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Gerichtspraxis Toul, Bistum (Toul) 

Elisabeth Biesel  

13.12.99  

Erst nach dem Auslaufen der Hexenprozesse in der seit 1552 besetzten Bischofsstadt versuchte Frankreich, die Verwaltungsstruktur und die innere Organisation der rechtsprechenden Instanzen in Toul zu verändern, so daß zur Zeit der Verfolgungen die Hochgerichtsbarkeit ausschließlich in der Hand der Stadt lag. Normalerweise wurden die Voruntersuchungen vom Gremium der Cinq Enquéreurs durchgeführt, die, wenn sie feststellten, daß es sich um ein Delikt handelte, das eine körperliche Strafe nach sich ziehen konnte, das Verfahren an das Gericht der Dix Justiciers weitergaben, das für Hochgerichtsprozesse zuständig war. Vor jedem neuen Verfahrensschritt holten beide Gremien ein Avis des Procureur général de la cité de Toul ein.

Erstaunlich ist, daß die Nadelprobe in der Stadt Toul noch in der Amtszeit von Jean du Pasquier, also nach 1618, durchgeführt wurde, da die Hexenproben zu Beginn des 17. Jahrhunderts von der juristischen Lehre immer mehr angezweifelt wurden. Das Parlament von Paris hatte bereits Ende des 16. Jahrhunderts versucht, in seinem Zuständigkeitsbereich die Wasserprobe ganz zu verbieten. 

Die Nadelprobe, d. h. die Suche nach dem Hexenmal, sollte - so führte du Pasquier aus - nach der Rasur der gesamten Körperbehaarung vor der Folter stattfinden. Denn der Teufel markiere seine Anhänger normalerweise mit einem schwarzen Zeichen, das sich beinahe unsichtbar an den geheimsten Stellen verberge und gefühllos sei. Wenn der Henker dieses Stigma gefunden habe, - eine Kunst, in der die Henker zu dieser Zeit gut bewandert seien -, habe er mit einer langen und dicken Nadel ganz tief in dieses Mal gestochen. Dieses sei eines der Indizien, anhand derer man herausfinden könne, ob es sich um eine Hexe handele, denn wenn der Henker die Nadel wieder herausziehe, verspüre eine Hexe keinerlei Schmerz und blute nicht. Durch diese Probe hätten viele Hexen und Zauberer ihre Verbrechen gestanden. 

Beilagen 

Strafregister Toul - Urteilsspruch im Hexereiverfahren gegen Jeanne, die Frau von Thomas Nicolas, einem Hirten aus Toul (1619)

Literatur 

Jean-Paul AUBE: Le livre des enquéreurs de Toul. In: Études touloises 41, 1986, S. 17-40. 

Elisabeth BIESEL: Hexerei und andere Verbrechen. Gerichtspraxis in Toul. In: Hexenprozesse und Gerichtspraxis. (Trierer Hexenprozesse - Quellen und Darstellungen 5) Trier 1999, (im Druck). 

Elisabeth BIESEL: Hexenjagd, Volksmagie und soziale Konflikte im lothringischen Raum. (Trierer Hexenprozesse - Quellen und Darstellungen 3) Trier 1997. 

Elisabeth BIESEL: "Son corps ars, bruslé et reduict en cendres". Die Hexenverfolgung in Toul als Versuch innerstädtischer Konfliktlösung. In: Les Cahiers Lorrains , No 1, 1999, S. 9-30. 

Albert Denis: La sorcellerie à Toul aux XVIe et XVIIe siècles. Nancy 1888. 

Henri LEPAGE: Archives de Toul. Inventaire et documents. Nancy 1858. 

Henri LEPAGE: Le livre des Enquéreurs de la cité de Toul. In: Bulletins de la Société d'Archéolgie lorraine 8, 1858, S. 177-247. 

Mémoires de Jean du Pasquier, procureur syndic de la cité de Toul. Toul 1878. 

 

Siehe auch folgende Artikel:  

Toul, Bistum (Toul) - Hexenverfolgungen von Elisabeth Biesel

Pasquier, Jean du von Elisabeth Biesel

Procureur général de la cité de Toul oder der städtische Prokurator von Elisabeth Biesel

Tribunal des Dix oder die Dix Justiciers und die Cinq Enquéreurs von Elisabeth Biesel

Empfohlene Zitierweise

Biesel, Elisabeth: Toul - Gerichtspraxis. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/de/persistent/artikel/1600/

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Erstellt: 15.02.2006

Zuletzt geändert: 03.01.2008

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