Beitrag (Teil I)

Andrea Schmidt-Rösler 

„dass das Werk aufgehalten, auch unter den andern nicht zum Schluß komme“ - der späte Beitritt Brandenburgs zum Ersten Rheinbund. 

Teil I (Beitrag) 

 

1. Brandenburg und die Gründungsphase des Rheinbundes [1]

Trotz des Westfälischen Friedens hatten die Reichsstände angesichts der fortdauernden Konflikte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der ungeklärten Reichsdefension und der Angst vor einer straffen kaiserlichen Regierung ein ausgeprägtes Bedürfnis nach politischer und militärischer Absicherung. [2] Als im Jahr 1657 Verhandlungen zwischen mehreren, bereits in kleineren Allianzen organisierten Mitgliedern über eine gemeinsame Bündniserweiterung begannen, wurde auch Kurfürst Friedrich Wilhelm zur Teilnahme an den Gesprächen in Frankfurt eingeladen. Vor allem Frankreich, vertreten von Robert Gravel, der kurz nach Eröffnung der Rheinbund-Gespräche in Frankfurt eingetroffen war, setzte sich für eine Beteiligung der protestantischen Mächte Schweden und Brandenburg an einem erweiterten Bündnis ein. [3]

Unumstritten war diese Einbeziehung Brandenburgs freilich nicht, führte doch Friedrich Wilhelm bereits seit 1651 in Nichtanerkennung des Vertrages von Xanten einen (allerdings territorial begrenzten) Krieg um das Herzogtum Berg. [4] Dies hatte die drei geistlichen Kurfürsten Köln, Mainz und Trier zu einem Defensivpakt („Kurrheinisches Bündnis“; 1651) veranlasst. [5] Gegen den Einfluss der protestantischen Mächte, organisiert in der Hildesheimer Allianz zwischen Schweden, den Braunschweiger Häusern und Hessen-Kassel (1652), war auch die „Kölner Allianz“ (Köln, Trier, Münster, Pfalz-Neuburg, Mainz; 1654) gerichtet, die unter Mainzer Führung zu einem wichtigen Machtfaktor wurde. Angesichts der gesamteuropäischen Kriegsgefahr im Zusammenhang mit dem französisch-spanischen und dem (Ersten) Nordischen Krieg versuchte der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn, die protestantischen und katholischen Stände der beiden Allianzen zu einigen. Ausgangspunkt der Verhandlungen war das gemeinsame Interesse, die kaiserliche Macht des eben (1658) gewählten Habsburgers Leopold I. (auch unter Zuhilfenahme Frankreichs) zu begrenzen, den Durchzug kaiserlicher Truppen in die Spanischen Niederlande zu verhindern und letztlich die Reichsstände so zu stärken, dass sie als selbständiger Machtfaktor in den schwelenden europäischen Auseinandersetzungen auftreten konnten.

Die Beteiligung Brandenburgs an den Verhandlungen für die geplante Union ging vor allem auf das Betreiben der Braunschweiger Herzöge zurück, die seit dem 19. Juli 1655 durch einen Beistandspakt mit dem Kurfürsten verbunden waren. Auch Schweden als weiteren protestantischen Reichsstand wollten die Welfen im künftigen Bündnis sehen, um das drohende katholische Übergewicht auszugleichen. Auf den Braunschweiger Antrag hin fassten die Verhandlungsteilnehmer am 11. Dezember 1656 in Frankfurt den Beschluss, Brandenburg zu den Gesprächen zuzulassen, stellten jedoch gleichzeitig den Vorbehalt auf, den Nordischen Krieg und seine möglichen Implikationen auszuklammern. [6] Am 13. März 1657 erhielt Brandenburg das offizielle Notifikationsschreiben. [7] Nach Vorgesprächen mit den protestantischen Partnern Braunschweig und Hessen drückte der Kurfürst im Frühjahr 1657 mehrfach seine Bereitschaft zu Teilnahme an einem reichsständischen überkonfessionellen Bündnis aus, das eine reine „Defensivalliance“ sein sollte. [8] Am 8. Juni 1657 legte er in einer Instruktion für seinen Unterhändler Raban von Canstein [9] seine Vorstellungen für ein künftiges Bündnis dar. Neben dem reinen Defensivcharakter wollte Brandenburg ein Gleichgewicht der protestantischen und katholischen Stände innerhalb der Union. Es forderte Sicherheit gegen einen Angriff Polens und Schwedens sowie die Zusage der künftigen Alliierten, Pfalz-Neuburg nicht gegen Brandenburg zu unterstützen. [10]

Die katholischen Stände verhielten sich zögerlich; man plante, sich zuerst auf der Basis der schon bestehenden Verträge mit Braunschweig und Hessen zu einigen, ehe man Brandenburg und Schweden einbezog. [11]

Nach dem plötzlichen Tod Kaiser Ferdinands III. im April 1657 gerieten die Verhandlungen ins Stocken. Die Wahlfrage rief Frankreich auf den Plan; Ludwig XIV. wollte die Wahl des Habsburger Thronaspiranten Erzherzog Leopold IV. verhindern. [12]

Im September 1657 wurden die Unionspläne wieder intensiver verhandelt. Bei den Gesprächen in Frankfurt waren auch die Bevollmächtigten Brandenburgs und Schwedens anwesend. [13] Ende September 1657 zeichnete sich eine Einigung ab, und der Mainzer Kanzler Sebastian Wilhelm Meel [14] verkündete, dass auf der Basis der Kölner Allianz „das Fundament nun gleichsam gelegt sei“ [15]. Brandenburg hingegen stellte vor allem die geplante Formel zur Nichteinmischung in laufende Kriege zur Diskussion. Die Ausklammerung des Nordischen Krieges war Friedrich Wilhelm bereit zu akzeptieren, für seine im Reichsverband gelegenen Territorien forderte er jedoch Garantien für den Angriffsfall [16].

Immerhin hatten sich die Unterhändler über die politischen Grundsätze bereits so weit geeinigt, dass nun über die Truppenkontingente verhandelt werden konnte. Brandenburg sollte zu einer Zahl, die dem Kontingent der drei geistlichen Fürsten gemeinsam entsprach, verpflichtet werden. Dies wollte Friedrich Wilhelm nicht akzeptieren. [17] Nichts desto trotz lag Anfang Dezember der erste Bündnisentwurf vor, der auch dem Brandenburger Kurfürsten übersandt wurde. Am 16. Dezember legte dieser bei den Frankfurter Gesandten offiziell Protest gegen die Höhe des Truppenkontingents ein. [18]

Dieses Thema scheint jedoch nur ein willkommener Vorwand gewesen zu sein, zeigen doch zwei Äußerungen des Kurfürsten eine allgemeine zögerliche bis ablehnende Haltung zur Allianz. Am 15. Dezember schrieb er an den sächsischen Kurfürsten: „… und ob zwar in jetzt angeregtem Project auch wir benennt und in solche Alliance mit eingeschlossen werden wollen, so melden Wir doch E.Ld. hiermit in sonderbarem Vertrauen, dass Wir annoch zur Zeit nicht resolviret darin zu treten, und zwar aus der Consideration und Ursach, weil aus dergleichen Alliancen bishero wenig Frucht und Nutzen zu verspüren gewesen.“ [19] Am 10. Februar 1658 erhielt Canstein eine deutliche Anweisung angesichts der anstehenden Kaiserwahl, der Auseinandersetzung mit Pfalz-Neuburg und des Verhaltens Schwedens im Nordischen Krieg die Verhandlungen hinauszuzögern: „…haben Wir Euch demnach solches zu Ende anzufügen nöthig befunden, damit Ihr Euch dessen, jedoch mit besonderer Behutsamkeit … bedienen und dasselbe … bis nach verrichtetem Wahlnegoti trainieren…. Ihr werdet aber solches alles ... vorsichtiglich mesnagiren und Unsere Intention so viel möglich befördern, ihnen aber nichts anders verspüren lassen, dann dass Wir dieses Foedus gerne befördert sehen.“ [20]

Canstein fasste angesichts der ambivalenten Haltung seines Kurfürsten das Für und Wider in einem Gutachten zusammen. [21] Auf der Contra-Seite standen zahlreiche Argumente, darunter die Beteiligung Pfalz-Neuburgs, die Problematik der Solidität eines so heterogenen Bündnisses, die zu hohen Quanti Brandenburgs sowie einzelne Vertragsartikel (vor allem Artikel 1 und 2), die in der momentanen Form zu wenig deutlich waren. Könne man über diese Punkte nachverhandeln, so könne die Allianz zu einem Ausgleich mit den katholischen Ständen führen. Sollte sich das Bündnis um weitere Reichsstände vergrößern, so könne es letztendlich zu einem friedenswahrenden Instrument werden. Canstein wies zudem darauf hin, dass Brandenburg bei einem Rückzug diplomatischen Schaden erleiden würde.

Der Mainzer Gesandte Boineburg drängte im Januar 1658 darauf, die Verhandlungen bis zu einer positiven Stellungsnahme Brandenburgs auszusetzen. [22]. Die übrigen Stände hatten die Zurückhaltung des Kurfürsten richtig interpretiert; sie wollten das Bündnis schnellstmöglich auch ohne Brandenburg eingehen.

Die aktuelle Entwicklung im Nordischen Krieg legte Brandenburg nahe, sich nicht in einem Bündnis mit Schweden zu binden, sondern freie Hand zu behalten. [23] Gleichzeitig drängten Schönborn und Boineburg, Frankreich als Gegengewicht zu der möglichen Wahl des Habsburgers Leopold IV./I. zum Kaiser [24] in das Bündnis einzubeziehen. Bereits im März begann sich der Kontakt zu intensivieren, und Boineburg mahnte den gemeinsamen Abschluss noch vor der Kaiserwahl an. [25]

Im März 1658 drängten Mainz und Braunschweig abermals auf eine Entscheidung Brandenburgs, zu der der Kurfürst aus taktischen Gründen jedoch nicht bereit war. Die Welfen, die die gesamte Zeit in Sondergesprächen mit Brandenburg standen, gingen zunehmend auf Distanz zu ihrem zögerlichen Bündnispartner.  

Bereits zu Beginn der Rheinbundverhandlungen hatte sich ein Wandel in der brandenburgischen Politik angekündigt. Seit Anfang 1657 weilte der österreichische Gesandte Franz von Lisola am kurfürstlichen Hof, um eine Allianz gegen Schweden zur Unterstützung Polens zu schmieden. [26] Das vornehmste Ziel der Brandenburger Politik war die Sicherung der Herrschaft über das östliche Preußen durch die Anerkennung durch Polen. Dies wurde in den Verträgen von Wehlau und Bromberg erreicht, durch die Brandenburg (unter anderem) die volle Souveränität über das Herzogtum Preußen erhielt. [27] Der Absicherung dieses Erfolges sollte ein Bündnis mit den mit Polen verbündeten Habsburgern gelten. Am 9. Februar 1658 wurde die brandenburgisch-österreichische Allianz unterzeichnet. [28] Diese neue außenpolitische Option, die Lisola seit 1657 angeboten hatte, war wohl der Hauptgrund, dass die Rheinbund-Verhandlungen mit allergrößter Zurückhaltung angegangen wurden. So erklärt sich auch die oben zitierte Anweisung des Kurfürsten an seinen Bevollmächtigten, hinhaltend zu agieren, um in der Phase der beidseitigen Verhandlungen noch alle Möglichkeiten offen zu halten. [29] Indirekt bedeutete der Vertragsschluss mit Österreich zunächst das Ende der Rheinbund-Option für Brandenburg, auch wenn die Verhandlungen offiziell weitergeführt wurden.

Die Entscheidung der Brandenburger Politik wurde von den Verhandlungspartnern richtig ausgelegt. Als ab Mitte April eine neue Verhandlungsrunde begann, brachte Canstein so essentielle Änderungswünsche vor, dass sich der Eindruck vertiefte, Brandenburg hätte kein ernsthaftes Interesse an einer Kooperation. [30] Im Mai präsentierte das federführende Mainz einen Entwurf, der - so Kanzler Meel - unterschriftsreif war. Erneut ließ der Kurfürst seine Forderungen zu Gehör geben. Zudem schlug er nun vor, die Verhandlungen aus Frankfurt weg zu verlegen, da am Ort der Kaiserwahl nicht ein den Kaiser beeinträchtigendes Bündnis verhandelt werden könne. [31]

Im Juni 1658 lag ein überarbeiteter Allianzentwurf vor, der ohne Beteiligung Brandenburgs entstanden war. Das Augenmerk des Kurfürsten richtete sich nun darauf, das Zustandekommen der Allianz zu verhindern: „…dass das Werk aufgehalten, auch unter den andern nicht zum Schluß komme“ – lautete seine Anweisung an Canstein. [32] Deutliche Kritik übte Brandenburg nun vor allem an dem künftigen Artikel 1 des Bündnisses, der deutlich eine Tendenz „wider das Haus Österreich“ zeigte. [33]

Die sich abzeichnende Beteiligung Schwedens über Bremen und Verden an der Rheinischen Allianz verstärkte die Brandenburger Distanz zusätzlich. [34]. Canstein argumentierte, man gäbe so fremden Mächten im Reich zu großen Einfluss. [35] Zudem empfand man es als ungerecht, dass Schweden, obwohl Urheber des Krieges, nun Beistand in seinen Reichslanden erhalten solle. [36]

Die anderen Reichsstände diskutierten, in welcher Form Schweden in das Bündnis aufzunehmen sei. Anfang August griff man den Vorschlag Braunschweigs und Mainz auf, Schweden nur für Bremen und Verden, nicht aber für Pommern als Reichsstand in das Bündnis zu inkludieren. Die Auseinandersetzungen des Nordischen Krieges hätten damit keine direkten Auswirkungen auf das Bündnis gehabt. [37] Obwohl Brandenburg prinzipiell an den Verhandlungen weiter beteiligt war, nahm Canstein an den Treffen nur noch sporadisch teil; so fehlte er auch auf der Abschlusssitzung am 30. Juli. [38] Am 2. August 1658 bestand eine so weitgehende Einigung in allen Fragen, dass Canstein an den Kurfürsten meldete, die Allianz sei ohne Beteiligung Brandenburgs schon „vorgeschlossen“. [39]

Brandenburg protestierte am 11. August 1658 bei den befreundeten Braunschweigern: Wundert Uns dahero nicht wenig, warum man Uns bei dem Progress der weiteren Tractaten zurückgelassen und ohne der Unsrigen Beisein einen solchen Schluss … gemachet.“ [40]

Am gleichen Tag informierte Friedrich Wilhelm unter Übersendung des Vertragsentwurfes den Kaiser über das bevorstehende Verhandlungsergebnis und begründet seine Nichtbeteiligung: „..weil darinnen solche Sachen enthalten, welche zu großer Weiterung im heil. Reiche und Trennung der Stände Anlass geben werden, auch etliche Puncte dem Buchstab nach wider die Reichsconstitutionen, Kreisverfassungen und das Instr. Pac. laufen, und darinnen sonderlich uf mich … gezielet wird.“ [41] Am 12. August berief Friedrich Wilhelm Canstein offiziell aus Frankfurt ab. [42] Am 14. August wurde in Frankfurt der Erste Rheinbund zwischen den beteiligten Fürsten geschlossen, dem am 15. August in Mainz Frankreich per Vertrag beitrat. [43]

Am 25. September 1658 wandte sich Brandenburg mit einer Protestnote an die deutschen Rheinbundfürsten. [44] Friedrich Wilhelm verwahrte sich darin vor allem gegen eine Aussage der Rheinbundgesandten vom 22. August, laut der man nach dem Einschluss Schwedens keine Chance für eine Beteiligung Brandenburgs am Bündnis sehe, aber auch generell gegen die Bestimmungen des Paktes und gegen die ausgrenzende Behandlung in der Abschlussphase der Verhandlungen. Einzelne Noten mit der Bitte um Unterstützung richtete Friedrich Wilhelm an die Kurfürsten, die eher kritisch zum Rheinbund standen. Karl Kaspar vor Trier versicherte, das Ansinnen auf Modifikationen einzelner Bündnisklauseln zu unterstützen und der Brandenburger Kritik an der schwedischen Politik im Nordischen Krieg in der Frankfurter Versammlung Stimme zu verleihen. Die Ratifikation wollte der Erzbischof vorläufig aussetzen, unter anderem auch wegen des Ausschlusses Brandenburgs. [45] Ausweichender waren die Antworten Kölns, Hessen-Kassels und der Braunschweiger Herzöge. Sie wiesen den Kurfürsten darauf hin, dass er als Vertragspartner willkommen gewesen wäre, man jedoch angesichts der hinhaltenden Politik des Kurfürsten den Abschluss nicht hätte länger hinauszögern können. Alle betonten zudem den rein defensiven Charakter des Bündnisses, so dass Brandenburg - trotz der Beteiligung des Kriegsgegners Schwedens – nichts zu fürchten habe. [46]

Der Verhandlungsfaden zwischen den Rheinbundstaaten und Brandenburg war mit dem Abschluss des Vertrages nicht völlig abgerissen. Canstein nahm – zumindest sporadisch – weiter an den Treffen der Rheinbundbevollmächtigten teil. Dabei wurde immer wieder der Wunsch geäußert, Brandenburg doch noch für einen Beitritt zu gewinnen. Man versicherte, dass man sich nicht in den laufenden Nordischen Krieg einmischen wolle, solange nicht Reichsgebiet diesseits der Elbe betroffen sei. Zudem hoffte man, die Position der deutschen Fürsten gegenüber den „auswärtigen Mächten“ Schweden und Frankreich zu stärken. [47]

2. Die Verhandlungen zwischen Brandenburg und Frankreich 

Gerade Frankreich fiel im weiteren Verhandlungsprozess mit Brandenburg eine Schlüsselrolle zu. Das Kurfürstentum und Frankreich hatten am 24. Februar 1656 in Königsberg ein Defensivbündnis geschlossen, in dem sich die Partner gegenseitige Waffenhilfe zusicherten, sollte einer von ihnen in seinen 1648 durch den Westfälischen Frieden festgelegten Grenzen verletzt werden. [48] Da vertragsgemäß nach sechs Jahren die Verlängerung dieses Bündnisses anstand, ergab sich nun eine parallele Verhandlungsschiene. Es ging hier nicht um eine Entscheidung zwischen den beiden Bündnissen, sondern um die zeitliche Abfolge, die zu einer Verquickung der diplomatischen Verhandlungen über beide Allianzen führte. Der Pflege der bilateralen Beziehungen dienten mehrere Gesandtschaften der beiden Höfe. [49]

2.1.    Die Gesandtschaft de Lesseins 1662

Bereits vor der Unterzeichnung des Rheinbundes hatte Frankreich 1658 deutlich gemacht, dass sich Brandenburg aufgrund des bilateralen Vertrages zu einer Unterstützung der französischen Rheinbundpolitik verpflichtet sehen müsse. [50]

1662 wurde die Idee, Brandenburg in den Rheinbund zu integrieren, in der französischen Politik wieder aufgegriffen. Diesem Zweck galt eine Mission des französischen Gesandten de Lesseins Anfang 1662 [51]. Frankreich hielt das eigentliche Ziel dieser Mission geheim; offiziell sollte de Lesseins dem Brandenburger Hof die Geburt des Dauphins Ludwig (1661) anzeigen. Im März 1662 übergab Ludwig XIV. eine Instruktion, in dem er seinem Gesandten den Auftrag erteilte, Friedrich Wilhelm für den Rheinbund zu gewinnen: „Durch die Acquisition der Stimme des Kurfürsten von Brandenburg wird der König stets die Mehrheit der Stimmen im Kurcollegium für sich haben können und so gleichsam mittelbar der Herr über alle Entschliessungen des Reichs werden.“ [52] De Lesseins wurde beauftragt, in den Verhandlungen zwischen Reichsangelegenheiten und dem politischen Interesse Brandenburgs und Frankreichs in Polen zu trennen. [53] Bezüglich Polens sah de Lesseins die Gefahr, dass der Kaiser nach einem eventuellen Friedenschluss mit dem Osmanischen Reich seine frei werdenden Truppen nach Polen schicken würde, um den habsburgertreuen polnischen König Johann II. Kasimir gegen die innere Opposition, die Kontakt zu Frankreich, aber auch Brandenburg suchte, zu stärken. Friedrich Wilhelm scheute sich, die „Malcontenten“ offen zu unterstützen und den König (und damit Österreich) zu verärgern. Dem französischen Plan, einen gemeinsamen Thronkandidaten für die Zeit nach Johann Kasimir II. aufzubauen, war man in Berlin jedoch nicht abgeneigt. [54] Das oberste Interesse Brandenburgs war allerdings primär darauf gerichtet, den Nachbarn im Osten nicht weiter zu destabilisieren. Zu groß war die Gefahr, die polnische Außenpolitik könne sich nach Westen und damit unmittelbar gegen Brandenburg richten.

Den von de Lesseins vorgebrachten Rheinbund-Plänen hielt Brandenburg keine grundsätzlichen Bedenken entgegen. Allerdings verknüpfte Friedrich Wilhelm dies mit einer Reihe Bedingungen. Von dem Bündnis mit dem Kaiser wollte er nicht abrücken, [55] und die gegen den Kaiser und damit auch gegen Brandenburg gerichteten Vertragsbestimmungen sollten aus dem Vertragstext eliminiert werden. Zudem forderte der Kurfürst eine Garantie für die Sicherheit aller Landesteile, darunter auch der pommerschen. [56] Die französische Ankündigung, eine Frist für den Beitritt zur Rheinischen Allianz zu setzen, wiesen die Verhandlungsführer Otto von Schwerin und Christoph Somnitz [57] zurück. Sie kündigten im Namen des Kurfürsten vielmehr an, Brandenburg würde über einen Beitritt mit allen Beteiligten selbst verhandeln [58] und damit seine politische Bedeutung demonstrieren.

Bei den preußisch-französischen Vorgesprächen ging es jedoch nicht nur um einen Beitritt Brandenburgs zum Rheinbund, sondern zeitgleich auch um die Verlängerung des 1656 geschlossenen bilateralen Bündnisses. Im Laufe dieser Prolongationsverhandlungen machte Frankreich mehrmals deutlich, dass ein Beitritt zum Rheinbund als Voraussetzung für die Weiterführung dieses Bündnisses gesehen wurde. Bereits 1662 erklärte de Lesseins, dass dies mit einer Fristsetzung in den Prorogationsvertrag aufgenommen werden sollte. [59] Wegen der Schwierigkeiten mit Polen politisch unter Druck, erklärte Friedrich Wilhelm im Dezember 1663 seine Bereitschaft zum Anschluss an das Bündnis. [60] Zu weiteren Gesprächen kam es vorerst nicht, da sich Brandenburg nicht zu einer vorbehaltlosen Unterstützung der französischen Polenpolitik zugunsten der polnischen Oppositionspartei durchringen konnte.

2.2.    Die Gesandtschaft Blumenthals [61]

Die zweijährige Mission Freiherr Christoph Caspar von Blumenthals [62] nach Frankreich galt der Prolongation des französisch-brandenburgischen Bündnisses, der Handlung über die polnische Frage und einem Beitritt zum Rheinbund. In seiner Instruktion für Blumenthal legte Friedrich Wilhelm die Verhandlungsrichtlinien fest. [63] Das wichtigste Verhandlungsziel war es, den Beitritt Brandenburgs so zu gestalten, „so dass auch wir völlige Sicherheit vor uns dabei finden“. Vor allem ging es um Regelungen für einen Konfliktfall mit Schweden. Hier wollte sich Brandenburg die Zusicherung ausbedingen, dass Schweden nicht die Waffenhilfe Frankreichs und anderer Rheinbundmitglieder erhalten würde. Die Vertragsklausel, die zugunsten Schwedens die Garantien des Bündnisses auf die Gebiete westlich der Elbe beschränkten, wollte es nicht hinnehmen. Die Forderung Pfalz-Neuburgs, nachträglich in den Frieden von Oliva aufgenommen zu werden, wollte man nicht entsprechen, obwohl Frankreich diese unterstützte. Brandenburg schloss sich dem kurkölnischen Vorbehalt hinsichtlich der Verlängerung des Rheinbundes an, der am 14. Februar 1661 dem Frankfurter Allianzrat übergeben worden war. Köln hatte darin die General-Garantie und die Verpflichtung der Reichsstände zur Türkenhilfe betont, sich das Recht auf Partikularallianzen und auf eine Moderation seiner Bundesleistungen ausbedungen. [64] Dieses aufgreifend forderte Brandenburg im Kriegsrat mehr Stimmen. Analog zu den drei braunschweigischen Linien plädierte Friedrich Wilhelm für die Beteiligung der Markgrafen von Bayreuth und Ansbach an der Allianz [65], um seine Position in der Allianz zu stärken.

Sehr konkret hielt Friedrich Wilhelm in seinen „Erinnerungen, so S. Ch. D. bei der Rheinischen Allianz beobachtet wissen wollen“ [66] seine Vorstellungen eines Vertragsbeitritts fest. „Was im Eingang und ersten Articulo wegen vergangener Thätligkeiten und Excessen erwähnet und disponiret, soll auf künfftige Fälle gerichtet werden, dass nämlich dieses Verbündnuss zu Verhütung und Abwendung beschwerlicher Vergewaltigungen … und anderer dem Krieg anhengender Thätligkeiten und Insolentien auch aller anderer besorgender Gefahr etc. auffgerichtet werde“. Hinsichtlich Schwedens wünschte der Kurfürst eine Abänderung des Vertrages: „so muss der § „Dabey dann dieses absonderlich“ als an sich selbst unbillig, S. Ch.D. … gantz ausgelassen werden“. Für Artikel 1 schlug er eine Präzisierung der Formel über die Hilfeleistung vor, die nicht „alsobald nach beschehener notification“ sondern ganz konkret innerhalb von 3 oder 6 Wochen erfolgen solle. In Artikel 2 soll die Formel „mit allerseits Beliebung“ durch „mit des Beleydigten, der die Hülffe gefordert, Beliebung“ und anstatt „desselben Instruction“ der Wortlaut „der von den sembtlichen Alliierten abgefassten und einmüthig beliebten Instruction“ lauten. Artikel 4 wäre zu streichen bzw. derart umzugestalten, dass die Militärhilfe wie in jedem anderen Bündnis auch ohne Einschränkungen gewährt werden solle. Sollte Schweden überdies nicht nur über Bremen und Verden, sondern auch über Vorpommern in den Vertrag aufgenommen werden, so müsste das schwedische Kontingent entsprechend erhöht werden. Artikel 10 sollte geändert werden, in dem die Formel „so wenig ietzo als uber kurtz oder lang“ durch zeitwehrende Vebündnuss“ ersetzt werde. In Artikel 16 sollte statt „communi consilio“ „auf sein Begehren“ formuliert werden. [67] Zudem wäre Brandenburg für alle Reichsteile, das heißt auch für Pommern, in den Vertrag aufzunehmen. Frankreich sah nach dem Frieden von Oliva darin kein Hindernis. [68] Für Elbing forderte Friedrich Wilhelm eine Garantieerklärung. [69]

Blumenthal gab dem französischen Vorschlag nach, der anvisierte Beitritt solle bindend im bilateralen Vertrag verankert werden. [70] Dies fand jedoch nicht die Billigung des Kurfürsten, der noch bei der Meinung blieb: „dass dieses Bündnis mit dem anitzo zu prorogierenden nichts gemein hat.“ [71] Der erste Teil der Mission Blumenthals endete so im April 1663 ohne konkretes Ergebnis, sowohl hinsichtlich der bilateralen Verlängerung als auch hinsichtlich der über den Rheinbund zu treffenden Vereinbarung. Der Kurfürst fühlte sich an die Absprachen betreffend den Rheinbund nicht gebunden, solange kein Vertrag zustande kam. Selbstbewusst gab er den weiteren Kurs in einem Schreiben an Blumenthal vor: „dass von keinem recipi in foedus, estre receu dans l´Alliance“ die Rede sei, sondern der Ausdruck „faire une Alliance“ gebraucht werde, „da wir keineswegs pars accessoria sein wollen, sondern inter principales paciscentes.“ [72]

Im Laufe des Monats April drängte Frankreich stärker auf die Verlängerung des Königsberger Traktats. [73] Ende April meldete Blumenthal an den Kurfürsten, man habe zwar noch keine offizielle Einladung zu den Frankfurter Vertragsverhandlungen, dennoch werde bereits mit Gesprächen mit den Mitgliedern des Rheinbundes begonnen. Frankreich wolle die Aufnahme so rasch wie möglich in dem Prorogationtraktat verankern. Zudem wolle Ludwig XIV. von Brandenburg weitere Zugeständnisse, vor allem hinsichtlich einer Garantie für Lothringen; dabei betonte der französische Verhandlungsführer Turenne, Brandenburgs Verpflichtungen im Reich würden davon nicht berührt. [74] Diese Verquickung wollte der Kurfürst nicht ganz akzeptieren; der Rheinbund-Beitritt sollte nicht als Vertragsbestandteil der brandenburgisch-französischen Allianz behandelt werden, sondern – ein Zugeständnis an Frankreich – in einer Begleitnote festgelegt werden. [75] Insgesamt wies Friedrich Wilhelm Blumenthal an, sich nicht zu nachgiebig zu zeigen: „genüge das dem König nicht, so müsse der Kurfürst daraus erkennen, dass es dem Könige…kein Ernst sei, den Kurfürsten in der Rheinischen Allianz zu sehen.“ [76] Im Mai 1663 kamen die Gespräche über beide Verträge zum Erliegen. [77] Blumenthal verblieb – übrigens gegen seinen Willen – weiter in Paris, da Friedrich Wilhelm den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen wollte. Er erteilte seinem Bevollmächtigten vielmehr erneut weit reichende Vollmachten hinsichtlich des Rheinbundes, sogar „bis auf unsere Ratification zu schliessen“, stets das Junktim zwischen beiden Schienen bedenkend: „dass eines ohne das andere nicht bündig ist.“ [78]

Im Juli 1663 nahmen Turenne und Blumenthal die Gespräche wieder intensiver auf. Erneut wurden beide Allianzen gleichzeitig besprochen. In einer Resolution erklärte sich Ludwig XIV. bereit, auf die ursprünglich geforderte Beitrittsverpflichtung zum Rheinbund im französischen-brandenburgischen Verlängerungsvertrag zu verzichten. Frankreich bot dem Kurfürsten eine Erklärung an, dass die brandenburgischen Länder im Rheinbund Sicherheit finden würden. [79] Da Frankreich jedoch den Einschluss Pfalz-Neuburgs weiterhin für unerlässlich für den Fortgang beider Verhandlungen betrachtete, erklärte sich Friedrich Wilhelm im August bereit, dies zu akzeptieren. [80]  

Nach den Verträgen von Wehlau und Bromberg suchte Friedrich Wilhelm seinen wackeligen Anspruch auf Elbing zu sichern, in dem er Frankreich um eine Garantie bat. Blumenthal erhielt von Turenne die Antwort, dies ergäbe sich automatisch „en entrant dans l´Alliance du Rhin“, denn so erhalte Brandenburg eine Garantie für den momentanen Länderbestand. Zu einem Sonderabkommen (etwa in Form eines Zusatzartikels zum Frieden von Oliva) sei Frankreich aus Rücksicht auf Polen nicht bereit. [81] Darüber hinaus versprach Frankreich, alle „obstacula“ beiseite zu räumen und kündigte in der Frage des Rheinbundes weitgehendes Entgegenkommen an: „Lionne äusserte…, die Erinnerungen des Kurfürsten über die Rheinische Allianz [82] seien sehr vernünftig und wol zu beachten, und würde namentlich alles, was damals, als man den Kurfürsten als Feind betrachtete,...auszulassen sei.“ [83] Friedrich Wilhelm bekräftigte erneut seine Position: „…in Begriff der Rheinischen Allianz haben wir nur diejenigen Puncte restringirt, welche auf den jetzigen Stand der Alliierten und die gegenwärtige Zeit nicht passen. Dasz wir aber ohne jede Einschränkung in die Allianz eintreten, und es blosz auf eine mündliche Generalversicherung des Königs sollen ankommen lassen, fällt uns gar zu bedenklich und scheint auch nicht ex dignitate zu sein.“ [84]

Nach der grundsätzlichen Einigung über beide Verträge kam es im weiteren Verhandlungsverlauf zu Differenzen über die Ausgestaltung, Sprache und Form der bilateralen Vertragsverlängerung, die erst am 6. März 1664 in Paris zum Abschluss kam. [85] Dem Traktat waren mehrere Deklarationen angefügt, darunter auch eine Erklärung Brandenburgs zum Eintritt in den Rheinbund und eine Gegendeklaration Frankreichs, in der es dem Beitritt und den Forderungen hinsichtlich der Vertragsmodifikationen seine Unterstützung zusicherte. [86]

Am 27. April 1664 gab der Kurfürst eine Deklaration über einen möglichen Beitritt zum Rheinbund gegenüber Frankreich ab. [87] Am 25. Mai 1664 erklärte Ludwig XIV., dass er dem „Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg für den von selbem gewünschten Eintritt in die sogenannte rheinische Alliance die in einigen Puncten vermisste Sicherheit, sowie all die Sicherheit, deren die übrigen Alliirten geniessen, zu verschaffen bemüht“ sein wolle. [88]

3.    Der Beitritt

Im September 1664 übersandte der Kurfürst seinen Vertretern in Regensburg, von Mahrenholtz und von Jena [89], die Verhandlungsvollmachten für den Rheinbund. Sie erhielten die Instruktion, die bereits Blumenthal als Arbeitsgrundlage in Frankreich gedient hatte. [90]

Lange Verhandlungen mit den Mitgliedern der Allianz begannen, die jedoch ohne größere Schwierigkeiten verliefen, da die von Brandenburg gewünschten Änderungen der gewandelten politischen Lage entsprachen. Friedrich Wilhelm kam den neuen Partnern entgegen, indem er auf eine Änderung der Bundesrecessakte selbst verzichtete und sich bereit erklärte, in dem Assoziationsrecess die zu modifizierenden Punkte aufzunehmen, die bei der nächsten Verlängerung des Rheinbundes in dem neuen Vertragstext eingefügt werden sollten. [91]

Am 8. Oktober 1664 beschloss der Bundesrat die Aufnahme in der Ersten Rheinbund mit Zustimmung aller Deputierten. Lediglich Pfalz-Neuburg stimmte erst dann zu, als Brandenburg sich bereit erklärte, dieses durch eine Erklärung in den Frieden von Oliva aufzunehmen. Am 4. November erhielt Brandenburg durch den Mainzer Bevollmächtigten Boineburg ein Exemplar des prorogierten Rheinbundvertrages. [92] Der Kurfürst wies seine Bevollmächtigten daraufhin an, den Textlauf genauestens zu überprüfen und vor allem bei den kritischen Punkten jede Abweichung zu melden. [93] Am 11. November legte der Kurfürst seine „Monita“ vor, deren Forderungen mit den 1663 unterbreiteten „Erinnerungen“ weitgehend übereinstimmten. [94]

Der prinzipiellen Einigung folgten Detailverhandlungen zu den verschiedenen Themen, so zum Truppenkontingent, für das Brandenburg mit 500 Pferden und 1000 Mann Fußvolk stellen sollte. Finanzielle Beiträge wollte man nicht leisten, da man bereits über den Vertrag mit Frankreich zu Subsidien verpflichtet sei. [95] Eine Erhöhung des schwedischen Kontingents nach dem Einschluss Pommerns wurde angemahnt, hatte jedoch keine Chance auf Verwirklichung. [96] Letztendlich wurde der Beitrag in die Allianzkasse auf 2500 Reichsthaler festgelegt. [97]

Am 30. Dezember 1664 erklärte der Kurfürst offiziell seinen Verzicht auf die Umschreibung des Hauptrezesses. In dem Vertrag über den Beitritt solle lediglich die strittigen Punkte als „cassirt und annullirt“ bezeichnet werden. Dies galt v.a. für Artikel 1, der sich auf den 1658 aktuellen, jedoch inzwischen beendeten Nordischen Krieg bezog. [98]

Am 3. Februar legten die brandenburgischen Gesandten den Beitrittstext vor. Er glich dem Trierer Beitritt, hatte aber zusätzlich eine Kassationsklausel am Textende. Am 3. März erhielt der Kurfürst den von den Rheinbunddelegierten nochmals leicht modifizierten Vertragstext, den er am 14. März billigte. [99]

Wegen des Lüneburger Sukzessionsstreits kam es nochmals zu einer Verzögerung der formalen Vertragseinsetzung, doch – so berichteten die Gesandten aus Regensburg – „wird der Vertrag als vollzogen angesehen und sollen sie hinfort zu den Conferenzen, wie die anderen berufen werden,“ [100] so dass der Kurfürst „des Effects der Allianz schon jetzt geniessen solle.“ [101] Am 1. April wurde der Beitritt offiziell durch die „Erklärung über den unterm bis auf besonderen Vergleich wegen Artikel1 erfolgten Beitritts des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg“ annonciert. Hier waren die grundsätzlichen Festlegungen hinsichtlich der brandenburgischen Hilfstruppen sowie der der Abänderung des ersten Artikels bei der nächsten anstehenden Prolongation enthalten. [102] Der Rezess wurde am 18. November 1665 zu Regensburg unterfertigt. [103] Unter Inserat des Textes vom 14. August 1658 und der Verlängerung von 1663 habe Brandenburg „nunmehr aber dazu sich endtschlossen“ dem Bündnis beizutreten, dessen Defensivcharakter und friedenserhaltender Zweck nochmals ausdrücklich betont wurde. Brandenburg solle behandelt werden, „als ob mehr höchstgedachte S. Churf. Durchl. Gleich anfangs ob inserirte Recesse mitgefertiget“ habe. Brandenburg wurde Assistenz und Hilfe für das „Churfürstentumb und Reichslande“ zugesichert. Der Kurfürst stellte 500 Pferde und 1000 Mann; die Quanti der übrigen Alliierten blieben unverändert. Artikel 1 des Vertrages vom 14. August 1658 wurde (nach dem Frieden von Oliva 1660) „für sich selbst erloschen“ erklärt, und Frankreich und die Churfürsten versprachen, dass „alles was Schweden und Brandenburg darin betrifft hiemit abseyn und cessiren“ und bei der nächsten Verlängerung „daraus gelassen“ werden würde. Die Ratifikationen sollten innerhalb sechs Wochen ausgewechselt werden. Sollte innerhalb dieser Frist der casus foederis eintreten, so sollte der Vertrag in allen Teilen erfüllt werden.

4.    Ausblick

Friedrich Wilhelm behielt nach seinem Beitritt seinen eigenen politischen Kurs bei: „Er hatte sich bereits eine solche Machtposition verschafft, dass er nicht wie die anderen deutschen Fürsten an einen Stärkeren sich anzulehnen brauchte. Er war ein Fremdkörper im Rheinbund. Insoweit ist es verfehlt, wenn Chéruel [104] meint, der Rheinbund sei erst 1664 als endgültig konstituiert zu betrachten. Mit mehr Berechtigung könnte man sagen, dass „mit dem Beitritt des Großen Kurfürsten der Abstieg des Rheinbunds begann.“ [105] Zudem war das Gefüge der Allianz zum Zeitpunkt des Brandenburger Eintritts schon gelockert, geschwächt durch Erfurter Händel, den Lüneburger Sukzessionsstreit, den Wildfangstreit, die Bremischen Händel und die kriegerischen Verwicklungen Münsters.

Politische Auswirkungen hatte der späte Eintritt Brandenburgs so kaum noch. Da sich Friedrich Wilhelm ohnehin nur zu Leistungen verpflichtet hatte, die nach seinem Beitritt entstanden waren, ging nur eine einmalige Zahlung von 1250 Talern in die Bundeskasse ein. Einen Beitrag zur Bundestruppe hatte Friedrich Wilhelm mit dem Verweis abgelehnt, Brandenburgs stehendes Herr sei so strukturiert und so bestückt, dass es ein Bundeskontingent jederzeit bereitstellen könne. [106]

Der Beitritt war zu einem Zeitpunkt erfolgt, als bereits (ab April 1667) wieder Verhandlungen über die nächste Verlängerung anstanden. [107] Frankreich, Trier, Köln und das (seit 1664 assoziierte) Basel setzten sich für eine Weiterführung des Bündnisses ein. Friedrich Wilhelm griff auf seinen früheren Kurs zurück. Erneut stellte er Änderungswünsche, so betreffend die bereits 1664 nur widerwillig akzeptierten Heeresquanti und die Stellung Schwedens innerhalb der Allianz. Seine Anweisung an die Gesandten lautete abermals: „… und wollten wir dieses Sache lieber noch etwas trainieret und aufgehalten sehen.“ [108] Brandenburg fand sich diesmal im Einklang mit Schweden, das das Bündnis ebenfalls nicht fortsetzen wollte. Davon ausgehend, dass „diese Alliance dem Evangelischen Wesen bishero mehr Schaden als Nutzen gebracht hätte“ [109], gab es eine hinauszögernde Absprache zwischen den beiden früheren Gegnern.

Am 17. Juli hatte Mainz den Allianzrat einberufen und auf den Abschluss der Prorogation gedrängt. Frankreich – unterstützt von Trier, Köln, Basel und Neuburg- wollte eine Verlängerung um zunächst vier bis sechs Wochen erreichen. Die evangelischen Stände jedoch gingen darauf nicht ein. Bis Mitte März 1668 tagte der Allianzrat mehrmals, ohne zu einer Entscheidung zu kommen. [110]

Frankreich bemühte sich, sein Machtinstrument zu erhalten. Über bilaterale Verträge mit Köln, Münster, Neuburg, Mainz und Brandenburg suchte Paris die Partner [111] zu binden, für eine Verlängerung des Rheinbunds bestand allgemein jedoch wenig Interesse, so dass am 28. März 1668 die letzte ergebnislose Sitzung des Allianzrates stattfand. Frankreich, Mainz und Köln schlugen vor, die Unterschriften zu leisten und für die Zögernden (Brandenburg, Braunschweiger Linien und Schweden) Lücken für eine spätere Unterschrift zu lassen. Als dies nicht akzeptiert wurde, konnte der Rheinbund als aufgelöst betrachtet werden. [112]  „Diese grosse französische Organisation im Reich zerfiel so, dass man nicht einmal sagen kann, wann und wie sie aufhörte.“ [113]

Anmerkungen

  • [1]

    Grundlegende Literatur zum Rheinbund: Roman Schnur, Der Rheinbund von 1658 in der deutschen Verfassungsgeschichte (= Rheinisches Archiv 47), Bonn 1955. Anton Schindling: Der erste Rheinbund und das Reich, in: Volker Press (Hg.): Alternativen zur Reichsverfassung in der Frühen Neuzeit?, (=Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 23), München 1995, S. 123-129. Erich Joachim: Die Entwickelung des Rheinbundes vom Jahre 1658. Acht Jahre reichsständischer Politik. 1651-1658, Leipzig 1886. Alfred Francis Pribram: Ein Beitrag zur Geschichte des Rheinbundes 1658, Wien 1888. Margarete Hintereicher: Der Rheinbund von 1658 und die französische Reichspolitik in einer internen Darstellung des Versailler Außenministeriums des 18. Jahrhunderts; in: Francia (1985) 13, S. 247-270. Wenig zu empfehlen sind die Arbeiten von Fritz Wagner: Frankreichs klassische Rheinpolitik. Der Rheinbund 1658, Berlin 1941 und Adolph Kohut: Der französische Einfluß in Deutschland unter Ludwig XIV., Dresden 1889. Zu Brandenburg: Ernst Opgenoorth: Friedrich Wilhelm Der große Kurfürst von Brandenburg. Eine politische Biographie. Teil 1 u. 2, Göttingen 1971 sowie die für diese Abhandlung grundlegende Quellensammlung von Bernhard Erdmannsdörffer u.a.(Hgg.): Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Berlin, Bd. II (1865), VIII (1884), IX (1879), XI (1887).

  • [2]

    Vgl. dazu den Beitrag von Anuschka Tischer: Die Vorgeschichte des ersten Rheinbundes von 1658.

  • [3]

    Zusammen mit Hugues de Lionne legte Gravel diese französische Position im Sommer 1657 in einer „Instruction“ dar. Vgl. Pribram, Beitrag zur Geschichte des Rheinbundes, S. 50 u. S. 53.

  • [4]

    Dieser sog. „Düsseldorfer Kuhkrieg“ gehört in den Komplex des Jülich-Klevischen Erbfolgestreits, der seit 1609 zwischen Pfalz-Neuburg und Brandenburg schwelte und der 1614 nur vordergründig durch den Vertrag von Xanten beigelegt worden war. Er flammte immer wieder auf und wurde erst 1666 beigelegt. Vgl. dazu Alison Deborah Anderson: The Jülich-Kleve succession crisis (1609-1620). A study in international relations, Boston/Ann Arbour 1993. Heinz Ollmann-Kösling: Der Erbfolgestreit um Jülich-Kleve (1609-1614). Ein Vorspiel zum Dreißigjährigen Krieg, Regensburg 1996. Hermann Josef Roggendorf: Die Politik der Pfalzgrafen von Neuburg im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit, in: Düsseldorfer Jahrbuch (1968) 53, S. 1-211, sowie speziell für diesen Zeitraum: Hans Schmidt: Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1615-1690) als Gestalt der deutschen und europäischen Politik des 17. Jahrhunderts, Bd. 1 (1615-1658), Düsseldorf 1973, bes. S. 23-50 und Opgenoorth, Friedrich Wilhelm, Teil 1, S. 210-222. Allgemein zur Kreisverfassung: Winfried Dotzauer: Die deutschen Reichskreise (1383-1806). Geschichte und Aktenedition. Stuttgart 1998.

  • [5]

    Allg. zum Instrument der Kreisassoziationen: Karl Otmar von Aretin (Hg.): Der Kurfürst von Mainz und die Kreisassoziationen 1648-1746. Zur verfassungsmäßigen Stellung der Reichskreise nach dem Westfälischen Frieden (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Abt. Universalgeschichte Nr. 2), Wiesbaden 1975.

  • [6]

    Erdmannsdörffer, Urkunden und Acten [abgekürzt im folgenden als UA], VIII, S. 523.

  • [7]

    Joachim, Rheinbund, I, S. 229.

  • [8]

    UA VIII, S. 530. 

  • [9]

    Raban von Canstein (1617-1680), Geheimrat und Hofkammerpräsident. Vertreter Brandenburgs bei der Kaiserwahl 1657/58. Lit.: AdB III, S. 765. Die späte Akkreditierung Cansteins führte zu wiederholten Diskussionen um seine Befugnisse. Vgl. z.B.  Joachim, Rheinbund, II, S. 275.

  • [10]

    UA VIII, 8. Juni 1657, S. 534-536. 

  • [11]

    UA VIII, 10. Juli 1657, S. 536. Joachim, Rheinbund, I, S. 239-240, meint, die beteiligten Reichstände hätten (mit Ausnahme von Mainz) von Anfang an kein echtes Interesse an einem Beitritt Brandenburgs (und Schwedens) gehabt, was vor allem an Jülich und dem Nordischen Krieg gelegen habe.

  • [12]

    Diesem Zweck diente auch die Gesandtschaft Hugues de Lionnes und Antoine Duc de Gramonts nach Frankfurt. Vgl. Jules Valfrey: La diplomatie française au XVIIme siècle: Hugues de Lionne. Ses Ambassades en Espagne et en Allemagne. La Paix des Pyrénées, Paris 1881, bes. S. 67-140.

  • [13]

    UA VIII, S. 537. Bei der Eröffnung der Verhandlungen am 18. Juni 1657 in Frankfurt waren Schweden und Brandenburg noch nicht beteiligt. Die katholischen Stände hatten gegen die Zulassung protestiert. Sie wollten zunächst mit Hessen und Braunschweig verhandeln. Dagegen protestierte Canstein aus zwei Gründen. Zum einen fürchtete er eine Aufweichung und Schwächung des evangelischen Lagers; zum zweiten war der Kurfürst nicht gewillt, ein fertiges Verhandlungsergebnis zu akzeptieren, an dessen Zustandekommen er nicht beteiligt gewesen war. Joachim, Rheinbund, II, S. 264-266.

  • [14]

    Sebastian Wilhelm Meel (um 1597-1666), seit 1654 Kanzler in Würzburg, ab 1656 auch mit der Leitung der Mainzer Kanzlei betraut, war ein enger Vertrauter Schönborns. 

  • [15]

    UA VIII, Sitzungsprotokoll vom 23.9./3.10.1657, S. 527-539. 

  • [16]

    Joachim, Rheinbund, II, S. 274.

  • [17]

    UA VIII, S. 539. 

  • [18]

    UA VIII, S. 539. 

  • [19]

    UA VIII, S. 539. 

  • [20]

    UA VIII, S. 540. 

  • [21]

    UA VIII, S. 542. 

  • [22]

    UA VIII, S. 540. 

  • [23]

    UA VIII, S. 540; Joachim, Rheinbund, II, S. 389.

  • [24]

    Dies geschah am 18. Juli 1658 in Frankfurt; die Krönung folgte am 1. August 1658. 

  • [25]

    UA VIII, S. 541-543. 

  • [26]

    Vgl. Markus Baumanns: Das publizistische Werk des kaiserlichen Diplomaten Franz Paul Freiherr von Lisola (1613-1674); ein Beitrag zum Verhältnis von Absolutistischem Staat, Öffentlichkeit und Mächtepolitik in der frühen Neuzeit, Berlin 1994. Alfred Francis Pribram: Franz Paul Freiherr von Lisola (1613-1674) und die Politik seiner Zeit. Leipzig 1894. Eckard Opitz: Österreich und Brandenburg im schwedisch-polnischen Krieg 1655-1660, Boppard am Rhein 1969.

  • [27]

    1657 IX 19 bzw. 1657 XI 6, Edition und Grafik in der von Heinz Duchhardt und Martin Peters herausgegebenen Datenbank „Europäische Friedensverträge der Vormoderne – online“ (FVVo; Institut für Europäische Geschichte Mainz,): http://www.ieg-mainz.de/friedensvertraege (eingesehen am 14. Juli 2008). Vgl. dazu: Heinz Duchhardt, Bogdan Wachowiak: Um die Souveränität des Herzogtums Preußen: Der Vertrag von Wehlau 1657, Hannover 1998 (darin Forschungsstand, weiterführende Literatur). Andrzej Kamieński: Polska a Brandenburgia-Prusy w drugiej połowie XVII wieku, Poznań 2002. Robert Frost: After the Deluge. Poland-Lithuania and the Second Northern War 1655-1660, Cambridge 1993.

  • [28]

    Jean Dumont (Hg.): Corps universel diplomatique du droit des gens, contenant un Recueil des Traitez d’Alliance, de Paix, de trève, de neutralité, de commerce, etc., qui ont été faits en Europe, depuis le règne de l’empereur Charlemagne jusques à present, Amsterdam 1726—1731 VI/II, S. 202-203 (30.1./9.2.1658).

  • [29]

    Joachim, Rheinbund, I, S. 222.

  • [30]

    Joachim, Rheinbund, II, S. 406. Zu den gewünschten Änderungen gehörten u.a. die westfälische Kreisverfassung, die präzise Beschreibung des Kriegsrates (der nicht selbständig agieren sollte), die Revision der Quanti, der Einschluss der Kurpfalz und der fränkisch-brandenburgischen Linien.

  • [31]

    UA VIII, S. 549. 

  • [32]

    UA VIII, Anweisung des Kurfürsten, 15. Juni 1658, S. 548-549.

  • [33]

    UA VIII, 4./14.Juni 1658, S. 549-550. 

  • [34]

    Schnur, Rheinbund in der Verfassungsgeschichte, S. 64.

  • [35]

    UA VIII, 2.8.1658, S. 552 

  • [36]

    UA VIII, 10.12.1658, Kurfürst an Landgraf Wilhelm von Hessen-Kassel, S. 569.  

  • [37]

    Schweden trat nach dem Frieden von Oliva (3. Mai 1660) am 31. August 1660 auch für Vorpommern dem Bündnis bei. 

  • [38]

    Joachim, Rheinbund, II, S. 469, 478 u. 487.

  • [39]

    UA VIII, S. 550-553. 

  • [40]

    UA VIII, 11.8.1658, Kurfürst an den Herzog von Braunschweig, S. 554 

  • [41]

    UA VIII, 11.8.1658 Kurfürst an Kaiser Leopold I., S. 553. 

  • [42]

    Joachim, Rheinbund, II, S. 488. Danach pflegte Canstein, später Mahrenbach und von Jena weiter Kontakte zum Rheinbund.

  • [43]

    Unterhändlerinstrumente vom 14. August und 15. August 1648 mit Editionen von Andrea Schmidt-Rösler in: Duchhardt / Peters (Hgg.), http://www.ieg-mainz.de/friedensvertraege.

  • [44]

    UA VIII, S. 554-557. Vgl. auch eine Note gleichen Datums an den Mainzer Kurfürsten: Theatrum Europaeum VIII, S. 529-531.

  • [45]

    UA VIII, 2.11.1658, Karl Kaspar von Trier an den Kurfürsten von Brandenburg, S. 560. Trier trat dem Vertrag am 20. März 1662 bei. 

  • [46]

    UA VIII, S. 560, 569, 570 u. 571. Am 13. Dezember 1658 gaben die Gesandten der deutschen Rheinbundstaaten in Frankfurt eine Erklärung über ihre friedlichen Absichten und über den defensiven Charakter des Rheinbundes ab. Dazu die Berichte und Texte in Meyer, Martin, [Diarium Europaeum] Philemeri Irenici Elisii Continuatio diarii Europaei: das ist täglicher Geschichts-Erzehlungen…Theil…] Frankfurt u.a. 1659, S. 1193; Lundorp, Michael Caspar: Der Römischen Kayserlichen Majestät und dess Heiligen Römisches Reichs geist- und weltlicher Stände, Chur- und Fürsten, Grafen, Herren und Städte, acta publica und schrifftliche Handlungen, Ausschreiben ... so in Friedens- und Kriegeszeiten gegeneinander ergangen und gewechselt. Bd. 8, Franckfurt am Mayn 1668, S. 480.

  • [47]

    UA VIII, S. 572-573. 

  • [48]

    1656 II 24 Allianzvertrag von Königsberg in: Duchhardt/Peters (Hgg.), http://www.ieg-mainz.de/friedensvertraege (eingesehen am 15. Juli 2008), ebenso wie in Theodor Moerner: Kurbrandenburgs Staatsverträge (1601-1700), Berlin 1867, S. 200-201 [Regest]; Clive Parry (Hg.): The Consolidated Treaty Series, New York 1969—1981, [abgekürzt im folgenden als CTS], Bd. 4, S. 41-48 (frz.), Dumont, Corps universel, VI/II, S. 129 (frz.).

  • [49]

    Erwähnenswert ist hier vor allem der Aufenthalt Christoph von Brandts in Frankreich von 1657 bis 1660, in der jedoch der Rheinbund eher eine Nebenrolle spielte UA VIII, S. 639-679. Wiedergegeben sei hier eine Einschätzung Brandts über den Wert des Rheinbundes: (Brandt an den Kurfürsten, Paris 5./15.11.1659, S. 657-658): „Sonst kann ich versichern, … dass bishero die hiesigen Minister [gemeint sind die Gesandten Kölns, Mainz, Neuburgs und Schwedens in Paris] selbst die Rheinische Verbündniss für eine Chimaire gehalten … haben. … Einige von den hiesigen Ministris haben sich offenherzig und aufrichtig gegen mich verlauten lassen, es würde schwer sein, so vil Köpfe unter einen Hut zu bringen, und dass dergleichen zusammengeschmolzene Allianzen, sonderlich da geist- und weltliche Potentate, so widerwärtiger religion zugethan, und ein jedweder sein particulier Interesse hat, gar selten beständig und glücklich seien. Man macht aber so viel Geschreies davon, damit man gedenken solle, dass die Franzosen zu Frankfurt ein grosses Werk gestiftet und ihr schön Geld daselbst nicht umsonst verzehret haben, und ist sowol Frankreichs als Schweden Intention, den Kaiser und E.Ch.D. dadurch in Furcht und Nachdenken zu setzen.“ 

  • [50]

    Vgl. UA VIII, 16.3.1658, Bericht Cansteins über eine Auseinandersetzung mit Gravel, S. 546-547. 

  • [51]

    UA IX, Verhandlungen des französischen Envoyés de Lesseins in Berlin. Januar – 26. April 1662, 599- 713.  

  • [52]

    UA II, 30.3.1662, Ludwig XIV. an de Lesseins, S. 267-268. 

  • [53]

    Die italienische, frankophone polnische Königin Marie Louise von Nevers-Gonzaga war kinderlos und versuchte noch zu Lebzeiten Johann II. Kasimirs die Ernennung eines französischen Thronkandidaten durchzusetzen. Sie stieß damit auf erhebliche Opposition des polnischen Adels (um Fürst Lubomirski), die 1665 schließlich in einen Magnatenaufstand mündete und zur Abdankung des Königs führte. Brandenburg ging es um die Absicherung der Verträge von Wehlau/Bromberg 1657, die bei jedem Thronwechsel neu bestätigt werden mussten.  

  • [54]

    UA IX, Verhandlungen des französischen Envoyés de Lesseins in Berlin. Januar – 26. April 1662, S. 603. Ein Kandidat aus dem französischen Adel war in Brandenburg jedoch nicht erwünscht. Möglicherweise spielten auch eigene preußische Thronpläne eine Rolle. Zu den Plänen Brandenburgs: Max Lekus: Der große Kurfürst und der polnische Thron. Berlin 1930, S. 13- 40.

  • [55]

    UA IX, Verhandlungen des französischen Envoyés de Lesseins in Berlin. Januar – 26. April 1662, S. 602. 

  • [56]

    UA II, 24.1.1662, de Lesseins an Ludwig XIV., S. 243-245.. 

  • [57]

    Otto von Schwerin (gest. 1679). Oberpräsident. Lorenz Christoph Somnitz (1612-1678), Geheimer Rat; er unterzeichnete die Verträge von Wehlau/Bromberg für Brandenburg und war an der Aushandlung des Friedensvertrages von Oliva maßgeblich beteiligt. 

  • [58]

    UA IX, Verhandlungen des französischen Envoyé de Lesseins in Berlin. Januar – 26. April 1662, S. 613. 

  • [59]

    UA II, S. 269-271. 

  • [60]

    UA IX, S. 671-673. 

  • [61]

    UA IX, S. 614-713 (1662-1664). 

  • [62]

    Christoph Caspar Freiherr von Blumenthal (gest.1689), Geheimer Rat, Diplomat. Vgl. Bernhard Erdmannsdörffer,: Blumenthal, Joachim Friedrich von, in Allgemeine Deutsche Biographie [abgekürzt im folgenden als ADB], Bd.: 2, Leipzig 1875, S. 753-754.

  • [63]

    UA IX, S. 622. 

  • [64]

    UA IX, S. 622. Vgl. auch 1660 VIII 31 Erste Verlängerung des "Ersten Rheinbundes" in: Duchhardt/Peters (Hgg.), http://www.ieg-mainz.de/friedensvertraege (eingesehen am 15. Juli 2008).

  • [65]

    UA XI, S. 442. 

  • [66]

    UA XI, S.442-443. 

  • [67]

    UA XI, S. 442-443. 

  • [68]

    UA II, S. 267-271. Vgl. auch 1660 IV 23_V 3 Friedensvertrag von Oliva; Unterhändlerinstrument und Ratifikation sowie Edition in: Duchhardt/Peters (Hgg.), http://www.ieg-mainz.de/friedensvertraege (eingesehen am 15. Juli 2008).

  • [69]

    UA II, S. 271. 1657 hatte Polen die Stadt Elbing / Elbląg gegen 400.000 Thaler an Brandenburg verpfändet. Bis zur Begleichung dieser Schuld stand Brandenburg das Recht zu, Elbing als Pfand zu besetzen.  

  • [70]

    UA IX, S. 626. 

  • [71]

    UA IX, S. 635. 

  • [72]

    UA IX, S. 638-639. 

  • [73]

    UA IX, S. 639-640. 

  • [74]

    UA IX, S. 640-641. 

  • [75]

    UA IX, S. 642. 

  • [76]

    UA IX, S. 642- 644. 

  • [77]

    UA IX, S. 647-648. 

  • [78]

    UA IX, S. 647-648. 

  • [79]

    UA IX, S. 652-654. 

  • [80]

    UA IX, S. 654. 

  • [81]

    UA IX, S. 667-668. 

  • [82]

    S.o. 

  • [83]

    UA IX, 11./21.9. 1663, Blumenthal an den Kurfürsten, S. 660. 

  • [84]

    UA IX, S. 671-672, 20./30.12.1663, Kurfürst an Blumenthal. 

  • [85]

    1664 III 6 Allianzvertrag von Paris in: Duchhardt/Peters (Hgg.), http://www.ieg-mainz.de/friedensvertraege (eingesehen am 15. Juli 2008) mit Link zu: Base Choiseul, http://basedoc.diplomatie.gouv.fr/Traites/Accords_Traites.php sowie in Moerner, Staatsverträge, S. 258-259 [Regest], CTS VIII, S. 81-88.

  • [86]

    UA IX, S. 692. 

  • [87]

    Dumont, Corps universel, VI/III, S. 7. Johann Christian Lünig, Das Teutsche Reichsarchiv, Pars spec. cont II/III, S. 139, Leipzig 1712/1713.

  • [88]

    Dumont, Corps universel, VI/III Assekuration Frankreichs für Brandenburg für den Fall des Eintritts in den Rheinbund, S. 8. Lünig , Teutsches Reichs-Archiv, II/IV, S. 139. Samuel Pufendorf, De rebus gestis Friderici Wilhelmi Magni electoris Brandenburgici commentarii, Lipsiae (Leipzig) 1733, §63.

  • [89]

    Friedrich von Jena (1619-1682), Geheimer Rat, Delegierter Brandenburgs am Reichstag. Vgl. Siegfried Isaacsohn: Jena, Friedrich von, in: ADB 13, S. 759-762. Christoph von Mar(h)enhol(t)z, Geheimer Rat.

  • [90]

    UA XI, S. 445-446 u. S. 620. 

  • [91]

    UA XI, S. 437-485. 

  • [92]

    UA XI, S. 447. 

  • [93]

    UA XI, 9.11.1664, S. 447-448. 

  • [94]

    UA XI, S. 449. Druck in: UA II, S. 290-293: „Monita des Kurfürsten seinen Beitritt zum Rheinbund betreffend.“

  • [95]

    UA XI, 15.11.1664, Kurfürst an die Regensburger Gesandten., S. 448. 

  • [96]

    UA XI, 1.12.1664, Gesandte an Kurfürsten, S. 449. 

  • [97]

    UA XI, S. 453-455. Vorgesehen waren folgende Beiträge: Frankreich 4000 Rthlr., Mainz 1500, Trier 700, Köln 1600, Brandenburg 2500, Münster 1400, Strassburg 210, Basel 140, Pfalz-Neuburg 1150, Bremen 1150, Pfalz-Zweibrücken 210, braunschweigische Häuser 2160, Württemberg 500, Hessen-Kassel 500, Hessen-Darmstadt 360.  

  • [98]

    UA XI, S. 450, 30.12.1664 u. S. 451, 2.2.1665. 

  • [99]

    UA XI, S. 451. 

  • [100]

    UA XI, 451, 24.3.1665, Gesandte an den Kurfürsten, S. 451. 

  • [101]

    UA XI,  14./24. 1665, Gesandte an den Kurfürsten, S. 452.

  • [102]

    Theodor Moerner, Staatsverträge, S. 271 (Regest); Samuel Pufendorf: De rebus gestis Friderici Wilhelmi, §§ 63, 65.

  • [103]

    Gedruckt ist er nur in UA XI, S. 458-461. Vgl. Text unten im Anhang. Unterfertigt wurde der Beitritt von Robert Gravel (Frankreich), Franz Georg Schönborn (Mainz), Johann Christian Aldenhoven (Köln), Johann Adam Umbescheiden (Trier); Gottfried von Jena (Brandenburg), Hans Ernst von Rautenstein (Pfalz-Neuburg und Pfalz-Zweibrücken), Georg Snoilsky (Schweden), Caspar Alexandri (Braunschweig-Wolffenbüttel), Otto Otto von Mauderode (Braunschweig-Lüneburg-Celle), Hans Ernst von Rautenstein (Braunschweig-Lüneburg- Calenberg), Sebastian Friedrich Zobell (Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt), Georg Wilhelm von Bydenbach (Württemberg)

  • [104]

    Schnur, Rheinbund in der Verfassungsgeschichte, greift hier zurück auf: A. Chéruel: Etude sur la Ligue ou Alliance du Rhin.,Paris 1889, S. 13.

  • [105]

    Schnur, Rheinbund in der Verfassungsgeschichte , S. 66.

  • [106]

    UA IX; S. 437-485. 

  • [107]

    UA XI, S. 470 ff. 

  • [108]

    UA XI, 29.6.1667, S. 473. sowie S. 471-473. 

  • [109]

    UA XI, S. 475. 

  • [110]

    UA XI, S. 481-482, 477-478, 482. 

  • [111]

    So zwischen Frankreich und Pfalz-Neuburg am 21. Juli 1666, mit Köln am 22. Oktober 1666, mit Mainz am 28. Februar 1667 und mit Münster am 5. April 1667 (Hauptvertrag und Separatartikel).

  • [112]

    UA XI, S. 482. 

  • [113]

    Johann Gustav Droysen: Der Staat des großen Kurfürsten, Leipzig 18722, III/3, S. 7-14, hier S. 13.

Empfohlene Zitierweise

Schmidt-Rösler, Andrea: Der späte Beitritt Brandenburgs. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/de/persistent/artikel/5957/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 22.07.2008

Zuletzt geändert: 20.03.2013