeit."
Felix Gilbert in: Otto Büsch (Hg.): Otto Hintze und die moderne Geschichtswissenschaft: Ein Tagungsbericht, Berlin 1983. (Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin 38), S. 206.
"Hintzes Position ist auch ein interessanter exemplarischer Fall für die Möglichkeiten und Grenzen der Durchsetzung einer neuen theoretischen Orientierung in der Wissenschaft. [.] Sein Werk könnte ein wichtiger Ansatzpunkt für eine im weitesten Sinne sozialgeschichtliche Interpretation historischer Phänomene und Prozesse sein, die sich nicht von vornherein dem Verdacht ausgesetzt sähe, wesentliche Bereiche der Geschichte (wie etwa der politischen Entscheidungsfindung) aus dem Blickfeld zu streichen. Insofern bestehen wohl auch noch Desiderate hinsichtlich der Propagierung und Umsetzung von Hintzes Werk, dessen Beispiel uns einen guten Teil fruchtloser Diskussionen um die Verbindung von Individuellem und Allgemeinen in der Geschichte ersparen könnte."
Winfried Schulze in: Notker Hammerstein (Hg.): Deutsche Geschichtswissenschaft um 1900, Stuttgart 1988, S. 339.
"Seine inhaltlich begründete Integration von Staaten-, Verwaltungs- und Sozialgeschichte befähigte Hintze seit der Jahrhundertwende, angeregt nicht zuletzt durch seine Stellungnahme im so genannten Methodenstreit (1897), zu methodisch neuen Ansätzen innerhalb der Geschichtswissenschaft. Es gelang ihm, hermeneutisches Sinnverstehen zu verbinden mit analytisch-kausaler Sichtweise der als überindivid. akzeptierten Strukturen und Prozesse."
Luise Schorn-Schütte in: Rüdiger vom Bruch/Rainer A. Müller (Hgg.): Historikerlexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, München 1991, S. 139.
"Otto Hintze gilt heute als Vermittler zwischen Politik- und Sozialgeschichte. Zu Lebzeiten blieb sein Werk allerdings ohne Widerhall, weil es nicht im Einklang mit den vorherrschenden Ideen stand und weil seine wichtigsten Arbeiten erst nach seinem Tode veröffentlicht wurden. Hintze kritisierte die wesentlichen Vorraussetzungen der Ideenlehre, des Verstehens und der Individualitäten."
Mirjana Gross in: dies.: Von der Antike bis zur Postmoderne: die zeitgenössische Geschichtsschreibung und ihre Wurzeln, Wien u. a. 1998, S. 263.
"Hintze`s immediate influence remained limited. [...] His writings were not easily accessible and we re collected only after his death. With the emergence of social and economic history, the writings of Hintze were rediscovered and his contributions to historiography re-evaluated. His broad theoretical sweep and his universal approach combined with a mastery of detail continue to offer historians and political scientists valuable insights in the development of the modern state in Europe."
Matthias Zimmer in: Kelly Boyd, (Ed.): Encyclopedia of Historians and Historical Writing, Volume I, London/Chicago 1999, S. 537.
27.08.1861 | Geboren in der hinterpommerschen Kleinstadt Pyritz als Sohn von Hermann Hintze (Kreissekretär und Rechnungsrat) und Emma, geb. Munckel |
ab 1880 | Geschichtsstudium in Greifswald und Berlin, u.a. bei Johann Gustav Droysen und Gustav Schmoller |
1884 | Dissertation bei Julius Weizsäcker mit einer Arbeit über "Das Königtum Wilhelms von Holland" |
ab 1887 | Mitarbeit an der Acta Borussica (preußische Verwaltungsakten des 18. Jahrhunderts) |
1895 | Habilitation bei Treitschke und Schmoller über "Die preußische Seidenindustrie im 18. Jahrhundert und ihre Begründung durch Friedrich den Großen" |
1899 | Außerordentlicher Professor in Berlin |
ab 1902 | Ordentlicher Professor auf einem neu eingerichteten Lehrstuhl für Verfassungs-, Verwaltungs-, Wirtschaftsgeschichte und Politik in Berlin |
1912 | Ehe mit seiner Schülerin Hedwig Guggenheimer |
1920 | Ausscheiden aus der universitären Lehre aufgrund einer Augenkrankheit |
25.04.40 | Gestorben in Berlin |
1885
Das Königtums Wilhelms von Holland, Leipzig 1885
1892
Die Preußische Seidenindustrie im 18. Jahrhundert und ihre Begründung durch Friedrich den Großen,3 Bde., Berlin 1892
1901
Einleitende Darstellung der Behördenorganisation und allgemeinen Verwaltung in Preußen beim Regierungsamt Friedrichs II., Berlin 1901
1906
Staatsverfassung und Heeresverfassung. Vortrag gehalten in der Gehe-Stiftung zu Dresden am 17. Februar 1906, Dresden 1906
1908ff
Historische und politische Aufsätze, 10 Bde., Berlin 1908ff
1911
Der Beamtenstand, Leipzig u. a. 1911
1914
Die englischen Weltherrschaftspläne und der gegenwärtige Krieg, Berlin 1914
1915
Die Hohenzollern und ihr Werk, Berlin 1915
1916
Deutschland und der Weltkrieg,2 Bde., Leipzig u. a. 1916
1929
Wesen und Verbreitung des Feudalismus, in: Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften 20 (1929)
1930
Typologie der ständischen Verfassungen des Abendlandes, in: HZ 141 (1930), S. 229-253
1931
Wesen und Wandlung des modernen Staates, in: Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften 1931, S. 790-910
1931
Weltgeschichtliche Betrachtungen der Repräsentativverfassungen, in: HZ 143 (1931), S. 1-47
1941
Staat und Verfassung: Gesammelte Abhandlungen zur Allgemeinen Verfassungsgeschichte, hg, von Fritz Hartung, Leipzig 1941
1975
The Historical Essays of Otto Hintze, hg. von Felix Gilbert , New York 1975
Büsch, Otto [Hg]: Otto Hintze und die moderne Geschichtswissenschaft : ein Tagungsbericht, Berlin 1983. (Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin 38).
DiCostanzo, Guiseppe: T ra comparativismo e storia universale. Il progetto di Otto Hintze, in: Società e Storia 13 (1990), S. 337-362.
DiCostanzo, Giuseppe: Lo storicismo realistico di Otto Hintze, Bari 2000
Erbe, Michael: Otto Hintze, 1861 - 1940, Hamburg 1987
Erbe, Michael: Friedrich Meinecke und Otto Hintze, in: ders.: Friedrich Meinecke heute. Bericht über ein Gedenk-Kolloquium zu seinem 25. Todestag am 5. und 6. April 1979, Berlin 1981, S. 122-136.
Gerhard, Dietrich: Otto Hintze. His Work and His Significance in Historiography, in: Central European History 3 (1970), S. 17-48.
Hartung, Fritz: Otto Hintze, in: Forschung zur brandenburgischen und preußischen Geschichte 52 (1940), S. 201-233.
Hübinger, Gangolf: Staatstheorie und Politik als Wissenschaft im Kaiserreich. Georg Jellinek, Otto Hintze, Max Weber, Stuttgart 1988.
Kocka, Jürgen: Otto Hintze, in: Hans Ulrich Wehler: Deutsche Historiker, Band 3, Göttingen 1971/72, S. 275-298.
Kocka, Jürgen: Otto Hintze und Max Weber. Ansätze zu einem Vergleich, in: Wolfgang J. Mommsen/Wolfgang Schwentker (Hgg.): Max Weber und seine Zeitgenossen, Göttingen 1988, S. 403-416.
Kocka, Jürgen: Otto Hintze, Max Weber und das Problem der Bürokratie, in: HZ 233 (1981), S. 65-105.
Loreti, Luigi: "Staatsverfassung" e "Heeresverfassung" antiche in Otto Hintze, in: Quaderni di storia 39 (1994), S. 127-164.
Neugebauer, Wolfgang: Otto Hintze und seine Konzeption der "Allgemeinen Verfassungsgeschichte der Neueren Staaten", in: Zeitschrift für Historische Forschung 20 (1993), S. 65-96. Neugebauer, Wolfgang:
Gustav Schmoller, Otto Hintze und die Arbeit an den Acta Borussica, in Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 48 (1997), S. 152-202.
Oestreich, Brigitta: Hedwig und Otto Hintze. Eine biographische Skizze, in: Geschichte und Gesellschaft, Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft 11 (1985), S. 397-419.
Oestreich, Gerhard: Otto Hintze und die Verwaltungsgeschichte, Göttingen 1967 .
Page, Edward C.: The Political Origins of Self Government and Bureaucracy: Otto Hintze`s Conceptual Map of Europe, in: Political Studies 38 (1990), S. 39-55.
Rehmann, Hedwig: Otto Hintze und Max Weber. Ein Versuch über historische Begriffsbildung aus geschichtswissenschaftlicher und theoretischer Sicht, Marburg 1975 .
Ressing, Manfred: Zur Methodologie und Geschichtsschreibung des preußischen Historikers Otto Hintze, Frankfurt am Main 1996 (Europäische Hochschulschriften : Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften ; 714).
Schieder, Theodor: Otto Hintze und die moderne Geschichtswissenschaft, in HZ 239 (1984), S. 615- 620.
Schiera, Pierangelo: Otto Hintze, Napoli 1974 .
Schorn-Schütte, Luise: Hintze, Otto (1861-1940), in: Rüdiger vom Bruch/Rainer A. Müller (Hg.): Historikerlexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, München 1991, S. 175.
Schulze, Winfried: Otto Hintze und die deutsche Geschichtswissenschaft um 1900, in: Notker Hammerstein (Hg.): Deutsche Geschichtswissenschaft um 1900, Wiesbaden 1988, S. 323-339.
Wartenberg, Herbert: Otto Hintze als Geschichtsdenker, Berlin 1953.
Zimmer, Matthias: Hintze, Otto. German historian, in: Kelly Boyd, (Ed.): Encyclopedia of Historians and Historical Writing, Volume I, London/Chicago 1999, S. 537.
a) Quellen
(N.N.)
b) Sekundärinformationen
Kompaktinfo
http://www.geschichte.hu-berlin.de/ifg/galerie/texte/hintze2.htm
Ein kompakter Artikel über Leben und Werk Otto Hintzes,
Anbieter: Rüdiger vom Bruch, Humboldt-Universität Berlin / Institut für Geschichtswissenschaften
Florian Kiuntke
10.02.2003
Erstellt: 09.03.2006
Zuletzt geändert: 09.03.2006
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